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Freitag, April 3, 2020
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    Start Technik 1. Tontechnik Ein Konzert - 2/2 - Soundcheck in 30 Minuten

    Ein Konzert – 2/2 – Soundcheck in 30 Minuten

    Soundcheck im Irish House Kaiserslautern

    Lest hier 1/2 – Der Aufbau
    Nachdem wir über das Prozedere eines zügigen und routinierten Bühnenaufbaus gesprochen haben (siehe erster Teil), wird’s jetzt etwas komplexer. Um guten Sound zu produzieren, sollte der Tontechniker sein Handwerk beherrschen und über praktische Erfahrung verfügen. Mein Beitrag kann nur beispielhaft Grundlegendes klären und ist lediglich eine Methode, um schnell ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten …

    18:30 Uhr: Der eigentliche Soundcheck beginnt

    Als erstes wird das Leadgesangsmikro gecheckt. Um korrekt einzupegeln, (Fader bleibt erst mal zu, Solo-, bzw. Verhörtaste wird gedrückt), werden die lautesten Passagen des Programms auf kurze Distanz ins Mikro gesungen. Diese Maßnahme dient dazu, den Kanal am Gainregler übersteuerungsfest einzustellen. Danach wird der Kanalfader aufgezogen und der Stimmsound eingestellt.

    Dazu gibt es einige Merkregeln:

    1. Der tiefe Stimmbereich darf nicht mulmig oder dröhnig werden (unabhängig vom Abstand Mikro – Mund). Also im Zweifelsfall am Kanalequalizer die Bässe immer etwas rausdrehen.
    1. Die Mitten sollten möglichst neutral klingen; ist beispielsweise die Stimme etwas zu grell, die oberen Mitten (ca. 2 -4 kHz) am Kanalequalizer etwas kappen.
    1. Die Höhen entscheiden, ob die Stimme frisch und brillant (Bereich ab ca. 8 kHz) oder unverständlich und muffelig klingt. Ein ‘ssss’ sollte von einem ‘ffff’ zu unterscheiden sein, wenn nicht, dosiert etwas mehr Höhen dazugeben. Klingt das ‘ssss’ allerdings nach ‘zzzz’, lieber ein paar Höhen abziehen.

    Grundeinstellungen

    Der Sänger trällert jetzt einmal alle Lagen durch, gegebenenfalls werden noch kleine Korrekturen durchgeführt.

    Als nächstes wird der Mikrofonkanal soweit aufgezogen, bis das Mikro anfängt, die ersten Feedbackerscheinungen zu zeigen. Falls diese noch im ‘Arbeitsbereich’ liegen (‘Faderstellung’ wird während des Konzertes gebraucht), auf jeden Fall eliminieren:

    • Am Masterequalizer
    • .
    • Am Kanalequalizer
    • .
    • Neues Ausrichten der PA Boxen
    • .
    • Mikrofonwechsel gegen ein feedbackärmeres (falls vorhanden)

    Ist dieser Schritt abgeschlossen, wird die Monitoranlage nach dem gleichen Schema eingestellt. Für die gesamte Prozedur sollten ca. 5 – 10 min eingeplant werden.

    Instrumente-Einstellungen

    Danach wird das Schlagzeug gecheckt, beginnend mit der Bassdrum; mit den unteren Frequenzreglern wird der ‘Bauch’ eingestellt, die oberen sind für den ‘Kick’ zuständig. Bei der Snare wird ebenfalls nach ‘Bauch’ und ‘Teppich’ getrennt. Auch die Toms werden getrennt in Ton (kein Wummern oder ewiges Nachdröhnen!) und Anschlag justiert.

    Nun wird das ganze Schlagzeug gespielt, und auf etwaiges Übersprechen von der Snare auf Tom-Mikros geachtet. Ist hier alles klar, können die Overheads und das HiHat-Mikro dazugezogen werden. Der Sound sollte jetzt insgesamt offener sein, die Becken sollten deutlich, aber nicht zu laut da sein (Tipp: bei allen ‘Blechmikros’ die Bässe deutlich absenken, Hochpassfilter setzen).

    Als nächstes wird der Bass gecheckt. Auch hier gilt: Darauf achten, daß der Bass nicht zu schwammig, sondern eher konturiert klingt. Wenn jetzt Drums und Bass zusammen ein paar Takte spielen, läßt sich gut beurteilen, ob das ‘Groovefundament’ stimmt.

