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Bei der Wahl eines Mikrofons für eine Gesangsdarbietung tendieren Tonschaffende dazu, einfach das zu tun, was sie jahrelang auf der Bühne gesehen haben. Bitte doch mal ein Kind, ein Mikrofon zu zeichnen: es wird dann höchstwahrscheinlich die legendäre Eistütenform sein, die von Marken wie Shure etabliert wurde. So sollte offensichtlich ein Mikrofon aussehen …
Warum ist das so? Welche Charakteristik sollten wir wählen? Wie soll es klingen? Wie soll es auf Details der Stimme reagieren? Sollen wir lieber Bühnenmonitore oder In-Ears verwenden? Kabelgebunden oder drahtlos? Im Folgenden gehen wir auf all diese Fragen ein.
Warum ähnelt ein Gesangsmikrofon eigentlich einer Eistüte?
Handmikrofone für Gesang haben ein bestimmtes Erscheinungsbild, sowohl aus historischen Gründen als auch aufgrund der Tatsache, dass sie bestimmte Audioanforderungen erfüllen müssen. Das Offensichtlichste ist dabei ein stabiler Handgriff und eine kontrollierte Unterdrückung von Wind- und Popgeräuschen. Beide Grundvoraussetzungen benötigen Platz in und am Gerät, also müssen die Hersteller sicherstellen, dass die Form des Gesangsmikrofons für die Durchschnittshand ergonomisch gestaltet ist.

Für eine möglichst effiziente Unterdrückung von Wind- und Popgeräuschen ist der größtmögliche Abstand vom Mund zur eingebauten Membran ideal, was eine bestimmte Korbgröße erfordert. Gleichzeitig muss die Gesamtgröße des Bühnen-Gesangsmikrofons größer sein als ein Kleinmembran-Studiomikrofon und kleiner als ein zylindrisches Großmembran-Kondensatormikrofon mit „Vogelkäfig“.
Für die Künstler sollte es auch groß genug wirken, um sich dahinter „verstecken“ zu können (als würden sie ein Instrument spielen), aber auch klein genug, um die Bühne im Blick zu haben und sich frei bewegen zu können und natürlich die Sicht des Publikums nicht zu behindern. Diese Überlegungen damals führten ergonomisch gesehen zu dieser „Eistüte“ für die Bühne …
Mikrofonverhalten
Aus Sicht eines professionellen Sängers sollten die Klangfarbe und das allgemeine Ansprechverhalten des Mikrofons so nah wie möglich am Klang des Künstlers liegen. Die menschliche Stimme ist ein makelloses Instrument, das durch den Fingerabdruck des Mikrofons nicht verändert werden sollte. Wissen und Erfahrung lehren uns, dass dies am besten mit einer Kondensatorkapsel erreicht wird, die eine schnellere und präzisere Dynamik sowie ein lineareres Ansprechverhalten und eine höhere Auflösung bietet.
Obwohl dieses Prinzip auf Bühnendarbietungen angewendet werden kann, besteht die Herausforderung darin, zu vermeiden, dass Geräusche und Einstreuungen von anderen Schallquellen vom Gesangsmikrofon aufgenommen werden. Doch da ist es oft nur schwer machbar, sowohl den Gesangs- als auch den Bandsound zu regeln, ganz zu schweigen von der Umgebung.
Im Livegeschäft ist es so gut wie unmöglich das Gesangsmikrofon von allen Nebengeräuschen wie Publikum, Monitore, andere Instrumente und – andere Sänger – abzuschirmen …
Ein Kondensatormikrofon jedoch hat im Bereich der Dynamik eine weitere einzigartige Eigenschaft: Ein Kondensatormikrofon reproduziert linear zur Entfernung den natürlichen Pegel einer Schallquelle, wohingegen ein dynamisches Mikrofon in der Regel nur auf nahegelegene Audioquellen reagiert.
