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Montag, Oktober 19, 2020
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    Vokalmic Mackie EM 89D – Profiqualität zum Einstiegspreis?

    Das Mackie EM 89D / © Mackie

    Gesangsmikrofone sind schon etwas Besonderes. Sie müssen robust sein, die Stimme des Künstlers in leisen und lauten Passagen übertragen, und das bei wechselnden Abständen. Sie werden angespuckt, fallen auf den Boden…., müssen manchmal die Gitarre oder die Bassdrum abnehmen.

    Verschiedene Ausführungen und verschiedene Preisklassen

    Gesangsmikrofone gibt es in den verschiedensten Preisklassen bis hin zu 4-stelligen Beträgen. Der bekannteste Vertreter ist das Shure SM-58.

    Dabei kann die elektrische Ausführung auf unterschiedlichen Wandlerprinzipien beruhen, die am weitesten verbreiteten sind Condensermikros und dynamische Mikrofone. Am universellsten sind dynamische Mikrofone, da sie einfach so angeschlossen werden können und keine zusätzliche Spannungsversorgung benötigen.

    Genau um ein solches Mikrofon geht es heute, nämlich das neue Mackie EM 89D.

    Schauen wir uns also nochmal alle wichtigen Kriterien für handgehaltene Gesangsmikrofone an, deren Haupeinsatzbereich, neben Studio oder sonstigen Anwendungen, der harte Bühnenalltag ist.

    Hier sind vor allem folgende Eigenschaften wichtig:

    • Mechanisch robust
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    • Gute ergonomische Form für Haptik und gutes Handling
    • .
    • Kein zu hohes Gewicht für lange handgehaltene Performance
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    • Hoher Schalldruck ( ~ 140dB)
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    • Kontrollierbarer Nahbesprechungseffekt
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    • Unempfindlich gegen Popgeräusche und Anblasen
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    • Spuckfest
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    • Feedbackunempfindlich
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    • Geringe Körperschallübertragung
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    • Konstante Richtcharakteristik (Bleed in)

    Der Test: Das neue Mackie EM 89D

    Und genau in dieser Kategorie spielt unser Neuling, das Mackie EM 89D. Als Mackie auf der NAMM 2020 ankündigte, neben dem vorhandenen, recht umfangreichen Portfolio, auch Mikrofone auf den Markt zu bringen, waren Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung in der Branche recht hoch.

    Die erste Konfektion besteht aus 3 Mikrofonen, alle mit einem EM im Namen, der für Elements steht: Das Kondensatormikrofon Mackie EM 91C, dem USB Mikrofon Mackie EM USB und unserem Testkandidaten, dem dynamischen Vocalmikrofon Mackie EM 89D

    Lieferumfang

    Bestandteil der Lieferung ist eine Transporttasche, ein Mikrofonhalter und ein ca. 5m langes Mikrofonkabel. Somit kann man eigentlich direkt loslegen, ganz schön viel für grade mal 69 €.

    Das Mikrofon mit Zubehör / © Mackie

    Ansprechendes ergonomisches Design

    Das Mikrofon selbst ist eine ziemlich elegante Erscheinung, ein sehr gut verarbeiteter mattschwarzer Korpus, schwarze Einsprache und ein prägnanter Zierring unter dem Kapselaufsatz im typischen Mackie-Grün sowie Mackies „Running Man“.

    Das Mikrofondesign erinnert mich äußerlich sehr an das DPA-2028, das ich vor Kurzem einem Marathontest mit viel Lob unterzogen habe.

    Das fängt beim Gewicht mit 300 g an und erstreckt sich über die gesamte Formgebung. Und deswegen kann ich auch schon sagen, dass das Handling recht gut ist und auch ungeübten Sängern die richtige Handhabung fast „automatisch“ in die Finger gelegt wird.

    Die Stabilität des Mikros empfinde ich als hervorragend, das hat wohl auch etwas mit der Firmenphilosophie „Build like a Tank“ zu tun.

    Das Mackie EM 89D geöffnet / © Engelmann Promotion

    Kommen wir zu den akustischen Eigenschaften. Frequenzgang und Richtcharakteristik.

    Die technischen Features

    Der Frequenzgang ist, wie bei den meisten Vocal Mikrofonen, nicht linear, das sieht man auch im Diagramm, das Mackie exemplarisch beigefügt hat und dem ich mehr plakativen als technischen Wert beimesse.

    Frequenzgang des Mackie EM 89D / © Mackie

    Auf jeden Fall scheint man viel Wert auf den Präsenz- und Brillianzbereich von 2-8 kHz zu legen, da diese den Frequenzgang etwas dominieren. Der Bassbereich unter 100 Hz fällt sinnvollerweise ab und die Höhen sind bis ca. 16 kHz nutzbar.

