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XANA Line Array: Die Crew und die Entwicklung dahinter – und warum das System überrascht

© KI-generiert, Engelmann Promotion

XANA hat uns bei den bisherigen Praxiseinsätzen vor allem eines gezeigt: Das System kann deutlich mehr, als viele der Marke Pronomic zunächst zutrauen. Verarbeitung, Ausstattung, technisches Konzept und das Verhalten unter realen Einsatzbedingungen haben bei uns einen wesentlich professionelleren Eindruck hinterlassen, als wir anfangs erwartet hatten. Und genau da wird es interessant: „Ist doch Pronomic! Von denen hab ich noch nichts Gescheites gesehen oder ge­hört!“  Dieser Kommentar aus der Facebook-Gruppe „PA-Technik Wis­sens­aus­tausch“  steht ziemlich exemplarisch für die Vorbehalte, die der Marke noch immer begegnen …

… Ein Teil davon dürfte aus einer Zeit stammen, in der preiswerte Lautsprecher aus chinesischer Produktion schnell in die Schublade „Chinaböller“ gesteckt wurden. Nur: Ist dieses Bild heute noch richtig? Statt die Skepsis wegzuwischen, wollten wir genauer wissen, was tatsächlich hinter XANA  steckt.

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Wer entwickelt das System? Wer entscheidet über technische Details? Wer prüft Qualität, Statik und Sicherheit? Und wer übernimmt letztlich die Verantwortung dafür, dass aus internationaler Fertigung ein professionell einsetzbares Beschallungssystem wird?

Die Macher, Techniker und Entwickler hinter XANA

Wir haben mit zwei Menschen gesprochen, die genau dafür stehen: Manfred Egner , verantwortlich unter anderem für Lieferantenauswahl, Genehmigungen, Einfuhr, Kennzeichnung und Qualitätssicherung, und Ruben Raff , verantwortlich für die technische Entwicklung von XANA . Beide standen uns gerne ausführlich Rede und Antwort. Da werden die Antworten der Beiden wohl für diejenigen, die beim Namen Pronomic  zunächst skeptisch die Nase rümpften, überraschend interessant …

In einem kommenden Beitrag wollen wir uns mit Ernst Seider  beschäftigen: Er setzt XANA in seinem eigenen Vermietpark bei unterschiedlichsten Produktionen ein – parallel zu Systemen einer renommierten Premiummarke. Gleichzeitig liefert er Rückmeldungen aus dem täglichen Rental-Betrieb, entwickelt gemeinsam mit Systemer Jonas Meishammer  praxistaugliche Setups und begleitet XANA  bei Messen und Demos.

Ruben Raff zusammen mit Ernst Seider hinterm Mischpult ... © Engelmann Promotion

Ruben Raff zusammen mit Ernst Seider hinterm Mischpult … © Engelmann Promotion

Entscheidendes vorab

XANA  ist keine zufällig entstandene Produktidee. Manfred Egner  erkannte die Lücke für Kulturvereine, Veranstalter, Verleiher und Bands, die ein leistungsfähiges System benötigen, für die sich die Investition in etablierte Premiumsysteme aber wirtschaftlich kaum darstellen lässt.

Zum Konzept gehörten deshalb von Anfang an aktive Class-D-Endstufen, DSP in jeder Box, Remote-Steuerung, Systemüberwachung, Inklinometer und Testtongenerator sowie ein per Software schaltbarer Cardioid-Betrieb der Subwoofer. Ruben Raff  formuliert einen der wichtigsten Punkte dabei deutlich: „Es wurden zu keiner Zeit technisch Abstriche gemacht, um einen bestimmten Preis zu erzielen.“

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Gleichzeitig wird natürlich nicht behauptet, dass man in dieser Preisklasse jede denkbare Funktion eines High-End-Systems integrieren kann. Entscheidend war vielmehr, ein möglichst sinnvolles Verhältnis aus Technik, Praxistauglichkeit, einfacher Bedienung und Preis zu finden. Auch die Qualitätssicherung geht deutlich weiter als ein abschließender Blick auf die fertige Box: Sie beginnt beim Wareneingang der Bauteile, führt über Tests einzelner Baugruppen bis zu Belastungs- und Stresstests fertiger Lautsprecher.

