StartServiceJobsFachkräfte fehlen weiter: Warum die Event­branche beim Personal ein be­son­de­res Problem hat
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Fachkräfte fehlen weiter: Warum die Event­branche beim Personal ein be­son­de­res Problem hat

Fachkräftemangel in der Eventbranche ist Realität © KI-generiert, Engelmann Promotion

Während bundesweit kurz Entspannung beim Fachkräftemangel gemeldet wurde, sieht die Realität in der Veranstaltungsbranche anders aus. Vor allem Tech­nik­dienst­leis­ter, Rental-Unternehmen und Aufbaucrews kämpfen weiter um qua­li­fi­zier­tes Personal. Und mit anziehender Konjunktur dürfte der Wettbewerb um gute Leute wieder härter werden. Ein übliches Problem, das viele VT Companies und Veranstalter kennen: Der Auftrag steht, das Material ist vorbereitet …

… Der Lkw kann eigentlich los. Nur bei der Crew wird es plötzlich eng. Ein Techniker ist krank, ein Freelancer hat abgesagt und Ersatz ist kurzfristig kaum zu bekommen. Was früher vielleicht ein besonders chaotischer Produktionstag war, gehört bei vielen Veranstaltungs- und Technikdienstleistern inzwischen zum Alltag. Umso erstaunlicher klangen die Meldungen Anfang 2026: Der Fachkräftemangel in Deutschland sei so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Nur: Entwarnung sieht anders aus.

Der Fachkräftemangel war nur kurz weniger sichtbar

Nach Zahlen des ifo Instituts  meldeten im Januar 2026 noch 22,7 Prozent der befragten Unternehmen Probleme bei der Suche nach Fachkräften. Im April sank der Wert sogar auf 21,1 Prozent. Im Juli waren es bereits wieder 23,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Oktober 2025 hatte der Wert bei 25,8 Prozent gelegen. Der entscheidende Punkt dabei: Es waren nicht plötzlich mehr Fachkräfte vorhanden. Vielmehr hatte die schwache Wirtschaft dafür gesorgt, dass viele Unternehmen weniger Personal suchten.

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Zieht die Konjunktur wieder an, steigt auch wieder der Personalbedarf. Und genau diese Entwicklung scheint inzwischen einzutreten. Für Unternehmen bedeutet das: Wer seine Personalplanung heute noch auf die vermeintliche Entspannung vom Frühjahr 2026 stützt, könnte sich täuschen.

Die Veranstaltungstechnik hat ein ganz anderes Problem

Für unsere Branche ist die bundesweite Statistik ohnehin nur begrenzt aussagekräftig. Schaut man genauer hin, schnell wird klar: Unser Problem ist nicht nur konjunkturell. Es ist strukturell. Der Vorsitzende der fwd  (Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft), Reinhard Pommerel, bezifferte den Beschäftigtenverlust seit Corona sogar auf eine Größenordnung von ehemals rund 1,1 Millionen auf etwa 500.000 Beschäftigte.

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Diese Zahl ist keine amtliche Beschäftigungsstatistik und sollte entsprechend eingeordnet werden. Sie zeigt aber, welche Dimension der Personalverlust aus Sicht des Branchenverbandes inzwischen erreicht hat. Dazu kommen mehrere Entwicklungen gleichzeitig: Erfahrene Mitarbeiter gehen in Rente. Nachwuchs fehlt. Techniker haben während der Pandemie dauerhaft in andere Branchen gewechselt. Und Unternehmen aus Handwerk, Industrie, Logistik oder Bau bieten teilweise planbarere Arbeitszeiten und attraktivere Gehälter.

Besonders schwierig wird es bei Rental und Produktion

Nicht alle Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft trifft der Fachkräftemangel gleich stark. Bei Agenturen oder in klassischen Planungsjobs lassen sich Arbeitszeiten häufig noch vergleichsweise gut strukturieren. Ganz anders sieht es dort aus, wo Veranstaltungen tatsächlich durch Personal aufgebaut und betrieben werden.

Rental-Unternehmen, Veranstaltungstechniker,
Rigger, Stagehands und Produktionscrews
arbeiten dann, wenn andere Freizeit haben: abends, nachts
und am Wochenende.

Dazu kommen wechselnde Einsatzorte, lange Produktionstage und saisonale Spitzen. Der HR- und Gehaltsreport der Veranstaltungswirtschaft 2025 zeigt ebenfalls Unterschiede innerhalb der Branche. Technikdienstleister kommen demnach im Schnitt auf 25,7 Urlaubstage. Im Messebau sind es 28,7 Tage, während der deutsche Durchschnitt bei knapp 30 Tagen liegt. Gerade die Unternehmen, bei denen Arbeitszeiten ohnehin schwierig planbar sind, haben damit wenig Spielraum zum Ausgleich. Der Personalmangel zieht sich inzwischen durch praktisch alle Beschäftigungsformen.

Das Problem betrifft nicht nur festangestellte Techniker

Fachpersonal

Qualifizierte Fachkräfte für Veranstaltungstechnik sind gesucht – gleichzeitig konkurriert unsere Branche mit anderen technischen Berufen. Dabei zählt nicht nur das Monatsgehalt. Ein Techniker vergleicht irgendwann sehr nüchtern:

  • Was verdiene ich?
  • Wann arbeite ich?
  • Wie weit im Voraus kenne ich meinen Dienstplan?
  • Wie viele Wochenenden habe ich frei?
  • Und wie sieht mein Leben in fünf oder zehn Jahren aus?

Genau an dieser Stelle verliert die Eventbranche Mitarbeiter an andere Wirtschaftszweige.

