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Freitag, Juli 17, 2026
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Funkstrecke Shure SLXD24+E/Beta58 G65 im Test: Wenn das „+“ eine völlig neue Performance bietet

Cyntia Niklas mit dem SLXD24+E Handsender und der Beta-58A-Kapsel. © Engelmann Promotion

Ein sauberer Soundcheck ist noch keine Garantie für einen entspannten Auftritt. Zwei Stunden später schaltet plötzlich irgendein Techniker eine zusätzliche Funkstrecke ein, ohne vorher Bescheid zu geben. Oder auf der Nebenbühne taucht auf einmal ein nicht koordiniertes System auf. Oder ein ungeübter Sprecher läuft mit dem Mikrofon direkt vor die Lautsprecher. Genau in solchen Momenten zeigt sich, ob eine Funkstrecke nur zuverlässig überträgt oder tatsächlich „mitdenkt“ …

Mit dem Shure SLXD24+E/Beta58 G65  erweitert Shure  sein bewährtes SLX-D-System mit den „+“ Varianten, die mit weiteren Funktionen im Veranstaltungsalltag einen echten Nutzen bringen.

Das Shure SLXD24+E/Beta58 G65 mit SLXD4+ Empfänger und SLXD2+ Handsender. © Engelmann Promotion

Das Shure SLXD24+E/Beta58 G65 mit SLXD4+ Empfänger und SLXD2+ Handsender. © Engelmann Promotion

Es gibt viel zu zeigen und zu berichten. Nur zwei Beispiele am Anfang, bevor wir uns wirklich gründlich mit dem System beschäftigen: Der Empfänger kann bei einer erkannten Funkstörung selbstständig eine freie Frequenz suchen und den Handsender automatisch nachführen. Zusätzlich arbeitet im Gerät eine automatische digitale Feedback-Unterdrückung. Wir haben beide Funktionen gezielt provoziert und auf Video festgehalten, das du dir in diesem Beitrag anschauen kannst.

Erstmal das Wichtigste kurz und knapp

  • Digitales UHF-Funksystem aus SLXD24+E  Empfänger und SLXD2+/Beta58 G65  Handsender
  • Bewährte dynamische Beta-58A-Kapsel mit Supernierencharakteristik
  • Frequenzbereich G65: 470 bis 606 MHz
  • 24 Bit/48 kHz, mehr als 118 dB Dynamikumfang und 2,8 ms Latenz
  • Automatischer Frequenzwechsel bei erkannten HF-Störungen
  • ShowLink® Ease zur Steuerung des Senders vom Empfänger aus
  • Digital Feedback Reduction mit bis zu 16 Filtern pro Kanal
  • Bis zu 136 MHz Schaltbandbreite in der europäischen G65-Ausführung
  • AES-256-Verschlüsselung und Steuerung per Wireless Workbench
  • Bis zu acht Stunden Betrieb mit AA-Batterien oder optionalem SB903-Akku
  • ShowLink® Ease: Der Empfänger kann den gekoppelten Sender drahtlos steuern. Frequenz, Gain, Sendeleistung, Sperrfunktionen und Firmware lassen sich verändern, ohne dass der Techniker das Mikrofon in die Hand bekommen muss.
  • Wireless Workbench Mobile: Über die App lassen sich HF-Status, Audiopegel, Batteriezustand und Systemeinstellungen mobil überwachen und teilweise direkt verändern.

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Lieferumfang und erstes Handling

Zum Set gehören der einkanalige SLXD24+E  Empfänger, der SLXD2+-Handsender mit Beta-58A-Kapsel, zwei Antennen, Netzteil, Mikrofonklemme, Rackmaterial, Batterien und Transportbeutel.

Sender und Empfänger sind robust verarbeitet. Der Handsender besitzt ein Metallgehäuse, der Empfänger lässt sich sauber in ein 19-Zoll-Rack integrieren. Hier wirkt nichts wie ein Kompromiss für den gelegentlichen Hobbyeinsatz. Somit kann alles in kurzer Zeit betriebsfertig in ein Rack eingebaut werden und ist sofort startbereit.

