Roskilde Festival 2026 © Jakob Crawfurd, für Meyer Sound
In den letzten Jahren gaben immer mehr kleine oder mittelgroße OpenAir Festivals auf, während Mega-Events immer größer werden. Woran liegt das? Explodierende Kosten u.a. durch immer mehr rechtliche Auflagen und Sicherheitsbestimmungen, aber auch gestiegene Produktionskosten und sinkende Kaufkraft. Zudem streicht der Kultusminister Weimer ohne Not noch bestehende finanzielle Förderungen für kleinere und mittlere Pop- und Rockfestivals, während er die Förderung klassischer Festivals mit Millionen unterstützt – Wie das Wagner Festival Bayreuth zum Beispiel …
Der Open-Air-Festivalsommer ist jetzt zwar kein generelles Auslaufmodell, doch die kleineren und unabhängigen Festivals geben wegen der galoppierenden Kosten nach und nach auf. Wie das traditionsreiche „Rocco del Schlacko“ im Saarland, das „Skandaløs“ an der Grenze zu Dänemark, oder auch das „Wilwarin Festival“ bei Rendsburg. Gleichzeitig wurden die Mega-Events wie beispielsweise „Wacken“, „Rock am Ring“, „Parookaville“ oder das Wave´n´Gothic Festival „M´era Luna“ von Großkonzernen geschluckt, wie dem „CTS Eventim AG & Co. KGaA“ , einer der großen 4 die den Markt beherrschen. Lest dazu auch unseren Beitrag: „Wem gehören Europas Bühnen?“ .
Eine strukturelle Krise?
Das ist die aktuelle Lage. Egal, zwischen Boom, Krise und Rock´n´Roll, die Mega-Festivals in den Händen von Mega-Konzernen – sie boomen: Giganten wie „Rock im Park“ oder das „Taubertal Festival“ melden Rekordzahlen und sind so schnell ausverkauft wie nie. Doch kleine Festivals geben jetzt zunehmend auf, auch weil sie oft ehrenamtlich ohne Vergütung organisiert sind. Hinzu kommen explodierende Produktionskosten, mit u.a. bis zu 50% Kostensteigerung und ein zögerliches Kaufverhalten der Besucher beim Vorverkauf.
Tatsächlich wurden in den letzten Jahren über 40 unabhängige Festivals (Groove ) wegen der finanziellen Risiken, gepaart mit gestiegenem Kostendruck eingestellt. Technik, Personal, Sicherheit, Mieten sind nach der Pandemie drastisch teurer geworden. Auch die rechtlichen Auflagen werden strenger und mehr. Unvorhergesehene Naturereignisse (wie Hitze oder Unwetter) belasten die Budgets zusätzlich.

Der Kulturetat der Republik wird massiv gekürzt
Zum Festivalsterben trägt nun außerdem dazu bei, dass Kulturstaatsminister Weimer im Bundeshaushalt 2027 massive Kürzungen bei der Kulturförderung plant. Zwei Millionen Euro sind es, die der konservative Klimaskeptiker bei kleinen und mittleren Festivals einsparen will. Das bedeutet eine Halbierung der Fördermittel für den Festival-Förder-Fonds. Für die Bayreuther Festspiele, wo sich Politiker*innen gern auf dem roten Teppich ablichten lassen, ist dagegen eine Erhöhung der Fördermittel angedacht. Quelle: MusikWoche .

Umweltauflagen sind wichtig, gibt´s aber nicht umsonst
In Zeiten des Klimawandels muss natürlich alles dafür getan werden, OpenAir Festivals so umweltschonend wie möglich zu produzieren. Doch die mittlerweile zahlreichen Auflagen können kleinen Festivals das Genick brechen. Umweltauflagen sind in Deutschland sind nicht einheitlich geregelt, sondern oft Ländersache oder gelten auf kommunaler Ebene. Das führt dazu, dass das Festival in Schleswig-Holstein ganz andere Auflagen befolgen muss, als eines in Bayern.
Doch bundesweit gilt das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), und das Naturschutzrecht. Hinzu kommen die regionalen behördlichen Auflagen der jeweiligen Kommunen und Landkreise. Hierzu gelten fast überall wichtige Genehmigungen wie:
- Dem Immissionsschutz, also Grenzwerte für Lärm mit genauen Nachtruhevorgaben (Musikanlagen, Camping).
- Dem Naturschutzrecht, mit speziellen naturschutzrechtlichen Prüfungen in sensiblen Naturräumen oder Naturschutzgebieten in unmittelbarer Nähe.
- Abfall- und Entsorgungskonzepte sollen dafür sorgen, dass der anfallende Müll ordnungsgemäß entsorgt und das Gelände wieder dem ursprünglichen Zweck zurückgeführt wird.
- Schließlich sollten Konzepte für nachhaltige Energieversorgung und der Reduktion von CO2-Emissionen erstellt werden.
Unterstützung umweltfreundlicher Festivals + OpenAir´s
Der „Bund Berlin e.V.“ möchte dazu einen neuen Standard für nachhaltige Open Airs und Festivals aufbauen: Gemeinsam mit Outdoor-Veranstalter*innen hat die „Initiative Clubtopia“ 2023 einen Nachhaltigkeitskodex für Festivals und Open Airs entwickelt. Mit diesem Verhaltenskodex für eine nachhaltige Festivalkultur soll ein Standard für nachhaltige Outdoor-Events etabliert werden.

