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Montag, Juni 8, 2026
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Einstieg und Erfolg in der Eventbranche: Wie du digitales Mixen schnell lernst, ohne dabei die Nerven zu verlieren (Video)

Oberhalb der kleinen Bühne des Theodor-Zink-Museums ist die neue PA installiert (2 Mittel-Hochton-Boxen und 1 Subwoofer links) © Engelmann Promotion

Wer zum ersten Mal vor dem Behringer X32  steht und keine Mischpulterfahrung hat, sieht erstmal eins: sehr viele Knöpfe. Dazu kommen Displays, virtuelle Regler und Ebenen, Menüs, Speicherplätze, Routing, EQs, Dynamik, Effekte und Begriffe, die für den Einsteiger erst mal klingen wie eine Fremdsprache. So ging es Clemens Götting im Theodor-Zink-Museum / Kaiserslautern . Clemens ist dort haupt­amt­lich Aus­stel­lungs­ge­stal­ter. Er kümmert sich um Vitrinen, Plakate, Texte, Räume und darum, dass eine Ausstellung am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergibt …

Nebenbei gehört aber auch die Veranstaltungsbetreuung in der Scheune dazu, dem Eventraum des Museums. Und wie er innerhalb kürzester Zeit das Mischen auf einem Digitalpult lernte, das zeigen wir unten im Interview und durchleuchten die Hintergründe etwas genauer in diesem Beitrag.

Vorbereitungen im Eventbereich des Museums

In der Event-Area des Museums passiert Event- und audiotechnisch einiges: gesprochenes Wort, Podium, klassische Musik, manchmal sogar Punk. Mit anderen Worten: Das Event muss eingerichtet werden, der Raum muss funktionieren, die Technik muss sitzen. Dabei muss irgendjemand am Mischpult wissen, was er tut – und Clemens war in Sachen Tontechnik ein kompletter Neueinsteiger …

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Dann stand er plötzlich vor dem digitalen Mischpult, einem Behringer X32 . Mit echten und virtuellen Drehknöpfen und vielen Funktionen, die man nicht sofort sieht, aber trotzdem kennen muss. Clemens nennt es im Gespräch ziemlich treffend „erst mal ein großes UFO“. Unten siehst du das Behringer X32  mit allen Spezifikationen und technischen Details:

Blick über das Behringer X32 in den Eventbereich des Museums © Engelmann Promotion

Blick über das Behringer X32 in den Eventbereich des Museums © Engelmann Promotion

Eine echte Herausforderung

Genau hier beginnt jetzt die spannende Frage: Wie bringt man jemanden, der noch nie an einem digitalen Pult gearbeitet hat, in kurzer Zeit so weit, dass er kleine, einfache Veranstaltungen selbst fahren kann? Ohne Bauchweh und Panik, ohne  unüberschaubaren typischen Technik-Frust, sondern ruhig, handlungsfähig und mit Lust am Weitermachen.

Die Callenge besteht nicht daraus, möglichst viel Wissen auf einmal zu vermitteln.
Im Gegenteil. Das Erfolgsgeheimnis steckt in der radikalen Reduktion,
also eine drastische Vereinfachung der Strukturen auf das Wesentliche.

Lernen am echten Job, nicht am kompletten Handbuch

Ein digitales Mischpult wie das X32 kann extrem viel. Für einen Einsteiger ist das gleichzeitig Segen und Fluch. Wer das Gerät über seine Möglichkeiten erklärt, landet schnell bei einer Art Funktionsmesse: Das kann es auch noch, hier gibt es noch ein Menü, dort noch eine Ebene, und wenn man hier lange drückt, passiert auch etwas. Für Profis ist das interessant. Für Anfänger ist es Gift.

