28.9 C
Kaiserslautern
Sonntag, Mai 24, 2026
spot_img
StartGitarre & BassJimi Hendrix verbrannte schon 1967 seine Fender (Video) – und 2026 brennt...
Anzeige

Jimi Hendrix verbrannte schon 1967 seine Fender (Video) – und 2026 brennt die Gitarren-Community. Thomas Blug meldet sich

Massenrevolte nach Fender-Urteil: Thomas Blug spricht über 500.000 Euro – Infos, Hintergründe und Videos

Als hätte er es geahnt: Am 18. Juni 1967 setzte Jimi Hendrix beim Monterey Pop Festival seine Fender Stratocaster in Brand. Damals war das ein wilder Bühnenmoment, eine Mischung aus Opfergabe, Wahnsinn, Kunst und Rock’n’Roll ohne Sicherheitsnetz. Heute wirkt genau dieses Bild fast unheimlich aktuell. Denn wieder steht Fender im Zentrum einer brennenden Geschichte – diesmal allerdings nicht auf einer Bühne, sondern in Gerichtssälen, Anwaltsbriefen, YouTube-Videos und Kommentarspalten.

Der Auslöser: Ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf zur Korpusform der Fender Stratocaster. Nach Darstellung der Kanzlei Bird & Bird, die Fender vertreten hat, wurde die Stratocaster-Korpusform in Deutschland und der EU als urheberrechtlich schützbares Werk der angewandten Kunst bestätigt. Das Urteil betraf ursprünglich Gitarren eines chinesischen Anbieters, die über AliExpress auch nach Deutschland angeboten wurden.

Was zunächst wie ein juristischer Schlag gegen dreiste Billigkopien klang, hat sich inzwischen zu einem handfesten Beben in der Gitarrenwelt entwickelt. Denn laut Berichten von Guitar World und MusicRadar sollen inzwischen auch Boutique-Hersteller und S-Style-Gitarrenbauer Schreiben erhalten haben, in denen es um Produktionsstopps, Verkaufsstopps, Rückrufe und sogar die Vernichtung vorhandener Bestände geht.

StageAID hatte bereits über die Hintergründe berichtet: In unserem Artikel „Zerstört Fender die Gitarrenwelt? – Neues Urteil alarmiert Händler, Hersteller und Musiker“ ging es um genau diese Frage: Wo endet legitimer Designschutz – und wo beginnt der Angriff auf eine über Jahrzehnte gewachsene Gitarrenkultur?

Wenn Gitarren brennen: vom Hendrix-Feuer zur Community-Revolte

Hendrix verbrannte seine Fender damals als Show. Heute brennt etwas anderes: das Vertrauen vieler Gitarristen in eine Marke, die wie kaum eine zweite für elektrische Gitarrenkultur steht.

Hendrix verbrennt und zerschlägt seine Strato auf der Bühne. Könnte gut in die aktuelle Zeit passen.

In Foren, auf YouTube, Instagram, Facebook und Reddit wird inzwischen heftig diskutiert. Viele Musiker verstehen, dass Fender sich gegen Fälschungen und dreiste 1:1-Kopien wehren will. Das ist nicht der Streitpunkt. Der Streitpunkt ist die Frage, ob die klassische S-Style-Korpusform nach über 70 Jahren Marktgeschichte überhaupt noch so exklusiv kontrolliert werden kann, dass kleine Gitarrenbauer, Händler und Hersteller plötzlich in existenzielle Schwierigkeiten geraten.

MusicRadar berichtet, dass LsL Instruments in Kalifornien ein entsprechendes Schreiben erhalten haben soll. LsL sammelt inzwischen per GoFundMe Geld für die juristische Verteidigung und warnt davor, dass der Fall nicht nur das eigene Unternehmen, sondern die Zukunft von S-Style-Gitarren für Hersteller und Spieler in Europa betreffen könnte.

Guitar World schreibt ebenfalls, Fender habe seine rechtliche Kampagne verschärft und ein erstes öffentlich bekannt gewordenes Schreiben an einen US-Hersteller geschickt. Laut Bericht soll das Schreiben nicht nur auf das Ende von Herstellung und Verkauf zielen, sondern nach Darstellung der Beteiligten auch Rückruf und Vernichtung bereits betroffener Gitarren umfassen.

