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Donnerstag, Dezember 1, 2022
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    StartTechnik1. TontechnikWie stelle ich meine Lautsprecher zu Hause richtig auf?

    Wie stelle ich meine Lautsprecher zu Hause richtig auf?

    Optisch ein absolutes Highlight – doch nicht die Optik macht den Sound … / © Monacor

    Viele unserer Leser kennen die Basics guter Hi-Fi-Beschallung natürlich. Warum dann ein Artikel auf StageAID  darüber? Zum einen: Wir wollen Quer-, Neu-, und Wiedereinsteiger für Audiotechnik begeistern. Denn nur eine neue Generation von begeisterten Einsteigern bringt die neuen Audio-Ingenieure von morgen hervor. Zum anderen: Etwas zu können und etwas erklären zu können, sind zwei paar Stiefel. Da wir unsere Partner auch im Marketing unterstützen, bieten wir hier auf StageAID gerne auch noch mal die Basics …

    Lautsprecher aufstellen, positionieren, ausrichten

    Du kannst Lautsprecher natürlich einfach in den Raum stellen oder hängen. Irgendwie kommt der Sound vom Lautsprecher dann schon an dein Ohr. Andererseits macht es massive Unterschiede, wie du die Lautsprecher aufstellst, ausrichtest und einstellst. Und wenn du ein gutes Soundsystem besitzt, dann willst du doch so viel herausholen wie möglich, oder?

    Abstand der Lautsprecher zueinander

    Faustregel: Bei stehenden Lautsprecherboxen solltest du versuchen, einen Abstand der Boxen zueinander, von mindestens 1,50 m einzuhalten. Der perfekte Abstand hängt allerdings von weiteren Faktoren wie dem Abstrahlwinkel der Lautsprecher und dem Abstand der Zuhörer ab. Je nach Frequenz gibt es auch noch Unterschiede im Directivity Pattern  (Abstrahlverhalten, Richtcharakteristik).

    Fakt ist: Wenn deine Lautsprecher zu nahe beieinanderstehen, vermischt sich der Klang und wird matschig. Wenn sie dagegen zu weit voneinander entfernt stehen, entsteht eine Lücke zwischen den beiden Hälften des Stereobildes. Fang am besten mit einem Abstand von 1,50 mal an, und probier’ solange, bis du deinen perönlichen “Sweet Spot”  gefunden hast.

    Heureka – Metapher deiner effektivsten Zone … / © Tomislav Jakupec für Pixabay

    Höhe der Lautsprecher

    Stell’ die Lautsprecher so auf, dass sich die Hochtöner auf etwa gleicher Höhe wie deine Ohren befinden. Um eine optimale Abhörhöhe zu erreichen, benutzt du am besten höhenverstellbare Lautsprecherständer . Es ist jedoch in der Regel kein Problem, die Lautsprecher auch auf passendes Mobilar zu stellen, wenn du das Reflexionsprinzip beachtest: Stell’ sicher, dass die Lautsprechermembranen bündig mit der Vorderkante des Möbelstücks abschließen, oder über die Kante hinausragen. Wenn deine Lautsprecher in der Nähe der Rückseite eines Regals stehen, wird der Schall von allen Oberflächen vor der Membran reflektiert.

    Lautsprecher und die Nähe zur Wand

    Wenn du genügend Platz hast, stellst du deine Lautsprecher mindestens 70–90 Zentimeter entfernt von der nächstgelegenen Wand auf. Dadurch werden Schallreflexionen minimiert, die sich negativ auf die Klarheit der Wiedergabe auswirken können.

    Viele Lautsprecher haben nach hinten gerichtete Bassöffnungen. Wenn du die rückwärtige Bassöffnung zu nahe an der Wand positionierst, werden die Schallwellen reflektiert, was zu einer zeitlichen Verzögerung führt. Wenn deine Lautsprecher nach vorne gerichtete Bassöffnungen haben, könnt ihr sie etwas näher an der Wand aufstellen. Dennoch gilt: Wenn du den Platz hast, bring’ ein bißchen Abstand zwischen die Wände und deine Lautsprecher.

    Winkel der Lautsprecher

    Richte deine Lautsprecher so aus, dass sie auf den Zuhörer gerichtet sind. Genauer gesagt, auf einen gedachten Punkt 50 cm hinter dem Kopf des Hörers. Dann bekommst du einen guten Klang in einem größeren Hörbereich. Der Vorspurwinkel der Boxen sollte dann etwas steiler eingestellt sein. Vergrößer’ oder verkleinere den Winkel deines Lautsprechers jeweils um ein paar Grad, bis du deinen Sweet Spot  gefunden hast!

