StartTechnik1. TontechnikMixing Station: Eine Bedien­ober­fläche für viele Digital­mixer – am Beispiel des X32
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Mixing Station: Eine Bedien­ober­fläche für viele Digital­mixer – am Beispiel des X32

Mixing Station auf mehreren Displays – die Oberfläche lässt sich an den jeweiligen Workflow anpassen © KI generiert, Engelmann Promotion

Viele Digitalmixer lassen sich heute bequem per Tablet, Smartphone oder Rechner steuern. Das Problem beginnt, sobald man mit mehreren Pultfamilien arbeitet: Behringer sieht anders aus als Allen & Heath, Yamaha anders als Soundcraft. Und jede Her­stel­ler­soft­ware folgt ihrer eigenen Bedienlogik. Die App Mixing Station  geht einen anderen Weg. Sie legt eine weitgehend einheitliche Bedienoberfläche über zahlreiche Digitalmixer – und lässt sich so stark anpassen, dass aus Tablet oder Laptop praktisch eine eigene Mischoberfläche werden kann.

Du kannst dir mit dieser App deine eigene Bedienoberfläche weitgehend selbst nach Funktionen und dem eigenen Workflow aufbauen. Und genau diese Bedienlogik kannst du anschließend auch auf unterschiedlich unterstützten Pulten weitgehend beibehalten. Das ist besonders für Techniker, Rental-Unternehmen, Bands und Festinstallationen spannend. Und es geht noch weiter: Mixing Station  bietet einige Funktionen, die über eine reine Fernsteuerung des Mischpults hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise automatisches Auspfeifen von Monitoren, Auto-EQ mit Messmikrofon, Re-Gain, DCA-Spill oder sogar mixerübergreifende Szenen.

Gut zu wissen:
Mixing Station ist keine Audio-App und keine DAW.
Es wird kein Audiosignal über das Tablet übertragen.
Die App steuert lediglich den eigentlichen Digitalmixer über ein Netzwerk.

Wir verwenden in diesem Artikel immer wieder das Behringer X32  als Praxisbeispiel. Doch nicht, weil Mixing Station  nur oder grundsätzlich besser mit dem X32  funktioniert. Der Grund ist einfach: Wir beschäftigen uns bei StageAID seit Jahren intensiv mit der X32-Familie, haben zahlreiche Artikel, Praxisberichte und Anleitungen dazu veröffentlicht und können deshalb Funktionen und Arbeitsweisen sehr gut an diesem System erklären. Auch läßt sich vieles davon sinngemäß auf andere von Mixing Station  unterstützte Digitalmixer übertragen.

Was jetzt genau macht Mixing Station ?

Zuerst ist Mixing Station eine Remote-Control-Software für digitale Mischpulte. Die App verbindet sich über LAN beziehungsweise WLAN mit dem Mixer und greift auf dessen Parameter zu. Je nach Pult lassen sich Fader, Preamps, EQs, Dynamics, Busse, Effekte, Routing und zahlreiche weitere Funktionen bedienen.

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Die Auswahl der unterstützten Systeme ist mittlerweile beachtlich. Neben Behringer X32/M32, X-Air/M-Air&  und WING  werden unter anderem zahlreiche Allen-&-Heath-Serien  wie CQ, Qu, SQ, Avantis  und dLive , verschiedene Soundcraft-, Yamaha-, PreSonus-, Mackie-, QSC-  und Tascam-Pulte unterstützt. Mixing Station  läuft auf iOS, Android, Windows, macOS  und sogar Linux .

Doch der eigentliche Clou ist nicht die Zahl der unterstützten Mixer und Betriebssysteme: Entscheidend ist, dass der eigene Workflow weitgehend gleich eingestellt bleiben kann, auch wenn das Pult wechselt.