Hier das komplette Interview mit Clemens

Clemens musste nicht zuerst das ganze Pult verstehen. Er musste zuerst seinen Job verstehen: Wie bekomme ich ein Mikrofon sauber auf die Anlage? Wie höre ich, ob Sprache verständlich ist? Wie stelle ich den Pegel ein, ohne dass es pfeift, bollert oder nervt? Wie finde ich schnell zurück, wenn ich mich verrannt habe? Unser Schulungssystem setzt genau hier an. Clemens erfährt nicht „alles über digitale Mischpulte“, sondern: diese eine Aufgabe im Livebetrieb, mit einfachen, wenigen Schritten, in genau diesem Raum, mit genau dieser einen Anlage. Learning by doing eben. Das ist ein riesiger Unterschied. Da bleibt der Kopf frei für das, was wichtig ist …

Am Anfang ging es nicht um Subgruppen, Kompressoren, Gates, Szenenmanagement, Routing-Konzepte oder Effektarchitektur. Der Anfang war erstmal der Weg des Mikrofons zum hörbaren, brauchbaren Signal. Also der Moment, bei dem jemand vorne spricht und hinten im Raum alle verstehen, was gesagt wird.

Kleine Schritte, klare Aufgaben, direkte Erfolgserlebnisse

Im Interview beschreibt Clemens sehr schön, was für ihn wichtig ist: Die besprochenen Dinge flossen unmittelbar in den praktischen Übungteil mit ein. Nicht erst irgendwann. Nicht nach drei Wochen. Sondern sofort. Clemens meinte auch sinngemäß: „den Brei essen, solange er noch warm ist.“

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Das klingt locker, trifft es aber didaktisch ziemlich exakt. Neues Wissen verfällt schnell, wenn es nicht sofort angewendet wird. Gerade bei Technik reicht es nicht, etwas einmal gesehen zu haben. Man muss es anfassen, wiederholen, falsch machen, korrigieren und noch einmal machen. Erst dann wird aus einer Erklärung eine Fähigkeit.

Um alles zusammen mit Clemens zu erarbeiten, habe ich mir eine Skizze erstellt, welche Themen wir in „Schulung: Lesson One“  erarbeiten. Deshalb besteht das Lernen nicht aus langen Un­ter­richts­ein­hei­ten, nach denen Clemens dann allein gelassen wird. Es besteht aus kleinen Lerneinheiten, klaren Aufgaben und schnell wiederholbaren Wegen.

Erste Schritte:
Gesangsmikrofon anschließen. Den richtigen Kanal finden. Das Signal sichtbar machen. Den Pegel einstellen. Den Fader öffnen. Hören, was passiert. Den Klang beurteilen. Korrigieren. Wieder zurück. Und noch einmal …

Diese Schritte wurden an verschiedenen Kanälen und mit verschiedenen Reglern wiederholt. Nicht, weil Wiederholung besonders glamourös wäre, sondern weil sie Sicherheit vermittelt. Wer einen Ablauf mehrmals sauber gemacht hat, erkennt ihn wieder. Und genau dadurch sinkt die Nervosität. Irgendwann ist der Moment erreicht, an dem ein Anfänger nicht mehr denkt: „Oh Gott, was muss ich denn jetzt drücken?“  Sondern: „Ich kenne den Weg. Ich hab´s schon mal gemacht.“

Hier das Video zum Hands-On-Lernen

Hints statt Frontalunterricht

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Einsatz von Hints, also kleinen Hinweisen im richtigen Moment. Das ist schon etwas anderes als klassischer Schulunterricht, bei dem jemand vorne alles erklärt und der Lernende hinten versucht, sich möglichst viel davon zu merken.

Ein Hint greift dann, wenn der Lernende gerade an dieser einen konkreten Stelle steht. Er sucht etwas, hängt kurz fest, verwechselt vielleicht einen Regler oder braucht eine Bestätigung. Dann kommt kein Vortrag über Signalfluss im Allgemeinen, sondern der kurze Hinweis: „Schau auf diese Anzeige, was siehst du? Denk´ an diesen Schritt. Was hörst du gerade? Klingt es zu dumpf, zu spitz, zu leise oder zu laut?  So bleibt der Lernende aktiv. Er wird nicht Teil der Zuschauer einer Technikvorführung, sondern selbst zum Handelnden. Genau das ist entscheidend. Denn Mischpultbedienung lernt man nicht durch Vormachen und Zuschauen allein. Man lernt sie über Handgriffe, Ohr, Auge und Entscheidung.

