Vorbesichtigung der Location mit dem Veranstalter © Engelmann Promotion, KI-generiert
Warum hat ein Orchester einen Dirigenten, ein Schiff einen Kapitän und ein Flugzeug einen verantwortlichen Piloten? – Nicht, weil die anderen unfähig wären. Sondern weil es in komplexen, zeitkritischen Situationen jemanden braucht, der den Überblick behält, Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt. Und das speziell auch, wenn Probleme auftreten. Genauso ist es in der Eventtechnik. Auch hier arbeiten viele Fachleute gleichzeitig an einem gemeinsamen Ziel. Ton, Licht, Video, Bühne, Rigging, Strom, Netzwerk und Produktion müssen ineinandergreifen und zusammen funktionieren …
Dabei ist jeder Fachbereich gleich wichtig. Aber erst Führung macht aus vielen Einzelleistungen einen funktionierenden Ablauf. Und genau hier liegt ein oft unterschätzter Punkt: Führung ist nicht nur Verhalten einzelner Personen. Sie ist Teil des Systems, das darüber entscheidet, ob eine Produktion unter Druck stabil bleibt oder instabil wird.
Führung ist also dabei kein weiteres austauschbares Element, sondern elementarer Strukturbestandteil, ohne den Probleme häufig bereits systemisch vorprogrammiert sind.
Das reibungslose Zusammenspiel der einzelnen Kräfte:
Die Gesamtperformance ist nur so gut wie das schwächste Glied der ganzen Kette …
Führung ist deshalb kein Titel und kein Statussymbol. Führung ist eine Aufgabe. Und diese Aufgabe besteht nicht darin, möglichst laut Ansagen zu machen oder überall gleichzeitig herumzurennen. Es geht darum, Richtung zu geben, Prioritäten zu setzen und dafür zu sorgen, dass das Team auch unter Druck effektiv und handlungsfähig bleibt.
Führungskompetenz: Fachlich stark allein reicht nicht
In der Eventtechnik bekommen Führungsrollen oft Menschen, die technisch sehr gut sind. Das ist nachvollziehbar, aber nicht automatisch die beste Lösung. Denn wer ein versierter Techniker ist, ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft. Ein sehr guter Techniker löst seine fachlichen Probleme oft alleine. Eine gute Führungskraft sorgt dafür, dass Probleme dem Team gehören und sauber gelöst werden.
Das ist ein großer Unterschied. Wer führt, muss nicht nur Technik verstehen. Er oder sie muss auch Menschen koordinieren, Informationen sortieren, Entscheidungen treffen und unter Stress klar bleiben und präzise anweisen und Meldungen auswerten. Genau deshalb kann man nicht einfach jede fachlich gute Person auf eine Leitungsposition setzen. So wie nicht jeder gute Musiker automatisch dirigieren kann, kann auch nicht jeder gute Operator automatisch ein Team führen.
Führung verändert die Logik von Wertschöpfung.
Es geht nicht mehr darum, alle Probleme selbst zu lösen,
sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen andere gemeinsam und effizient Probleme lösen können.
Wer führt, muss deshalb nicht nur Technik verstehen. Er oder sie muss auch Menschen koordinieren, Informationen strukturieren, Entscheidungen treffen und unter Stress stabil bleiben.
- Führung heißt Verantwortung übernehmen: Wer in einer Produktion führt, trägt die Verantwortung auf vielen Ebenen.
- Erstens – für den Ablauf: Es muss klar sein, was gerade Priorität hat, was showkritisch ist und was warten kann. Ein guter Projektleiter erstellt für sein Event präventiv eine Risikoanalyse mit Lösungen für worst Case Szenarien. Das Postulat dazu: Die Show findet rechtzeitig und bis zum Ende statt.
- Zweitens – für das Team: Menschen brauchen Orientierung. Gerade dann, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auftauchen. Klare Briefings sind hier kein Extra, sondern elementarer Bestandteil für operative Stabilität.
- Drittens – für die Kommunikation: Unter Druck entscheidet die Art, wie gesprochen wird, darüber, ob eine Situation ruhiger oder chaotischer wird. Klare Aufgabenverteilung hilft dabei.
