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Donnerstag, April 18, 2024
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    StartOrgaWie kann ich bei meinen Festivals und Konzerten effektiv CO2 einsparen?
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    Wie kann ich bei meinen Festivals und Konzerten effektiv CO2 einsparen?

    Licht und Sound brauchen viel Strom / © Shutterstock

    Festivals, Rock- & Popkonzerte, aber auch Messen oder Fachkonferenzen – die vielen verschiedenen Veranstaltungen der Eventbranche haben einen nicht unerheblichen Anteil an der CO2-Produktion und tragen damit mit zur Klimaerwärmung bei. Denn bei jeder Veranstaltung werden klimaschädliche CO2-Emissionen freigesetzt. An- und Abreise, Strombedarf, Catering und Camping: Ein Teil dieser Emissionen sind durchaus vermeidbar. Wie das geht, wollen wir in diesem Beitrag mal durchdenken …

    “Künstler können mit gutem Beispiel vorangehen, doch auch die Besucher von Festivals sind gefragt” , meint die Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt, Sabine Minninger. “Durch die Open-Air-Festivals kommt es regelmäßig zu einem riesigen Müllaufkommen und hohen Emissionen! Sie können den CO2-Fußabdruck einer Kleinstadt haben – und der größte Anteil davon erfolgt durch die An- und Abreise” , stellt sie fest.

    1.) Klimafreundliche An- und Abreise

    Frau Minninger fordert deshalb: “Festivals müssen so organisiert werden, dass eine klimafreundliche An- und Abreise möglich ist.”  Einer der Vorschläge wäre, die Events näher an den Städten und ihren Bahnhöfen stattfinden lassen und dann voll ausgelastete Shuttlebusse einzusetzen. Also schon bei der Suche nach einem geeigneten Festivalgelände achtet ihr auf eine ausreichend vorhandene Infrastruktur.

    Die Besucher könnt ihr generell zum Wechsel auf klimafreundliche Verkehrsträger (Buss & Bahn) animieren: Wenn der Besucher am Eingang sein Bahn- oder Bussticket vorzeigt, bekommt er dafür beispielsweise einen Rabatt auf Food & Getränke …

    Shuttlebusse einsetzen wo es möglich ist / © Revac-film's & Photography / Pexels

    Shuttlebusse einsetzen überall wo es möglich ist / © Revac-film’s & Photography / Pexels

    Kombitickets: Event, Bus & Bahn

    Ihr könnt die Gäste motivieren, auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel umzusteigen, wenn ihr schon im Internet mit Unterstützung der Ticketverkaufsplattformen umfassende Informationen zum ÖPNV vor Ort oder Bahntickets anbietet

    Ihr plant oder besucht ein Festival oder Konzert, ein Business-Event oder eine Messe, einen Kongress oder eine Schulung? Mit dem Veranstaltungsticket der Deutschen Bahn reisen Gäste fast CO2-frei zur Veranstaltung. So startet ihr ein nachhaltiges Event: bahn.de .

    … Diese Tickets können mit den Veranstaltungstickets im Paket zusammen verkauft werden. Solche Kombitickets können auf dem Festival dann auch wieder belohnt werden …

    Wenn Festivals jedoch nur mit dem Auto erreichbar sind, könnt ihr hier ebenfalls ein Belohnungssystem etablieren: Besucher, die mit voll besetzten Autos anreisen, bekommen bei den Konzerten einen Logenplatz näher an der Bühne oder andere Festivalvergünstigungen. Zum Beispiel erhalten Autos oder Kleinbusse ab 5 Personen VIP-Karten.

    Der Geschäftsführer von Atmosfair, einer Klimaschutz-Organisation, Dietrich Brockhagen, betont, dass die meisten Emissionen verbraucht werden, wenn Musikerinnen und Musiker – oder auch die Fans – zu den Konzerten fliegen.

    Das wäre mal ein Statement:
    Als populäre Band mit dem Zug eine kleinere Clubtour durch Europa machen! Die Künstler selbst verlassen ihre Komfortzone, und stellen eine ausbaufähige Alternative
    auch für kleinere Bands dar …

    2.) Wo kommt der Strom her?

    Durch eine vorausschauende Konzertplanung vermeidet ihr unnötige Emissionen. Beispielsweise bei der Stromversorgung: Erfragt bzw. fordert bei der Auswahl eures Versorgers, ob Ökostrom bezogen werden kann. Und gleichzeitig erzeugt ihr einen Teil des benötigten Stroms einfach selbst: Das Bühnenzelt wird so ausgerichtet, dass aufmontierte Photovoltaikmodule einen maximalen Ertrag generieren können.

    Sogenannte Stecker-PV-Anlagen – auch als Balkonsolarkraftwerke bekannt können problemlos an den Zeltwänden und -dachflächen installiert werden (Stichwort: Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik).

    Den Strom nach Möglichkeit selbst zu produzieren ist heutzutage kein Problem mehr –
    Und die Investition in solche „Balkon-PV-Anlagen“ stellt auch keinen
    so gigantischen Kostenaufwand mehr dar!

