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Freitag, Oktober 23, 2020
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    Das Behringer X32 (Rack) im Live Betrieb optimal bedienen – Ein Erfahrungsbericht

    Die PC Edition auf einem Laptop „Convertible“ / © Chris Hinz

    Ohne Zweifel ist Uli Behringer mit der Konzeption Entwicklung, Produktion und Vermarktung des X32 Digitalmixers ein großer Wurf gelungen. Durch die regelmäßigen Firmware Updates bleibt das Gerät aktuell und ist vermutlich die weltweit am häufigsten genutzte Konsole.

    Kompakt und transportfreundlich: Das Behringer X32 Rack

    Es muss doch nicht immer ein großes Mischpult sein. In der wesentlich kompakteren Rack Version kann man (mal abgesehen von der Halbierung der Anzahl physischer Ein- und Ausgänge) den vollen Funktionsumfang der X32 Architektur nutzen. Kostete die Rack-Version anfangs noch rund 1.500,00 €, ist sie inzwischen schon für noch rund die Hälfte zu haben.

    Bereits seit vielen Jahren verwende ich das Gerät auf Tour. Hauptsächlich, um damit den IEM Mix auf der Bühne zu fahren. Um den FOH Mix kümmert sich in der Regel unser Tontechniker, der sein eigenes Pult mitbringt und über eine Mehrkanal Splitbox auf dieselben Tonquellen zugreift.

    Aus 1 mach 2: Der virtuelle Split

    In kleineren Clubs setzen wir das X32-Rack auch schon mal für den FOH Mix ein, wobei wir es in zwei separate Konsolen splitten: Kanal 1 bis 16 werden dann ausschließlich für den Saal Mix (mit eigenen Effekten, EQ, Compressor Einstellungen etc.) verwendet.

    Das X32 Rack / © Thomann

    Die Kanäle 17 bis 32 sind zur Belieferung der Monitorsysteme der Musiker. Das ist deshalb möglich, weil die physischen Eingänge des X32 zu mehr als nur einem Channel geroutet werden können. So geht bei unserer Konfiguration das Signal von XLR Input 1 auf Channel 1 und(!) 17, XLR Input 2 auf Channel 2 und 18 und so weiter. Echt praktisch.

    Wann immer wir auf diesen virtuellen Split zurückgreifen, weil unser Tontechniker uns nicht mit seinem eigenem Pult begleitet, stellt sich die Frage, was man denn am besten zum Aussteuern der FOH Kanäle verwendet.

    Zwar ist eine Bedienung mittels des am Gerät angebrachten Displays und der für die Serie typischen Dreh-/Druckknöpfe möglich. Einfacher, schneller und komfortabler geht es jedoch über die vom Hersteller zum Download bereitgestellten Apps und Programme.

    FOH Mix mit Tablet oder Laptop?

    Während man bei der für den Einsatz auf Tablets konzipierten App „X32-Mix“ zwischen 8er-Gruppen von Kanälen hin und her springen muss und sich während der Bearbeitung einzelner Kanäle regelrecht im Blindflug befindet, bietet das Windows-basierte Programm „X32-Edit“ die Möglichkeit, eine anwenderspezifische Kombination von Fadern zusammenzustellen.

    Bei der Detail-Bearbeitung einzelner Kanäle verschwinden die Fader nicht aus dem Blickfeld, sondern bleiben im Zugriff. Nachteilig ist hier allerdings die Bedienung mit Maus oder Trackball, was den schnellen Zugriff auf kritische Parameter während des Konzerts erschwert.

    Die Lösung: Die Kombination aus Tablet und Laptop

    „The best of both worlds“ ergibt sich durch den Einsatz von Convertibles: Dabei handelt es sich um Laptops, deren Bildschirm sich drehen und dann wie ein vergrößertes Tablet nutzen lässt.

    Tablet oder Convertible Laptop? Größenvergleich / © Chris Hinz

    Mit dem Eingabestift können auch kleinste Icons blitzschnell und präzise angesteuert werden. Leuchtende Symbole zeigen die (Rück-)Drehrichtung an und sorgen so dafür, dass die Mechanik nicht Schaden nimmt.