Überlegungen zum Kunstschaffenden
Die psychologischen Aspekte von Auftritten, insbesondere live, sollten auf keinen Fall unterschätzt werden. Aus Sicht der Künstler ist das Gesangsmikrofon ihr Instrument und als solches ein kostbares und wertvolles Werkzeug – sicherlich nicht ohne emotionale Bedeutung. Die wahrgenommene Wertigkeit, wie es sich anfühlt, wie viel es wiegt, welche Farbe es hat – all diese winzigen Details sind von Belang, insbesondere bei der Auswahl des Gesangsmikrofons.
Schließlich ist es für die meisten Künstler wichtig, ein Mikrofon zu finden, das angenehm zu bedienen und einzusetzen ist und ihnen außerdem bei ihrer künstlerischen Herangehensweise hilft. Es gibt zahllose exzellente Gesangsmikrofone am Markt: Für einen Künstler geht es daher darum, die für ihn schönste Perle in einer Kette brillanter Gesangsmikrofone zu finden.
Mikrofontechnologien
Bei Diskussionen rund um Gesangsmikrofone für den Live-Einsatz wird oftmals auf die Qualität der Richtwirkung eines Mikrofons verwiesen. Da nur sehr wenige Anwender Hand-Mikrofone mit Kugelcharakteristik für die Verwendung auf der Bühne auswählen, müssen die Tontechniker jedes Mal neu entscheiden, welche Richtcharakteristik für ein Projekt am geeignetsten ist. Die wichtigsten Optionen, aus denen sie wählen können, sind Niere, Superniere und Hyperniere. Sie können sich auch für Kopfbügelmikrofone entscheiden, die eine nahe Platzierung am Mund und damit keine Richtwirkung erfordern. Beginnen wir mit der Definition der einzelnen Richtcharakteristiken.

Unterschiede in der Richtcharakteristik
- Eine normale Niere – auch bekannt als Niere erster Ordnung – hat etwa 6 dB Signalunterdrückung bei ±90 Grad, mit der höchsten Unterdrückung bei 180 Grad.
- Die Superniere hat eine höhere Unterdrückung zur Seite von etwa 9 dB, wobei sie bei 180 Grad eine rückwärtige Keulenausprägung über fast den kompletten Frequenzbereich aufweist. Diese Ausprägung erinnert an die Charakteristik einer Acht, von der sie sich ableitet. Die höchste Signalunterdrückung weist sie bei etwa ±125 Grad auf. Nicht zu verwechseln mit der Sub-Niere (auch breite Niere genannt), eine Richtcharakteristik zwischen Niere und Kugel.
- Die Hyperniere ist der Acht sogar noch ähnlicher und hat eine noch höhere seitliche Unterdrückung von etwa 12 dB. Sie ist aber auch rückseitig empfindlicher mit einer Unterdrückung von nur etwa 6 dB.
Diese Charakteristiken haben ihre Vor- und Nachteile. Der wichtigste Punkt, den der FOH-Techniker bei der Wahl der Mikrofone berücksichtigen muss, ist das unterschiedliche Unterdrückungsverhalten der einzelnen Kapseln. Dieses Verständnis und die Fähigkeit, es in die tägliche Arbeit einzubeziehen, ist der Schlüssel, um den besten Ton von einem Mikrofon zu erhalten.
Das sollte jeder Live-Ingenieur berücksichtigen: Das Unterdrückungsverhalten der einzelnen Mikrofonkapseln ist entscheidend für die Auswahl der Mikrofone für die Bühne
Live-Engineering
Das Gain-vor-Feedback-Verhältnis ist der am häufigsten zu berücksichtigende Parameter im Live-Betrieb. Wenn das Verhältnis der Lautstärke der Stimme so hoch wäre wie bei allen anderen umgebenden Lautstärken, hätten wir kein Problem. In Wirklichkeit kann die Stimme aber kaum mit Bühnenmonitoren oder den lauten Instrumenten wie Schlagzeug, Bläser oder Gitarre mithalten. Bedeutsam bei der Einstellung eines optimalen Livepegels ist, dass ein Supernierenmikrofon empfindlicher auf rückwärtigen Schall reagiert als ein Nierenmikrofon. Dieser Winkel sollte bei der Verwendung einer Superniere beachtet werden. Doch auf der anderen Seite bietet eine Superniere eine höhere Seitenabweisung.
