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Dienstag, Juni 23, 2026
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Geht nicht? Gibt’s nicht: Der Job des ört­lichen Pro­duk­tions­lei­ters zwischen Tour­nee, Venue und Ver­an­stal­tungs­re­ali­tät

Lea Mellentin beim Aufbau der Bühnenteile © Geisterfamilie

Fragt man zehn Menschen in der Veranstaltungsbranche, was ein örtlicher Pro­duk­tions­lei­ter eigentlich macht, bekommt man wahr­schein­lich zehn un­ter­schied­li­che Antworten. Der Job bewegt sich irgendwo zwischen technischer Leitung, Veranstaltungsleitung, Ge­wer­ke­ko­or­di­na­tion, Gastgeber und Problemlöser. Gleich­zeitig ist er einer der Bereiche, die man meistens erst dann bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert.

Zeit also, einen Blick auf einen Job zu werfen, den fast jeder kennt, aber nur wenige wirklich erklären können – „Das soll der Örtliche machen“ „Frag´ doch den Örtlichen “ – das oder etwas Ähnliches hat wahrscheinlich auf jeder Tournee irgendjemand schon einmal gesagt.

Wer oder was ist eigentlich „der Örtliche“?

In der Veranstaltungsbranche lassen sich viele Jobs recht einfach erklären. Stagehand, Lichttechniker, Bühnenmeister oder Tourneeleiter – hinter diesen Begriffen können sich die meisten Menschen zumindest grob etwas vorstellen. Beim „Örtlichen“  wird das schon schwieriger. Der Örtliche  steht irgendwo zwischen Gastgeber, Kommunikationsschnittstelle, Gewerkekoordination und Problemlöser.

Der Örtliche – das „Mädchen für alles“ – denn früher oder später
landen fast alle Vorgänge aber auch Probleme auf seinem Tisch …

Auf alle Fälle macht es einen riesigen Unterschied, ob man einen guten Örtlichen hat – oder eben nicht. Die Tournee hat am Veranstaltungstag erheblich weniger Arbeit, wenn die Bühnenanweisung bereits durchgearbeitet wurde, wenn alle bestellten Dinge an Ort und Stelle stehen und wenn nicht jede Information mehrfach abgefragt werden muss:

  • Sind die Stromanschlüsse vorbereitet?
  • Stehen die Garderoben wie bestellt bereit?
  • Sind die Runner eingeplant, gebrieft und mit Bargeld ausgestattet?
  • Sind Bühne und FOH eingemessen?
  • Ist das Storage geklärt?

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Was nach vielen kleinen Details klingt, spart einer Tourneeproduktion am Showtag wertvolle Zeit. Denn jede Frage, die nicht gestellt werden muss, jede Information, die bereits vorliegt, und jedes Problem, das gelöst wurde, bevor es überhaupt auffällt, schafft Freiraum für die Dinge, die an einem Showtag wie diesem ohnehin sonst noch passieren werden.

Die Trucks werden entladen © Geisterfamilie

Die Trucks werden entladen © Geisterfamilie

Dabei beginnt die Arbeit des Örtlichen nicht erst am Showtag. Im Idealfall hat die Tournee mit vielen dieser Themen überhaupt nichts mehr zu tun, weil sie bereits im Vorfeld geklärt wurden. Je nach Produktion können zwischen dem ersten Kontakt und dem Veranstaltungstag mehrere Wochen oder Monate liegen. In dieser Zeit werden Bühnenanweisungen geprüft, Gewerke abgestimmt, Dienstleister beauftragt, Personal geplant und unzählige kleine Details geklärt, die am Ende darüber entscheiden, ob ein Veranstaltungstag ruhig verläuft oder nicht.

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Genau deshalb ist der Örtliche häufig die zentrale Schnittstelle zwischen Tournee, Venue und den örtlichen Dienstleistern. Während die Tournee von Stadt zu Stadt reist, kennt der Örtliche die Ge­ge­ben­hei­ten vor Ort. Er weiß, welche Zufahrt genutzt werden kann, welche Besonderheiten die Venue mit sich bringt, welcher Dienstleister zuverlässig arbeitet und an welcher Stelle es möglicherweise He­raus­for­de­run­gen geben könnte. Dabei geht es selten darum, selbst alles zu machen. Viel häufiger geht es darum, die richtigen Menschen zusammenzubringen und dafür zu sorgen, dass Informationen dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Für mich ist der Örtliche deshalb vor allem Gastgeber –
die zentrale Schnittstelle zwischen Tournee, Venue und den örtlichen Dienstleistern

Nicht Gastgeber im klassischen Sinne. Niemand verteilt Kaffee oder begrüßt die Tournee am Eingang mit einem Blumenstrauß. Aber eine Tournee kommt für einen oder mehrere Tage in meine Stadt, in meine Venue oder auf mein Veranstaltungsgelände. Und natürlich möchte ich, dass die Menschen dort möglichst gut arbeiten können.