Eine Bedienlogik für viele Digitalmixer – genau hier liegt eine der großen Stärken von Mixing Station © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Eine Bedienlogik für viele Digitalmixer – genau hier liegt eine der großen Stärken von Mixing Station © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Warum das in der Praxis richtig interessant ist

Wer ausschließlich mit einem einzigen Digitalpult arbeitet, kann sich problemlos an dessen Hersteller-App gewöhnen. Im Rental-Alltag sieht das jedoch anders aus. Heute steht ein X32 Rack  vor dir, morgen ein WING  und beim nächsten Job vielleicht ein SQ  oder ein Soundcraft Ui . Normalerweise bedeutet das: andere Oberfläche, andere Layer, andere Menüs und teilweise eine völlig andere Bedienlogik. Mixing Station  versucht genau diese Unterschiede anzugleichen.

Du definierst stärker deine eigene Arbeitsweise,
statt dich vollständig der Oberfläche des jeweiligen Herstellers anzupassen –
und das geht schon ziemlich weit …

Eigene Layer statt starrer Kanalblöcke

Du kannst eigene Layer anlegen und selbst bestimmen, welche Kanäle dort auftauchen. Nehmen wir einen typischen Bandjob mit 24 Eingangskanälen. Während der Show brauchst du vielleicht ständig nur Kick, Snare, Bass, Lead-Vocal, zwei Gitarren, Keyboard, Zuspieler, zwei Effekt-Returns, vier DCAs und den Master. Warum also ständig durch alle 24 Eingänge blättern? Genau diese wichtigen Fader kannst du dir auf eine gemeinsame Arbeitsoberfläche legen.

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Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Im Live-Betrieb kann es aber den entscheidenden Unterschied machen zwischen: „Wo war jetzt noch mal der Kanal?“  und einem direkten Zugriff auf genau die Funktionen, die gerade wichtig sind.

Mixer View der Mixing Station App – Kanäle, Busse und Layer kompakt auf einer Oberfläche. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Mixer View der Mixing Station App – Kanäle, Busse und Layer kompakt auf einer Oberfläche. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Custom Layouts: Bau dir dein eigenes Mischpult

Noch interessanter werden die Custom Layouts. Fader, Knöpfe, Layer-Taster, einzelne Channel-Strips, Sends-on-Fader-Funktionen und weitere Bedienelemente lassen sich frei positionieren und skalieren. Damit entstehen vollkommen unterschiedliche Bedienoberflächen. Ein FOH-Techniker kann sich damit eine kompakte Live-Oberfläche bauen. Der Monitortechniker bekommt eine andere Ansicht. Ein Musiker sieht ausschließlich seinen Monitorweg.

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band zone orga-software

In einer Festinstallation könnte ein Wandtablet beispielsweise nur fünf Mikrofonlautstärken, den Zuspieler und die Gesamtlautstärke anzeigen. Routing, Gains und Systemparameter bleiben für den Benutzer unsichtbar. Das ist eine Eigenschaft, bei dem Mixing Station  deutlich über eine normale Fernbedienungs-App hinausgeht.

App Setup – zentrale Einstellungen für Layer, Layouts, Channel Strip, MIDI und Security. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

App Setup – zentrale Einstellungen für Layer, Layouts, Channel Strip, MIDI und Security. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

 Der Channel Strip lässt sich bis ins Detail an die eigene Arbeitsweise anpassen. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Der Channel Strip lässt sich bis ins Detail an die eigene Arbeitsweise anpassen. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Spezialfunktionen: Hier wird Mixing Station richtig spannend

Einige Funktionen fallen beim ersten Blick auf die App kaum auf. Doch gerade diese Funktionen können im praktischen Einsatz enorm nützlich sein. Und eine der spannendsten Funktionen heißt bei Mixing Station  Feedback Detection beziehungsweise Automatic Ringing Out. Jetzt nehmen wir wieder unser X32. Du hast einen Monitorweg auf einem Bus liegen und dort einen grafischen EQ eingeschleift. Ein Mikrofon steht vor dem Monitor.

Effect Racks des X32 in Mixing Station – Hall, grafische EQs und weitere Effekte bleiben direkt erreichbar. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Effect Racks des X32 in Mixing Station – Hall, grafische EQs und weitere Effekte bleiben direkt erreichbar. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

1. Monitore automatisch auspfeifen – Feedback Detection

Mixing Station  kann nun das Signal per RTA (Echtzeit-Frequenzanalysator) analysieren und erkennen, welche Frequenzen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu koppeln beginnen. Im Automatikmodus kann die App diese Frequenzen direkt am Grafik-Equalizer (GEQ) des betreffenden Monitorweges absenken. Der praktische Ablauf sieht dabei vereinfacht so aus:

  1. Mikrofon auf den Monitorbus schicken.
  2. GEQ in den Monitorweg einsetzen.
  3. Mikrofon als RTA-Quelle auswählen.
  4. Monitorbus als Ziel für die Korrektur wählen.
  5. Feedback Detection beziehungsweise Auto aktivieren.
  6. Monitorpegel vorsichtig erhöhen.
  7. Entstehende Feedbackfrequenzen automatisch absenken lassen.

Damit lässt sich beispielsweise vor einem Konzert einen Wedge (Monitor) relativ schnell auf maximale nutzbare Verstärkung bringen.

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Vorsicht: Kein klassischer Feedback-Destroyer

Hier muss man einen wichtigen Unterschied machen: Mixing Station  bezeichnet die Funktion ausdrücklich als Werkzeug zum „Auspfeifen“ bzw. Ringing Out vor dem Betrieb. Sie ist auf keinen Fall dafür gedacht, während eines Konzertes permanent eingeschaltet zu bleiben und jedes auftretende Signal automatisch für Feedback zu halten. Das wäre auch gefährlich: Ein langer Gitarrenton, eine Orgel oder ein Synthesizer könnte spektral durchaus der Rückkopplung ähnlich klingen. Also die Anlage beziehungsweise Monitor vor der Veranstaltung auspfeifen und die Automatik anschließend wieder abschalten. Für mich ist das eine ausgesprochen praktische Assistenzfunktion.

2. PA mit Messmikrofon einmessen – Auto-EQ

Noch interessanter ist Auto-EQ. Damit kann Mixing Station  zusammen mit einem Messmikrofon den Frequenzgang einer Beschallungsanlage analysieren und einen EQ-Vorschlag berechnen. Beim X32  könnte der Aufbau beispielsweise so aussehen:

  • X32 als Mischpult
  • Messmikrofon auf einem freien Eingang
  • Pink Noise über die PA
  • Messmikrofon ungefähr im relevanten Hörbereich
  • Auto-EQ in Mixing Station 

Die App analysiert das Messsignal für einige Sekunden. Anschließend lässt sich eine Referenz bzw. Zielkurve definieren. Mixing Station  berechnet daraus eine EQ-Korrektur und zeigt das voraussichtliche Ergebnis an. Der Anwender kann den Vorschlag zunächst ansehen, verändern und anschließend auf einen parametrischen oder grafischen EQ übertragen. Das ist schon deutlich komfortabler, als einfach blind einen „Auto-EQ“-Knopf zu drücken …

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Kann man damit eine PA linear einstellen?

Im Prinzip kann Mixing Station  dabei helfen, den Frequenzgang einer Anlage an einem Messpunkt an eine vordefinierte Zielkurve anzunähern. Aber auch hier musst du dir klarmachen, was die Funktion kann – und was nicht.

Eine Beschallungsanlage lässt sich nicht seriös allein dadurch beurteilen, ob du an einer Stelle im Raum einen möglichst geraden RTA-Verlauf erzeugst. Raumakustik, Laufzeiten, Reflexionen, Übergänge zwischen Tops und Subwoofern, Phase, unterschiedliche Hörpositionen und Abstrahlverhalten spielen da ebenfalls eine Rolle. Wer eine große PA professionell abstimmt, wird deshalb weiterhin mit entsprechenden Messsystemen und mehreren Messpositionen arbeiten.