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Auszubildende

Auch beim Nachwuchs gibt es Probleme. Bereits 2021 gingen die Bewerberzahlen für die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik deutlich zurück. Mindestens genauso wichtig ist aber die Frage, was nach Ausbildungsbeginn passiert. Der erfahrene Lichttechniker Carsten Will weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Auszubildenden wieder aussteigt. Einer seiner Lösungsansätze: mehr Begleitung durch erfahrene Techniker und weniger „Learning by Doing“ ohne Ansprechpartner. Gerade für kleinere Unternehmen könnte das ein wichtiger Punkt sein. Wer Nachwuchs findet, muss ihn heute auch halten.

Freelancer

Besonders tief hat Corona die Freelancer-Struktur der Branche verändert. Viele selbstständige Techniker wechselten während der Pandemie in Logistik, Handwerk oder andere technische Berufe. Damit verschwanden nicht nur Arbeitskräfte. Es ging teilweise jahrzehntelanges Produktionswissen verloren. Und wer heute einen geregelten Arbeitsplatz, planbare Freizeit und ein sicheres Einkommen hat, kehrt nicht automatisch zurück, nur weil wieder mehr Veranstaltungen stattfinden.

Zeitarbeit

Selbst temporäre Kräfte sind kein zuverlässiges Sicherheitsnetz mehr. Zeitarbeitsunternehmen melden inzwischen selbst erhebliche Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung. Damit entsteht für Veranstaltungsdienstleister ein doppelter Engpass: Die eigenen Leute fehlen – und der Dienstleister, der eigentlich Personalspitzen auffangen soll, findet ebenfalls keine Mitarbeiter.

Kleine Unternehmen trifft es besonders

Große Unternehmen können eigene Ausbildungsprogramme aufbauen, Personalabteilungen beschäftigen, Recruitingkampagnen fahren und langfristig Nachwuchs entwickeln. Der inhabergeführte Rental-Betrieb mit zehn oder zwanzig Mitarbeitern hat diese Möglichkeiten häufig nicht. Dort macht der Chef vielleicht vormittags Angebote, kümmert sich nachmittags ums Lager und steht am Wochenende selbst an der Produktion. Dann soll er nebenbei auch noch professionelles Recruiting betreiben und üppige Ressourcen für Ausbildung und ein perfektes Arbeitsklima aufbringen …

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Genau deshalb wird Personalmarketing gerade für kleine und mittlere Unternehmen immer wichtiger. Ein guter Arbeitgeber zu sein reicht heute nicht mehr; die potenziellen Mitarbeiter müssen auch wissen, dass man ein guter Arbeitgeber ist. Und dazu gehören Investments in Sichtbarkeit und Präsentation des eigenen Unternehmens.

Was Unternehmen jetzt tun können

Einige Maßnahmen kosten Geld, andere vor allem Organisation und Aufmerksamkeit. Wichtig ist zunächst, unbequeme Arbeitszeiten nicht schön zu reden. Wer Nacht- und Wochenendarbeit zusätzlich vergütet, sollte das bereits in der Stellenanzeige deutlich machen. Auch Planbarkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Je früher Dienstpläne stehen und je verlässlicher freie Zeiten tatsächlich frei bleiben, desto attraktiver wird ein Arbeitgeber.

Bei Auszubildenden sollte es feste Ansprechpartner oder Mentoren geben. Junge Leute einfach auf die Baustelle zu schicken und darauf zu hoffen, dass sie schon irgendwie mitkommen, funktioniert immer weniger. Für kleine Unternehmen können außerdem Ausbildungsverbünde, gemeinsame Personalpools und andere Kooperationen interessant werden. Und auch Freelancer sollte man nicht nur dann anrufen, wenn am Samstagmorgen dringend noch jemand für die Produktion fehlt. Denn gute Beziehungen funktionieren eben auch in beide Richtungen.

Um sich Kosten und Aufwand zu sparen, können sich kleine Unternehmen
in Ausbildungsverbünden, gemeinsamen Personalpools
und weiteren Kooperationen zusammenschließen

Wir denken, der Kampf um gute Leute hat gerade erst begonnen …

Der Fachkräftemangel ist nicht verschwunden. Die schwache Konjunktur hat ihn lediglich für einige Monate weniger sichtbar gemacht. Für Veranstaltungstechnik und Rental gilt das ohnehin nur ein­ge­schränkt. Hier treffen demografischer Wandel, Nachwuchsmangel, ungewöhnliche Arbeitszeiten und die Folgen der Coronajahre gleichzeitig aufeinander. Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, kommt ein weiterer Aspekt dazu: Andere Branchen suchen dann natürlich ebenfalls wieder mehr Leute. Der Wett­be­werb wird deshalb nicht nur darum geführt werden, wer das höchste Gehalt bezahlt. Es geht um Arbeitsbedingungen, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, Ausbildung, Führung sowie Plan- und Sichtbarkeit.

Unser eindringlicher Appell

Denn der beste Job bringt einem Unternehmen wenig, wenn genau die Menschen, die man gerne einstellen würde, nie davon erfahren. Deshalb beschäftigen wir uns bei StageAID schon eine ganze Weile intensiv mit dem Thema Personal und möchten alle Unternehmen dazu ermuntern, an ihrer Sichtbarkeit zu arbeiten und zu zeigen, wie attraktiv unsere Branche doch ist. Denn am Ende ent­schei­det nicht das Material im Lager darüber, wie viele Produktionen ein Unternehmen übernehmen kann; entscheidend sind die Menschen, die damit arbeiten können.

Hinweis: Inhaltlich basiert dieser Artikel auf unseren Erfahrungen. Einzelfakten und Zahlen wurden unter Zuhilfenahme von KI recherchiert.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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