    Stell’ den Vorspurwinkel der Lautsprecher ein, um deinen Hörbereich und dein Stereobild zu optimieren / © PMC User Guide

    Anordnung der Lautsprecher im Raum

    Achte darauf, dass sich keine Gegenstände zwischen deinen Lautsprechern und deinen Ohren befinden. Hilfreich, wenn auch nicht immer praktisch umsetzbar: Eine symmetrische Anordnung von Lautsprechern und Möbeln. Ziel ist es, Schallreflexionen so weit wie möglich zu minimieren oder zumindest zu kontrollieren …

    Reflexionen bei Lautsprechern vermeiden – in 5 Schritten

    Wenn du Musik hörst, hörst du mehr als nur die Schallwellen, die direkt von den Lautsprechern zu deinen Ohren gelangen. Du hörst auch reflektierte Schallwellen, die Wände und Möbel zurückwerfen. Diese Schallwellen erreichen deine Ohren etwas später als die direkten Wellen, was zu einer Art Phasenverschiebung führt, die Fachleute auch Zeitverschmierung nennen. Dadurch kann die Musik matschig und undeutlich klingen. Auch das Stereobild wird davon zerstört. Was also tun?

    Schritt 1: Was haben wir eigentlich vor?

    Definieren wir erstmal die Problembereiche der Reflexion. Aus Messungen wissen wir, dass wir die Zeitsignaturen der Reflexionen so minimieren müssen, dass sie unter denen des Direktschalls liegen. Dieses Zeitsignaturverhältnis muss bei Reflexionen von Seitenwänden, Decke, Boden und Rückwand beachtet werden. Wir müssen das Slap-Echo von der Rückwand minimieren, und die Reflexionen an den Seitenwänden müssen behandelt werden. So lassen sich Klangfarbenverzerrungen und Klangbildverschiebungen vermeiden.

    Schritt 2: Die Problemzonen bestimmen

    Beginnen wir mit den Seitenwänden und finden heraus, welche Bereiche wir behandeln müssen. Wir wissen, dass die seitlichen Reflexionen an den Seitenwänden kontrolliert werden müssen. Fang’ mit einer Position mindestens 30 Zentimeter hinter der Rückseite der Lautsprecher an, sowohl links wie rechts. Beweg’ dich mit deiner Messung in Richtung des Hörplatzes vorwärts, bis du etwa 30 cm hinter dem Hörplatz angelangt bist.

    Markier’ diesen Start- und Zielbereich an beiden Seitenwänden mit Klebeband oder ähnlichem. Dies ist der Bereich für die Anwendung der Raumbehandlung. Um sicherzugehen, solltest du die Behandlung von 30 Zentimeter über dem Boden bis zum Schnittpunkt der Seitenwände mit der Decke ausdehnen.

    Schritt 3: Die passenden Gegenmaßnahmen festlegen

    Bei Reflexionen haben wir zwei Möglichkeiten: Diffusion oder Absorption. Bei der Absorption wird die kinetische Energie der Reflexion in Wärme umgewandelt. Der Schall verschwindet also. Bei der Diffusion wird die Reflexion in viele kleine Reflexionen zerlegt, um ihre Signatur zu verringern. Diese kleineren Energiesignale werden weder zeitlich noch in ihrer Amplitude beeinflusst.

    Absorption ist die empfohlene Behandlung für Seitenwände, Diffusion funktioniert gut an Vorder- und Rückwänden. Für die Diffusion ist ein größerer Abstand zwischen der Schallquelle und der Oberfläche erforderlich, damit sich die diffuse Wellenform richtig entfalten kann.

    Sehr reflexionsarmer Raum der TU in Dresden / © Henry Mühlpfordt für Wikipedia

    Schritt 4: Gegenmaßnahmen umsetzen

    Die Installation des Absorptionsmaterials an den Seitenwänden ist relativ einfach. Wenn du Absorptionsmatten bzw. -tafeln verwendest, die nur auf einer Seite absorbierend sind, kannst du es einfach gemäß der Installationsanleitung des Produkts anbringen. Dazu gehört in der Regel eine haken- oder klammerartige Montage. Wenn das Material auf beiden Seiten absorbierend ist, musst du einen Luftraum zwischen der Wand und den Tafeln herstellen.

    Nimm die Klebebandmarkierungen (Schritt 2), die du an beiden Seitenwänden angebracht hattest, und füll’ den Bereich mit dem absorbierenden Material aus. Pass’ auch bei der Auswahl des Absorbtionsmaterials, denn nicht alle Absorptionstechnologien sind geeignet.

    Schritt 5: Mit einem kritischen Ohr kontrollieren

    Nimm dir die Zeit und hör’ dir deine fertige Installation an. Achte auf die Position des Klangbildes, die Genauigkeit der Klangfarbe und das allgemeine Gefühl der Räumlichkeit.