Und dann gibt es noch die Kritik aus der Community. Die nehmen wir natürlich sehr ernst. Denn Fragen zu Marke, Riderfähigkeit, kleinen Line Arrays, Klangqualität oder RS-485 sind berechtigt, deshalb greifen wir gerade diese Fragen in unserer Serie auf.

Jörg Kirsch zusammen mit einem der Entwickler von XANA: Manfred Egner © Engelmann Promotion

Jörg Kirsch zusammen mit einem der Entwickler von XANA: Manfred Egner © Engelmann Promotion

Warum überhaupt noch ein eigenes Line Array entwickeln?

Die Antwort von Manfred Egner  ist erstaunlich bodenständig: „Meine Erfahrung ist, dass nicht jeder, der Bedarf für ein System dieser Art hat, sich dieses auch leisten kann. Ich denke da an Kulturvereine, Veranstalter, Verleiher, Bands, die eben nicht das Budget für die uns bekannten Systeme haben.“  Genau dort will er ansetzen …

Manfred Egner: „Wir wollten nicht einfach nur einen günstigen Lautsprecher,
sondern ein System, das Funktionen bietet,
die im professionellen Alltag tatsächlich sehr nützlich sind.“
 

… nämlich interner DSP, achtfacher EQ, Delay, komplette Fernsteuerung und Systemüberwachung. Und die Idee kam nicht erst während der Entwicklung: „… sondern von Anfang an. Meine Idee gärt seit Jahren, ein solches System in diesem Preissegment auf den Markt zu bringen“ , sagt Manfred. Auch Ruben sieht die Hauptzielgruppe bei Veranstaltern, Verleihern, Eventlocations und Bands mit eigener PA. Das erklärt einige der technischen Entscheidungen, die bei XANA getroffen wurden.

Ruben Raff: Warum XANA technisch so aufgebaut wurde

Auf technischer Seite trägt Ruben Raff  die Verantwortung für die Entwicklung. Die Abstimmung mit Manfred Egner  beschreibt er als kontinuierlichen Prozess: besprechen, testen, bewerten, verbessern. Viele praxisbezogene Ideen – beispielsweise Dolly, Wetterschutz oder Rigging-Lösungen – entstehen direkt in diesem permanenten Austausch und aus den Erfahrungen im praktischen Einsatz.

Warum zwei 8-Zoll-Tieftöner?

„Prinzipiell spricht nichts gegen andere Bestückungen“ , sagt Ruben. Die 8-Zoll-Bestückung sei für die angestrebte Zielgruppe jedoch der sinnvollste Kompromiss, um möglichst viele Anwendungen abzudecken. Das XANA L-208 TA  bleibt dadurch kompakt, ohne auf den für typische Veranstaltungen benötigten Pegel und Tiefmitteltonbereich verzichten zu müssen.

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Warum Endstufe und DSP in jeder Box?

Auch dahinter steckt weniger Technikverliebtheit als praktische Überlegung: „Ein Ziel war immer, das System in sich möglichst einfach und vielseitig zu halten“ , erklärt Ruben. „Bei einem modular aufgebauten System hat ein aktives Konzept klare Vorteile. Denn Verstärkung und Signalverarbeitung sind bereits vorhanden; der Anwender muss vorher nicht überlegen, wie viele Endstufen benötigt werden, wo die Racks stehen und wie alles miteinander verkabelt wird. Das bedeutet weniger externes Material, weniger Verkabelungsaufwand, weniger Ladevolumen und letztlich auch weniger Gewicht.“  Gerade für kleinere und mittlere Rental-Firmen oder Bands ist das ein Punkt, den man im Alltag nicht unterschätzen sollte.