Clemens beschreibt auch im Interview, dass ihm vor allem die Sicherheit geholfen habe, im Hintergrund jemanden fragen zu können. Diese Sicherheit ist kein Nebenthema. Sie ist ein Kernbestandteil des Lernsystems. Wer weiß, dass er im Zweifel Hilfe bekommt, traut sich eher, die Knöpfe zu bedienen. Und wer sich traut, macht Erfahrungen.

Clemens Götting am Mischpult sitzend © Engelmann Promotion

Clemens Götting am Mischpult sitzend © Engelmann Promotion

Die Lerntools

  • Eine Arbeitskizze mit Arbeitsschritten
  • Hands-On-Training
  • Video vom Training zum „Nachgucken“
  • Aufgaben zur Wiederholung
  • Support bei Fragen
  • Auffrischung und Wiederholung bei der nächsten „Lesson“

Fehler dürfen passieren, aber es braucht einen Rückweg

Viele Menschen haben bei digitaler Technik Angst, etwas kaputt zu machen. Gerade bei einem Mischpult, das im Veranstaltungsbetrieb hängt, ist diese Angst verständlich. Niemand will vor Publikum dafür verantwortlich sein, dass plötzlich nichts mehr geht oder es laut pfeift. Darum braucht ein gutes Schulungssystem nicht nur Aufgaben, sondern auch einen Notausgang. Im Museum wurde mit gespeicherten Szenen gearbeitet. Wenn etwas schiefläuft, gibt es einen definierten Weg zurück auf Anfang. Clemens bringt es im Interview auf den Punkt: „Ich muss wissen, wie es auf Anfang zurück geht.“

In einer guten Lernatmosphäre müssen Fehler gemacht werden.
Wer Fehler macht, kann daran wachsen- Wenn du danach alles wieder auf Anfang zurückstellen kannst

Das verändert die Lernatmosphäre komplett. Aus „bloß nichts falsch machen“  wird „ich darf ausprobieren, weil ich einen sicheren Rückweg habe“ . Dieser Unterschied ist riesig. Denn Angst blockiert das Lernen. Ein Plan B dagegen macht mutiger. Dabei geht es nicht darum, leichtsinnig zu werden. Natürlich soll niemand wahllos am Pult herumdrücken. Aber ein Anfänger muss erleben dürfen, dass Technik beherrschbar ist. Dass ein falscher Klick nicht gleich eine Katastrophe bedeutet. Dass man Zustände speichern, zurückholen und wieder neu starten kann.

Klang lernen heißt: Kriterien lernen

Besonders interessant wird es dort, wo das Schulungssystem nicht bei der Bedienung stehen bleibt. Denn ein Mikrofon auf die Anlage zu bekommen, ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist, ob es gut klingt. Und „gut“  darf dabei nicht bloß heißen: Dreh mal, bis es passt.

Genau das ist zu vermeiden. Stattdessen wird Klang in nachvollziehbare Kriterien zerlegt: Sprache kann angenehm klingen oder sie kann bollern, brummen, pfeifen, zischeln oder dumpf werden. Sie kann verständlich sein oder im Raum verschwimmen. Ein S muss sich von einem F unterscheiden. Das Wissen über die wichtigen Frequenzbereiche der Sprachverständlichkeit müssen ausreichend vorhanden sein.

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Für einen Einsteiger ist das schon enorm hilfreich. Er bekommt nicht die schwammige Aufgabe „probier´ mal bisses klingt“ , sondern konkrete Hörfragen: „Ist unten herum zu viel Energie? Dröhnt es? Fehlen Mitten? Klingt´s nasal? Sind die Zischlaute zu scharf? Versteht man die Konsonanten?“  Damit wird Klangbearbeitung greifbar. Und mit der Zeit entwickelt das Ohr ein Raster. Das Mischpult wird jetzt nicht mehr als geheimnisvolle Maschine erlebt, sondern als Werkzeug, mit dem man hörbare Probleme löst.

Im Interview wird sogar erwähnt, dass Clemens einen absichtlich entstellten Sprachkanal wieder selbst so zurechtgedreht hat, dass Sprache gut verständlich wurde. Genau das ist der Nachweis, dass das Wissen nicht nur nachgesprochen, sondern angewendet wurde.