- Viertens – für das Verhalten und die Organisation in Stressmomenten: Wenn die leitende Person hektisch, gereizt oder unklar anweist, überträgt sich das fast immer aufs Team. Doch wenn die Führung ruhig und konzentriert bleibt und damit Ordnung in die Crew bringt, stabilisiert das den ganzen Ablauf.
Emotionale Stabilität ist kein weicher Faktor, sondern ein ganz wichtiger operativer Hebel im Gesamtsystem. Und das kannst du aktiv trainieren.
Führung ist also nie reine Organisationsarbeit. Führung ist vor allem Kommunikation. Führung wirkt sich direkt auf Qualität, Zusammenarbeit und Betriebssicherheit in allen Ebenen aus. Führung heißt auch, immer den Überblick über den gesamten Veranstaltungsablauf zu bewahren – bis zum Ende des Events …

Die richtigen Leute an den richtigen Positionen
Ein Punkt wird in der Praxis oft unterschätzt: Gute Führung fängt nicht erst bei Problemen an. Sie beginnt schon bei der Besetzung. Entscheidend ist, ob die richtigen Leute an den richtigen (Schlüssel)Positionen sitzen. Wer am FOH steht, muss diese Aufgabe fachlich beherrschen. Wer Funk betreut, muss wissen, was er tut. Wer Strom verantwortet, muss sicher arbeiten können. Wer koordiniert, muss auch aus dem Stehgreif organisieren können.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer. In der Realität werden Positionen manchmal nach Verfügbarkeit statt nach Eignung besetzt. Genau da entstehen später Probleme. Denn wenn Menschen auf Positionen arbeiten, für die ihnen Erfahrung, Wissen oder die nötige Ruhe fehlen, dann steigt unter Druck die Fehlerquote. Und dann muss der Projetleiter plötzlich Probleme auffangen, die eigentlich schon in der Personalentscheidung begonnen haben.
Deshalb gehört zu guter Leitung auch, Personal passend einzusetzen. Nicht nach Sympathie oder Zufall. Sondern nach Kompetenz, Erfahrung und Rollenverständnis. Und nicht zu vergessen: Das Team sollte sich vor dem Einsatz kennenlernen und sauber gebrieft werden. Ersatzpersonal sollte man bei etwaigen Ausfällen auch auf dem Plan haben. Auch wenn das in je nach saisonaler Auslastung nicht immer leicht ist.
Welche Kompetenzen eine gute Führung wirklich braucht
Damit die Leitung in der Eventtechnik funktioniert, braucht es da einige Kernkompetenzen – ohne die die Produktionsleitung aufgeschmissen wäre …
- Technisches Verständnis: Wer führt, muss die Materie verstehen. Nicht jedes Detail bis zur letzten Schraube, aber die wesentlichen Zusammenhänge. Sonst lassen sich Prioritäten nicht sinnvoll setzen. Ohne fachliches Fundament wird Führung schnell zu bloßem Aktionismus.
- Überblick: Gute Führung erkennt, was gerade wirklich kritisch ist. Nicht jedes Problem ist sofort gleich wichtig. Wer den Überblick hat, schützt das Team davor, sich in Nebenbaustellen zu verlieren.
- Entscheidungsfähigkeit: In Produktionen gibt es Momente, in denen nicht lange diskutiert werden kann. Dann braucht es eine Person, die entscheidet. Rechtzeitig, nachvollziehbar und mit Blick auf das Ganze.
- Kommunikationsstärke: Klare Sprache ist im Live-Betrieb kein Bonus, sondern Pflicht. Ansagen müssen kurz, verständlich und eindeutig sein. Ebenso die Kontrollen: Resultate müssen abgefordert werden, weil sie oft die weitere Vorgehensweise bestimmen.
- Verantwortungsbewusstsein: Wer führt, muss Verantwortung nicht nur annehmen, sondern auch tragen. Dazu gehört, Entscheidungen zu vertreten, Fehler aufzuarbeiten und Verantwortung nicht weiterzugeben
- Konfliktfähigkeit: Wo viele Menschen unter Zeitdruck zusammenarbeiten, gibt es Reibung. Gute Führung nutzt sie zur Klärung, nicht zur Eskalation.