    Als Richtcharakteristik ist eine „Niere“ (vergl. Artikel „Mikrofongrundlagen: Richtcharakteristik “ hier auf StageAID) vorgesehen. Hier kann das Mikrofon bis zu ca. 45 ° seitlich noch gut Schall aufnehmen. Schallquellen, die sich weiter seitlich oder im hinteren Bereich befinden, werden nur noch leise aufgenommen.

    Das ist sinnvoll, so wird auch eine mögliche Feedbackneigung durch das von hinten einfallende Monitorsignal minimiert, außerdem wird das Einsprechen anderer Bühneninstrumente reduziert. Herstellerseitig ist die Empfindlichkeit mit – 52 dB angegeben.

    Testkriterien

    Wir werden das Mikrofon in Bezug auf Sound bei wechselnden Abständen und Winkeln testen, außerdem die Griffgeräusche untersuchen und das Feedbackverhalten testen, beides im Vergleich zum Klassiker SM- 58, das ich nach wie vor sehr gerne auf Bühnen einsetze.

    Empfindlichkeit

    Sie sagt uns etwas über den Wirkungsgrad des Mikrofons, also wie weit wir den Gain am Mischpult hochdrehen müssen, um einen vernünftigen Arbeitspegel zu erreichen. Hier gilt: je weniger Wirkungsgrad, desto mehr Gain und damit verbunden mehr Rauschen.

    Hier schneidet das Mackie EM 89D in etwa genauso ab wie das Shure, also normaler Durchschnitt für eine dynamische Kapsel.

    Das Mikro vor einem Bühnenmonitor / © Engelmann Promotion

    Der Sound

    Bei mittlerem Besprechungsabstand klingt das Mackie EM 89D deutlich präsenter als das Vergleichsmikrofon. Der Test auf kurze Distanz ergibt eine kräftige Bassanhebung. Allerdings werden in Verbindung mit dem hohen Klarheitsmass des Mikros die Informationsanteile nicht zu sehr verdeckt.

    Trotzdem würde ich, je nach Style und Stimmcharakter des Sängers empfehlen, ein Hochpassfilter zwischen 80 und bis zu 150 Hz zu aktivieren. Das entlastet die PA und minimiert sowohl Rumpelgeräusche als auch Feedbackneigung. Es trägt dadurch insgesamt zu einem besseren Vocalsound bei.

    Bei seitlicher Ansprache wird das Mikro allmählich leiser, behält allerdings seinen Klangcharakter bei. Bei ca. 45° ist dann langsam Schluss und das Signal wird deutlich leiser. Das ist gut so, denn so haben wir gleich zwei angenehme Effekte, die sich auf der Bühne erfreulich bemerkbar machen.

    Feedbackneigung

    Einmal ist mit einer eher schwachen Feedbacktendenz zu rechnen. Das werde ich natürlich überprüfen. Zum anderen ist die Aufnahme von seitlichem Störschall, den wir sowieso meist nicht brauchen, minimiert. Und das, was reinkommt, klingt immer noch authentisch.

    Den realen Feedbacktest übersteht das Mikrofon denn auch ohne Beanstandungen. Bevor sich, bei gut eingemessenem Lautsprechersystem, die ersten Resonanzen bemerkbar machen, bekommt man schon einen hohen Nutzschallpegel bei guter Verständlichkeit hin.

    Griffgeräusche und Trittschall

    Der Test mit Griffgeräuschen und Trittschall bringt im wesentlichen zwei Ergebnisse:

    1. 1. Im wichtigen tonalen Bereich ab 80 Hz gibt es kaum eine Übertragung der Griffgeräusche ins Signal. Sehr gut.
    1. 2. Der sehr tiefe, musikalisch bei Gesangsmikrofonen nicht mehr relevantem Bereich um 50 Hz macht sich etwas bemerkbar. Das könnte bei linearem Betrieb auf Bretterbühnen zu tieffrequenten Störungen führen. Da dieser Bereich durch den aktivierten Hochpass sowieso eliminiert wird, haben wir im praktischen Betrieb keine Probleme.

    Das insgesamt gute Körperschallverhalten schreibe ich der massiven Konstruktion des Mikrofonschaftes zu, da ich keine zusätzliche progressive Entkopplung der Kapsel entdecken konnte.

    Fazit

    Als handgehaltenes Mikrofon für Gesangssolisten ist das Mackie EM 89D  eine echte Empfehlung wert. Es spielt problemlos in der Liga der etablierten dynamischen Vocalmikros mit. Dabei hat es einen klaren, brillanten Charakter, mit dem sich der Gesang auch im komplexen Klanggeschehen gut nach vorne platzieren lässt.

    Durch unkritisches Feedbackverhalten und gutes Handling eignet sich das Mikro für Anfänger wie auch für Profis. Besonders angenehm ist der wirklich günstige Preis von grade mal 69 € für das komplette Set incl. Klammer und Kabel. Vergleichbare Mitbewerber rufen da oft deutlich mehr auf.

    Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
    Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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