Cardioid per Software

Eine Cardioid-Anwendung bei Subwoofern ist natürlich nichts Neues. Bei XANA  ließ sich diese Funktion laut Ruben jedoch vergleichsweise einfach integrieren, weil das Subwoofer-Rigging punktsymmetrisch aufgebaut ist und im integrierten DSP ohnehin alle notwendigen Werkzeuge vorhanden sind. Aus einer prinzipiell bekannten Anwendung wurde damit ein direkt abrufbares Preset.

Gute Laune der Crew - beim Probehören des Systems © Engelmann Promotion

Gute Laune bei der Crew – beim Probehören des Systems © Engelmann Promotion

Keine technischen Abstriche nur wegen des Preises

Eine Aussage Rubens ist für die Positionierung von XANA besonders interessant: „Es wurden nirgendwo technisch Abstriche gemacht, um einen bestimmten Preis zu erzielen.“&nbsp, Das klingt zunächst ziemlich selbstbewusst. Ruben ordnet es deshalb selbst ein: „Wenn Verbesserungen am System Mehrkosten verursachten, wurden sie akzeptiert und mit einkalkuliert. Natürlich könnte man ein solches System noch deutlich aufwendiger ausstatten; doch irgendwann stellt sich in dieser Preisklasse dann schon die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.“ 

Sein Fazit: „Ich denke, hier haben wir den perfekten Mittelweg von Preis und technischer Ausstattung bei dennoch einfacher Anwendung gefunden.“  Zwei kleine Details zeigen recht gut, wie stark dabei aus dem praktischen Betrieb gedacht wurde: Im Lautsprecher sitzt ein Neigungssensor, ein sog. Inklinometer, um bei einem geflogenen Array zu kontrollieren, ob der tatsächliche Winkel exakt mit der geplanten beziehungsweise simulierten Konfiguration übereinstimmt. Gerade beim Aufbau kann das eine erstaunlich hilfreiche Kontrolle sein.

Auch der eingebaute Testtongenerator lässt sich über die Fernsteuerung nutzen. Beim Rental-Rücklauf kann damit schnell geprüft werden, ob eine Box korrekt arbeitet. Gleichzeitig lassen sich einzelne Lautsprecher selbst im bereits hängenden Array identifizieren und testen. Keine spektakulären Features. Aber genau solche Kleinigkeiten sparen im Alltag Zeit.

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Fernsteuerung ja – aber nicht nur für Systemtechniker

Bei einem Punkt gab es für Ruben wenig Diskussionsbedarf: Die Fernsteuerung des DSP war unabdingbar. Trotzdem sollte XANA  nicht ausschließlich für Anwender funktionieren, die ständig mit Notebook und Steuersoftware arbeiten. Deshalb besitzt jede Box zusätzlich ein Display-Menü, über das sich viele Funktionen und Parameter auch direkt einstellen lassen. Das passt ziemlich gut zur Zielgruppe: professionell genug für den Systemtechniker – aber nicht unnötig kompliziert für den Verein, die Band oder den kleineren Verleiher. Die Entwicklung geht weiter.

In Arbeit beziehungsweise in Planung sind unter anderem: Transport-Dollys für gestapelte Subwoofer, Traversen-Aufnahmen für die Topteile und ein Doppel-18-Zoll-Subwoofer. Ein Doppel-10-Zoll-Topteil sowie ein Point-Source-Fill existieren bereits als weitere Ideen.

Manfred Egner: Was zwischen Entwicklung und Verkauf passieren muss

Während Ruben  über Lautsprecher, DSP und Anwendung spricht, beginnt Manfreds  Arbeit häufig dort, wo ein Anwender später kaum etwas mitbekommt. Seine Aufgaben beschreibt er so: „Lieferanten finden, Marktfähigkeit prüfen, gemeinsam mit Ruben die technische Bewertung durchführen, Verbesserungen kommunizieren, Konformitätsverfahren und Produktdokumentation organisieren und das Qualitätsmanagement begleiten.“  Mit anderen Worten: Bevor eine XANA-Box auf einer Bühne hängt, steckt bereits eine Menge ziemlich unspektakulärer Arbeit darin.