    Der „kinetische“ Boden

    Coldplay hat eine clevere, innovative Stromquelle für ihre Konzerte entdeckt: “Große Teile des Publikums stehen auf einem kinetischen Boden“, so der Sänger Chris Martin. Dazu erzeugen spezielle Bodenplatten unter den Tanzflächen Strom, sobald Menschen auf ihr tanzen oder hüpfen, ja sogar wenn sie einfach nur gehen. „Je mehr sich die Leute bewegen, desto mehr helfen sie mit Strom zu erzeugen“ , erklärte der 44-Jährige Sänger. „Kennt ihr das, wenn der Frontmann sagt: ‚Wir wollen jetzt, dass ihr auf und ab springt‘? Wenn ich das sage, muss man das auch wirklich tun; wenn nicht, gehen die Lichter aus.“ 

    Mehr Information zu diesen kinetischen Bodenplatten findet ihr hier:

    Pavegen

    Prinzip wie „kinetische Bodenplatten funktionieren … / © Pavegen

    Prinzip wie „kinetische Bodenplatten funktionieren … / © Pavegen

    Auch die Verkaufsstände, zuständig für das leibliche Wohl, erzeugen ihren Strom selbst. Mit diesen „Balkon-PV-Anlagen“ ist das auch kein Problem. Die Betreiber der Verkaufsstände können animiert werden, so viel Energie wie möglich selbst zu erzeugen: Zu einer geringen Standgebühr-Pauschale kommt dann eine sehr hohe Strombezugsgebühr dazu. Bei Regen verringern sich diese Bezugskosten natürlich entsprechend.

    3.) Kompensation – wenn´s nicht anders geht

    Erst wenn es keine weiteren zumutbaren Alternativen gibt, die weniger CO2 verursachen, wird Kompensation aus Klimagesichtspunkten sinnvoll. Die Klimaschutz-Organisation atmosfair.de ist als gemeinnützig anerkannt und bietet die Kompensation des Events an.

    Zur Kompensation der Veranstaltungsemissionen können ihr mit Atmosfair  Klimaschutzprojekte unterstützen. Diese Projekte sparen nicht nur CO2, sondern fördern auch die nachhaltige Entwicklung durch Technologietransfer und Armutsbekämpfung. Dazu wird erstmal die Menge der gesamten CO2-Emissionen berechnet. Es werden sowohl stationäre Gegebenheiten (Anschlusspunkt) des Veranstaltungsortes einbezogen wie auch die zu erwartenden variablen Parameter (Strombedarf) der Veranstaltung …

    Bands wie Die Ärzte oder auch Die Toten Hosen
    erheben eine kleine zusätzliche Gebühr, die auf die Konzerttickets drauf kommt.
    Die Gebühr geht dann an die Klimaschutzorganisation „Atmosfair“
    als Ausgleich für die CO2-Emissionen …

    … aus diesen Angaben ermittelt der atmosfair-CO2-Eventrechner die Klimawirkungen eurer Veranstaltung. Zur Zeit existiert vom Eventrechner eine Beta-Version; er befindet sich noch in der Testphase. Funktioniert aber schon einwandfrei. Bei größeren Veranstaltungen bietet Atmosfair Unterstützung bei der Planung, der Reduktion und der Berechnung von Emissionen an.

    Vermeidung von Emissionen

    Die Vermeidung von CO2-Emissionen fängt schon bei der Verpflegung der Gäste und Künstler an. Es muss immer wieder in das Bewusstsein gerückt werden, dass gerade die Fleischproduktion ziemlich viel CO2 verursacht. Also, ich bin ein ausgesprochener Fleischesser, doch an einem Tag, an dem es außergewöhnliches zu sehen und hören gibt, kann ich durchaus mal auf fleischiges verzichten und außergewöhnliches probieren. Zumal es fantastische vegane Rezepte gibt, wo auch mir das Wasser im Munde zusammenläuft …

    Ein gutes Beispiel, wie Festivals klimafreundlich organisiert und CO2-Emissionen vermieden werden können, ist das Tollwood-Festival, das jährlich im Sommer und im Winter auf der Theresienwiese in München stattfindet. Schon seit 1988 kommt dieses Kultur-Festival ohne öffentliche Subventionen aus, auf dem u.a. die Kleinkunstszene zu Hause ist. Künstler wie Konstantin Wecker oder Georg Ringsgwandl gestalteten seit den Anfängen das Festival mit. Wie alles begann und welche Ziele das Festival verfolgt, könnt ihr hier in der „Tollwood-Umweltbroschüre“ nachlesen.

    4.) Müllvermeidung

    Kommen wir jetzt zu einem nicht so schönen Thema, dass aber uns alle angeht: Die Müllberge, die auf Massen-Events wie „Rock am Ring“ oder „Rock im Park“ regelmäßig entstehen! Also Leute, das muss doch nicht sein, oder?

