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Hardtechno-Skandal: Strafanzeige gegen DJ Shlømo in Paris eingereicht

Aus dem öffentlichen Hardtechno-Callout wird ein juristischer Fall: Gegen den französischen DJ und Produzenten Shlømo wurde in Paris Strafanzeige erstattet. Die schweren Vorwürfe müssen nun von den zuständigen Stellen geprüft werden. Für die Veranstaltungsbranche bleibt gleichzeitig die Frage, wie wirksame Awareness- und Schutzkonzepte aussehen müssen.

Eine Betroffene geht den juristischen Weg

Der französische Hardtechno-DJ Shlømo sieht sich mit einer Strafanzeige am Tribunal judiciaire de Paris konfrontiert. Eingereicht wurde sie durch die Pariser Anwältin Inès Davau im Auftrag einer Betroffenen.

Nach Angaben des internationalen Netzwerks METOODJS geht es um mutmaßliche Vergewaltigung, psychische Gewalt und Todesdrohungen. Die Anzeigeerstatterin möchte erreichen, dass ihre Aussagen von den zuständigen Behörden geprüft und innerhalb eines geregelten rechtlichen Verfahrens behandelt werden.

An dieser Stelle ist eine klare Unterscheidung wichtig: Eine Strafanzeige ist keine Verurteilung und auch noch keine Anklage. Nach aktuellem Stand ist öffentlich nicht bekannt, ob bereits ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet wurde. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.

Shlømo hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Er erklärte sinngemäß, dass er wisse, was er getan habe und was nicht, und eine schnelle juristische Klärung begrüße.

Der Hardtechno-Callout erschütterte die Szene

Der Fall steht im Zusammenhang mit dem sogenannten Hardtechno-Callout, der im Februar 2026 in den sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit auslöste. Ein ehemaliger Mitarbeiter einer Pariser Management- und Bookingagentur veröffentlichte Screenshots, Nachrichten und Aussagen, in denen mehreren bekannten DJs sexuelles Fehlverhalten und Machtmissbrauch vorgeworfen wurden.

Betroffen waren unter anderem Shlømo, Basswell, Fantasm, CARV und Odymel. Zahlreiche Vorwürfe waren zu diesem Zeitpunkt nur schwer überprüfbar, teilweise anonym und nicht eindeutig zuzuordnen. Die Folgen waren trotzdem erheblich.

Managementagenturen setzten Kooperationen aus, Veranstalter strichen einzelne Künstler aus ihren Line-ups und Festivals veröffentlichten Stellungnahmen. Gleichzeitig wiesen mehrere der beschuldigten Künstler die Anschuldigungen zurück oder kündigten juristische Schritte an.

Mit der nun eingereichten Anzeige beginnt zumindest in einem Fall der Weg aus der aufgeheizten Diskussion in den sozialen Netzwerken hin zu einer möglichen rechtlichen Prüfung.

Zwischen Aufklärung und Vorverurteilung

Für Medien, Veranstalter und die gesamte Szene ist dieser Fall eine schwierige Gratwanderung. Aussagen von Betroffenen müssen ernst genommen werden. Gleichzeitig darf ein öffentlicher Vorwurf nicht automatisch als bewiesene Tatsache behandelt werden.

Social Media kann Missstände sichtbar machen, die zuvor jahrelang verschwiegen wurden. Es ersetzt jedoch keine saubere Untersuchung, keine Beweissicherung und kein rechtsstaatliches Verfahren.

Gerade deshalb ist der Schritt vor die zuständigen Behörden wichtig. Dort können Aussagen aufgenommen, mögliche Beweise geprüft und alle beteiligten Seiten angehört werden. Das schützt im besten Fall sowohl Betroffene als auch zu Unrecht Beschuldigte.

Awareness darf kein Feigenblatt sein

Unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht, hat die Debatte grundlegende Schwächen innerhalb der Veranstaltungs- und Clubszene offengelegt.

Awareness darf nicht nur als freundlicher Hinweis auf einem Festivalplakat stehen. Es braucht feste Ansprechpartner, geschultes Personal und klare Meldewege. Gäste, Künstler und Crewmitglieder müssen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn Grenzen überschritten werden.

Auch der Backstage-Bereich gehört in ein Schutzkonzept. Dort treffen starke Abhängigkeiten, Alkohol, lange Arbeitstage, persönliche Nähe und unterschiedliche Machtpositionen aufeinander. Wer Zugang erhält, wer verantwortlich ist und wie bei einem Vorfall reagiert wird, sollte nicht erst geklärt werden, wenn bereits etwas passiert ist.

Ein wirksames Konzept umfasst außerdem eine nachvollziehbare Dokumentation, vertrauliche Gesprächsmöglichkeiten und Kontakte zu spezialisierten Beratungsstellen. Dabei geht es nicht darum, dass Veranstaltungstechniker oder Produktionsleiter plötzlich Ermittler spielen sollen. Jeder im Team sollte aber wissen, wie ein Vorfall professionell weitergegeben und die betroffene Person geschützt werden kann.

Ein Thema für die gesamte Veranstaltungsbranche

Der Fall betrifft nicht nur die Hardtechno-Szene. Auch Veranstalter, Clubs, Agenturen, technische Dienstleister und StageAID-Partner sollten ihre eigenen Abläufe kritisch prüfen.

Wer trägt während einer Veranstaltung die Verantwortung? Gibt es eine erreichbare Awareness-Person? Ist das Sicherheitspersonal entsprechend eingewiesen? Gelten Schutzregeln auch für bekannte Künstler und wichtige Geschäftspartner?

Gute Technik, ein starkes Line-up und eine perfekte Show reichen heute nicht mehr aus. Eine professionelle Veranstaltung muss auch einen möglichst sicheren Rahmen für Gäste, Künstler und Beschäftigte schaffen.

Jetzt müssen die zuständigen Stellen prüfen

Ob sich die gegen Shlømo erhobenen Vorwürfe bestätigen, ist offen. Das zu beurteilen, ist Aufgabe der französischen Justiz und nicht der sozialen Netzwerke.

Für die Szene sollte der Fall trotzdem ein Anlass sein, beim Thema Awareness nicht auf das nächste öffentliche Drama zu warten. Schutzkonzepte sind keine Reaktion auf einen einzelnen Skandal. Sie gehören dauerhaft zu einer verantwortungsvoll geplanten Veranstaltung.

Quelle: GROOVE, DJ Mag sowie Berichte zur vorausgegangenen Hardtechno-Debatte

Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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