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Samstag, Oktober 24, 2020
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    Die Mikrofonierung und Übertragung von Chören 2/2

    Grosses Live-Event eines Chores mit Orchester / © Vienna Reyes für Unsplash

    Der Erfolg von Chorkonzerten

    Chöre stellen Tontechniker immer wieder vor ungeahnte Probleme, bei denen sich eine optimale Abmischung des Chorgesangs oft schwierig gestaltet. Die Gründe liegen zum einen im Klangkörper und zum anderen in den unterschiedlichen Anforderungen, die jede Beschallungssituation an die Mikrofonierung der Schallquelle stellt. Im zweiten Teil untersuchen wir die 7 wichtigen Komponenten auf die es ankommt.

    Grundsätzlich gelten die im ersten Teil des Artikels (Mikrofonierung und Übertragung von Chören 1/2) angeführten Kriterien, wenn der Chor über eine Beschallungsanlage (PA) übertragen wird.

    Allerdings tauchen hier ein paar Punkte auf, die du unbedingt beachten musst. Sie machen gegebenenfalls eine Modifikation der “klanglich günstigsten” Mikrofonanordnung zugunsten einer sicheren Übertragung nötig.

    Denn der Chor soll im Optimum überall natürlich klingen und das mit einer authentischen Lautstärke an jedem Hörplatz.

    Dabei beachtest du folgende 7 Punkte:

    1. Die Übertragungsanlage sieht idealerweise in einer vernünftigen Grundausstattung so aus: hochwertige Condensermikros mit Richtcharakteristik Niere oder Superniere plus
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      • ein rauschfreies Mischpult (in aller Regel eine Digitalkonsole) mit parametrischer Klangregelung zur gezielten Klangeinstellung sowie ein natürlich klingendes (eingebautes) Hallgerät, das in seiner Charakteristik an den Raum / das programm angepasst werden kann.
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      • ein Equalizer mit Dritteloktavregelung oder Vollparametrik zur Adaption der Anlage auf den Raum und zur Rückkopplungsunterdrückung.
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      • ein hochwertiges rauschfreies Lautsprechersystem mit möglichst wenig Eigenklang und gleichmäßiger Abstrahlcharakteristik.
    1. Die Lautsprecher baust du rechts und links vor dem Chor so auf, dass sie mindestens 1m über den Köpfen der Zuhörer arbeiten. Du solltest darauf achten, daß der Schall ins Publikum gelenkt wird und nicht an Seitenwände, Rückwände (das gibt Echos; dagegen hilft leichtes vertikales Anwinkeln der Lautsprecher mit speziellen Adaptern) oder gar auf die Bühne (das produziert Rückkopplungspfeifen).
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    3. Falls der Pegel der Hauptlautsprecher über die Distanz für die weiter hinten Sitzenden zu sehr abnimmt, musst du zusätzliche Stützlautsprecher aufbauen. Die werden dann über eine digitale Verzögerungseinheit so angesteuert, dass ihr Signal die Zuhörer in etwa zeitgleich mit dem Signal der Hauptlautsprecher erreicht.
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    5. So wird der Chor nach wie vor auf der Bühne geortet und nicht mitten im Raum. Es gelten hier die Gesetze der ersten Wellenfront. sengpielaudio.com/Haas-Effekt.pdf)
    1. Die Mikrofone sollten auf jeden Fall im Zusammenhang mit einer Lautsprecherübertragung und größerem Abstand zum Chor keine Kugelcharakteristik haben. Das erhöht das Risiko einer Rückkopplung unnötig durch Schall, der das Mikro aus dem Raum und von den Lautsprechern erreicht. Je halliger der Raum und je lauter der Schalleinfall vom Lautsprecher, desto kritischer.
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    3. Weit außen liegende Bereiche des Chores, die von den Hauptmikros nicht mehr erreicht werden, fängst du mit Stützmikros auf. Einzelne Frequenzen, auf denen die ersten Feedbacks entstehen, solltest du mit dem Equalizer beim Soundcheck vorsichtig absenken.
    1. Das Mischpult stellt die Speisespannung für die Mikrofone zur Verfügung, und ist für die Klangeinstellung, Verstärkung und Verteilung der Signale zuständig. Wichtig ist hier vor allen Dingen der Vorverstärkungsregler in jedem Kanal (Gain  oder Trim ); mit dem du das Signal auf einen brauchbaren Pegel bringst.
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    3. Hier achtest du darauf, dass das Signal nicht übersteuert und verzerrt. Die meisten Pulte zeigen dir das mit einer roten Clip-LED im jeweiligen Kanal an oder per Druck auf die Vorhörtaste (PFL  oder Solo ), die es erlaubt, das Signal auf einem Kopfhörer zu prüfen.
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    5. Falls du hier Verzerrungen feststellt, immer den Vorverstärkungsregler (Gain  bzw. Trim ) zudrehen. Der unten liegende Pegelregler hilft nicht, er macht das verzerrte Signal nur leiser.
    1. Das Hallgerät solltest du in reflexionsarmen Räumen, Zelten oder bei Open Air Konzerten vorsichtig dazu eingesetzen, eine zum Liedcharakter passende Räumlichkeit zu simulieren.
    1. Beim Mix verteilst du die Stimmen nicht vollständig im Panorama, da sonst die außen sitzenden, bühnennahen Zuhörer eine völlig falsche Balance der einzelnen Stimmen hören.
    1. Solisten bekommen ein eigenes Mikrofon das du vorsichtig im richtigen Verhältnis zum Chor dazumischst.

    Für Gospelchöre oder Vocalgroups …

    … gilt das oben Gesagte bei der Mikrofonierung meist nicht. Hier sind die Mikrofonierungs- und Übertragungsmethoden eher ähnlich einer Rockband. Du benutzt meistens Individualmikrofone für jeden einzelnen Sänger, die “close up” besungen werden.

    “All That” live im Irish House Kaiserslautern 2014 / © Archiv Engelmann Fotografie

    Das Thema Chorabnahme ist sehr vielschichtig und wir behandeln hier lediglich einige Basisgrundlagen, in der Hoffnung, dass sie dem einen oder anderen doch ein bißchen helfen werden.

    Wer den ersten Teil dieses kleinen Tutorials noch nicht gelesen hat, der kann dies hier Mikrofonierung und Übertragung von Chören 1/2 nachholen.

    Welche Erfahrungen hast Du bei der Arbeit mit Chören gemacht? Hast Du besondere Tipps oder Fragen? Dann schreib uns darüber was in die Kommentare!

    Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
    Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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