    Die Überreste des Festivals „Rock im Park“ 2019 in Nürnberg nach dem Ende der großen Party. Es blieb so viel Müll liegen, dass es Tage dauerte, bis dieser vollständig entfernt konnte. / © Shutterstock

    Die traurigen Überreste des Festivals „Rock im Park“ 2019 in Nürnberg nach dem Ende der großen Party. Es blieb so viel Müll liegen, dass es Tage dauerte, bis dieser vollständig entfernt werden konnte. / © Shutterstock

    Als erstes muss ein konsequentes Pfandsystem eingerichtet werden, welches nicht nur Trinkgefäße, sondern auch Essgeschirr einschließt. Der Pfand muss allerdings hoch sein, damit sich das Zurückbringen auch lohnt! Aber es müssen genügend Rückgabestellen vorhanden sein, sodass keine Schlangen entstehen! Denn gerade das Anstehen in einer Schlange hält viele davon ab, ihren Müll sinnvoll zu entsorgen.

    Vor Jahren habe ich auf einem Festival mal beobachtet, wie ein kleines Mädchen, vielleicht 7-8 Jahre alt, die ganzen achtlos liegengelassenen Plastikbecher aufsammelte. Auf jedem Becher waren 50 Pfennig Pfand drauf. Als sie zu mir kam und fragte, ob sie auch meinen Becher haben könne, der neben mir auf der Wiese lag, fragte ich sie, ob sich das denn lohne. „Ich habe schon über 50 Mark!“, trumpfte sie stolz auf …

    Zugegeben, es hat sich schon einiges im Bewußtsein der Leute geändert, doch oft erschwert einem die Bequemlichkeit das Leben. So zum Beispiel, wenn die Mülltonne „unerreichbar“ weit entfernt irgendwo „rumlümmelt“. So bleibt vieles liegen, das bei einer Mülltonne in der Nähe weggeschmissen worden wäre. Also, liebe Veranstalter: stellt bitte sehr viele Mülltonnen auf den Festivals auf! Auch könnte weniger Sperrgut die Wiesen verschmutzen, wenn bei großen Events mehrere Abgabestellen für kaputte Zelte und ähnliches eingerichtet werden.

    Hinweisschilder oder Informationsbroschüren die am Einlass mitgegeben werden, und andere Müllvermeidungskampagnen können dazu beitragen, die Erkenntnis für umweltbewußtes Handeln weiter zu verstärken.

    Zum Schluß noch ein paar Worte von Jacob Bilabel , dem Gründer der “Green Music Initiative ” – diese Worte sind allerdings auch schon 12 Jahre alt: “Der Klimawandel ist in den Köpfen der Menschen angekommen und mit ihm das wachsende Bewusstsein, dass jeder seinen Teil dazu beitragen muss, um ihm zu begegnen. Die Ziele sind klar: Deutschland hat sich vorgenommen, bis 2020 den Ausstoß an Klimagasen um 30% zu reduzieren.”  (Das hat ja nicht so ganz geklappt … / Anm. d. Redaktion)

    Weiter führt Jakob aus: “Erreicht werden diese Ziele jedoch nur, wenn ALLE ihren Teil dazu beitragen. Dabei haben beispielhafte Aktionen relevanter Akteure Vorbildcharakter für die nötige Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Hier hat die Musikbranche durch ihren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung eine große Mitverantwortung bei der Erreichung der vereinbarten CO2 – Reduktions­ziele.”

    Hier findet ihr noch ein paar informative Links zum Thema:

    Konzerte im Klassikbetrieb

    Theater im Klimawandel

    Popmusik und Klima

    Musikgenuss dank Muskelkraft

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    Andreas Cattarius
    Andreas Cattarius hat an der Fachhochschule Kaiserslautern Innenarchitektur studiert. Im Jahr 1995 gründete er mit Freunden den Live-Club „Fillmore Kaiserslautern“ und in den darauffolgenden Jahren machte sich dieser Liveclub überregional einen Namen mit erfolgreichen Konzerten für die Alternativszene. Als DeeJay und Talentscout entwickelte er eine Nase für Musik-Trends der alternativen Szene und förderte die lokale Musik- und DeeJay-Szene. In dieser Zeit erwarb er erste Kenntnisse im Schreiben von Bandbeschreibungen der Künstler, die in seinem Club auftraten. Er lernte was erfolgreiches Eventmarketing bedeutet und machte sich einen Namen als überregionaler Veranstalter für innovative Bands. Als Redakteur für das Kaiserslauterer Stadtmagazin „Pavillon“, hier zuständig für die Rubrik „Szene“, entwickelte er seine journalistischen Fähigkeiten. 2002 ließ er sich zum „Internetapplikationsentwickler“ ausbilden und erlernte das „Handwerk“ des Webdesigns. Er entwickelte bereits 2003 im Team einen Online-Lieferservice für Pizzas in Worms. Seit 2018 gehört er fest zum „Kunstgriff-Event“ Team.
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