    Ähnlich wie Laptops verfügen Convertibles in der Regel auch über einen Slot zur Aufnahme von SDRAM Cards. Damit lassen sich die mit dem X-LIVE Modul gemachten und auf den beiden SDRAM Cards gespeicherten Aufnahmen rasch einlesen.

    SD RAM Card und Slot des Convertibles / © Chris Hinz

    Nach dem Konzert: Die X-LIVE Aufnahmen abmischen

    Die Aufbereitung der Dateien übernimmt bei mir das DAW Programm „REAPER“. So kann ich auch abseits des X32 Racks auf dem Hotelzimmer, im Büro oder beim Warten auf den nächsten Flug die Aufnahmen bearbeiten und der Band den Mix kurzfristig zum Download bereitstellen.

    Zur Erinnerung

    • REAPER (Rapid Environment for Audio Prototyping and Efficient Recording) ist eine von dem Unternehmen Cockos entwickelte Software für Digital Audio Workstations (DAW) zur Musikproduktion.

    Lest dazu auch meinen Artikel hier auf StageAID: In der Quarantäne sofort mit anderen Musikern Jams abhalten – Weltweit – so geht´s mit REAPER und NINJAM
    Eine temporäre REAPER-Lizenz könnt ihr euch hier herunterladen.

    Screenshot der DAW Software „Reaper“ / © Chris Hinz

    In Anbetracht des sehr umfangreichen Menüs von REAPER habe ich Euch nachstehend die zum Einlesen und Extrahieren der X-LIVE Dateien benötigte Befehlssequenz zusammengestellt:

    • SD RAM Card Inhalte auf PC / Notebook / Laptop / Convertible kopieren
    • .
    • Programm REAPER starten
    • .
    • Insert > Media File > (alle WAV Dateien des betreffenden X-Live Directories markieren) > Single Track anklicken
    • .
    • Item > Select All
    • .
    • Item > Item Processing > Explode Multichannel Audio

    Danach solltet Ihr auf dem Bildschirm Eure in einzelne Spuren zerlegte X-LIVE Aufnahme sehen. Aufgrund des Programmdesigns wird REAPER Euren Spuren eine sogenannte Parent-Spur hinzufügen, die auf Kanal 1 liegt. Bei einer 16-Spur Aufnahme habt ihr also insgesamt 17 Tracks, bei 32 sind es 33 Tracks.

    Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und mit dem X32 Rack arbeiten möchte, kann es sich bei Thomann bestellen: Zum Behringer X32 Rack

    Wer von Euch hat mit dem X32 in Verbindung mit einer DAW-Software schon Erfahrungen gesammelt? Berichtet über Eure Erfahrungen und vielleicht hat jemand noch ein paar Tipps für unsere Leser? Schreibt´s wie immer unten in die Kommentare …

    Chris Hinz
    Chris Hinz verfügt über eine 6-jährige klassische Ausbildung am Piano und eine 3-jährige Ausbildung an der Sakralorgel. Er ist seit mehreren Jahrzehnten in der Musikszene Rhein Main aktiv und aktuell mit zwei Coverbands und einem Smooth Jazz Duo unterwegs. Chris Hinz ist freiberuflicher Unternehmensberater und war lange Zeit für ein namhaftes IT Unternehmen tätig.

    1 KOMMENTAR

    1. Wieder ein cooler Workaround von Dir, Chris. Bei der Bedienung des X-32 gibt es bei mir verschiedene Arbeitsweisen bei der Bedienung. Ein Convertible habe ich auch seit 2 Jahren, nachdem sich die Kombination Tablet + andockbare Tastatur für mich als unpraktisch erwiesen hat.
      Wenn es etwas komplexer wird, habe ich dann das Convertible + ein Tablett auf unterschiedlichen Ebenen geöffnet. Auf dem Convertible oft alle Kanäle mit der Windows APP, damit ich schnell an alle Kanäle komme. Ausserdem lässt sich hier sehr übersichtlich vor der Veranstaltung ein Preset erstellen und speichern.
      Je nachdem, was ich an Tablet dabei habe (IPad oder / und Android), bediene ich den Rest sehr gerne auf der App “Mixing Station” von David Schumann, die sehr übersichtlich und komfortabel ist.Die App ist in den App-Stores für beide Systeme erhältlich. Es gibt eine gratis Version und eine sehr günstige Bezahlversion.

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