EASE Focus kostete mehr Zeit als gedacht

Auf unsere Frage, welche Prüfung – bzw. Vorbereitung besonders aufwendig war, nennt Manfred  die EASE-Focus-Messungen. „Die Vorbereitungen und Anpassungen zu den EASE-Focus-Messungen haben deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als vorher veranschlagt.“  Die Messdaten wurden nach Angaben von Ruben  in Zusammenarbeit mit Anselm Görtz  und dessen Firma IFAA  erstellt. Diese Daten bilden wiederum die Grundlage für die Planung der Array-Konfigurationen. Ernst Seider  nutzt sie nach eigener Aussage bei der Vorbereitung seiner Setups.

Beispielsimulation in EASE Focus (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Musikhaus Kirstein

Beispielsimulation in EASE Focus (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Musikhaus Kirstein

CE, WEEE, Statik: Was tatsächlich geprüft wird

Gerade bei einem preisgünstigen System ist die Frage nach Sicherheit und Zulassung berechtigt. Deshalb lohnt sich ein kurzer Blick hinter die Kulissen. Die aktiven Lautsprecher XANA L-208 TA  und L-118 SA  benötigen als Elektrogeräte eine entsprechende CE-Kennzeichnung. Hinzu kommt die WEEE-Kennzeichnung mit der durchgestrichenen Mülltonne, die für die geregelte Entsorgung von Elektrogeräten steht.

Besonders interessant wird es beim Rigging: Die Lastgrenzen wurden laut Manfred  von einem deutschen Ingenieurbüro anhand von Mechanik und Materialeigenschaften berechnet. Zusätzlich wurden reale Zug- und Dauerbelastungstests durchgeführt – darunter Belastungstests mit über 24 Stunden. Der Vertrieb konzentriert sich derzeit vor allem auf Deutschland. Die technischen Anforderungen für den Verkauf innerhalb der EU seien laut Manfred  grundsätzlich identisch.

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Qualitätssicherung: Box 1 soll wie Box 50 klingen

Interessant ist auch die Frage, was während der Serienfertigung passiert. Manfred beschreibt hier mehrere Stufen: „Die Qualitätskontrolle beginnt bereits bei den angelieferten Bauteilen. Nach Fertigstellung einzelner Baugruppen folgen weitere Tests. Am Ende wird der komplette Lautsprecher in einer Schallkabine einem Stresstest unterzogen. Zusätzlich gibt es detaillierte Inspektionen und Stichproben. Bereits während der Montage wird bei jedem Element der Frequenzgang gemessen. Das Ziel ist ein enger Toleranzbereich, denn spätestens bei einem Array wird es relevant, ob Box Nummer 1 und Box Nummer 50 tatsächlich vergleichbar arbeiten.“

Der wichtige Draht zwischen Werkbank und Bühne

Ein Punkt zieht sich durch die Gespräche mit Ruben und Manfred immer wieder – die Praxisfeedbacks fließen direkt zurück in die Entwicklung. Dabei betont Manfred:

„Die Rückmeldungen von Ernst Seider aus der Praxis sind für uns sehr wertvoll.
Manche Themen entstehen erst im Alltag bei der Nutzung des Systems.“

Genau dieser Punkt ist für uns interessant. Ein Entwickler kann vieles simulieren, messen und testen. Aber ein System, das Woche für Woche verladen, aufgebaut, geflogen, gestackt, verkabelt, betrieben und wieder zurück ins Lager gebracht wird, offenbart andere Dinge. Deshalb bekommt Ernst Seider  in unserer Serie einen eigenen Beitrag …

Auf die Frage, was Manfred  sich von Herstellern oder Gesetzgebern wünschen würde, fällt seine Antwort übrigens erfreulich trocken aus: „Weniger Bürokratie und EU-weit harmonisierte Normen. Leider entwickeln wir uns aber genau in die andere Richtung.“  Da dürften ihm wohl einige Menschen aus unserer Branche zustimmen.

Was bedeutet das für den Anwender?

Nach unseren Gesprächen finden wir drei Punkte besonders wichtig:

  1. XANA  wurde nicht einfach als abgespeckte Billigversion eines deutlich teureren Systems entwickelt. Die Zielgruppe stand von Anfang an fest: Anwender, für die sich ein klassisches Premiumsystem wirtschaftlich nicht oder noch nicht rechnet. Die Kompromisse liegen laut Ruben  eher darin, nicht jede theoretisch mögliche Spezialausstattung einzubauen – aber auch nicht darin, gezielt technische Qualität wegzusparen.
  2. Hinter Zulassung und Qualitätssicherung steckt mehr als ein CE-Aufkleber. Statikberechnung, Belastungstests, Wareneingangsprüfung, Baugruppentests, Frequenzgangmessungen und Stresstests gehören nach Aussage der Verantwortlichen zum Produktionsprozess.
  3. XANA  ist offenbar noch kein abgeschlossenes Produktuniversum. Feedback aus dem täglichen Betrieb fließt zurück in die Entwicklung. Neue Presets, Firmware, Transportlösungen, Wetterschutz, Traversenaufnahmen und weitere Lautsprechermodelle können das System Schritt für Schritt erweitern.

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Und dann kam Facebook …

Unser bisheriger XANA -Beitrag hat in der Facebook-Gruppe „PA-Technik Wissensaustausch“  zu diversen Reaktionen geführt. Doch genau das wollten wir; neben Zustimmung gab es oft deutliche Skepsis – gegenüber Pronomic, dem Preis, kleinen Line Arrays, der Riderfähigkeit und der verwendeten Netzwerktechnik. Auffällig war allerdings auch, dass soweit aus den Kommentaren erkennbar war, hatten nur wenige der Beteiligten XANA  tatsächlich selbst gehört oder eingesetzt. Das jedoch macht die Kritik nicht wertlos, im Gegenteil:

Die Kritik zeigt ziemlich exakt, welche Fragen ein neues System beantworten muss, wenn es sich am Markt etablieren will.

„Für den Preis würde ich lieber d&b kaufen“

Auch dieser Satz fiel sinngemäß. Kann man machen, allerdings muss man dann schon etwas genauer hinschauen, die Wirtschaftlichkeit ermitteln und dann außerdem noch über das entsprechende Salär verfügen. XANA verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: vergleichsweise niedrige Einstiegskosten, modulare Erweiterbarkeit und damit möglicherweise interessante Vermietrenditen …

Die entscheidende Frage kann deshalb nicht lauten: Ist d&b besser als XANA „? Sondern: Für welchen Anwender und für welches Geschäftsmodell ist welches System sinnvoll? Genau darum geht es auch in unserem bald folgenden Rendite-Check zum XANA-System.

Bei etablierten Premiummarken bezahlt man nicht nur die Lautsprechertechnik,
sondern auch Bekanntheit, weltweite Verfügbarkeit, höheren Wiederverkaufswert
und einen etablierten Rental-Markt. Das sind handfeste Vorteile.

Muss es denn überhaupt ein Line Array sein?

Auch diese Kritik ist berechtigt. Eine gute Punktquelle kann bei vielen Veranstaltungen die bessere Lösung sein. Florian Müller , Tontechnik Ingenieur und Produzent, formulierte in der Diskussion eine sinnvolle Erwartung: Ein Array sollte mindestens die Klangqualität einer hochwertigen Punktschallquelle liefern – zusätzlich aber mehr Headroom und eine besser kontrollierbare Abdeckung ermöglichen. Das sehen wir genauso.