Für kleine und mittlere Setups
kann der Auto-EQ ein ausgesprochen wertvolles Werkzeug sein,
um schnell eine vernünftige Ausgangsbasis zu bekommen.

Der Entwickler selbst bezeichnet Auto-EQ  aktuell noch als „Work in Progress“. Man sollte die Funktion deshalb als Assistenten verstehen – nicht als Ersatz für Ohren, Erfahrung und professionelle Systemmesstechnik.

3. Re-Gain: Gain verändern, ohne den ganzen Mix auseinanderzuziehen

Das ist eine Funktion, die live richtig hilfreich werden kann. Beispiel: Beim Soundcheck singt der Sänger relativ zurückhaltend. Während des Konzertes legt er plötzlich richtig los und der Eingang kommt deutlich heißer am Pult an. Normalerweise senkst du jetzt den Gain. Damit verändern sich aber möglicherweise auch:

  • der Monitorpegel,
  • das Gate-Ansprechverhalten,
  • der Compressor-Threshold und
  • die Pegelverhältnisse im Mix.

Re-Gain versucht genau das zu kompensieren. Wenn du beispielsweise den Gain um 5 dB veränderst, kann Mixing Station  die davon betroffenen Send- und Faderpegel sowie Gate- und Compressor-Schwellen entsprechend gegenrechnen. Der Mix bleibt dadurch wesentlich näher an seinem bisherigen Verhältnis. Das ist jetzt kein Hexenwerk – denn es automatisiert mehrere Korrekturen, die man ansonsten einzeln machen müsste. Gerade bei Monitorwegen kann das ausgesprochen praktisch sein und Zeit sparen.

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4. DCA-Spill: Nur zeigen, was gerade dazugehört

Wer mit vielen Kanälen arbeitet, kennt das Problem. Du hast beispielsweise eine DCA-Gruppe „Drums“. Darin liegen Kick, Snare, HiHat, Toms und Overheads. Normalerweise müsstest du jetzt auf den entsprechenden Eingangslayer wechseln. Beim DCA-Spill genügt der Zugriff auf die DCA-Gruppe. Mixing Station  zeigt anschließend nur noch die Kanäle an, die dieser DCA zugeordnet sind. DCA „Drums“ drücken – alle Drumkanäle erscheinen. DCA „Vocals“ drücken – nur die Gesangskanäle stehen vor dir. Gerade auf einem Tablet ist das extrem praktisch, weil weniger Bildschirmfläche verschwendet wird und die gesuchten Kanäle sofort erreichbar sind.

5. Quick-Gang: Mehrere Kanäle gemeinsam verändern

Auch Quick-Gang ist ein schönes Praxiswerkzeug. Nehmen wir an, der Drummer spielt beim Konzert plötzlich wesentlich kräftiger als beim Soundcheck. Jetzt möchtest du die Gains mehrerer Schlagzeugkanäle gemeinsam etwas zurücknehmen. Mit Quick-Gang lassen sich mehrere Kanäle vorübergehend miteinander koppeln und relativ zueinander verändern. Die ursprünglichen Unterschiede zwischen den Kanälen bleiben dabei erhalten. Das eignet sich nicht nur für Gain, sondern je nach Parameter auch für andere gemeinsame Änderungen. Für mich ist das ein typisches Beispiel für eine Funktion, bei der man sich irgendwann fragt warum so etwas eigentlich nicht jedes Mischpult besitzt?

Assignments in Mixing Station – Bedienelemente und Funktionen lassen sich gezielt für den eigenen Workflow vorbereiten. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Assignments in Mixing Station – Bedienelemente und Funktionen lassen sich gezielt für den eigenen Workflow vorbereiten. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

6. Mixer wechseln und trotzdem Teile des Setups mitnehmen

Ein weiterer interessanter Ansatz sind die Mixing-Station-eigenen Szenen und Channel-Presets. Mixing Station  kann Parameter nicht nur innerhalb eines bestimmten Mischpultes speichern. Bestimmte Einstellungen lassen sich auch auf andere von der App unterstützte Mischpulte übertragen. Natürlich funktioniert das nicht grenzenlos. Ein X32  und ein Allen & Heath  SQ besitzen unterschiedliche EQs, Routingstrukturen, FX und interne Architekturen. Mixing Station versucht aber, kompatible Parameter sinnvoll auf das neue Pult zu übertragen beziehungsweise neu zuzuordnen.

