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Droht die nächste Frequenzkrise? Warum das Mili­tär plötzlich Inte­resse an den Kultur­fre­quen­zen hat

© KI-generiert, Engelmann Promotion

Stell dir vor, du planst regelmäßige Musicals mit 80 Funkstrecken, mehrere In-Ear-Systeme, Kamerafunk und Produktionskommunikation. Du richtest deinen, Materialpark entsprechend ein, alles funktioniert – doch plötzlich stehen genau die Frequenzen, auf denen deine gesamte Produktion basiert, zur Diskussion.

Seit dem 15. April 2026 gilt eine neue Allgemeinzuteilung für Funkmikrofone (Vfg. 37/2026), herausgegeben von der Bundesnetzagentur. Darin findet sich ein unscheinbarer Satz mit weitreichenden Folgen: Im Frequenzbereich von 470 bis 608 MHz kann es auf einzelnen Kanälen zu örtlich und zeitlich begrenzten Einschränkungen kommen, wenn andere primäre Funkdienste diesen Bereich nutzen.

Wer genau mit diesen „anderweitigen primären Frequenznutzungen“ gemeint ist, bleibt bislang offen. Öffentliche Aussagen dazu gibt es derzeit nicht.

Was zunächst wie ein theoretisches Behördenproblem klingt, könnte in den kommenden Jahren wieder ganz praktische Auswirkungen auf die Veranstaltungsbranche haben. Denn nach Mobilfunk und 5G gibt es einen neuen Interessenten für das begehrte Frequenzspektrum: das Militär.

Momentane Nutzer der Kulturfrequenzen © KI-generiert, Engelmann Promotion

Momentane Nutzer der Kulturfrequenzen © KI-generiert, Engelmann Promotion

Noch ist nichts entschieden. Niemand muss morgen seine Funkmikrofone austauschen. Trotzdem beobachten Hersteller, Verbände und viele Veranstaltungstechniker die Entwicklung mit wachsender Aufmerksamkeit. Denn die Geschichte zeigt: Wenn begehrte Funkfrequenzen neu verteilt werden, bleibt die Veranstaltungsbranche selten verschont. Um es genauer zu sagen: Wo Geld und sonstiger Bedarf im Spiel ist, stehen wir meist hinten an.

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Déjà-vu für viele Veranstaltungstechniker

Die älteren Kollegen erinnern sich noch gut an die sogenannte Digitale Dividende. Damals gingen große Teile des UHF-Bandes an den Mobilfunk. Viele Unternehmen mussten ihre Funktechnik ersetzen, neue Frequenzen koordinieren und erhebliche Investitionen tätigen. Heute könnte sich eine ähnliche Diskussion wiederholen – allerdings aus einem anderen Grund.

Geschichte der Frequenzumbrüche © KI-generiert, Engelmann Promotion

Geschichte der Frequenzumbrüche © KI-generiert, Engelmann Promotion

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges und der sicherheitspolitischen Neuausrichtung Europas investieren zahlreiche Staaten massiv in moderne Kommunikationstechnik. Für verschlüsselte Datenübertragung, mobile Führungsnetze oder Drohnensysteme werden Frequenzen benötigt. Besonders attraktiv sind dabei die Bereiche unterhalb von 1 GHz – genau dort, wo seit Jahrzehnten auch professionelle Funkmikrofone und In-Ear-Systeme arbeiten.

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Warum ausgerechnet diese Frequenzen?

Der Bereich zwischen 470 MHz bis 694 MHz gilt als das Rückgrat professioneller Veranstaltungstechnik. Diese Frequenzen bieten genau das, was Liveproduktionen brauchen:

  • hohe Reichweiten
  • stabile Übertragung
  • gute Gebäudedurchdringung
  • zuverlässige Funkverbindungen auch bei tausenden Besuchern

Gerade große Musicals, Fernsehshows oder Festivals wären mit höheren Frequenzen oft deutlich schwieriger zu realisieren.

Was bedeutet das für die Praxis?

Im Moment zunächst: gar nichts. Es gibt keine Entscheidung, die bestehenden Kulturfrequenzen aufzugeben. Niemand muss jetzt neue Funkanlagen kaufen oder seine Produktionen umplanen.

Die eigentliche Frage lautet vielmehr:
Wie sieht die Veranstaltungsbranche in zehn Jahren aus?

Wenn immer mehr Nutzer Anspruch auf dieselben Frequenzen erheben – Mobilfunk, Behörden, Militär und Kultur – wird das verfügbare Spektrum zwangsläufig knapper. Das bedeutet nicht automatisch Verbote, wohl aber mehr Koordinationsaufwand, höhere technische Anforderungen und möglicherweise steigende Investitionskosten.

Wenn die Kulturfrequenzen knapp werden ©  KI-generiert, Engelmann Promotion

Wenn die Kulturfrequenzen knapp werden © KI-generiert, Engelmann Promotion

Die Branche kämpft bereits

Hersteller, Fachverbände und Organisationen wie die APWPT setzen sich deshalb dafür ein, den Frequenzbereich zwischen 470 und 694 MHz langfristig für Kultur, Rundfunk und professionelle Veranstaltungstechnik zu sichern. Denn ohne diese Frequenzen wären viele Produktionen in ihrer heutigen Form kaum denkbar.

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Was wir denken

Noch besteht kein Grund zur Panik. Aber es wäre ein Fehler, die Diskussion als reine Behördenangelegenheit abzutun. Die Entscheidungen, die in den kommenden Jahren auf europäischer Ebene getroffen werden, könnten die Arbeitsweise der Veranstaltungsbranche ähnlich stark verändern wie einst die Einführung von LTE und 5G. Wer heute in professionelle Funktechnik investiert, sollte diese Entwicklung deshalb aufmerksam verfolgen. Nicht aus Sorge vor einer kurzfristigen Abschaltung – sondern weil die Weichen für die Veranstaltungstechnik der nächsten zehn bis zwanzig Jahre genau jetzt gestellt werden.


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