Welche Soft Skills den Unterschied machen
Auch in einer stark technischen Umgebung entscheiden Soft Skills – im Fachjargon auch Business Skills genannt – oft darüber, ob ein System stabil bleibt. Hier einige der Skills, die entscheiden können, ob die Produktion ein Erfolg wird:
- Aktives Zuhören: Führung heißt auch, relevante Informationen aus dem laufenden Betrieb aufzunehmen und richtig einzuordnen.
- Empathie: Sollte nicht als Weichheit verstanden werden, sondern als Fähigkeit, Situationen und Menschen frühzeitig zu verstehen.
- Ruhe unter Druck: Ein ausgeglichener, besonnener Kopf wird zu einem operativen Werkzeug. Er ermöglicht bessere Entscheidungen und klarere Kommunikation.
- Selbstkontrolle: Eigene Emotionen im Griff zu haben und gezielt steuern zu können, ist auch Anspruch professioneller Führung. Unkontrollierte Reaktionen destabilisieren das gesamte System.
- Vertrauen: Ohne Vertrauen funktioniert kein Delegieren vor Ort. Generell ist ohne eine gescheite Vertrauensbasis der ganze betriebliche Ablauf in Frage gestellt. Und ohne Team, dass seinen Namen verdient, entsteht automatisch ein Engpass.
- Kommunikationsfähigkeit: Sie meint nicht nur, dass du deine Ideen besonders verständlich formulierst, sondern auch, dass du anderen aufmerksam zuhörst und sie dabei auch verstehst.
Kommunikationsfähigkeit ist wohl eine der meistgewünschten und wichtigsten Business Skills und die Grundlage für viele weitere karriererelevante Eigenschaften.
So muss der Umgang mit dem Team laufen.
Der Ton macht in kritischen Situationen enorm viel aus. Gute Führung behandelt das Team nicht wie Befehlsempfänger, sondern wie Fachleute mit klaren Aufgaben. Das heißt nicht, dass alles demokratisch ausdiskutiert wird. Es heißt aber, dass respektvoll, klar, zielgerichtet und lösungsorientiert kommuniziert wird. Ein adäquater und gerechter Umgang mit dem Team bedeutet dabei:
- Die Lage offen benennen, ohne Panik zu machen.
- Klare Aufgaben verteilen, statt allgemeine Hektik zu erzeugen.
- Rückmeldungen einfordern, statt ins Blaue hinein zu hoffen.
- Sachlich bleiben, auch wenn Druck entsteht.
- Kritik nicht demütigend äußern, sondern ergebnisorientiert. Es gibt nichts Blöderes als diese „Warum hast du nicht …“ Fragen.
- Nach dem Einsatz das Event ehrlich auswerten, ohne Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe. Lieber Tipps geben, wie es beim nächsten Mal besser geht.

Wie gute Kommunikation in der Praxis aussieht
Unter Druck zu arbeiten ist nicht einfach. Da braucht Kommunikation vor allem eines: Klarheit.
Schlechte Kommunikation klingt so:
„Macht das jetzt mal schnell.“ „Irgendwer muss sich um Funk kümmern.“ „Das geht so nicht, wir hängen total.“
Gute Kommunikation klingt so:
„Du gehst an die Funkstrecken und prüfst zuerst die Vocals.“ „Du klärst hinten die Stromversorgung fürs Rack.“ „Ich spreche mit dem Veranstalter und gebe euch dann in ein paar Minuten ein Update.“
Der Unterschied ist simpel, aber entscheidend. Gute Kommunikation sagt, wer was macht, was Priorität hat und wann eine Rückmeldung kommt. So spart man Zeit, Rückfragen und unnötige Unruhe. Wichtig ist auch der Tonfall. Denn Lautstärke ersetzt selten eine klare Anweisung. Ein sachlicher Ton ist schneller und wirksamer als Druck auszuüben mit Lautstärke und Brüllerei.
Teams arbeiten dann gut, wenn sie merken:
Hier führt jemand, der weiß, was er tut, ruhig bleibt, fair mit den Leuten umgeht und sie fördert.
Delegieren heißt nicht, Verantwortung von sich zu schieben
Viele verwechseln Delegieren mit Verantwortung wegschieben. Falsch. Tragfähiges Delegieren ist etwas anderes. Sie bedeutet, Aufgaben bewusst an die passenden Personen zu übertragen. Dafür braucht es drei Dinge:
- Die richtige Person für die richtige Aufgabe: Nicht jeder kann alles gleich gut. Also muss die Aufgabe dahin, wo Kompetenz und Erfahrung passen.
- Eine klare Ansage: Was ist zu tun? Bis wann? Mit welchem Ziel? Wann kommt ein Feedback?
- Vertrauen und Kontrolle in gesundem Maß: Delegieren bedeutet jetzt nicht, seine Mitarbeitenden allein zu lassen. Es heißt aber auch nicht, ihnen alle zwei Minuten reinzugrätschen.
Wenn das Delegieren funktioniert, können oft mehrere Probleme parallel sauber gelöst werden. Wenn sie nicht funktioniert, wartet am Ende alles auf eine einzige Person.
Eine zentrale Realität wird sichtbar:
Führung wird im Alltag nicht an Titeln gemessen, sondern an der Wirkung. Ein Team bewertet Führung permanent. Nicht formal, sondern immer situativ. Hier ist Orientierung, Klarheit und Stabilität gefragt. Und genau daran entscheidet es sich, ob die Führung funktioniert.
Typische Fehler in der Führung
Unterstellt – es wäre keine Absicht – ein paar Fehler werden immer mal wieder gemacht:
- Alles selbst machen wollen: Das bremst das Team und überlastet die leitende Person.
- Unklare Ansagen geben: Dann ist zwar allen klar, dass Stress da ist, aber niemand weiß genau, was zu tun ist.
- Laut werden und Druck nach unten geben: Das erzeugt Unsicherheit, selten bessere Leistung.
- Die ungeeignete Personen auf wichtige Positionen setzen: Dann entstehen Fehler, die später mühsam aufgefangen werden müssen.
- Aktionismus statt Struktur: Wenn eine Produktion nur noch durch spontane Rettungsaktionen funktioniert, stimmt meist das System nicht.
Was im Alltag wirklich hilft
Oft sind es die kleinen Routinen, die große Wirkung entfalten:
- Ein kurzes Briefing vor Einlass oder Showstart bringt alle auf denselben Stand.
- Klare Statusmeldungen halten das Lagebild sauber.
- Saubere Rollenverteilung verhindert Doppelarbeit und Chaos.
- Eine ehrliche Nachbesprechung hilft, aus Problemen zu lernen.
Genau solche Dinge machen Produktionen stabiler.

Zum Schluss …
… Nochmal die Frage: Warum hat ein Orchester einen Dirigenten, ein Schiff einen Kapitän und ein Flugzeug einen verantwortlichen Piloten? – Weil es eben in komplexen Situationen jemanden geben muss, der den Überblick behält, die Richtung vorgibt und die Gesamtverantwortung übernimmt. In der Eventtechnik ist das auch nicht anders.
Gute Führung heißt nicht, alles selbst zu machen. Gute Führung heißt, Mitarbeitende richtig zu delegieren und das Team so einzusetzen, dass der Ablauf funktioniert. Dafür braucht es Fachwissen, Überblick, Kommunikationsstärke, Entscheidungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Genauso wichtig sind Soft Skills wie aktives Zuhören, Empathie, Selbstkontrolle, Konfliktfähigkeit und Ruhe unter Druck.
In der Praxis zeigt sich da immer wieder der entscheidende Zusammenhang:
Stabile Abläufe entstehen nicht zufällig, sondern dann, wenn die Verantwortung klar geregelt ist und im richtigen Moment übernommen wird.
Und es braucht Mut und Menschenkenntnis, Personal genau passend zu besetzen. Die richtigen Personen mit den passenden Skills an den richtigen Positionen. Denn nur dann kann ein Team seine Aufgaben wirklich erfüllen. Gute Führung erkennt man nicht daran, dass nie etwas schiefläuft. Sondern daran, dass ein Team dann auch noch sauber arbeitet, wenn etwas schiefläuft.
Der Mitautor, Jörg Kirsch, hat Erfahrungen in zahllosen Produktionen sammeln dürfen. Nicht selten ist es vorgekommen, dass eine Show gerettet wurde, weil erfahrene Techniker „aus der 2. Reihe“ die Aufgaben unfähiger oder überforderter Projektleiter übernommen haben. Deswegen zählt auch die nicht ganz unberechtige Frage nach Prüfung durch das Technikerteam: „Taugt der Projektleiter was für seine Aufgabe?“
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