Das ist der Punkt, an dem aus Markenrecht Emotion wird.

Denn eine Gitarre ist für Musiker kein Toaster. Kein austauschbares Produkt aus dem Regal. Eine Gitarre ist Werkzeug, Stimme, Erinnerung, Lebensabschnitt, manchmal sogar ein Stück Identität. Wer in dieser Welt von Rückruf, Vernichtung oder Zerstörung spricht, tritt nicht nur einem Hersteller auf die Füße, sondern einer ganzen Kultur.

Thomas Blug: Wenn ein Musiker aus der Mitte der Szene spricht

Jetzt meldet sich auch Thomas Blug zu Wort – und das macht die Sache für viele deutsche Gitarristen noch greifbarer.

Blug ist kein anonymer YouTube-Kommentator. Er ist Gitarrist, Entwickler, Soundtüftler, Unternehmer und für viele in der Szene eine glaubwürdige Stimme. Mit BluGuitar hat er gezeigt, dass man klassische Gitarrenkultur und moderne Technik verbinden kann, ohne den Musiker aus den Augen zu verlieren.

In seinem aktuellen Video, das unter dem Titel „Guitar Company Owner Speaks Up About Fender“ beziehungsweise in Social-Media-Posts mit dem Hinweis „Fender wanted more than €500,000“ beworben wird, spricht Blug nach eigener Darstellung über frühere Erfahrungen mit einem Fender-Schreiben und eine Forderung von mehr als 500.000 Euro.

Hier geht es zum kompletten Video von Thomas Blug

Das ist heftig. Und selbst wenn man jeden juristischen Punkt nüchtern auseinandernehmen muss: Für die öffentliche Wahrnehmung ist die Zahl ein Paukenschlag.

Denn hier geht es nicht um irgendeinen anonymen Container mit Billigkopien. Hier spricht ein Musiker und Entwickler, der seit Jahrzehnten Teil der Gitarrenwelt ist. Genau deshalb wirkt der Fall so stark. Wenn Leute wie Thomas Blug öffentlich erklären, was solche Schreiben für kleinere Hersteller bedeuten können, dann wird aus einem abstrakten Rechtsstreit plötzlich eine persönliche Geschichte.

Fender schützt sein Erbe – aber zu welchem Preis?

Man muss fair bleiben: Die Stratocaster ist ein ikonisches Design. Seit 1954 steht diese Form auf Bühnen, in Studios, in Musikläden, auf Plattencovern und in den Händen unzähliger Musiker. Fender hat natürlich ein berechtigtes Interesse daran, seine Marke, seine Geschichte und echte Originale zu schützen. Bird & Bird bezeichnete das Urteil als wegweisende Entscheidung zum Schutz des Stratocaster-Designs und betonte, dass auch Angebote in die EU hinein relevant sein können, unabhängig vom Sitz des Herstellers.

Aber genau hier beginnt der gefährliche Teil.

Denn S-Style-Gitarren sind seit Jahrzehnten kein Nischenphänomen. Sie sind ein eigener Markt. Vom günstigen Einsteigerinstrument bis zur handgebauten Boutique-Gitarre gibt es unzählige Varianten, Interpretationen und Weiterentwicklungen. Andere Hälse, andere Pickups, andere Elektronik, andere Tremolos, andere Mensuren, andere Hölzer, andere Ideen. Viele dieser Instrumente wollen keine Fender sein. Sie stehen für eine Bauform, die längst zu einer Sprache geworden ist.

Und eine Sprache kann man schlecht nachträglich verbieten.

Das Urteil des LG Düsseldorf

Hier kann man es im Falle eines chinesischen Gitarrenbauers nachlesen: Das Urteil des LG Düsseldorf

Die Community reagiert: Boykott, Wut und Image-Schaden

Die Reaktion fällt entsprechend heftig aus. Guitar World spricht bereits von einem wachsenden Backlash. Bekannte YouTuber wie Rhett Shull und Tim Pierce kritisieren Fenders Vorgehen öffentlich; Tim Pierce bezeichnete die Strategie sinngemäß als „brand suicide“.