Der Unterschied zwischen vorbereitet und improvisiert

Dazu gehört, dass die Anforderungen verstanden werden. Dass Probleme gelöst werden, bevor sie überhaupt entstehen. Dass sich jemand kümmert, wenn kurzfristig noch etwas benötigt wird. Und manchmal gehört eben auch dazu, aus einer wenig charmanten Jugendsportumkleide einen Raum zu kreieren, in dem sich Künstler, Crew und Produktion für einen Tag wohlfühlen können. Am Ende der Tournee erinnert sich selten noch irgendjemand daran, wie wieder viele Telefonate geführt wurden oder wie viele Abstimmungen im Vorfeld notwendig waren. Sie erinnert sich daran, ob die Produktion funktioniert hat.

Komplexer Aufbau der Bühne in einem Konzerthaus © Geisterfamilie

Komplexer Aufbau der Bühne in einem Konzerthaus © Geisterfamilie

Und genau dort beginnt oft der eigentliche Teil des Jobs. Denn egal, wie gut eine Produktion vorbereitet wurde: Irgendetwas passiert immer. Ein Truck kommt später als geplant. Das Wetter hat wieder andere Pläne. Ein Dienstleister fällt kurzfristig aus. Die Tournee benötigt zusätzliche Flächen. Die Crew ist größer als ursprünglich angekündigt. Oder jemand stellt am Veranstaltungstag fest, dass etwas bestellt wurde, aber niemand mehr weiß, von wem – Das ist alles völlig normal …

Veranstaltungen bestehen aus Menschen. Und überall dort,
wo sehr viele Menschen zusammenarbeiten, läuft selten alles nach Plan.

Vielleicht ist genau deshalb einer der häufigsten Sätze in diesem Job: „Okay. Wie lösen wir das jetzt?“  Denn die wenigsten Probleme lassen sich am Showtag noch wegdiskutieren. Ob etwas möglich ist oder nicht, spielt oft eine deutlich kleinere Rolle als die Frage, welche Alternative gefunden werden kann.

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Ich glaube, genau deshalb macht mir der Job als Örtliche so viel Spaß. Wir beschäftigen uns selten lange mit einem Problem. Stattdessen steht die Suche nach einer Lösung immer im Vordergrund. Natürlich klappt das nicht immer ohne Diskussionen. Und natürlich gibt es auch Situationen, in denen man einer Tournee erklären muss, dass bestimmte Dinge tatsächlich nicht möglich sind.

Lösungsorientiert arbeiten und nicht problemorientiert –
Genau das macht den Unterschied!

Aber erstaunlich oft geht doch mehr, als man zunächst denkt. Manchmal braucht es einen zusätzlichen Anruf – manchmal auch einen anderen Dienstleister. Manchmal ist es eine pragmatische Lösung, auf die vorher niemand gekommen ist. Und manchmal hilft einfach die Erfahrung aus vielen Produktionen, weil man ein ähnliches Problem schon einmal irgendwo gesehen hat.

Geht nicht? – Gibt´s nicht

Der Satz „Geht nicht“ ist deshalb in vielen Fällen weniger eine Antwort als vielmehr der Beginn eines Gesprächs. Neben all den organisatorischen und technischen Themen besteht ein großer Teil des Jobs allerdings aus Kommunikation. Das klingt zunächst wenig spektakulär. Tatsächlich ist es aber einer der Bereiche, die am meisten Zeit in Anspruch nehmen.

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An einem Veranstaltungstag treffen unzählige Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben aufeinander. Die Tourneeproduktion hat andere Prioritäten als die örtliche Security. Die Venue beschäftigt auch noch andere Themen als das Catering. Die Crew benötigt Informationen, während Dienstleister auf Freigaben warten. Gleichzeitig laufen Aufbau, Anlieferungen und Vorbereitungen parallel weiter. Alle diese Beteiligten benötigen Informationen. Und idealerweise auch die richtigen Informationen.

Viele Probleme auf Veranstaltungen entstehen – nicht, weil Menschen ihre Arbeit nicht beherrschen – Sie entstehen, weil Informationen nicht oder zu spät weitergegeben wurden. Eine geänderte Aufbauzeit, eine andere Zufahrt, eine zusätzliche Bestellung oder eine kurzfristige Planänderung reichen häufig schon aus, um unnötige Reibung zu erzeugen.

