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Freitag, November 27, 2020
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    Die Konzertpause kreativ nutzen: Mit Instagram eine Fanbase aufbauen

    Instagam Pic Layout / © Chris Hinz

    Während ich diese Zeilen schreibe, ist gerade der zweite Covid-19 Lockdown angelaufen. Alle Konzerte sind abgesagt. Auch die Proben, weil die Musiker meiner Bands aus mehr als zwei Haushalten stammen. Draußen ist es nasskalt, die Kneipen und Restaurants sind geschlossen. Was tun? Eigentlich ein guter Zeitpunkt, endlich mal den Instagram Account für die neue Band anzulegen.

    Warum Instagram?

    Warum nicht Facebook? – Die Plattform www.swat.io hat festgestellt, dass die Interaktionsrate bei Facebook im Mittelwert bei etwa 0,1 Prozent liegt.

    Bei Instagram hingegen interagieren circa 2 Prozent der Nutzer mit den Beiträgen – also 20mal so oft. Instagram schneidet also im direkten Vergleich deutlich besser ab – ein nicht zu unterschätzendes Kriterium für den Marketingerfolg in sozialen Netzwerken.

    Schöne heile Welt – oder nicht (mehr)?

    Instagram lebt von Bildern: Von den perfekt Ausgeleuchteten und den total Verwackelten. Wir wissen, dass Instagram mit den perfekten Wohnungen, gestählten Körpern, beindruckenden Urlaubsbildern und süßen Tierfotos uns eine Welt vorgaukelt, die es so in Wirklichkeit nicht gibt.

    Was auch kein Geheimnis ist: Instagram kann süchtig machen! Doch richtig genutzt, kann Instagram dazu beitragen, Eure Band in’s Schaufenster des Interesses zu stellen und Eure Fanbase zu vergrößern.

    Es gibt bereits zwei ganz hervorragende Artikel von Nikolai Schöbel hier auf StageAid, die nahezu alle nur erdenklichen Fragen beantworten: Die perfekte Plattform für eine erfolgreiche Vermarktung – Instagram für Musiker und Bands – ein Tutorial in 2 Teilen.

    Mein Beitrag versteht sich daher eher als Ergänzung und Bericht aus der Praxis: Wie komme ich möglichst schnell und einfach zu einer repräsentativen Sammlung von Bildern und Videoclips, um meine Fans auf Instagram anzusprechen und neue hinzu zu gewinnen?

    Das erforderliche Werkzeug habt Ihr bestimmt schon

    Ich nehme an, nach dem Lesen des zweiteiligen Tutorials habt Ihr Euch bereits auf Instagram angemeldet. Mit etwas Glück war Euer Band Name dort noch nicht vergeben oder Ihr habt Euch mit einer Buchstabenkombination beholfen. Im Profil habt Ihr bereits den Link zu eurer Homepage platziert. Jetzt steht Ihr vor der Frage, was man veröffentlichen sollte.

    Dazu benötigt Ihr gar nicht mal viele Werkzeuge. Ein Smartphone hat ja heutzutage nahezu jeder, und die Bildqualität kann sich wirklich sehen lassen. Bildbearbeitungsprogramme gibt es mittlerweile wie Sand am Meer.

    Heute zeige ich Euch mal, wie ich vorgegangen bin. Wie immer kann man das natürlich ganz anders machen und auch richtig viel Geld ausgeben …

    Nicht gleich das ganze Pulver verschießen

    Am Anfang hat man viele Ideen und vielleicht auch bereits eine Sammlung toller Bandfotos. Aber gewöhnt Euch gleich an, ein bisschen voraus zu denken und mit Eurem Bilder-Fundus zu haushalten. Anders gesagt: Nicht alles auf einmal raus hauen, sondern lieber regelmäßig einmal pro Woche ein Bild oder einen Clip veröffentlichen, um auf diese Weise im Gespräch zu bleiben.