Bei unserem Einsatz in der Fruchthalle Kaiserslautern wurden vergleichsweise wenige XANA -Elemente mit starken Winkeln betrieben. Das würden wir eher als gerichtete Punktquelle mit variabler vertikaler Abstrahlung betrachten. Beim Böbing Open Air sah die Situation völlig anders aus. Dort hingen acht L-208 TA  pro Seite. Insgesamt liefen dort 16 Topteile, 14 Subwoofer und drei Nearfills – also 33 steuerbare XANA -Komponenten. Das ist eine komplett andere Anwendung. Ein Line Array ist deshalb nicht automatisch besser. Es muss zur Aufgabe passen.

XANA-Groundstack im Praxistest in der Fruchthalle Kaiserslautern 2026 © Engelmann Promotion

XANA-Groundstack im Praxistest in der Fruchthalle Kaiserslautern 2026 © Engelmann Promotion

Matthias Huber und die berechtigte RS-485-Kritik

Besonders interessant war ein technischer Einwand von Matthias Huber , der im Bereich „Audioconsulting & Training“ unterwegs ist: „USB und RS485 ist seit mehr als 10 Jahren nicht mehr akzeptabel bei neuem Material. Eigentlich egal in welcher Preisklasse: An eine halbwegs professionelle Beschallungslösung gehört mindestens eine Ethernet(con) Buchse für ein TCP/IP Protokoll ran.“  Das ist ein Punkt, den man ernst nehmen muss.

Zunächst eine wichtige Klarstellung: XANA besitzt eine verriegelbare etherCON-Buchse. Über den Stecker allein sagt man allerdings noch nichts über das dahinterliegende Protokoll. Bei XANA läuft die Steuerkommunikation über RS-485. Die Komponenten werden in einer Daisy-Chain verbunden: Notebook → USB-RS485-Interface → XANA 1 → XANA 2 → XANA 3 und so weiter. Jeder Lautsprecher erhält dabei eine ID. So lassen sich bis zu 64 Geräte adressieren. Beim Böbing Open Air liefen unsere genannten 33 Komponenten stabil über dieses Netzwerk.

Von links nach rechts: Jonas Meishammer, Ernst Seider, Alexander Heger, Ruben Raff, Jörg Kirsch, Max Bauer, Manfred Egner © Engelmann Promotion

Von links nach rechts: Jonas Meishammer, Ernst Seider, Alexander Heger, Ruben Raff, Jörg Kirsch, Max Bauer, Manfred Egner © Engelmann Promotion

Warum kann die Schnittstelle „RS-485“ dafür trotzdem funktionieren?

Die P.SysManager -Software transportiert keine Audiodaten. Übertragen werden Steuer- und Statusinformationen: EQ, Pegel, Delay, FIR-Funktionen, Gruppen, Temperatur, und ähnliche Parameter. Die dafür benötigten Datenmengen sind klein; Gigabit-Ethernet benötigt man aus reiner Bandbreitensicht dafür nicht. „RS-485“ hat zudem einen simplen Vorteil: Kein Switch, keine IP-Adressen, kein DHCP, keine VLAN-Konfiguration. Anstecken, adressieren, steuern. RS-485 ist ein robuster serieller Industriestandard, der lange Leitungen ermöglicht.

Jonas Meishammer erklärt einem Fachbesucher den P.SysManager © Engelmann Promotion

Jonas Meishammer erklärt einem Fachbesucher den P.SysManager © Engelmann Promotion

Auch die Daisy-Chain hat einen strukturellen Nachteil: Fällt eine Verbindung innerhalb der Kette aus, können dahinterliegende Komponenten aus der Steuerkommunikation verschwinden. Um diese Probleme zu umgehen, kann man mit einem Splitter das Signal auf mehrere Stränge verteilen, ähnlich wie bei DMX Steuerungen. Das passt wiederum ziemlich gut zur Grundidee des Systems. Doch Matthias Hubers Kritik bleibt trotzdem durchaus berechtigt.