SLXD4+ Empfänger und SLXD2+ Handsender mit Beta-58A-Kapsel im Bühnenumfeld. © Engelmann Promotion

SLXD4+ Empfänger und SLXD2+ Handsender mit Beta-58A-Kapsel im Bühnenumfeld. © Engelmann Promotion

Ein bekanntes System bekommt echte Sicherheitsfunktionen

Das „+“ im Namen steht nicht für eine neue Farbvariante oder ein kleines kosmetisches Update. Shure behält die bewährte Grundlage von SLXD24+E  bei und ergänzt genau die Funktionen, die bei mobilen Produktionen, wechselnden Nutzern und unübersichtlichen Funkumgebungen Stress vermeiden können. Deswegen gibt es neben den Features wie erweiterter HF-Frequenzbereich einige neue Funktionen, die die „+“ Version in eine ganz andere Nutzungsklasse katapultieren.

Das ist der eigentliche Technologiesprung

Bei einer klassischen Funkstrecke denkt man zunächst in eine Richtung: Der Sender überträgt das Audiosignal, der Empfänger nimmt es entgegen. Der springende Punkt: Will man am Sender etwas ändern, muss man normalerweise an diesen auf der Bühne herankommen. Doch genau das ist während einer laufenden Veranstaltung oft das Problem.

Während der Veranstaltung an den Sender zu kommen ist oftmals schwierig.
Das SLXD24+E/Beta58 G65  verspricht Abhilfe:
Denn der Empfänger steuert jetzt den Sender

Der Handsender befindet sich vielleicht gerade bei einem Sänger auf der Bühne. Der Taschensender steckt unter dem Jackett eines Moderators, am Gürtel eines Schauspielers oder unter einem Kostüm. Treten jetzt Probleme auf, muss der Techniker normalerweise auf die Bühne. Er fängt den Akteur ab oder unterbricht die Veranstaltung kurz, um den Fehler zu finden und zu beheben. Unangenehm, selbst, wenn man nur mit einem Ersatzgerät die Bühne entert.

Im ungünstigsten Fall gibt man dem Akteur ein Austauschmikrofon, nimmt das bisherige System zurück, führt einen neuen Scan durch, stellt Sender und Empfänger neu ein und tauscht anschließend wieder zurück. Bei einer Podiumsdiskussion, einem Konzert oder einer offiziellen Rede ist das alles andere als elegant.

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Beim Shure SLXD24+E  besteht dagegen eine separate, bidirektionale Steuerverbindung zwischen Empfänger und Sender. Shure  nennt sie ShowLink® Ease . Über diese Verbindung kann der Empfänger Kommandos an den Sender übertragen. Die Funkstrecke dient damit nicht mehr nur der Audioübertragung. Sie bekommt zusätzlich einen echten Rückkanal für Steuerdaten. Vom Empfänger aus lassen sich unter anderem folgende Senderparameter verändern:

  • Sendefrequenz
  • Eingangsverstärkung beziehungsweise Sender-Gain
  • Sendeleistung
  • Sperren und Entsperren der Senderbedienung
  • Firmware des Senders
  • Kopplung und Verwaltung eines zweiten Senders

Das Mikrofon bleibt dort, wo es gebraucht wird: beim Akteur.

Ein Beispiel aus dem Veranstaltungsalltag

Stellen wir uns eine Preisverleihung vor. Der Moderator steht auf der Bühne, das Mikrofon funktioniert grundsätzlich, aber der Eingangspegel des Senders ist zu hoch eingestellt. Bei lauten Passagen kommt das Signal unangenehm nahe an die Übersteuerung. Ohne Senderfernsteuerung müsste der Techniker warten, bis der Moderator von der Bühne kommt. Oder er gibt ihm während der Veranstaltung ein anderes Mikrofon. Im schlechtesten Fall müsste die Moderation sogar kurz unterbrochen werden.

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Beim SLXD24+E  lässt sich der Sender-Gain direkt über den gekoppelten Empfänger korrigieren. Der Moderator spricht weiter, das Publikum bekommt von der Anpassung nichts mit. Ähnlich sieht es bei einer Funkstörung aus. Der Empfänger erkennt das Problem, findet eine freie Frequenz und überträgt diese über ShowLink® Ease an den Sender. Man muss weder an das Handmikrofon noch an den Taschensender herankommen. Sender und Empfänger bleiben gekoppelt und werden gemeinsam umgestellt. Ein fantastischer und neuartiger Bedienkomfort: Es verhindert Unterbrechungen und reduziert Fehlerquellen in Situationen, in denen ohnehin schon Zeitdruck herrscht.

Sperren und Firmware lassen sich aus der Ferne verwalten

Besonders interessant ist die Fernsteuerung für Schulen, Kirchen, Konferenzzentren und Verleiher. Dort werden Mikrofone häufig an Menschen ausgegeben, die sich mit Funktechnik nicht auskennen. Die Bedienelemente am Sender können aus der Ferne gesperrt werden. So kann ein Nutzer nicht versehentlich die Frequenz verändern oder wichtige Einstellungen verstellen.

Im Menü des Shure SLXD+ Empfängers © Engelmann Promotion

Im Menü des Shure SLXD+ Empfängers © Engelmann Promotion

Auch Firmware-Aktualisierungen lassen sich über die Steuerverbindung an den Sender übertragen. Das Gerät muss dafür nicht einzeln eingesammelt und per Kabel angeschlossen werden. Shure  gibt für ShowLink® Ease  bei direkter Sichtverbindung eine Steuerreichweite von bis zu 30 Metern an. Verlässt ein Sender diesen Bereich, stellt das System die Steuerverbindung automatisch wieder her, sobald er zurückkehrt. Für eine einzelne Funkstrecke ist das erst mal angenehm. Bei mehreren Handsendern und Taschensendern wird daraus ein echter Arbeitsvorteil.

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Das Funkrack wandert aufs Smartphone

ShowLink® Ease  verbindet den Empfänger mit dem Sender. Und die Wireless Workbench Mobile App  erweitert diese Steuerkette bis zum Smartphone oder Tablet. Der Techniker muss damit nicht mehr ständig vor dem Empfängerrack stehen. Er kann sich durch den Veranstaltungsort bewegen und trotzdem wichtige Werte der Funkstrecken im Blick behalten. Die App zeigt unter anderem:

  • HF-Status und Empfangsqualität
  • Audiosignal und Pegel
  • Batteriezustand der Sender
  • Warnungen und mögliche Störungen
  • Kanalnamen und Gerätestatus
  • Frequenzen und Frequenzzuordnungen

Die Shure-Wireless-Workbench-Mobile-App © Shure

Die Shure-Wireless-Workbench-Mobile-App © Shure

Bei auftretenden Problemen liefert die App nicht nur eine allgemeine Warnmeldung. Sie gibt auch Hinweise darauf, wo das Problem liegt und wie es behoben werden kann. Die Systemleistung kann damit direkt auf dem Smartphone überwacht werden.

ShowLink® Ease verbindet den Empfänger mit dem Sender. Die Wireless Workbench Mobile App kann dann bequem mit Smartphone und Tablet gesteuert werden

Kontrolle dort, wo das Mikrofon eingesetzt wird

Der praktische Vorteil zeigt sich besonders bei einem Reichweitentest: Statt eine zweite Person am Empfängerrack zu benötigen, kann der Techniker selbst mit dem Sender durch den Saal, über die Bühne oder hinter die Kulissen gehen. Auf dem Smartphone sieht er dabei, wie sich HF-Pegel und Verbindungsqualität verändern. Kritische Bereiche lassen sich dadurch deutlich schneller erkennen. Die häufigsten Beispiele sind:

  • hinter einer massiven Bühnenwand,
  • in einem Nebenraum,
  • am Rand des Zuschauerbereichs,
  • hinter LED-Wänden oder Traversen und
  • in Bereichen mit vielen Personen und technischen Geräten.

