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Freitag, April 3, 2020
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    Praxistest: FLY-16 Set von IMG Stageline. Per Funk vom Mischpult zur PA

    © Monacor

    Veranstaltungstechniker, DJs und sonstige Dienstleister (z.B. Pfarrer, Schausteller) sind oft als mobiles Audio-Kommando im Einsatz und stellen Lautsprecher an Orten auf, die nicht einfach per Signal-Kabel zu erreichen sind und wo es schnell gehen muss. Da würde sich dann natürlich oft eine drahtlose Übertragung anbieten. Und genau dazu schauen wir uns heute die Funkstrecke IMG FLY-16Set  an. Wir untersuchen, wobei uns das aus Sender und Empfänger bestehende Set helfen kann.

    Spontan fallen mir da eine Vielzahl von Situationen ein, bei denen eine Funkstrecke zwischen Sender (Mischpult, Notebook, DJ) und Lautsprecheranlage  gebraucht wird:

    • Kleine Veranstaltungen wie Hochzeiten, wo schnell auch ein Nebenraum mit einer Aktiv-Box. beschallt werden soll.
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    • Messen oder Märkte, die mehrere verteilte Lautsprechersysteme erfordern.
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    • Demonstrationen, wo Strassen oder Durchgangswege eine Kabelverlegung unmöglich machen.
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    • Die Übertragung eines Mastersignals an eine fest installierte „Hausanlage“.
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    • Delay Lines.
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    • Bestückung einer oder mehrerer Shout Boxen zur Kommunikation.
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    • Zusätzlicher Monitorweg, wenn das Multicore mal zu wenige Ausgänge hat.
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    • Weiterleitung vom Ausgang eines Aktivlautsprechers an einen zweiten.
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    • Übertragung von Notebook-Audio oder der DJ-Konsole an Hausmischpulte. Und mehr …

    Dabei und bei einigem mehr kann eine Funkstrecke die Arbeit erleichtern und wertvolle Zeit sowie nervige Verkabelung sparen. Schauen wir uns jetzt das FLY-16Set genauer an.

    Äußeres

    Beide Einheiten sehen aus wie etwas zu lang geratene XLR Steckverbinder. Dabei ist der Sender FLY-16T  am XLR/f  zu erkennen, der Empfänger FLY-16R  verfügt über einen XLR/m Anschluß am Kopfende. Beide Einheiten sind aus robustem Kunststoff gefertigt.

    Lieferumfang: Sender FLY-16T + Empfänger FLY-16R + 2 USB-Mikro-Kabel / © Engelmann-Fotografie

    Jede Einheit verfügt über ein Batteriefach (AA Mignon). Zur alternativen Stromversorgung dient eine Mikro-USB Buchse. Die Kabel dazu sind im Lieferumfang enthalten. Ansonsten gibt es jeweils einen einzigen folierten Funktionsschalter, ein 7-Segment Display zur Kanalanzeige und eine Status-LED.

    Funktionsweise des IMG Stageline FLY-16 Set

    FLY-16 sendet im EU-weit anmelde- und gebührenfreien Bereich 823-832 MHz, einer so genannten Mittenlücke. Dabei stehen 16 Frequenzen zur Verfügung, von denen 8 störungsfrei gleichzeitig nebeneinander betrieben werden können. Die Geräte arbeiten analog, also verzögerungsfrei und verarbeiten Line Pegel bis zu 0,775 V.

    Die Anwendung der Systeme ist denkbar einfach:

    1. Der Sender FLY-16T wird mit dem Signallieferanten, also Mischpult, CD Player etc verbunden.
    1. Der Empfänger FLY-16R wird am Empfänger angeschlossen. Das kann ein Verstärker, eine Aktivbox oder ein Mischpult sein.

    Beide Geräte werden eingeschaltet und auf den gleichen Funkkanal eingestellt – Fertig.

    Bedienung des FLY-16

    Wir haben beide Einheiten mit AA-Akkus bestückt und eingeschaltet. Das geht recht einfach: Funktionsschalter 2 Sec. drücken, dann meldet sich der FLY mit seiner Kanalanzeige und der grünen LED. Beim Empfänger blinkt die LED so lange, bis hier der zum Sendekanal passende Kanal eingestellt wird, dann leuchtet die LED Anzeige konstant.