Denn Ethernet beziehungsweise TCP/IP bietet bei größeren professionellen Infrastrukturen klare Vorteile: Integration in vorhandene Netzwerke, Fernzugriff, WLAN-Router, Glasfaserstrecken, mehrere Arbeitsplätze und Redundanzkonzepte sind damit wesentlich komfortabler realisierbar. Das Fazit fällt deshalb differenziert aus: „RS-485“ ist nicht moderner als Ethernet. Es reduziert bei XANA  die Netzwerktechnik auf das für die reine Systemsteuerung notwendige Maß und hat in unseren bisherigen realen Setups zuverlässig funktioniert.

Die interessantere Frage ist deshalb für nicht, ob Ethernet theoretisch komfortabler wäre. Das ist es. Sondern, welche Einschränkungen durch „RS-485“ im realen XANA-Alltag tatsächlich entstehen? Und genau das verfolgen wir weiter.

„Plärren“ günstige Arrays?

Auch diese Aussage fiel in der Facebook-Diskussion. Günstige Arrays seien häufig laut, aber klanglich wenig neutral oder würden irgendwann schlicht „plärren“. Solche Systeme gibt es zweifellos. Nur lässt sich daraus nicht automatisch auf jedes günstige Line Array schließen. Man muss es hören. Und messen. Unser eigener Eindruck aus der Fruchthalle Kaiserslautern fiel denn auch durchaus positiv aus. Doch auch beim Böbing Open Air hatten wir keinen Anlass, XANA  in so eine Kategorie einzuordnen.

Doch wer entscheidet am Ende, ob XANA funktioniert?

Nicht Facebook. Oder nicht irgendwelche Meinungen. Aber auch kein Herstellerprospekt.

Entscheidend ist, was das System über Monate und Jahre im Alltag leistet:
Wie klingt es?  Wie zuverlässig läuft es?  Wie verhält es sich bei Hitze?
Wie schnell lässt es sich aufbauen?  Wie funktioniert die Steuerung
bei größeren Systemen?  Und wie gut funktioniert der Support?

Vor allem steht da die entscheidende Frage: Für wen rechnet sich die Investition? Genau deshalb sind weitere kritische Kommentare für die weitere Entwicklung interessant. Wir bleiben dran.

Wie geht es weiter?

StageAID begleitet XANA redaktionell und medial. Unsere Aufgabe ist dabei nicht, Herstellertexte abzuschreiben. Wir schauen hin, stellen Fragen, sammeln technische Fakten, sprechen mit Entwicklern und Anwendern und nehmen auch kritische Stimmen ernst. Am Ende soll daraus ein Bild entstehen, mit dem sich Interessenten selbst eine fundierte Meinung bilden können. Und genau dafür folgt unser bereits angekündigter nächster Beitrag zur Rendite von XANA . Dort geht es darum, wann sich Equipment wirtschaftlich sinnvoll einsetzen lässt – beim kleineren Regionalvermieter ebenso wie bei größeren Unternehmen, die bereits Premiummarken im Bestand haben.

Im bald danach folgenden Beitrag kommt Ernst Seider  zu Wort: Er setzt XANA  seit Monaten in seinem eigenen Vermietbetrieb ein, der Promedia Group Veranstaltungstechnik , – parallel mit einer sehr renommierten etablierten Marke sowie ganz normalen Kundenproduktionen. Damit bekommt die Diskussion eine zusätzliche Qualität. Dann geht es nicht mehr darum, was jemand von Pronomic hält. Dann geht es um Aufträge, Aufbauzeiten, Sound, Pegelreserven, Transport, Zuverlässigkeit und sogar darum, wie sich ein System bei extremer Hitze im Bierzelt schlägt. Genau dort wird es spannend. Denn am Ende muss ein professionelles Beschallungssystem ja vor allem eines: Zuverlässig arbeiten.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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