StartServiceNews aus der SzeneIFPI startet Initiative gegen Streaming-Betrug: Schluss mit gekauften Klicks?
Anzeige

IFPI startet Initiative gegen Streaming-Betrug: Schluss mit gekauften Klicks?

© KI generiert, Engelmann Promotion

Streamingzahlen sind längst mehr als eine nette Statistik. Sie entscheiden über Einnahmen, Reichweite, Sichtbarkeit in Playlists und nicht zuletzt darüber, wie erfolgreich ein Künstler wahrgenommen wird. Genau deshalb sind manipulierte Streams ein handfestes Problem für die Musikbranche. Die IFPI , der in­ter­na­tio­nale Verband der Tonträgerindustrie , hat deshalb am 14. September 2026 die „Streaming Integrity Initiative“ (SII)  gestartet.

Dahinter steht ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog gegen künstlich erzeugte Streams und den damit verbundenen Betrug. Unterstützt wird die Initiative bereits von zahlreichen großen und unabhängigen Unternehmen der Musikbranche.

Was ist Streaming Fraud überhaupt?

Das Prinzip ist relativ einfach: Mit Bots, automatisierten Accounts oder anderen Manipulationen werden Songs künstlich abgespielt. Die erzeugten Streams sehen zunächst wie echte Nutzung aus und können dazu führen, dass Geld aus den Vergütungstöpfen der Streamingdienste an diejenigen fließt, die diese Abrufe manipuliert haben. Das Problem dabei: Der verfügbare Kuchen wird dadurch nicht automatisch größer. Manipulierte Streams können Einnahmen zulasten legitimer Künstler, Songwriter, Labels und anderer Rechteinhaber verschieben. Zudem verfälschen sie Charts, Reichweiten und Erfolgskennzahlen.

Anzeige
Anzeige

Fünf Maßnahmen gegen manipulierte Streams

Die Streaming Integrity Initiative setzt vor allem bei Musikvertrieben und Distributoren an. Diese sitzen an einer wichtigen Stelle zwischen Künstler beziehungsweise Label und den Streamingplattformen. Künftig sollen fünf Grundprinzipien gelten:

  1. Verify: Kunden und Rechteinhaber sollen besser überprüft werden. Dazu gehören sogenannte Know-Your-Customer-Verfahren (KYC) und die Prüfung, ob jemand tatsächlich berechtigt ist, bestimmte Musik zu vertreiben.
  2. Vet: Inhalte sollen vor und während der Veröffentlichung auf Rechtsverletzungen und verdächtige Aktivitäten geprüft werden. Ausdrücklich berücksichtigt die Initiative dabei auch Risiken durch KI-generierte Inhalte.
  3. Act: Verdächtige Streamingaktivitäten sollen erkannt und untersucht werden. Gegen Wie­der­ho­lungs­täter können Sperren ausgesprochen werden.
  4. Share: Unternehmen sollen Informationen über erkannte Betrugsmuster und Akteure – soweit rechtlich zulässig – untereinander austauschen. Damit soll verhindert werden, dass Betrüger nach einer Sperre einfach zum nächsten Anbieter wechseln.
  5. Measure: Die eingesetzten Systeme sollen laufend überprüft und an neue Betrugsmethoden angepasst werden.

Anzeige
Anzeige

Große Teile der Branche sind bereits dabei

Die Teilnehmerliste ist beachtlich. Unter anderem unterstützen Sony Music Group, Universal Music Group, Warner Music Group, Virgin Music Group, The Orchard, FUGA, CD Baby, Ditto Music, RouteNote, Merlin, IMPALA  und Zebralution  die Initiative. Damit sind sowohl die großen Musikkonzerne als auch wichtige Unternehmen aus dem Independent- und Distributionsbereich vertreten.

Was bedeutet das für Musiker?

Zunächst einmal bedeutet die Initiative nicht, dass Streaming-Betrug damit erledigt wäre. Die SII  formuliert gemeinsame Mindeststandards und Verpflichtungen der beteiligten Unternehmen. Wie wirksam diese tatsächlich werden, hängt davon ab, wie konsequent sie umgesetzt und weiterentwickelt werden. Für Musiker und kleinere Labels dürfte aber noch etwas anderes wichtig werden: Wer Musik über einen Distributor auf die Plattformen bringt, muss künftig möglicherweise genauer nachweisen können, wer er ist, welche Rechte er besitzt und woher bestimmte Inhalte stammen.

Anzeige
Anzeige

Gerade mit zunehmender Verbreitung KI-generierter Musik gewinnt das zusätzlich an Bedeutung. Die SII fordert ausdrücklich Maßnahmen, um KI-generierte Inhalte sowie mögliche Verletzungen von Stimme, Name, Bild oder persönlicher Identität eines Künstlers besser erkennen zu können.

Unsere Meinung

StageAID: „Streaming ist für viele Musiker inzwischen ein wichtiger Teil ihres Geschäftsmodells – auch wenn die Einnahmen pro Stream häufig überschaubar bleiben. Umso problematischer ist es, wenn automatisierte Fake-Abrufe das System zusätzlich verzerren. Die Streaming Integrity Initiative ist deshalb vor allem ein Versuch, gemeinsame Spielregeln zu etablieren. Entscheidend wird sein, ob daraus tatsächlich wirksame Kontrollen entstehen und gleichzeitig verhindert wird, dass ehrliche Musiker durch immer kompliziertere Prüfverfahren ausgebremst werden.“

„Denn am Ende sollte eigentlich eine ziemlich einfache Regel gelten: Echte Musik, echte Hörer, echte Streams – und Geld für diejenigen, denen es tatsächlich zusteht“

Quellen: IFPI, 14. September 2026: „Music Companies Unite in New Commitment to Combat Streaming Fraud in Order to Protect Artists, Songwriters and Fans“  und RADIOSZENE, 20. September 2026: „Internationale Initiative der Musikbranche zur Bekämpfung von Streaming Fraud gestartet“


Anzeige
Anzeige
thomann music

Jetzt auf Thomann.de stöbern.

Wir sind Affiliate Partner bei THOMANN.  Wenn du vorhast, demnächst Equipment zu shoppen und unsere Arbeit gerne unterstützen möchtest, nutze einfach diesen Link!

Es entstehen dir keine Zusatzkosten, aber wir erhalten eine kleine Pro­vi­sion.
Dafür schon mal vielen Dank 🙂

Folge uns jetzt auf Instagram, Facebook & YouTube und verpasse keine Artikel
und spannende Infos mehr!

Außerdem interessant: Unsere Facebook-Gruppe StageAID-Talk!

Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
Anzeige
Anzeige

MEISTGELESEN