Auch während einer Veranstaltung kann der Techniker den Veranstaltungsort verlassen, ohne die Funktechnik aus den Augen zu verlieren. Er kann beispielsweise auf die Bühne gehen, während der Probe den Saal durchlaufen oder im Backstage-Bereich kontrollieren, ob alle Sender noch ausreichend Akkukapazität besitzen.

Einstellungen verändern, ohne zum Rack zurückzugehen

Doch die App ist nicht nur die mobile Anzeige: Mit ihr lassen sich auch Einstellungen verwalten, Geräte benennen, Pegel anpassen, freie Kanäle identifizieren und die Frequenzoptimierung steuern. SLXD24+E  Empfänger können je nach Aufbau direkt per Bluetooth oder über ein Netzwerk per WLAN beziehungsweise Ethernet eingebunden werden. Auf iOS-Geräten bietet Wireless Workbench Mobile zusätzlich Werkzeuge zum Scannen, Koordinieren und Zuweisen freier Frequenzen. Dadurch nähert sich die mobile Anwendung funktional deutlich an die bekannte Wireless Workbench Desktop-Software an.

Ein typisches Beispiel: Während der Veranstaltung meldet die App bei einer Funkstrecke eine auffällige HF-Situation. Der Techniker sieht sofort, welches Mikrofon betroffen ist. Über den Empfänger und ShowLink® Ease  kann das System reagieren und die neuen Einstellungen an den Sender übertragen. Damit entsteht eine durchgängige bidirektionale Steuerkette:

Sender → Empfänger → Smartphone
+
Smartphone → Empfänger → Sender

Genau diese Verbindung macht das SLXD24+E  so interessant. Der Techniker kann ein Problem erkennen, beurteilen und in vielen Fällen lösen, ohne das Mikrofon einzusammeln, auf die Bühne zu laufen oder die Veranstaltung zu unterbrechen.

App-Informationen und Download

Die kostenlose App ist für iOS sowie Android erhältlich. Auf der offiziellen Seite von Shure  finden sich die aktuellen Informationen, unterstützten Geräte sowie die Links zu den jeweiligen App-Stores:

Wireless Workbench Mobile bei Shure – Informationen und Download 

Für die vollständige App-Unterstützung sollte auf Empfängern und Sendern die aktuelle Firmware installiert sein. Shure  weist darauf hin, dass für die Nutzung mit SLXD24+E  mindestens Firmware-Version 2.0.38 benötigt wird.

G65 von 470 bis 606 MHz: viel Spielraum, doch nicht einfach so

Die G65-Version deckt 470 bis 606 MHz ab. Das ist für professionelle Anwender interessant, weil das System innerhalb dieses großen Bereichs deutlich mehr Ausweichmöglichkeiten besitzt als eine schmalbandige Funkstrecke. In Deutschland fällt dieser Bereich unter die Allgemeinzuteilung für professionelle Produktionen. Für einen gewerblichen und fachmännisch ausgeübten Einsatz ist damit keine einzelne Frequenzzuteilung erforderlich. Trotzdem darf man nicht davon ausgehen, dass jede Frequenz an jedem Ort frei und störungsfrei genutzt werden kann.

Der Frequenzbereich von 470 MHz – 606 MHz fällt unter die Allgemeinzuteilung – Trotzdem: nicht jede Frequenz ist an jedem Ort frei bzw. störungsfrei – Vor einer Produktion gehört deshalb ein sauberer Scan zur Pflicht

Der Bereich wird regional weiterhin durch andere Funkanwendungen und insbesondere durch Rundfunk belegt. Vor einer Produktion gehört deshalb ein sauberer Scan zur Pflicht. Treffen bei größeren Veranstaltungen mehrere Funkanwender zusammen, müssen die Systeme vor Ort koordiniert werden. Die aktuelle Allgemeinzuteilung für den Bereich 470 bis 608 MHz ist bis zum 31. Dezember 2030 befristet. Außerdem weist die Bundesnetzagentur ausdrücklich darauf hin, dass keine Mindestqualität oder Störungsfreiheit garantiert wird.

Automatischer Frequenzwechsel: Der wichtigste Fortschritt im Test

Im Alltag wird die Funktion gerne als Frequenzhopping bezeichnet. Technisch sollte man sie jedoch nicht mit klassischem FHSS (Frequency Hopping Spread Spectrum) verwechseln. Dies ist ein festes Frequenzsprungverfahren, bei dem permanent nach einem vorgegebenen Muster zwischen mehreren Frequenzen gewechselt wird. Das SLXD24+E  überwacht die aktive Funkverbindung. Erkennt der Empfänger ein HF-Problem, sucht er eine freie Frequenz und überträgt die Änderung über ShowLink® Ease an den gekoppelten Sender.

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band zone orga-software

ShowLink® Ease  nutzt Bluetooth Low Energy denn auch als separate Steuerverbindung. Darüber lassen sich nicht nur Frequenzen übertragen, auch Sender Gain, Sendeleistung, Sperrfunktionen und Firmware können vom Empfänger aus verwaltet werden. Der Techniker muss den Handsender also nicht zurückholen und auf der Bühne neu synchronisieren.

Für unseren Test haben wir die belegte Systemfrequenz bewusst mit einem weiteren Sender gestört. Nach ungefähr drei Sekunden hatte das SLXD24+E einen freien Kanal gefunden und Empfänger sowie Handsender umgestellt. Im Audiosignal war der Wechsel in unserem Aufbau nicht störend wahrnehmbar. Shure nennt abhängig vom notwendigen Scan eine typische Reaktionszeit von zwei bis fünf Sekunden.

Das ist kein Spielzeug-Feature. Bei Stadtfesten, Mehrzweckhallen, Fremdproduktionen oder Veranstaltungen mit mehreren Bühnen kann sich die HF-Situation nach dem Soundcheck deutlich verändern. Genau dort nimmt die Automatik Druck aus der Situation.

Wichtig bleibt: Der volle ShowLink-Ease-Funktionsumfang steht nur zur Verfügung, wenn Plus-Empfänger und Plus-Sender zusammenarbeiten. Ältere SLX-D-Komponenten können nach entsprechenden Firmware-Updates grundsätzlich mit SLX-D+ kombiniert werden. Die neuen ShowLink-Ease- und DSP-Funktionen stehen in gemischten Kombinationen jedoch nicht vollständig zur Verfügung.

Der SLXD4+ Empfänger mit gekoppeltem SLXD2+ Handsender im Praxistest. © Engelmann Promotion

Der SLXD4+ Empfänger mit gekoppeltem SLXD2+ Handsender im Praxistest. © Engelmann Promotion

Feedback-Unterdrückung: Sicherheitsnetz, keine Wunderwaffe

Die zweite große Neuerung ist die Digital Feedback Reduction, kurz DFR von Shure . Der Empfänger erkennt entstehende Rückkopplungsfrequenzen und setzt automatisch schmale Filter. Pro Kanal können dabei bis zu 16 Filter eingesetzt werden. Im Test reagierte das System schnell auf provozierte Rückkopplungen in unterschiedlichen Frequenzbereichen. Das Pfeifen wurde erkannt und deutlich reduziert, bevor es sich vollständig aufschaukeln konnte.

Das ist allerdings keine Lizenz für falsche Lautsprecher- oder Monitorpositionen, zu viel Verstärkung oder schlechte Mikrofonführung. Auch der beste Algorithmus kann die Physik nicht abschaffen. DFR ist vielmehr ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt für Situationen, in denen ein Sprecher versehentlich das Mikrofon vor einen Lautsprecher hält, oder kein erfahrener Techniker ständig am Mischpult sitzt.

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Gerade in Schulen, Kirchen, Gemeindehäusern, Konferenzräumen und bei Vereinsveranstaltungen kann das einen entscheidenden Unterschied machen. Dort können die Sprecher häufig ihre Position wechseln und die Mikrofonabstände werden unberechenbar. Auch die technische Betreuung erfolgt nicht immer durch ausgebildete Tontechniker.

Dazu ein Short auf Youtube: https://youtube.com/shorts/fKXBNVUOCGc?si=AX0GllKoIkBut6pr

Das beliebte Beta 58A von Shure: direkt und durchsetzungsfähig, aber auch andere kompatible Kapseln sind möglich

Shure  kombiniert die neue Funktechnik mit einer Kapsel, die seit vielen Jahren auf professionellen Bühnen zu Hause ist. Das Beta 58A  ist ein dynamisches Gesangsmikrofon mit Supernierencharakteristik: Sie nimmt vor allem von vorne auf und unterdrückt Schall von der Seite und von hinten. Der Übertragungsbereich reicht von 50 Hz bis 16 kHz.

Im Vergleich mit dem SM58  nimmt es enger auf, liefert einen höheren Ausgangspegel und zeichnet die oberen Mitten und Höhen deutlicher. Dadurch setzt sich eine Stimme im Mix gut durch, ohne dass man sofort massiv mit dem Equalizer nachhelfen muss. Im Praxiseinsatz klang die Stimme daher auch präsent, klar und gut verständlich. Das System fügte weder auffälliges Rauschen noch hörbare digitale Härte hinzu. Im direkten Höreindruck war kaum festzustellen, ob die Kapsel über Funk oder Kabel übertragen wurde.

Genau so sollte sich eine professionelle Digitalstrecke verhalten: Sie soll den Charakter des Mikrofons transportieren und keinen eigenen Klang hinzufügen

Die Superniere verlangt allerdings eine passende Monitoraufstellung oder eben InEar-Monitoring. Ihre stärkste Rückwärtsdämpfung liegt nicht exakt bei 180 Grad. Wer einen Bühnenmonitor direkt hinter das Mikrofon stellt, verschenkt einen Teil der möglichen Rückkopplungsreserve. Richtig eingesetzt ergänzen sich die Richtwirkung des Beta 58A und die elektronische Feedback-Reduktion sehr sinnvoll. Je nach Geschmack kann man sich auch für eine andere Kapsel von Shure  oder auch kompatiblen Fremdanbietern entscheiden. Sehr beliebt ist übrigens auch die SE V/ Kapsel :

Die Beta-58A-Kapsel im Detail: robust, vertraut und für Gesang klar ausgelegt. © Engelmann Promotion

Die Beta-58A-Kapsel in der Makroaufnahme: robust, vertraut und klar für Gesang ausgelegt. © Engelmann Promotion

Reichweite und Stabilität im Veranstaltungseinsatz

Der Praxiseinsatz fand unter anderem in einer mittelgroßen Halle mit rund 1.000 Besuchern, wechselnden Orchestern, Moderationen und Ansprachen statt. Während der Veranstaltung blieb die Verbindung stabil und frei von Dropouts. Darüber hinaus hatten wir das Shure  Mikrofon inzwischen in mehreren Live-Situationen im Einsatz, unter anderem bei einem Konzert mit der Sängerin Cyntia Niklas . Auch hier arbeitete das System zu unserer vollsten Zufriedenheit: Die Funkverbindung blieb stabil, die Übertragung klang sauber und im laufenden Betrieb gab es keinerlei Aussetzer.

Shure  gibt für die Funkstrecke unter geeigneten Bedingungen eine Reichweite von bis zu 60 Metern an. Solche Herstellerwerte hängen immer von Sichtverbindung, Antennenposition, Gebäudestruktur und vorhandenem Störpegel ab. Unser Eindruck war dennoch klar: Für typische Bühnen, Hallen, Kirchen und Corporate-Produktionen bietet das System eine überzeugende Reserve.

Auch bei einer vorherigen Begehung in Bereichen, die mit anderen Funksystemen bereits kritisch gewesen waren, arbeitete das SLXD24+ zuverlässig. © Engelmann Promotion

Auch bei einer vorherigen Begehung in Bereichen, die mit anderen Funksystemen bereits kritisch gewesen waren, arbeitete das SLXD24+ zuverlässig (im Bild: Cyntia Niklas mit Band). © Engelmann Promotion

Wireless Workbench Mobile: mächtig, aber nicht völlig selbsterklärend

Das SLXD24+E  lässt sich direkt am Empfänger bedienen, über Shures Wireless Workbench  am Rechner verwalten und mit Wireless Workbench Mobile  überwachen. Die mobile Verbindung kann je nach Aufbau über Bluetooth, WLAN oder Ethernet erfolgen. Damit lassen sich HF-Status, Geräteparameter und mehrere Systeme kontrollieren, ohne ständig am Rack zu stehen.

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Die Möglichkeiten sind umfangreich, aber nicht jede Einstellung erschließt sich beim ersten Blick. Für die erste Inbetriebnahme sollte man ungefähr 15 Minuten einplanen, das Menü vollständig durchgehen und die App-Verbindung bewusst einrichten. Danach ist die Bedienung logisch und im Alltag schnell umgesetzt. Die Einarbeitung ist kein schwerwiegender Minuspunkt, gehört aber zu einer ehrlichen Bewertung. Wer alle Automatikfunktionen, Sperren und Fernsteuerungen nutzen möchte, sollte nicht erst fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn damit anfangen.

SLXD und SLXD+ im direkten Vergleich

Merkmal
SLXD
SLXD+
Audioübertragung
24 Bit/48 kHz
24 Bit/48 kHz
Dynamikumfang
über 118 dB
über 118 dB
Schaltbandbreite
bis zu 44 MHz
Bis zu 136 MHz im G65-Bereich
Latenz
3,2 ms
2,8 ms
Automatischer Frequenzwechsel
nein
ja
ShowLink® Ease
nein
ja
Digital Feedback Reduction
nein
ja
Verschlüsselung
nein
AES-256
Mobile Verbindung
über Netzwerk/WLAN
zusätzlich direkt per Bluetooth
Akkulaufzeit
bis zu 8 Stunden
bis zu 8 Stunden

Der entscheidende Unterschied liegt damit nicht im Klang. Das „+“ Modell bietet vor allem mehr Flexibilität, Fernzugriff und automatische Sicherheitsfunktionen. Bei den möglichen Kanalzahlen sollte man vorsichtig mit pauschalen Angaben sein. Shure  nennt für das SLXD24+E  bis zu elf kompatible Systeme innerhalb eines 6-MHz-TV-Kanals beziehungsweise bis zu 14 innerhalb eines 8-MHz-TV-Kanals. Ob diese Zahlen vor Ort erreichbar sind, hängt vom verfügbaren Frequenzspektrum, von Rundfunksendern, weiteren Funkstrecken und der Frequenzkoordination ab.

Display am Mikrofon © Engelmann Promotion

Display am Mikrofon © Engelmann Promotion

Für wen lohnt sich das Shure SLXD24+E/Beta58 G65?

Besonders stark ist das System überall dort, wo sich die Bedingungen ändern und Fehler nicht ausgeschlossen werden können:

  • mobile Verleiher und Veranstaltungstechniker
  • Bands mit häufig wechselnden Bühnen
  • Stadtfeste und Mehrbühnenveranstaltungen
  • Schulen, Hochschulen und Mehrzweckhallen
  • Kirchen, Gemeinden und Vereinsheime
  • Corporate-Events und Konferenzen
  • Installationen mit häufig wechselnden Nutzern

Für Unternehmen und Veranstaltungen mit vertraulichen Inhalten ist die serienmäßige AES-256-Verschlüsselung ein zusätzliches Argument. Für Verleiher sind die robuste Verarbeitung und die automatisierten Schutzfunktionen interessant. Bei Schulen und Gemeinden spielt vor allem die Feedback-Reduktion ihre Stärke aus. Wer dagegen dauerhaft in einem kontrollierten Raum mit stabiler Funkumgebung arbeitet und bereits ein klassisches SLXD  besitzt, muss nicht automatisch wechseln. Die Audioqualität ist identisch. Der Mehrwert des „+“ Modells liegt nicht in einem besseren Klang, sondern mehr in der Frequenzflexibilität, Fernzugriff und Betriebssicherheit.

Das Plus sitzt an den richtigen Stellen

Das Shure SLXD24+E/Beta58 G65  erfindet die digitale Funkstrecke nicht neu. Es verbessert sie aber deutlich im Umgang mit echten Problemen. Der automatische Frequenzwechsel hat sich im Test als die Funktion mit dem größten praktischen Nutzen herausgstellt. Eine Störung wurde erkannt, eine Alternative gesucht und der Sender ohne hektischen Zugriff nachgeführt. Genau diese Art von Automatik möchte man im Idealfall nie brauchen – und ist froh, wenn sie im entscheidenden Moment funktioniert.

Der automatische Frequenzwechsel war im Test die Funktion
mit dem größten praktischen Nutzen.

Die Feedback-Reduktion ist der zweite starke Sicherheitsgewinn. Sie ersetzt weder Erfahrung noch eine saubere Beschallungsplanung, kann aber kritische Situationen entschärfen. Dazu kommen die bewährte Beta-58A-Kapsel , robuste Verarbeitung, AES-256-Verschlüsselung, große Schaltbandbreite und eine zeitgemäße Fernverwaltung.

Zum Testzeitpunkt lag das komplette System im Handel bei ungefähr 950,- €. Das ist kein Ein­stei­ger­preis, angesichts der Ausstattung und der gewonnenen Betriebssicherheit aber nachvollziehbar.

Der Moderator des Chores mit dem Handsender von Shure © Engelmann Promotion

Der Moderator des Chores mit dem Handsender von Shure © Engelmann Promotion

Wer häufig mobil arbeitet, bekommt hier ein ausgesprochen überzeugendes Werkzeug. Das gilt auch dann, wenn man vorher nicht weiß, welche Funkstrecken und Nutzer im Laufe einer Veranstaltung auftauchen. Der größte Unterschied zu vielen klassischen Funkstrecken ist dabei die neue Steue­rungs­rich­tung: Der Empfänger greift aktiv auf den Sender zu. Das kann im laufenden Betrieb eine Unterbrechung, einen Mikrofonwechsel oder den hektischen Gang auf die Bühne verhindern.

Unsere Pluspunkte im Praxistest

  • automatischer Frequenzwechsel mit gekoppeltem Plus-Sender
  • integrierte Feedback-Reduktion mit bis zu 16 Filtern
  • große Schaltbandbreite im G65-Bereich
  • sehr gute Sprach- und Gesangsübertragung
  • bewährte Beta-58A-Kapsel
  • robuste Metallverarbeitung
  • AES-256-Verschlüsselung
  • Fernsteuerung per Wireless Workbench und Mobile App
  • bis zu acht Stunden Senderlaufzeit
  • vollständiges Rack-Zubehör im Lieferumfang

Alternativen zu diesem System

1. Mipro ACT-5800 MU-59 Set

Digitales 5,8-GHz-Funksystem mit dynamischer MU-59-Supernierenkapsel. Preis ca. 419,- € / Die Wechselkapselaufnahme ist unter anderem mit verschiedenen Shure-Kapseln kompatibel.

2. Shure GLXD24+/Beta58

Digitales Dual-Band-Funksystem mit Beta58A-Kapsel. Preis ca. 659,- € / Das System arbeitet anmeldefrei in den Frequenzbereichen 2,4 und 5,8 GHz.

3. Sennheiser EW-D 945-S Q1-6

Digitales UHF-Funksystem mit dynamischer MMD-945-Supernierenkapsel. Preis ca. 669,- € / Das EW-D arbeitet im Frequenzbereich von 470,2 bis 526 MHz und bietet eine Schaltbandbreite von 56 MHz.

4. Shure SLXD24+E/SM58 G65

Digitales UHF-Funksystem mit SM58-Nierenkapsel. Preis ca. 889 € / Technisch entspricht es weitgehend dem SLXD24+E/Beta58 G65, ist aber mit der klassischen SM58-Kapsel ausgestattet.

5. Sennheiser EW-D 965 Q1-6

Digitales UHF-Funksystem mit hochwertiger Kondensator-Wechselkapsel. Preis ca. 1.055 € / Die Richtcharakteristik der MMK-965-Kapsel kann zwischen Niere und Superniere umgeschaltet werden.

Preisstand: 14. Juli 2026. Die Preise bei Thomann können sich natürlich jederzeit ändern.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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