    Die Kanalweiterschaltung geschieht durch kurzes Antippen des Tasters. Ausgeschaltet wird durch kurzen Druck mit nachfolgendem längeren Drücken des Schalters. Also alles Easy. Nach einigen Sekunden wird übrigens die Kanalanzeige dunkel geschaltet, um Strom zu sparen. Wie gesagt: Eine Dauer- Stromversorgung kann auch über die USB-Buchse erfolgen. Dabei kann die Batterie ohne Kapazitätsverlust im Gerät bleiben.

    Performance und Erfahrung

    Mit einer Ladung Eneloop Akkus haben wir bei praxisgerechter Aussteuerung die Kombination FLY-16T und FLY-16R über 4 Stunden betreiben können. Bei anstehendem Batteriewechsel wechselt die LED Ihre Farbe von Grün auf Rot. Dabei war im Freifeld eine Reichweite mit den avisierten 90m ohne Probleme zu erreichen.

    Der Test durch 2 massive Wände ergab immer noch 30m ohne Aussetzer, Rauschfahnen oder sonstige Artefakte.

    Stabile Sendeverhältnisse: der FLY-16T auf dem HF-Explorer / Analyzer / © Engelmann-Fotografie

    Soundseitig gibt es auch nur Positives zu vermelden. Der Vergleich Kabel vs. Sendestrecke auf einem hochauflösenden SE-MF3 Topteil mit Bassextender ergab nur marginale Unterschiede. Also auch hier die Daumen hoch, der Frequenzumfang von 30-17.000 Hz erlaubt uneingeschränkte FOH Übertragung.

    Interferenzen und Störungen haben wir während des Testes nicht feststellen können. Es lief alles stabil. Profis wissen allerdings, dass man sich im Funkbereich grundsätzlich niemals 100% sicher fühlen darf.

    Allgemeines

    • Mit einem Sender kann man beliebig viele Empfänger betreiben. Das ist z.B auf Märkten, Messen und ähnlichen Situationen mit vielen Lautsprechern wichtig.
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    • Mehrere Signale brauchen mehrere Sender: Ein Stereo Signal aus einem Mischpult benötigt 2 Sender FLY-16T und 2 Empfänger FLY-16R.
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    • Wenn die angeschlossenen Geräte keinen XLR-Anschluss haben: Dann kann man sich entsprechende Adapter kaufen oder – sofern man dazu in der Lage ist – selber anfertigen.
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    • Reichweitenverlängerung: Muss man Strecken >90 m überwinden, so stellt man sich eine erste Strecke Sender-Empfänger auf einem gemeinsamen Kanal zusammen. In den Empfänger steckt man einen weiteren FLY-16T, der allerdings auf einen anderen Kanal eingestellt sein muss. Dieser kommuniziert dann mit einem weiter entfernten FLY-16R auf dem dem gleichen Kanal. Voila`.
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    • Die Antennen hoch: Wenn Ihr mittags in einer leeren Halle Soundcheck macht und abends der Laden voll ist, wird Eure gesamte Funkstrecke massiv bedämpft. Deswegen – baut Eure Antennen so hoch auf, dass sie sich Sender und Empfänger „sehen“ können.
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    • Verlängerte Betriebsdauer: An die USB-Buchsen könnt Ihr sowohl Netzteile als auch Notebooks oder Powerbänke anschließen.

    Fazit

    Die Kombination FLY-16T und FLY-16R ist superklein, einfach zu bedienen und läuft zuverlässig mit sehr gutem Sound. Variable Stromversorgung, gesparter Aufwand und Zeitersparnis machen sie zum Idealen Begleiter und Problemlöser, nicht nur für Veranstaltungstechniker. Gehört in jeden gehobenen „Immer-dabei-Koffer“.

    Ca. 170 € für das komplette Set FLY-16Set sind ein mehr als fairer Gegenwert für die Benefits, die man im täglichen Job dadurch hat.

    Tester sind ja meist auch heimliche Entwickler. Mein Tipp: ein einstellbares Delay bis 100m, ggf. noch ein Not-EQ mit Highpass, würde die Anwendungsmöglichkeiten nochmals deutlich in den professionellen Bereich hinein erweitern.

    Zum Schluß für alle Technikinteressierten die technischen Daten:

    Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
    Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.

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