Für Rental-Techniker ist der Ansatz spannend. Du kannst beispielsweise Kanalpresets oder Teile eines Setups mitnehmen, obwohl beim nächsten Job ein anderes Mischpult vor dir steht. Damit wird der herstellerübergreifende Gedanke der App erst richtig konsequent.

Warum wir das X32 als Beispiel verwenden

Mixing Station  kann wesentlich mehr als das X32 . Trotzdem werden wir bei StageAID  viele Funktionen in diesem und vermutlich auch in nächsten Beiträgen am Behringer X32  beziehungsweise X32 Rack  erklären. Das hat einen einfachen Grund: Wir begleiten die X32-Familie  seit Jahren redaktionell. Auf StageAID  gibt es dazu bereits zahlreiche Artikel rund um Bedienung, Routing, Netzwerk, Livebetrieb, In-Ear-Monitoring und praktische Einsatzmöglichkeiten.

: StageAID-Autor Jörg Kirsch mit Mixing-Station-Entwickler David Schumann. © KI-generiert, Engelmann Promotion

: StageAID-Autor Jörg Kirsch mit Mixing-Station-Entwickler David Schumann. © KI-generiert, Engelmann Promotion

Dadurch können wir an vielen Stellen direkt an vorhandenes Wissen anknüpfen. Wenn wir erklären, wie Auto-EQ auf einen X32-Bus  wirkt oder wie ein X32 Rack  zusammen mit Router und Tablet aufgebaut wird, können wir anschließend auf weiterführende StageAID-Beiträge verweisen. So entsteht nach und nach ein zusammenhängendes Praxishandbuch. Und das X32  eignet sich dafür hervorragend, weil es in Bands, kleinen Verleihern, Clubs, Schulen, Kirchen, Festinstallationen und professionellen Produktionen immer stärker verbreitet ist. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass Mixing Station  mit anderen Pulten weniger interessant wäre.

Gerade der Wechsel zwischen verschiedenen Herstellern
ist eine der großen Stärken der App.

Free oder Pro Version?

Erfreulich, dass die kostenlose Version keine praktisch funktionslose Demo ist. Zur Grundausstattung gehören unter anderem Kanalparameter, FX-Zugriff, Routing, Layer, IDCAs beziehungsweise MCAs und RTA-Funktionen, sofern der betreffende Mixer diese unterstützt. Mit der Pro-Freischaltung kommen dann die zahlreichen, oben schon beschriebenen Funktionen hinzu, darunter:

  • Channel Links
  • Quick-Gang
  • App-Link
  • Re-Gain
  • DCA-Spill
  • Gain beziehungsweise Trim auf den Fadern
  • frei konfigurierbare Channel-Strips
  • Meterbridge
  • Personal-Mix-Presets
  • Custom Layouts
  • Mix Copy
  • MIDI-Unterstützung

Wer Mixing Station  zunächst kennenlernen möchte, kann also mit der kostenlosen Version anfangen. Wer sie ernsthaft als Arbeitsoberfläche einsetzen möchte, wird relativ schnell bei den Pro-Funktionen landen.

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Mixing Station am Behringer X32

Beim X32 Rack  spielt Mixing Station  seine Stärken besonders deutlich aus. Das Rack besitzt zwar eigene Bedienelemente, ist aber ganz klar dafür prädestiniert, extern gesteuert zu werden. Ein Tablet kann hier praktisch zur eigentlichen Bedienoberfläche des Mischpults werden. Beim großen X32  oder X32 Compact  sieht die Situation etwas anders aus. Dort ersetzt die App die Hardwareoberfläche nicht unbedingt, sondern ergänzt sie.

Du kannst während des Soundchecks mit dem Tablet durch die Halle gehen, direkt vor einem Lautsprecher den EQ überprüfen, mit einem Messmikrofon arbeiten oder auf der Bühne Monitore einstellen, während das eigentliche Pult am FOH stehen bleibt. Gerade diese Kombination kann extrem praktisch sein.

X32 und Mixing Station verbinden

Das Prinzip ist einfach: Das X32  wird per Ethernet mit einem eigenen Router beziehungsweise Access Point verbunden. Tablet, Smartphone oder Rechner befinden sich im gleichen Netzwerk. In Mixing Station  wird die X32/M32-Serie  ausgewählt und anschließend die Konsole gesucht bzw. über ihre IP-Adresse angesprochen.

Routing-Matrix am X32 – auch komplexe Eingangszuordnungen lassen sich direkt in Mixing Station kontrollieren. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Routing-Matrix am X32 – auch komplexe Eingangszuordnungen lassen sich direkt in Mixing Station kontrollieren. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Für Live-Anwendungen würden wir dem X32  eine feste oder zumindest im Router reservierte IP-Adresse geben. Denn die beste Mixing Station  hilft wenig, wenn das Netzwerk nicht zuverlässig funktioniert. Genau dieses Problem kennen viele X32 -Anwender: Im leeren Proberaum funktioniert alles tadellos. Doch sobald vor der Bühne hunderte Smartphones auftauchen, beginnt das WLAN plötzlich zu kämpfen.

Eine stabile Router-Konfiguration und ein ordentlich geplantes Funknetz sind da deshalb wesentlich wichtiger als die Frage, welche Fernsteuerungs-App verwendet wird. Technisch interessant ist zudem, wie Mixing Station mit dem X32  kommuniziert. Die App nutzt beim X32  die ereignisbasierte /xremote-Kommunikation. Dadurch werden im Wesentlichen Parameteränderungen übertragen, anstatt sichtbare Werte permanent in kurzen Intervallen neu abzufragen. Das kann den Netzwerkverkehr reduzieren; ein schlechtes WLAN wird dadurch allerdings nicht zu einem guten WLAN.

Sends on Fader und Monitormischung

Natürlich eignet sich Mixing Station  auch hervorragend für Monitorwege. Gerade beim X32 Rack mit mehreren In-Ear-Strecken ist das interessant. Jeder Musiker kann seinen eigenen Mix erhalten. Mit dem Personal-Monitoring-Modus lässt sich der Zugriff so begrenzen, dass der Musiker seinen eigenen Mix verändert, ohne versehentlich den FOH-Mix oder fremde Monitorwege anzufassen. Das ist aus unserer Sicht wichtiger als eine Oberfläche, auf der theoretisch jeder alles bedienen kann.

Beispiel einer stark individualisierten Mixing-Station-Oberfläche mit eigenen Layern und Monitorwegen. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Beispiel einer stark individualisierten Mixing-Station-Oberfläche mit eigenen Layern und Monitorwegen. © KI-generiert, Engelmann Promotion (Zur Vergrößerung ins Bild klicken)

Mixing Station oder die Behringer-Apps?

Behringer selbst bietet mit X32-Edit  weiterhin eine sehr leistungsfähige kostenlose Desktop An­wen­dung. Sie eignet sich hervorragend zum Editieren, Vorbereiten von Szenen und für tiefergehendes Routing. Es folgt eine Vergleichstabelle:

App
Betriebsplattform
Pluspunkte
Ideal für
Mixing Station
iOS, Android, Windows, macOS, Linux
Herstellerübergreifend, eigene Layer, Spezial­funk­tionen und Layouts
FOH, X32 Rack, Rental, Festinstallation
X32-Mix
iPad
Kostenlose offizielle X32 Fernsteuerung
Anwender, die nah am Behringer-Konzept bleiben möchten
X32-Edit
Windows, macOS, Linux
Tiefer Zugriff, Szenen vor­be­rei­ten, großes Desk­top
Showvorbereitung, Routing, Laptop am FOH
MX-Q
iPhone, iPad
Reduzierter Personal-Monitor-Mixer
Musiker und individuelle IEM-Mixe

X32-Mix  ist die klassische offizielle iPad-App und orientiert sich stärker an der Struktur des X32 . MX-Q  verfolgt dagegen bewusst einen anderen Ansatz: Diese App richtet sich an Musiker, die ihren eigenen Monitor- beziehungsweise In-Ear-Mix bedienen wollen. Mixing Station  ist damit nicht automatisch in jeder Situation „besser“. Allerdings verfolgt keine der Behringer-Apps den gleichen konsequent herstellerübergreifenden und frei konfigurierbaren Ansatz.

Wo Mixing Station auch Grenzen hat

Womit wir bei den Nachteilen wären. Denn die enorme Konfigurierbarkeit hat eine Kehrseite: Du musst dir zunächst Gedanken darüber machen, wie du eigentlich vorgehen möchtest. Wer die App installiert und erwartet, fünf Minuten später seine perfekte persönliche Bedienoberfläche fertig zu haben, läuft Gefahr einen großen Teil der möglichen Funktionen und Parameter gar nicht zu nutzen. Hinzu kommt, dass Mixing Station  eine Drittanbieter-Software darstellt. Bei neuen Firmware-Versionen oder neuen Mixerfunktionen solltest du immer prüfen, ob diese bereits unterstützt werden. Und manche Assistenzfunktionen dürfen nicht überschätzt werden.

Auto-EQ  ersetzt keine professionelle Systemmessung. Auch die Feedback Detection  ersetzt keinen permanent arbeitenden Feedback-Destroyer. Und keine Software ersetzt einen Techniker, der versteht, warum eine Anlage gerade so klingt, wie sie klingt.

Es gilt weiterhin:
Software versucht nicht, den Techniker zu ersetzen.
Sie nimmt ihm lediglich Arbeit ab.

Für wen lohnt sich Mixing Station?

Aus unserer Sicht ist die Software besonders spannend für diese Anwender:

  • X32-Rack-Anwender, die Tablet oder Rechner zur zentralen Benutzeroberfläche machen wollen
  • Rental-Techniker, die regelmäßig mit verschiedenen Pultmarken arbeiten
  • FOH-Techniker, die sich eigene Arbeitslayer und Oberflächen bauen möchten
  • Bands mit eigenem IEM-Rack
  • Festinstallationen, bei denen unterschiedliche Benutzer nur auf bestimmte Funktionen zugreifen sollen
  • Techniker kleiner und mittlerer Beschallungsanlagen, die Funktionen wie RTA, Auto-EQ und automatisches Ringing Out sinnvoll einsetzen möchten.

Beim großen X32  ist Mixing Station  dagegen eher eine leistungsfähige Ergänzung als ein zwingender Ersatz für die vorhandene Hardwareoberfläche.

StageAID-Fazit: Eigentlich ist „Fernbedienungs-App“ zu wenig

Mixing Station ist vor allem deshalb interessant, weil die App nicht versucht, jedes Mischpult auf dem Bildschirm möglichst originalgetreu nachzubauen. Sie dreht das Prinzip um:

Der Mixer liefert die Funktionen, und du entscheidest,
wie du darauf zugreifen willst.

Hinzu kommen Werkzeuge, die man von einer Remote-App zunächst nicht auf dem Schirm hatte:

  • Monitore automatisch auspfeifen,
  • mit einem Messmikrofon eine Ausgangskorrektur für die PA berechnen,
  • Gain verändern und dabei Monitorwege und Dynamics möglichst stabil halten,
  • mit DCA-Spill  innerhalb von Sekunden genau die Kanäle aufrufen, die gerade gebraucht werden, oder
  • Teile des Workflows auf ein Mischpult eines anderen Herstellers übertragen.