    Eine übersichtliche Sammlung für den Anfang reicht völlig … / © Chris Hinz

    Oder Ihr nutzt eine dieser (in 15 Sekunden lange Schnipsel aufgeteilte) Instastories, die Ihr mit dem Click auf das runde Icon am oberen linken Ecke des Displays anlegen könnt. Zwar verschwinden die Stories nach 24 Stunden, doch lassen sich dauerhaft sammeln, wenn man sie unter einem passenden Stichwort als sogenanntes Highlight speichert. So wird sich eure Page nach und nach füllen und zu einem Hingucker werden.

    Welche Motive?

    Man muss kein Experte in der Fotobearbeitung sein, mit Instagram schnell eine Fanbase aufzubauen. Im Gegenteil: Derzeit gibt es sogar einen Trend weg von den perfekt aufbereiteten Fotos hin zu authentischen Bildern.

    Ein Handy-Schwenk während der Probe, der Gang über die zum Konzert vorbereitete Bühne, die entspannte Stimmung im Backstage Bereich, ein Blick durch den Vorhang auf das wartende Publikum.

    Eine Reihe Schnappschüsse … / © Chris Hinz

    Viele solcher Momente können eingefangen werden – und die Fans lieben es, zusammen mit Euch hinter die Kulissen zu schauen. Wichtig ist es, Abwechslung zu bieten. Ein Zeitungsartikel, drei frisch geklebte Poster, der Schnappschuss im Tourbus – (fast) alles, was eine gute Stimmung vermittelt, eignet sich.

    Schnappschüsse aus dem Proberaum, vor dem Konzert, beim Soundcheck … / © Chris Hinz

    Fotos oder Videoclips?

    Zugegeben: Ein richtig gutes Video zu machen, bedarf einer umfangreichen Vorbereitung. Dazu sind mehrere gute Digital-Kameras an unterschiedlichen Standorten erforderlich, und die Nachbearbeitung erfordert ein geeignetes Schnittprogramm sowie einen leistungsstarken Rechner.

    Aber auch das Handy für einen ganzen Song still zu halten, ist schon eine gewisse Herausforderung. Doch wenn man weiß, dass auf Instagram bereits 59 Sekunden oder weniger ausreichen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, kann man das ganz locker angehen.

    Es muss auch nicht immer ein Video sein: Auch mit der Aneinanderreihung und Überblendung von Konzertfotos lässt sich ein schöner Clip erstellen:

    Das „große Finale“ – ein Zusammenschnitt an Bildern / © Chris Hinz

    Selbst sehr betagte, aber immer noch kostenlose Programme wie der Windows Movie Maker bekommen das hin und erlauben das Zusammenführen mit einer Audiospur (siehe auch: Die Konzertpause kreativ nutzen – kostenlose Tools zur Erstellung Eurer Low Buget Videoclips.

    Die Band als Marke

    Ihr solltet für einen gewissen Wiedererkennungseffekt sorgen. Für mich ist es wichtig, dass das jeweilige Video der Band zuordnet wird, selbst wenn es zwischenzeitlich geteilt und kopiert wurde und möglicherweise auf anderen Plattformen gelandet ist.

    Sei es, dass im Verlauf des Clips das Band-Logo zu sehen ist oder dass Ihr entsprechende Texte einblendet. So habe ich mir angewöhnt, die Mehrzahl meiner Videos mit einer Schwarzblende abzuschließen, auf der nacheinander das Bandlogo mit dem Slogan und die Adresse (URL) der Homepage erscheinen. Wobei es sehr hilfreich ist, eine „sprechende“ URL zu verwenden, die Rückschlüsse auf die Band oder Euren Musikstil zulässt.