Clemens und Jörg im Interview © Engelmann Promotion

Clemens und Jörg im Interview © Engelmann Promotion

Die Kunst des Weglassens

Der vielleicht wichtigste Punkt an diesem ganzen Ansatz ist das Weglassen. Gerade Fachleute neigen immer wieder dazu, zu viel zu erklären. Sie wissen ja, wie alles zusammenhängt. Also erzählen sie von Frequenzen, Signalwegen, Phasen, Dynamik, Gain-Struktur, Routing und Psychoakustik. Alles richtig. Alles wichtig. Aber nicht alles auf einmal.

Für Clemens ist es am Anfang erstmal völlig unwichtig, was ein digitales Mischpult theoretisch alles kann. Wichtig ist, welche Funktionen er für die kleinen Veranstaltungen in der Scheune wirklich braucht. Das ist eine harte, aber sehr produktive Auswahl. Denn jedes unwichtige Thema, das man am Anfang weglässt, schafft Platz für ein wichtiges Hauptthema, das sitzen muss.

Weniger Inhalt bedeutet hier nicht weniger Qualität:
Es bedeutet höhere Trefferquote

Die Reduktion sorgt dafür, dass der Lernende nicht im Gerätemenü verloren geht, sondern situativ denken lernt: Das Mikrofon kommt rein, jetzt muss das Signal hörbar werden. Sprache muss verständlich sein und dabei ein Feedback vermieden werden. Und am Ende läuft die Veranstaltung. Das ist an den Job angepasstes Lernen. Deshalb funktioniert diese Lehrmethode schneller.

Sicherheit entsteht durch Wiederholung und echte Verantwortung

Clemens ist inzwischen so weit, dass er erste Veranstaltungen praktisch allein fahren kann. Zwar ist Hilfe in der Nähe, aber sie musste kaum eingreifen. Das ist ein entscheidender Übergang: vom Üben zum echten Tun.

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Natürlich wird aus einem Anfänger dadurch nicht über Nacht ein erfahrener Tontechniker. Darum geht es auch nicht. Das Ziel war nicht, aus Clemens sofort einen Profi für komplexe Liveproduktionen zu machen. Das Ziel war, ihn für einfache, kleine Mixe handlungsfähig zu machen. Und zwar so, dass er dabei nicht nervös wird. Diese Ruhe entsteht denn auch aus mehreren Bausteinen: kleine Schritte, direkte Übung, Wiederholung, Hints, klare Klangkriterien, sichere Rückwege und der konsequente Fokus auf das, was für den jeweiligen Job wichtig ist.

Im nächsten Schritt können dann neue Themen dazukommen: Subgruppen, Dynamics, Effekte. Im Interview wird bereits mit einem Echo experimentiert, augenzwinkernd als „kleines Jodel-Diplom“. Auch das zeigt: Wenn die Basis sitzt, macht Technik plötzlich Spaß. Aus dem UFO wird ein Werkzeug. Aus Unsicherheit wird Neugier.

Unsere Erfahrung: Schnell lernen heißt nicht unbedingt oberflächlich lernen

Das Beispiel aus dem Theodor-Zink-Museum  zeigt sehr schön, wie modernes Techniklernen funktionieren kann. Nicht mit Überforderung, nicht mit Handbuchwissen auf Vorrat, nicht mit „da musst du dich halt reinfuchsen“. Sondern mit einem Methodenmix, der den Menschen ernst nimmt und ihn vor dem Gerät in der ersten Zeit nicht alleine lässt.

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Wer noch nie an einem digitalen Mischpult gearbeitet hat, braucht erstmal keine länger dauernde Vollausbildung. Er braucht eine gute Reihenfolge, einfache Aufgaben, sofortige Anwendung, sinnvolle Hinweise, hörbare Erfolgserlebnisse, Eigenkontrolle und die Gewissheit, dass er jederzeit zurück auf Anfang kommt.

Dann wird aus einem großen digitalen Pult kein Angstgegner. Dann wird es zu einem Arbeitsplatz, den man Schritt für Schritt versteht. Und genau darin liegt das Erfolgsgeheimnis: so viel wie nötig, so wenig wie möglich, aber das Wenige richtig gut geübt. Der Rest kommt danach, kann aber auf einem sicheren Fundament aufbauen.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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