Genau das macht Mixing Station spannend. StageAID  wird deshalb noch einige spezielle Funktionen separat und ausführlich in der Praxis behandeln – und dabei häufig unser vertrautes X32 bzw. X32 Rack als Beispiel verwenden. Nicht weil Mixing Station  eine X32-App wäre, sondern weil sich an einem populären und gut dokumentierten Mischpult besonders gut zeigen lässt, was diese App im täglichen Einsatz tatsächlich zusätzlich bringen kann.

Extraservice: Manuals, Hilfe und Mixing-Station-Community

Wer mit Mixing Station  tiefer einsteigen möchte, findet erfreulich viel Material direkt beim Entwickler – von der kompletten Dokumentation, also das Mixing-Station-Handbuch , bis hin zum Austausch fertiger Layouts. Die zentrale Anlaufstelle ist die offizielle Dokumentation. Dort werden nicht nur die grund­le­gen­de Bedienung, Verbindung zum Mixer und Sends on Fader erklärt. Auch Funktionen wie Auto-EQ, Feedback Detection, Re-Gain, Custom Layouts, Channel Links, MCAs, Mixing-Station-Szenen, MIDI oder RF-Integration besitzen eigene Kapitel.

Besonders praktisch ist die komplette Print-Version des Manuals auf einer einzigen Seite. Sie eignet sich hervorragend zum Durchsuchen und kann über die Druckfunktion des Browsers auch als PDF gespeichert werden:

Mixing Station Manual

FAQ, Bugs, Feature-Wünsche und Support

Für typische Fragen gibt es eine eigene FAQ. Über die zentrale Help-Seite gelangt man außerdem zum Manual, zur Fehler- beziehungsweise Bug-Meldung, zu Feature-Wünschen, Lizenzthemen und Changelogs:

Frequently asked questions

Layouts und Einstellungen mit anderen Nutzern teilen

Interessant ist auch die Mixing-Station-Community  selbst. Eigene User Settings – beispielsweise Layer und Custom Layouts – lassen sich über einen Mixing-Station-Account  hochladen. Wer seine Konfiguration öffentlich freigibt, ermöglicht anderen Anwendern, diese herunterzuladen und als Ausgangspunkt für das eigene Setup zu verwenden. Das kann gerade bei umfangreichen X32 -, Monitor- oder Festinstallations-Layouts viel Arbeit sparen.

Mixing Station Community

Discord und Social-Media-Community

Für konkrete Fragen empfiehlt selbst der Entwickler den Austausch mit der Community. Mixing Station verfügt über einen offiziellen Discord-Kanal, in dem unter anderem allgemeines Feedback und Diskussionen zu Beta-Versionen stattfinden. Über die Help-Seite findet ihr außerdem die offiziellen Links zu Discord, Facebook, Reddit und Bluesky.

Discord

Für X32- und M32-Fragen

Nicht jedes Problem liegt an Mixing Station. Wenn es um Routing, Firmware, Netzwerk, AES50 oder spezielle Funktionen des X32/M32 geht, lohnt sich zusätzlich der Blick in die Behringer-Community. Daneben existiert mit „The Unofficial Behringer Forums“ ein seit Jahren gewachsenes unabhängiges Forum mit einem eigenen Bereich für M32- und X32-Digitalpulte  sowie Tipps und technische Diskussionen.

Behringer Community

Unofficial Behringer Forums

Und natürlich StageAID

Wir bauen unsere X32-Serie weiter aus und beschäftigen uns dabei zunehmend auch mit Mixing Station. Neben den Grundlagen folgen eigene Praxisbeiträge zu Auto-EQ, Feedback Detection, Monitoring und weiteren Funktionen. Damit entsteht nach und nach eine deutschsprachige Praxisbibliothek für die Kombination aus Mixing Station und X32/X32 Rack.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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