    Video mit schwarzer Abschlussblende / © Chris Hinz

    Fan Videos verwenden

    Und dann gibt es noch die Rubrik Fan Videos. Es lohnt sich, die Handymitschnitte Eurer Konzerte zu sammeln, die Eure Fans ins Netz gestellt haben. Es gibt Tools, mit denen man sie ohne Qualitätsverlust aus YouTube oder Facebook herunter ziehen kann. Dennoch sind Bild-und Tonqualität meist suboptimal.

    Doch viel wichtiger ist ja, dass die Mitschnitte authentisch sind und Eure Bühnenshow aus der Perspektive der Zuschauer zeigen. Veranstalter lieben es zu sehen, wie Ihr wirklich live wirkt. Und wenn Clips hochkant aufgenommen wurden, ladet sie als Instastory hoch – das ist das richtige Format dafür.

    Aus meiner Sicht spricht übrigens nichts dagegen, wenn Ihr den Audiotrack, den Ihr von jenem Konzert an der Konsole mitgeschnitten habt, unter das verwackelte Handy-Video legt und lippengenau synchronisiert. Dann kommt das Ganze noch fetter rüber.

    Mal was anderes: Animierte App’s statt Bandfotos

    Leider gibt es auch Bild-arme Phasen wie den aktuellen Covid-19 Lockdown, in denen keine Konzerte und Proben stattfinden. Klar, man kann auch mal Fotos vom Equipment veröffentlichen – aber am Rückgang der Click-Raten merkt Ihr sofort, dass sich dafür höchstens die Musikerkollegen interessieren.

    Die alten Bilder früherer Konzerte zu recyclen ist irgendwann auch nicht mehr prickelnd. Wir haben daraufhin entschieden, eine VideoCollage zu machen, bei der jedes Bandmitglied in einem kleinen Bewegtbild zu sehen ist, das er oder sie zuhause aufnimmt. Bei uns hieß dieses Projekt treffenderweise „Corona Tape(s)“.

    Für die Aufzeichnung genügten ein Live-Mitschnitt und die Handies der Teilnehmer. Doch die Zusammenführung und der Schnitt erforderten einiges an Rechnerleistung und viel Geduld und ist gewiss nichts für Newbies.

    Eine andere Idee: Videos von Apps aufzeichnen, die den Sound visuell umsetzen. Ich habe schon Clips gemacht mit Apps wie Chord Detector, Laser Lights, Audio Stretch und LED Audio, die ich mit unseren Live Aufnahmen gefüttert habe. Einige Effekte waren so gut, dass ich überlege, sie gelegentlich für eine Backdrop Projektion zu verwenden. Aber geht selbst mal auf die Suche, es lohnt sich.

    Apps zur Videoanimation: LaserLights obenlinks, LED-Audio alle anderen / © Chris Hinz

    Beschreibung und Ort eingeben

    Zu jedem Bild gehört ein kurzer Text, der das Dargestellte erläutert. Mit dem Hinzufügen von bis zu 30 Hashtags (#Stichworte mit vorlaufendem Kreuz) wird Euer Foto oder Clip auch in den gleichnamigen Sammlungen gezeigt, was die Reichweite deutlich erhöht.

    Wenn Ihr einzelne User gezielt über Eure Veröffentlichung informieren möchtet (z.B. bei der Verwendung fremder Fotos), gebt einen Klammeraffen (@) ein gefolgt vom Namen der betreffenden Person. Instagram zeigt Euch dann die Liste der infrage kommenden User.

    Darüber hinaus erlaubt das Programm die Angabe eines Ortes bzw. einer Event Location. Bei Anklicken ruft das nicht nur automatisch den passenden Kartenausschnitt auf, sondern zeigt auch eine Sammlung jener Einträge, die z.B. im selben Music Club aufgenommen wurden.

    Die leidige Übersetzung

    Wenn Ihr sowohl deutsch- als auch englischsprachige Fans habt, bietet es sich an, die Bildunterschrift auch gleich zweisprachig zu gestalten. Es ist nicht nur eine nette Geste, sondern erhöht auch hier Eure Reichweite. Wer nicht fit ist, kann sich dabei der Hilfe der Online Übersetzer bedienen.