    Wichtig: Bassdrum und Bassgitarre dürfen sich im Sound nicht gegenseitig zudecken. Im Zweifelsfall: Bei einem der beiden Instrumente die Bässe am EQ reduzieren.

    Nun werden die restlichen Instrumente und Vokalmikrofone eingestellt. Die Band spielt ein Stück an und gibt dem Techniker Anweisungen, wer welches Instrument auf dem Monitor braucht. Weiterhin wird darauf geachtet, welche Instrumente zu laut, bzw. zu leise auf der Bühne sind.

    Faustregel: Wenn die PA – Türme aus sind, sollten die Lautstärke-Relationen auf der Bühne ausgewogen sein. Wird die PA jetzt stufenlos dazugefahren, sollte diese Relationen in etwa erhalten bleiben, der Gesang sollte zusätzlich dazu kommen, der Gesamtsound sollte ‘griffiger’ werden.

    Zeitlicher Ablauf

    Alles bis jetzt Beschriebene ist in etwa 30 Min. zu bewältigen und unsere Band hat jetzt bis zum Auftritt Relaxtime, kann proben, ans Catering oder an die Theke gehen.

    Dieser Artikel beschreibt eine von mehreren möglichen Vorgehensweisen.Aufgrund seiner Kompaktheit berücksichtigt er nicht alle Aspekte und Unwägbarkeiten. Also bitte nicht wundern, warum weder dynamische Bearbeitungen oder Effekte wie Hall oder Delay angesprochen sind. Hier geht es darum, schnell einen guten Grundsound als Basis für die weitere Bearbeitung zu schaffen.
    Eine kleine, allerdings wichtige Anmerkung: Gute Tontechniker können auch ohne die Nutzung von Analysern oder Messprogrammen Frequenzen erkennen, beurteilen und kompetent bearbeiten (wobei Profis natürlich mit solchen Werkzeugen Ihre Ergebnisse maßgeblich optimieren).

    Wir wünschen jetzt viel Erfolg bei Euren nächsten Konzerten. Wie geht Ihr beim Soundcheck vor? Schreibt uns dazu gerne was in die Kommentare.

    Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
    Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.

    2 KOMMENTARE

    1. Herzlichen Dank für diesen hilfreichen Artikel. Was mich dabei interessiert: In heutigen Zeiten müsste es doch möglich sein, einen guten Klang zu reproduzieren. Nehmen wir an, die Band verwendet stets dasselbe Equipment (Instrumente, Mikrofone), spielt Bass, Gitarre und Keyboards direkt ein und speichert alle Einstellungen im Mixer. Nehmen wir an, der FOH Techniker rauscht die örtliche PA vor jedem Konzert aus (Messmikrofon > Analyzer > Equalizer) und schafft damit identische Ausgangsbedingungen. Wieso klingt die Band trotzdem in dem einen Club “super” und im anderen nur “naja”? Liegt es nur an der Bestückung und Dimensionierung der lokalen PA?

      • Gute Fragen, Chris,
        dazu gibt es eine Antwort von mir, die heisst: Die Raumantwort.
        Um es einfach zu sagen, der Raum selber reagiert auf auf Grund seiner Eigenschaften mit einigen Effekten auf den Schall. der eingespeist wird:
        1) eine Zeit, die der Schall braucht, um abzuklingen. Das ist die sogenannte Nachhallzeit, die abhängig ist von der Raumgröße, der Geometrie und den reflektierenden / absorbierenden / diffus reflektierenden Oberflächen-Eigenschaften. Je nach Musikstil gibt es eine frequenzabhängige ideale Nachhallzeit für jede Raumgröße, die für ein angenehmes Hören sorgt. Zu lange oder sehr ungleichmäßige Nachhallzeiten sorgen für ein eher undefiniertes oder schlechtes Klangerlebnis.
        2) Echos und Rückwürfe…..Zu viele glatte und symmetrische Flächen sind meist Problemzonen. Abhilfe kann durch eine angepasste Aufstellung der PA geschaffen werden.
        3) Sogenannte Raummoden, das sind stehende Töne im Bassbereich. Diese können das Sounderlebnis durch Maskierungseffekte stören.
        Soviel für jetzt, Chris….ich habe noch eine kleine Hörsession und bin weg 🙂

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