„Das Engagement der Festivalszene für mehr Umwelt- und Klimaschutz wächst stetig“ , erläutert Katharina Wolf, Projektleiterin von Clubtopia. „Mit dem Code of Conduct für nachhaltige Festivalkultur können sich Veranstalter*innen nun zu konkreten Nachhaltigkeitszielen bekennen und erhalten von uns professionelle Unterstützung auf dem Weg dahin.“ So auch Alexander Dettke vom Wilde Möhre Festival: „Der Code of Conduct ist ein wichtiges Zeichen für die Nachhaltigkeits-Ambitionen der Festivallandschaft und schafft einen Rahmen, um die Festivals klima- und umweltfreundlicher zu gestalten“ .
Seit 2022 erweiterte sich die Kooperation von „Zukunft Feiern!” zuerst auf Hamburg, dann im Rahmen einer Förderung der Initiative Musik auf Köln und Bremen, wo bisher insgesamt um die 20 clubkulturelle Orte unterzeichnet haben. Im „Zukunft Feiern!“-Netzwerk unterstützen sich die unterzeichnenden Clubs und Festivals gegenseitig und profitieren vom Erfahrungsaustausch und den Good Practices der anderen.
Puplikationen: Green Club Guide (10.48 MB)
Trotz aller Kulturetat-Kürzungen wird die Förderung von umweltfreundlichen Open-Air-Veranstaltungen und Musikfestivals wird in Deutschland immer noch über einige Kanäle unterstützt. Dabei geht es sowohl um direkte finanzielle Zuschüsse als auch um strategische Beratung und Netzwerke.
Welche Möglichkeiten der Unterstüzung gibt es noch?
Die ökologischen Kriterien zur Abfallvermeidung, Ökostrom und klimafreundliche Anreise sind standardmäßige Voraussetzungen für öffentliche Gelder. Da gibt es mittlerweile starke Hebel für grüne Open-Airs: Die „Initiative Musik“ z.B. hat einen Festivalförderfond in Zusammenarbeit mit dem zentralen Bundesprogramm (unterstützt durch die Kulturstaatsminister*in) aufgesetzt. Es fördert gezielt kleine und mittlere Festivals im Pop- und Jazzbereich. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit gehören hier zentral zu den Kernkriterien für eine Bewilligung. Die Website „finanzielle-foerdermittel.de“ gibt Auskunft über verschiedenste Fördermöglichkeiten für nachhaltige Festivals & Veranstaltungen. “
Die Stadt Köln hat 2025 eine Förderung von „temporären Spielstätten“ über 100.000 Euro ausgesprochen. Kriterien für die Förderung sind unter anderem „die nachhaltige Mittelverwendung sowie eine möglichst nachhaltige Planung der Spielstätte auch für zukünftig andere Veranstalter*innen.“ Hinzu kommt jetzt für 2026 die Ausrichtung des „Kölner Klimafestivals“ das die Stadt veranstaltet. Interessierte sollten sich beeilen, den das Festival beginnt schon am 21. Sept. und geht bis zum 27. Sept. 2026. Anlässlich des vierten Kölner Klimafestivals beteiligt sich der Museumsdienst Köln zusammen mit vier Museen am Festivalprogramm. Die meisten Veranstaltungen dabei sind kostenlos.
Wie an diesem Beispiel zu sehen ist, stellen kommunale Institutionen Fördermöglichkeiten auf die Beine. Doch bei all den Streichungen durch den Kulturstaatsminister nächstes Jahr, sind für dieses Jahr noch 134 kleine und mittlere Musikfestivals für die Förderung im Rahmen des „Festivalförderfonds“ ausgewählt worden. Das „Akzeptanzfestival“ in Potsdam beispielsweise überzeugte die Jury der Bundesregierung mit seinem inspirierenden Engagement für Inklusion: Hier kommen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen.

Ausblick
Auch wenn der Rotstift der Bundesregierung in 2027 massiv sein wird, bleibt abzuwarten wie sich das auf die Festivalkultur auswirken wird. Es werden weitere kleine Festivals verschwinden, doch auch einige werden bleiben, wie das „Hamburger Reeperbahn Festival“ , das allerdings eine Kürzung von gut einem Drittel der Fördereinnahmen hinnehmen muss. Hier werden wohl private Förderer und die Stadt Hamburg gefordert sein, das Loch zu stopfen, dass sich dann auftut …
Was jedoch in einer Zeit, in der Festivals mit den neuen finanziellen Herausforderungen konfrontiert sind, mit den vielen kleineren unabhängigen Festivals passieren wird, wird die Zukunft zeigen. Aus einer Festival-Umfrage Schleswig-Holsteins geht hervor, dass kaum etwas mehr als ein Drittel der Organisatoren zusagten, ihr Festival würde es 2027 auf jeden Fall noch geben.
Die Festivals müssen die Finanzierung breiter aufstellen und sich einen Überblick über kommunale Förderungen bzw. Landesförderungen verschaffen. Sie können sich konsequent umwelt- und klimabewußt ausrichten um an diesen Fördertöpfen zu partizipieren. Crowdfunding stellt eine weitere Möglichkeit dar, Gelder einzusammeln. Doch auch der Bund hat den Förderetat nicht komplett gestrichen. Mit einem nachhaltigen, gesellschaftsrelevanten und originellen Konzept steigt die Chance der Förderung.
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