Auch in Deutschland wird der Ton rauer. In unserem bisherigen StageAID-Artikel haben wir bereits auf Bernd Kiltz verwiesen, der laut eigenem Statement Fender-Inhalte von seinem Kanal gelöscht hat und künftig keine Fender-Produkte mehr vorstellen will.

Das ist mehr als ein Shitstorm. Das ist ein Warnsignal.

Denn Fender lebt nicht nur von Patenten, Schutzrechten und Anwälten. Fender lebt von Geschichten. Von Hendrix. Von Clapton. Von Buddy Guy. Von Jeff Beck. Von unzähligen Schülerbands, Coverbands, Studiogitarristen, Boutique-Freaks und Sammlern. Wenn genau diese Community das Gefühl bekommt, dass ihre Kultur nachträglich juristisch eingezäunt wird, dann kann aus einem rechtlichen Sieg ein kommunikativer Totalschaden werden.

Was wirklich auf dem Spiel steht

Juristisch wird man jeden einzelnen Fall genau prüfen müssen. Ein Abmahnschreiben ist kein endgültiges Urteil gegen die gesamte Branche. Auch unser bisheriger StageAID-Artikel weist darauf hin, dass das Düsseldorfer Urteil laut Berichten als Versäumnisurteil ergangen sein soll, weil sich die beklagte Partei nicht verteidigt beziehungsweise nicht erschienen ist.

Das macht die Sache nicht harmlos – aber es macht sie komplizierter.

Die zentrale Frage lautet: Kann ein Urteil gegen einen Anbieter sehr naher Kopien nun als Hebel gegen eine ganze Szene von Boutique-Herstellern, Händlern und S-Style-Entwicklern genutzt werden?

Wenn ja, könnten die Folgen enorm sein. Dann geht es nicht mehr nur um einen chinesischen Anbieter oder ein paar offensichtliche Kopien. Dann geht es um Lagerbestände, Händlerbeziehungen, Serienmodelle, kleine Werkstätten, internationale Lieferketten und Musiker, die seit Jahren Instrumente spielen, die zwar an eine Stratocaster erinnern, aber keine Fender sind.

MusicRadar berichtet, dass bei künftigen Verstößen gegen das Düsseldorfer Urteil Ordnungsgelder bis zu 250.000 Euro möglich seien.

StageAID-Einschätzung

Fender steht an einem heiklen Punkt. Niemand in der Szene hat ein ernsthaftes Problem damit, wenn ein Hersteller gegen Fälschungen, Fake-Logos oder dreiste Billigkopien vorgeht. Das ist legitim. Das ist sogar notwendig.

Aber wenn der Eindruck entsteht, dass eine historische Bauform nach Jahrzehnten plötzlich gegen eine ganze Szene durchgedrückt werden soll, dann wird es gefährlich. Nicht nur juristisch. Sondern vor allem kulturell.

Die Stratocaster ist ein Fender-Design. Keine Frage. Aber sie ist längst auch ein Stück Popkultur. Eine Form, die Musiker geprägt hat. Eine Form, die weitergedacht, verändert, verbessert, kopiert, geliebt und manchmal auch sehr frei interpretiert wurde.

Jimi Hendrix verbrannte 1967 seine Fender als radikale Show. Heute brennt die Diskussion, weil viele Musiker das Gefühl haben, dass eine Marke ihr eigenes Vermächtnis gegen die Menschen richtet, die dieses Vermächtnis groß gemacht haben.

Fender kann diesen Konflikt noch drehen. Mit klarer Differenzierung zwischen Fälschung und eigenständiger Interpretation. Mit Dialog statt juristischer Brechstange. Mit Respekt vor kleinen Herstellern und der gewachsenen Gitarrenkultur.

Tut Fender das nicht, könnte am Ende eine bittere Ironie bleiben: Die Marke gewinnt vielleicht vor Gericht – aber verliert ausgerechnet dort, wo Gitarren wirklich zählen.

Bei den Musikern.

Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
Anzeige
Anzeige

MEISTGELESEN

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner