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    “Customized Backing Tracks” – oder –
    was tun, wenn Schlagzeuger und/oder Bassist fehlen?

    Keyboards … / © TStudio (Pexels) + Andy C.

    Während der Corona Lockdowns hatte ich ausreichend Zeit, mich mal mit MIDI Recording  zu befassen. Eigentlich wollte ich nur die Proben jener Band, die wir kurz zuvor gegründet hatten, vorbereiten. Daraus ist inzwischen ein komplett neuer Betätigungszweig geworden. Wir haben bereits eine CD eingespielt, deren Instrumentalspuren ausschließlich auf MIDI Aufnahmen basieren. Und seit kurzem verwenden wir diese Dateien auch als Backing Tracks für Konzerte als Duo oder Trio.

    Ein Erfahrungsbericht

    Nicht immer können wir als komplette Band auftreten. Das kann verschiedene Gründe haben: Mal ist einer der Musiker in Urlaub, im Studio oder mit einer anderen Band auf Tour. Mal ist die Bühne zu klein, mal wünscht sich der Clubmanager leise Dinner-Musik. Deshalb haben wir begonnen, kleinere Formate anzubieten, bei denen man unsere Band als Duo oder Trio buchen kann.

    Spreadsheet zur Aufzeichnung von Songs im MIDI Format / © Chris Hinz

    Wenn wir im kleinen Setup (wie zuletzt mit Sänger, Gitarre und Keyboard) auftreten, verwenden wir Backing-Tracks , um die fehlenden Instrumente (hier: Bass und Schlagzeug) hinzuzufügen. Natürlich kann man solche Aufnahmen auch fertig kaufen. Aber ich erstelle ausnahmslos alle Tracks mit dem integrierten MIDI-Sequenzer meines Keyboards. Außerdem nutze ich die Gelegenheit, unsere Live- Versionen einzuspielen (hier ein bisschen länger, dort ein anderer Akkord oder ein ungewöhnlicher Schluss) und die eine oder andere Spur hinzuzufügen (wie z. B. Chor, Streicher, Bläser).

    Meine favorisierte Verwendung eines Onboard Sequenzers  anstelle von Backing-Tracks hat jedoch den Vorteil, dass man auf zusätzliches Gerät wie Laptop und DAW Software verzichten kann, weil sich alles dafür Notwendige bereits im Keyboard befindet.

    Was jedoch noch wichtiger ist: Gegenüber klassischen Backing Tapes kann ich bei Bedarf die Tonhöhe des jeweiligen Songs ändern. Außerdem kann ich während des Konzerts jederzeit eine der 16 Spuren stummschalten oder andere Parameter wie z.B. Lautstärke, Panorama, Effekte oder Tempo in Echtzeit ändern. Auf diese Weise lässt sich z.B. am Ende des Songs problemlos ein Ritardando (das Tempo verzögernd)  erzeugen, ohne dass sich die Tonhöhe ändert.

    Die Spuren 3, 4, 5 und 16 sind stumm geschaltet (LEDs aus) / © Chris Hinz

    Der “Pattern-Modus”

    Für Songs, bei denen wir das Publikum zum Mitsingen einladen, setzen wir den sogenannten Pattern-Mode  ein. Diese Pattern (Muster)  bestehen aus einzelnen Segmenten (wie Intro, Vers, Chorus, Solo, Bridge oder Outro), aus denen wir einen Song zusammen bauen – ähnlich wie mit einem Lego-Baukasten.

    Für unsere Konzerte in kleiner Besetzung habe ich diese Funktion, die eigentlich zur Aufnahme von Songbestandteilen dient, etwas zweckentfremdet: Das erste Segment beinhaltet den Song bis zu dem Punkt, an dem das Publikum mitsingen soll. Segment Nummer 2 wird beliebig oft wiederholt. Bei Bedarf schalte ich dort auch einzelne Spuren (= ausgewählte Instrumente) stumm, so dass beispielsweise das Publikum nur zu Bass und Schlagzeug singt – ähnlich wie bei einer live spielenden Band.

    Und wenn es besonders echt klingen soll, tausche ich in jenem Part die Snare gegen den Sidestick aus und reduziere das Volumen von Bass und Drums. Das dritte Segment enthält die Überleitung aus dem ruhigen Mittelteil und den kompletten Rest des Songs.

    Nutzung des Pattern Mode für die Interaktion mit dem Publikum / © Chris Hinz

    Im Zusammenspiel mit dem Sänger, der das Publikum einlädt, mitzumachen, klingt das Ergebnis großartig und es fühlt sich fast so an, als hätte man die ganze Band auf der Bühne.

    Dabei gibt es nur eine böse Falle: Man sollte hinter dem Ende des dritten Segments noch ein Dutzend Leertakte einbauen und unbedingt daran denken, das Pattern manuell zu stoppen. Macht ihr das nicht, geht es Euch wie mir beim letzten Konzert: Das Segment beginnt zu loopen und fängt nochmal von vorne an – extrem peinlich. Aber naja – wir haben das Beste daraus gemacht …

    Live Einsatz des Pattern Mode zur Interaktion mit dem Publikum

    Globale Einstellungen: Das Sequenzer Control Sheet

    Um den Überblick zu behalten, habe ich mein eigenes Sequenzer Control Sheet entworfen. Der obere Teil (OK)  enthält Titel, Interpret und einige andere grundlegende Informationen wie Tonhöhe, Tempo und Dauer. Der zweite Teil (TRACKS)  bietet einen Überblick über die 16 Spuren mit den bei diesem Song zum Einsatz kommenden Sounds. Die von mir stummgeschalteten Spuren – das sind die Musiker, die am Abend präsent sind und mitspielen – sind ausgeblendet, während die Sounds, die ich dann auf der Bühne verwende, hervorgehoben werden.

    Sequencer Control Sheet / © Chris Hinz

    Der untere und dritte Block (SEQUENCE)  zeigt den internen Ablauf des Songs an, der aus maximal 24 einzelnen Abschnitten bestehen kann. Das obere Feld enthält jeweils die Nummer des Starttaktes, das untere beschreibt den Inhalt des jeweiligen Ereignisses (Strophe, Bridge, Refrain, Solo etc.). Kritische Momente, die meine besondere Aufmerksamkeit erfordern, werden hervorgehoben.

    Der Sequenzer zeigt mir den jeweils aktuellen Takt an. So kann ich sofort feststellen, an welcher Stelle des betreffenden Songs wir uns gerade befinden. Das gibt mir ein wesentlich sicheres Gefühl als der übliche Blindflug mit einem Backing Track Tape .

    Die Taktanzeige auf dem Display des Keyboards verrät die Position im Song / © Chris Hinz

    Ich muss zugeben, die Erstellung dieses Blattes hat etwas Arbeit und Zeit gekostet. Aber da ich ja alle Songs, die wir spielen, bereits vorher schon auf 16 MIDI Tracks aufgenommen und dokumentiert habe, war es jetzt recht einfach, die relevanten Daten der Aufnahmen mit der Seriendruckfunktion eines Textverarbeitungsprogramms auf dieses Blatt zu übertragen.

    Übernahme der Daten vom Recording Spread Sheet in das Sequencer Control Sheet / © Chis Hinz

    … und alle sind zufrieden

    Publikum und Management waren von unserem Debut als Trio an dem Abend recht beeindruckt und hatten absolut kein Problem damit, dass wir die ausgefallenen Instrumente mit einem Sequenzer auffüllten. Auf diese Weise könnten wir durchaus auf den fehlenden Musiker verzichten – doch nix geht über live playing – oder?

    Ich bin mir mittlerweile sicher, dass wir in Zukunft noch die ein oder andere Show auf diese Weise gestalten werden. Gleichzeitig können wir an solch´ kleinen Veranstaltungsorten neue Fans gewinnen. So manche/r Besucher/in unseres Erstkonzerts äußerte denn auch den Wunsch, mal die gesamte Band live auf der großen Bühne zu erleben. Für uns hat sich diese „Notlösung“ damit durchaus als WIN-WIN-WIN-Situation (Publikum / Club Management / Band) herausgestellt.

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    Chris Hinz
    Chris Hinz verfügt über eine 6-jährige klassische Ausbildung am Piano und eine 3-jährige Ausbildung an der Sakralorgel. Er ist seit mehreren Jahrzehnten in der Musikszene Rhein Main aktiv und aktuell mit zwei Coverbands und einem Smooth Jazz Duo unterwegs. Chris Hinz ist freiberuflicher Unternehmensberater und war lange Zeit für ein namhaftes IT Unternehmen tätig.
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