    Versuch’ mal über die in Schritt 2 festgelegten Grenzen hinaus noch weiteres Absorptionsmaterial hinzuzufügen. Je nach Raumgröße, Position der Lautsprecher und Hörpegel ist möglicherweise mehr erforderlich. Hör’ dir verschiedene Musikstile exemplarisch an (Klassik, Jazz und Pop) und nimm dir Zeit dafür, denn dies ist ein sich entwickelnder Prozess. Die meisten deiner Entscheidungen solltest du erst innerhalb der ersten 30 Tage treffen. Danach werden sich die Änderungen in Grenzen halten. Dann wirst du wissen, ob du alles “richtig” gemacht hast.

    Noch ein kleiner Exkurs: Polstermöbel und kleine Räume

    Räume haben in der Regel verschiedene Funktionen. Deshalb ist es gut wenn dein Soundsystem auf diese Zwecke abgestimmt ist. Überleg’ mal, zu welcher Tageszeit du deine Lautsprecheranlage am häufigsten laufen läßt.

    Reflektierende und glatte Oberflächen, Fenster und glatte Wände sind allgemein schlechter für den Klang. Oberflächen mit stark strukturierter unregelmäßiger Textur, wie Polstermöbel reflektieren den Schall unregelmäßig und nehmen den Hall aus dem Sound.

    Das kann zu interessanten Situationen führen: “Tagsüber ist der Klang krachig-hallig, doch abends klingt’s deutlich besser!” Vielleicht liegts an den zugezogenen Vorhängen, die deine Fenster als Reflexionsflächen aus der Rechnung rausnehmen. Ähnlich verhält es sich, wenn du die ganze Zeit die gleiche Einrichtung hattest, jetzt aber vor Kurzem ein großes neues Regal aufgestellt hast … Der Klang hat sich verändert …

    Besonders kleine Räume

    Wie sollten Lautsprecher in kleinen Räumen positioniert werden? Als Beispiel nehmen wir mal einen 3 mal 4 Meter großen Raum. Wenn du dich dafür entscheidest, die Lautsprecher an der langen Wand aufzustellen, hörst du im Nahfeld. Das bedeutet, dass du dich in einem Hörbereich befindest, in dem der direkte Schall des Lautsprechers lauter ist als der an dir reflektierte Schall.

    Seitliche Schallabsorbtionsflächen, Diffusion und Winkel der Boxen für einen breiteren Hörbereich in kleinen Räumen / © Andy C.

    Das Problem beim Hören im Nahfeld ist, dass du kaum tiefere und mittlere Bässe hörst, denn Bass entwickelt sich normalerweise erst richtig nach 3-4 Metern . Das macht den Klang flach, denn die Herausforderung bei kleineren Räumen ist der mangelnde Platz. Nur durch sinnvolle Distanz zur Audioquelle erfährst du die gesamte akustische Bandbreite der Musik.

    Wenn du deine Lautsprecher an der Längswand aufstellst, hast du mehr Platz zum Sitzen. Der beste Platz ist dann direkt an der gegenüberliegenden Wand. Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du deine Lautsprecher also an einer langen Wand aufstellen. Sie sitzen vielleicht im Nahfeld, aber der Nachhall der kurzen Wand ist weiter vom Lautsprecher entfernt. Der Nachhall gibt an, wie lange ein Ton nachklingt, nachdem er ursprünglich erzeugt wurde.

    Nachhall entsteht, wenn Geräusche mehrfach reflektiert werden, sich anhäufen und dann abklingen, wenn die umgebenden Oberflächen sie absorbieren. Die Reflexionsdistanz zu den Lautsprechern erzeugt dann einem dynamischeren Klang. Aber: Wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihre Lautsprecher an der kurzen Wand, aufzustellen, wird die sogenannte Klangbühne schmaler und Ihr Sitzplatz ist begrenzt. Es ist eine Abwägung: Wie wichtig ist die offene Klangbühne, wie wichtig sind die Bässe?

    Zum Schluss noch ein redaktioneller Hinweis:

    Kleine Räume können mit speziellen Lautsprechern ohne klangliche Verluste beschallt werden: Hersteller wie z.B. Rega, Duevel, Tannoy, Falcon  oder Jean-Marie Reynaud  verstehen sich auf die Kunst, mit kleinen kompakten Lautsprechern einen großen Klang in kleine Zimmer zu zaubern. Hierbei kommt es nicht nur auf den Bass an – mindestens ebenso wichtig ist die Möglichkeit, leise und nahe vor dem Lautsprecher zu hören …

    Bjoern Westphalhttps://monacor-webshop.de/
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