Eine Riesenbühne mit großen Ansprüchen steht - und - gefällt ... © Geisterfamilie

Eine Riesenbühne mit großen Ansprüchen steht – und – gefällt … © Geisterfamilie

Der Job besteht aus Kommunikation

Genau deshalb verbringt ein Örtlicher viel Zeit damit, Menschen miteinander ins Gespräch zu vermitteln. Oft geht es gar nicht darum, selbst die Lösung zu finden. Häufig reicht es aus, die richtigen Personen zusammenzubringen, damit sie gemeinsam eine Lösung entwickeln können.

Es ist genau das was einen guten örtlichen Produktionsleiter ausmacht:
Mithilfe klarer und strukturierter Kommunikation die Mitarbeitenden zusammenzubringen

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Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich der Job so schwer beschreiben lässt. Natürlich gehören technische Kenntnisse dazu. Natürlich sollte man wissen, wie Veranstaltungen funktionieren und welche Auswirkungen bestimmte Entscheidungen auf andere Gewerke haben können. Gleichzeitig arbeitet man aber den größten Teil des Tages mit Menschen. Und Menschen halten sich bekanntlich nicht immer an Produktionspläne. Die Frage, wie man eigentlich Örtlicher wird, lässt sich also gar nicht so leicht beantworten.

Es gibt keine klassische Ausbildung zum Örtlichen. Die meisten Menschen landen über Umwege in dieser Rolle. Manche kommen aus der Technik, andere aus der Veranstaltungsleitung, aus dem Touring oder aus der Crewarbeit. Gemeinsam haben die meisten vor allem, dass sie vorher schon viele Veranstaltungen gesehen haben.

Ich persönlich halte das auch für wichtig. Viele Entscheidungen lassen sich eben deutlich leichter treffen, wenn ich die Auswirkungen auf andere Gewerke einschätzen kann. Wer selbst schon einmal nachts einen Aufbau begleitet hat, versteht häufig schneller, warum bestimmte Themen für eine Tournee wichtig sind. Wer die Arbeit der Venues kennt, weiß wiederum, welche Herausforderungen dort entstehen können. Gleichzeitig ist der Job nicht für jeden gemacht.

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Für wen ist dieser Job gemacht – und für wen nicht

Wer sich gerne den ganzen Tag konzentriert in eine einzelne Aufgabe vertieft, wird in der Rolle des örtlichen Produktionsleiters vermutlich nicht glücklich: Dafür passiert einfach zu viel gleichzeitig. Das Telefon klingelt. Die Tournee hat eine Frage. Die Venue hat ein Anliegen. Ein Dienstleister benötigt eine Entscheidung. Und währenddessen läuft die Veranstaltung weiter.

Man sollte deshalb gerne organisieren, kommunizieren und Prioritäten setzen können. Vor allem aber muss man Gefallen daran haben, Verantwortung zu übernehmen. Und auch Pragmatismus hilft bei diesem Job ungemein. Denn am Ende landet vieles irgendwann auf dem Tisch „des Örtlichen“. Nicht immer, weil er zuständig ist. Oft einfach deshalb, weil er derjenige ist, der einen Überblick über das große Ganze hat. Wer dagegen Freude daran hat, Veranstaltungen möglich zu machen, Menschen zusammenzubringen und Lösungen zu finden, wird an diesem Job wahrscheinlich lange Spaß haben.

Zumindest ist es bei mir bis heute so.


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Lea Mellentinhttps://geister-familie.de/
Lea Mellentin selbst kommt aus der Stagehand- und Crewarbeit und ist die Mitgründerin der "Geisterfamilie" mit den Unternehmen Event Geist, Crew Geist und Rental Geist. Ihre Themen sind Touring, Produktionen (auch Rock am Ring) sowie Personal- und Crewthemen im Livebereich. Verwaltet über 200 Mitarbeiter. Lea Mellentin ist Mitgründerin der Geisterfamilie mit den Unternehmen Event Geist, Crew Geist und Rental Geist. Ihren Einstieg in die Veranstaltungsbranche fand sie selbst über die Stagehand- und Crewarbeit, bevor sie später in operative Produktions- und Führungsrollen wechselte. Heute arbeitet sie vor allem in den Bereichen Touring, örtliche Produktionsleitung, Veranstaltungsleitung und Crewmanagement. Gemeinsam mit ihrem Team begleitet sie Produktionen unterschiedlichster Größenordnungen – von einzelnen Konzertshows bis hin zu Tourneen, Festivals und Venueproduktionen.
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