    So ein Translator z.B. der Deepl Translater oder der Google Translater sie werden Euren Text mit einer Verständlichkeitsquote von mehr als 80 Prozent übersetzen.

    Das ist ja schon mal nicht schlecht. In der Regel sollte man jedoch nochmal Hand anlegen, um aus der maschinellen „Schreibe“ eine flüssige „Sprache“ zu machen und neben der Adjustierung von Satzbau und Personalpronomina vielleicht noch ein paar umgangssprachliche Redewendungen und Begriffe einzubauen.

    Unverzichtbar: Die Quellenangabe

    Sofern Ihr gelegentlich fremde Fotos oder Clips verwendet, ist es unerlässlich, diese Quellen auch anzugeben – nicht nur als Hashtag (#Name) sondern auch, um den Autor darüber zu informieren (@Name) und sich im Text dafür zu bedanken. Das ist nicht Kür, sondern Pflicht. Oder wollt Ihr, dass Eure Fotos und/oder Audio Tracks woanders auftauchen, ohne dass Ihr erwähnt werdet?

    Außerdem könnt Ihr mit der Quellenangabe neue User erreichen. Denn der von Euch genannte Fotograf/Fan wird Euch sicher gerne weiteres Material liefern oder sogar Eure Instastory mit der Ankündigung Eures nächsten Konzerts in seinem Freundeskreis teilen. Echtes Cross-Marketing.

    (Noch) besser werden

    Anfangs werdet Ihr bestimmt rasch erst mal einen Grundstock von Bildern hochladen. Danach folgen vermutlich die ersten Videoschnipsel. Dann setzt das Perfektionieren ein, bei dem man richtige Kurzfilme mit Texteinblendungen anlegt und die Veranstaltungen über die Instastories ankündigt.

    Die ganz Pfiffigen legen in dem für den Verweis zur Homepage gedachten Feld im Profil jenen Link ab, unter dem man die Karten für Ihr nächstes Konzert online kaufen kann. Instagram wird nie langweilig, ist eine schier unerschöpfliche Quelle für neue Ideen und das Netzwerk, auf dem Ihr tolle Erinnerungen mit Euren Fans teilt und neue gewinnt.

    Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Bestücken Eurer Instagram Pages gemacht? Welche Tools setzt Ihr zur Bildbearbeitung und für den Schnitt Eurer Handy Clips ein? Setzt wie immer hier unten einen Kommentar ab. Stellt Fragen. Ich beantworte sie gerne …

    Chris Hinz
    Chris Hinz verfügt über eine 6-jährige klassische Ausbildung am Piano und eine 3-jährige Ausbildung an der Sakralorgel. Er ist seit mehreren Jahrzehnten in der Musikszene Rhein Main aktiv und aktuell mit zwei Coverbands und einem Smooth Jazz Duo unterwegs. Chris Hinz ist freiberuflicher Unternehmensberater und war lange Zeit für ein namhaftes IT Unternehmen tätig.

    2 KOMMENTARE

    1. Danke Chris, das sind klasse Tipps, die gut zu verstehen sind und Jedem die Umsetzung und das Verständnis für die eigene Präsentation erleichtern. Andreas Cattarius hat Deine Vorlage gut und schnell hier eingebaut.
      Wer Instagram macht und oft mit der Kamera seines Smartphones unterwegs ist, um bewegte Bilder zu produzieren, hat oft ein Problem mit schlechter Qualität durch verwackelte Videos. Dagegen hilft der Einsatz eines sog. Gimbals. Das ist ein kleiner Kamerahalter mit Ausgleichs- und Steuermotoren, der es erlaubt, auch mit den Handys absolut professionelle Kamerafahrten relativ einfach zu realisieren.
      Ich nutze dafür den DJI Osmo Mobile 3, der kostet mit Zubehör grade mal gut angelegte 100 €

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