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    StartTechnik1. TontechnikDezibel und LUFS - die Unterschiede, und wozu wir sie brauchen

    Dezibel und LUFS – die Unterschiede, und wozu wir sie brauchen

    VU-Meter / © Pixabay, Andy C.

    Als Musiker oder Produzent, bzw. jeder der sich mit Tönen im Allgemeinen beschäftigt, hat sich schon mal damit auseinandersetzen müssen. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen LUFS und dB? Diese zwei Einheiten werden oft verwechselt. Doch sind sie nicht das Gleiche. Wir klären mal diese Begrifflichkeiten und deren kleine aber feine Unterschiede und wofür das gut ist …

    Wir wollen die Hauptunterschiede zwischen den beiden Lautheits/Lautstärke-Einheiten erläutern und praxistaugliche Anwendungstipps für beide Einheiten darstellen. So könnt Ihr am besten beurteilen, wann es sinnvoller ist in Dezibel, und wann es in “Loudness Units Relative to Full Scale” besser ist zu rechnen …

    Was verstehen wir unter dem Schalldruckpegel in Dezibel?

    Erst einmal klären wir die Begrifflichkeiten. Das Dezibel (dB) ist die Einheit, mit dem die Lautstärke eines Geräusches angegeben wird. Dabei verhält es sich zunächst so: Je mehr Dezibel eine Tonquelle aufweist, desto lauter wird sie von uns empfunden. Dabei steigt die Lautstärke expotenziell an, 10dB Pegelsteigerung entsprechen der doppelten Lautstärke. Beispielsweise werden 70 dB doppelt so laut empfunden wie 60 dB.

    Das Maß für die Lautstärke ist der Schalldruckpegel. Die Maßeinheit dafür ist Dezibel. Dezibel misst die Intensität bzw. die Leistung des Schalls, also den Luftdruck der durch den Schall entsteht.

    Musikproduktionen

    Hier taucht die Standardmessgröße Dezibel immer wieder auf: Beispielsweise findet Ihr dB-Maßeinheiten bei Fadern an Mischpulten oder VU-Metern von Verstärkern. Im Bildausschnitt seht Ihr ein Balkendisplay aus Leuchtdioden, die die in dB gemessene Lautstärke anzeigen:

    Der orange Farbpegel ist der jeweilige Spitzenwert in Dezibel, der grüne Farbpegel, der sich permanent bewegt, zeigt den momentanen Dezibelwert. / © Pixabay

    Frequenz und Amplitude sind die Größen, die den Ton und die Lautstärke bestimmen. Dabei misst die Frequenz die Anzahl der Schwingungen eines Tons und bestimmt so die Tonhöhe: je höher die Anzahl der Schwingungen, desto höher wird die Tonhöhe des Audiosignals empfunden. Die Amplitude schließlich gibt an, wie stark, also laut, ein Audiosignal empfunden wird.

    Mastering Prozess

    Beim einem Musikproduktionsprozess sind Dezibel sprich Lautstärkemessung plus Frequenzen und deren Amplituden von Bedeutung. Denn beim Aufnehmen, Produzieren, Abmischen und Mastern müssen die Dezibel im Auge behalten werden. Doch während des Mastering-Prozesses müsst Ihr jetzt auch den LUFS-Meter im Auge behalten …

    Beim Mastering ist es wichtig, den Dezibel-Spitzenpegel sowie den Durchschnittspegel zu beobachten um einen dynamischen Song zu erstellen. Die durchschnittliche Höhe der Dezibel, gemessen über einen bestimmten Zeitraum, wird als RMS (quadratischer Mittelwert) bezeichnet und diente bis zur Entwicklung von LUFS als Standard für die Messung der “Lautheit”.

    Doch was sind nun die LUFS?

    Vorab: Der wesentliche Unterschied vom LUFS- zum bisher üblichen RMS-Verfahren besteht darin, dass bei der Lautheit nach RMS der gesamte Frequenzbereich gleichwertig berücksichtigt wird, während bei LUFS die einzelnen Frequenzen speziell gewichtet werden.

    Und es gibt einen hinlänglichen Unterschied zwischen der Lautstärke und der Lautheit: Die Lautstärke ist objektiv messbar – in der bekannten Maßeinheit Dezibel.

    Simpel formuliert sind LUFS das Maß für Lautheit (Loudness). Sie sind quasi die Messlatte für Audiofiles; für ein einheitliches Klangerlebnis in Radio, Film, Fernsehen und Musik. “Loudness Units Relative to Full Scale” , kurz LUF  oder auch LKFS (Loudness, K-weighted, relative to full scale) , sind eine neue und genaue Methode zur Messung von Audiosignalen.

    Digitale Audioausgänge verfügen heutzutage über einen Standard-LUFS-Pegel und Normalisierungs – Algorithmen, damit beim Übergang von einem Lied zum nächsten keine unschönen Lautstärkeunterschiede entstehen. Der LUFS – Algorithmus sorgt für ein gleichbleibendes Hörerlebnis und passt das Audiofile entsprechend an.

    Die Maßeinheit von LUFS

    LU, „Loudness Units“ , ist ein relativer Wert von LUFS . 1 LU  entspricht in etwa 1 dB . LUFS bemisst die durchschnittliche Lautheit eines Audiostücks in einem bestimmten Zeitraum. Die Messung der Lautheit mit LUFS berücksichtigt die subjektive Lautheit. Das heißt, dass LUFS nicht nur die tatsächliche, in Dezibel wahrgenommenen Lautstärken berücksichtigen. Vielmehr ist es die Art und Weise , wie das menschliche Ohr den Klang aufnimmt.

    Bei dieser Art und Weise , wie Schall auf das menschliche Ohr trifft, klingen bestimmte Frequenzen naturgegebenermaßen lauter als andere. Diese Unterschiede ändern sich bei einer Änderung des Gesamtpegels. Der Unterschied in der Wahrnehmung, der mit LUFS genutzt wird, wird durch die Fletcher-Munson-Kurve dargestellt, das sind die Kurven gleicher Lautstärkepegel:

    Fletcher-Munson-Kurve / © Wikipedia

    Dieses Diagramm zeigt die Audiokonturen über das gesamte Frequenzspektrum. Wie wir sehen, werden Töne im gesamten Frequenzspektrum unterschiedlich wahrgenommen. Das gleiche Phänomen erklärt, warum wir beim Musikgenuss tiefe Töne lauter hören als mittlere und hohe Töne (dabei werden die tiefen Sounds dann wohl eher gefühlt als wirklich lauter gehört, Anm. d. Red.).

    Die Verwendung von LUFS ist ein optimaler Loudness-Standard, den die Messung mit unserer Wahrnehmung und der tatsächlichen Audioausgabe verbindet. Wir können so eine ausgewogene Einheit für wahrgenommenen Pegel und das menschliche Gehör schaffen. Normalerweise verwenden wir LUFS, wenn wir festlegen wollen, wie laut das Audiomaterial sein darf. In der Musikproduktion bedeutet dies dann, dass Ihr LUFS erst dann einsetzt, wenn Ihr zum Mastermix bereit seid.

    Mit einem LUFS-Meter messt Ihr LUFs in Eurer DAW. Dieser LUFS-Meter zeigt in der Regel sowohl integrierte als auch Kurzzeit-LUFS an. Das gibt Euch einen guten Überblick über Euren Sound. Integrierte LUFS stellen denn auch die durchschnittliche Lautheit des Klangs über den kompletten Track dar, während kurzfristige LUFS nur einen kurzen Abschnitt des Klangs berücksichtigen.

    Youlean Loudness Meter / © Youlean 2022

    Der “Youlean Loudness Meter” hilft dabei, die wirklich wahrgenommene Lautstärke Deines Audiofiles herauszufinden und bereitet es für die Veröffentlichung in TV- oder Streaming-Diensten vor. Eine Freeversion davon ist auf youlean.co/youlean-loudness-meter/ herunterladbar.

    Wann verwendest Du LUFS und wann dB?

    Sie messen beide den Schall. Jedoch wann weißt du, welche Messung jetzt die geeignete ist? Sowohl Dezibel als auch LUFS haben die mehr oder weniger gleiche Größe, wir erinnern uns: 1 LU ist ca. 1 dB. Beide beschreiben die Lautstärke. Doch obwohl diese Lautstärkeeinheiten im Audiobereich im Verhältnis 1:1 stehen, werden sie für unterschiedliche Dinge verwendet …

    Dezibel sind das allumfassende Instrument zur Messung der Lautstärke in praktisch jeder Audioproduktion. Dagegen kommen LUFS überwiegend im Mastering-Prozess zum Einsatz. Sie sind ein genauer Lautheitsmesser, werden aber außerhalb der Welt der Tontechniker selten verwendet.

    Hinweis: Beim Mastering sollten Mixer, Techniker und Tüftler allerdings aufpassen, dass bei der Normalisierung die Dynamik eines Tracks nicht leidet. Schnell wirkt ein Song allzu glatt und homogen, wenn man es mit einer LUFS-Standardisierung übertreibt …

    Wenn es um die Normalisierung von Musik und anderen Audiodaten geht, sind LUFS mittlerweile der Standard. Dezibel ist jedoch das allgemeine Maß für die Messung des Pegels. Eines sollte dabei allerdings sicher sein: Das Verständnis für die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen Dezibel und LUFS muss für jeden, der eine Karriere als Tontechniker anstrebt, evident sein.

    Fazit

    Es handelt es sich bei LUFS und dB um zwei unterschiedlich wirkende Messverfahren. Sie werden zwar beide zur Messung der Lautheit verwendet, beschreiben jedoch für eine Vielzahl von Anwendungen unterschiedliche Werte. Und beim Mastermix solltet Ihr genau wissen was Ihr tut. Denn: Laut ist nicht gleich besser …

    Andreas Cattarius
    Andreas Cattarius
    Andreas Cattarius hat an der Fachhochschule Kaiserslautern Innenarchitektur studiert. Im Jahr 1995 gründete er mit Freunden den Live-Club „Fillmore Kaiserslautern“ und in den darauffolgenden Jahren machte sich dieser Liveclub überregional einen Namen mit erfolgreichen Konzerten für die Alternativszene. Als DeeJay und Talentscout entwickelte er eine Nase für Musik-Trends der alternativen Szene und förderte die lokale Musik- und DeeJay-Szene. In dieser Zeit erwarb er erste Kenntnisse im Schreiben von Bandbeschreibungen der Künstler, die in seinem Club auftraten. Er lernte was erfolgreiches Eventmarketing bedeutet und machte sich einen Namen als überregionaler Veranstalter für innovative Bands. Als Redakteur für das Kaiserslauterer Stadtmagazin „Pavillon“, hier zuständig für die Rubrik „Szene“, entwickelte er seine journalistischen Fähigkeiten. 2002 ließ er sich zum „Internetapplikationsentwickler“ ausbilden und erlernte das „Handwerk“ des Webdesigns. Er entwickelte bereits 2003 im Team einen Online-Lieferservice für Pizzas in Worms. Seit 2018 gehört er fest zum „Kunstgriff-Event“ Team.
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