Um die Sache zu erschweren, ändern Mikrofone sogar ihr Verhalten, wenn sie von einem Künstler verwendet werden: Der menschliche Kopf wirkt auf einige Frequenzen wie ein akustischer Reflektor. Die größten Bedenken in dieser Situation gelten also nicht der Wahl einer Niere oder Superniere, sondern der Lautstärke der Umgebungsgeräusche, die vermieden werden müssen! Der Schall der Monitore beispielweise kann durch InEar-Systeme genommen werden.
Es stellt sich die Frage nach der Verwendung von In-Ear-Systemen statt Bühnenmonitoren.
Allein schon wegen des Gain-vor-Feedback-Verhältnisses sollte im Livegeschäft
ein In-Ear-System bevorzugt werden
Nahbesprechungseffekt – wie nah kann man ran?
Alles hat eine Ursache und eine Wirkung. Für Gesangsmikrofone gilt dieses typische Szenario: Eine Isolierung von anderen Schallquellen ist erwünscht, daher wird ein Mikrofon mit Richtwirkung gewählt. Gerichtete Mikrofone sind Druckgradiententypen mit weicheren Membranen, die etwas nachgiebiger sind und daher unerwünschte Geräusche wie Pop und Wind erzeugen können. Daher benötigen die meisten Bühnenmikrofone eine Art von Schaumstoff-Windschutz und Pop-Filter. Zu beachten ist, dass der Windschutzschaumstoff das Mikrofonverhalten im Hochtonbereich und in der Richtcharakteristik verändern kann. In vielen Fällen ist sogar eine Schock-Absorption notwendig aufgrund der höheren Verbreitung weicheren Membranmaterials.
In diesen Fällen berühren die Sänger, um eine höhere Lautstärke zu erzielen oder um eine intimere Performance zu bieten, mit ihren Lippen den Korb des Mikrofonkopfes. Allerdings verursacht der geringe Abstand vom Mund zum Mikrofon oftmals störende akustische Verzerrungen und einen leicht klirrenden Klang. (Versuche einmal, beim Sprechen den Finger an die Lippen zu führen, dann wirst Du das feststellen!) Unter diesen Umständen gibt besonders darauf Acht, dass das Mikrofon hohe Schalldruckpegel verarbeiten kann. Spitzenpegel von über 150 dB sind nicht ungewöhnlich für einen Sänger, der das Mikrofon direkt vor seinen Lippen hat.
Erfahrene Sänger performen mit einem kleinen Abstand zwischen ihrem Mund und dem Mikrofon, was den Basspegel bei einem Nierenmikrofon (Druckgradient) beeinflusst …
So oder so bleibt die Tatsache, dass bei Richtmikrofonen der Basspegel vom Abstand zwischen Mikrofon und dem Mund des Sängers abhängt. Ein gutes Gesangsmikrofon wird seinen Nahbesprechungseffekt auf den Anwendungszweck ausgerichtet haben und wird auch eine vernünftige Abstandstoleranz für den Betrieb aufweisen. Lies dazu auch unseren Beitrag: „Die korrekte Handplatzierung bei einem Gesangsmikrofon“.

Kabelgebunden oder drahtlos
Die Freiheit, sich ohne Kabel zu bewegen, ist verlockend, aber im Vergleich zu Kabeln immer noch recht teuer und nicht ganz ohne Rauschen und Verzerrungen zu haben. Normalerweise wird das Gesangsmikrofon entweder kabelgebunden oder drahtlos gewählt. Das d:facto™ Gesangsmikrofon kann von der kabelgebundenen Version problemlos auf drahtlosen Betrieb umkonfiguriert werden, indem man einfach die Mikrofonkapsel abschraubt und auf einen Drahtlosadapter montiert und umgekehrt. Das 2028 Gesangsmikrofon kann entweder kabelgebunden oder in einer von zwei verschiedenen drahtlosen Versionen erworben werden.
Vor einiger Zeit hatten wir das DPA 2028-B-B01 getestet. Lest hier noch unseren Bericht dazu: „Das DPA 2028 Vokalmikrofon – Präzise Klangästhetik im Praxistest“. Hier folgen noch zwei Produktempfehlungen:
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