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Freitag, Dezember 2, 2022
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    Setlist erstellen: Nützliche Tipps für ein richtig gutes Konzert

    Schon ein bißchen tricky so eine Playlist … / © Pavel Danilyuk for Pexels

    Hier schreibt Nikolai Schöbel, Herausgeber des Musik Marketing Magazins, Songwriter & Marketer mit Spezialisierung auf Musik Marketing.

    Du erfährst hier,
    wie Du eine spannende Songabfolge für dein Konzert gestaltest,
    die dein Publikum mitreißt.

    Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Hit bei Konzerten so gut wie immer als viertes Lied auf die Setlist gesetzt wird? Warum das so ist und wie es Dir gelingt beim Setlist-Erstellen die perfekte Dramaturgie zu finden, erfährst Du in diesem Artikel …

    Die Planung des Spannungsbogens der Setlist

    Dein Booking  war erfolgreich und neue Auftritte stehen an? Das ist eine gute Gelegenheit um deine Setlist zu optimieren. Ein Konzert braucht einen Spannungsbogen, ähnlich wie ein gutes Buch oder ein Film. Auf der Website Musiker-Board.de fasst es ein Nutzer folgendermaßen zusammen: “Der Anfang (eines Rock-Konzerts) muss hart sein, und das Ende verdammt gut und höllisch laut, denn genau dafür haben Leute ihr Geld am Ticketstand gelassen.”  Quelle: Bleecker Street Boogie, Musiker-Board.de

    Automatisierte Gig-Akquise mit connactz
    Der digitale Musikmanager connactz hilft dir bei der Akquise neuer Auftritte, erledigt die Abstimmung mit deinen Bandkollegen und kümmert sich um den Papierkram. Den Link zur Website von connactz und weitere nützliche Tools für Musiker findest Du hier.

    Er meint damit: Dein Konzert muss einprägsam beginnen und fulminant enden. Natürlich muss dein Publikum auch während des gesamten Konzerts bei Laune gehalten werden und das schaffst du in der Regel so: Du steigerst mit verschiedenen Songs die Spannung und nimmst sie wieder zurück. Die Taktung, in der du die Intensität der Songs erhöhst, sollte dann immer dichter werden. Am Ende kommt dein absolutes Highlight und schließlich die Zugaben.

    Eine gute Dramaturgie ist die Basis für einen erfolgreichen Gig / © Anna M.W. For Pexels

    Der Aufbau einer Setlist

    Der Aufbau einer Setlist kann – und muss – je nach Musik-Genre und Repertoire völlig unterschiedlich ausfallen. Die nachfolgende Setlist ist das Beispiel einer Rockband mit 18 Songs – inkl. Intro und Outro, anhand der ich den Aufbau des Spannungsbogens darzustellen möchte. Kein Problem, wenn ihr als neue Band nicht so viele „Highlight-Songs“ (Songs, die erfahrungsgemäß besonders gut ankommen) habt.

    Nr. Dramaturgie Bemerkung
    1 Intro Publikum in Schwingung bringen
    2 Opener Song der immer funktioniert, beliebter Livesong
    3 Steigerung Auftakt zum ersten Highlight
    4 Leichte Senkung
    5 Erster Höhepunkt Highlight-Song, z. B. aktuelle Single
    6 Senkung Ruhiger Song, Spannung neu steigern
    7 Leichte Steigerung
    8 Steigerung
    9 Zweiter Höhepunkt Highlight-Song, z. B. Single, Publikumsliebling
    10-14 Steigerung Der Endspurt, bis Höhepunkt steigern
    15 Absolutes Highlight Highlight-Song, z.B. Single, beliebter Live-Song
    16 Zugabe 1: Zweites Highlight Highlight-Song, z.B. Hit, beliebtester Live-Song
    17 Zugabe 2: Drittes Highlight Highlight-Song , z.B. ruhigerer Song, Publikumsliebling, akustisch
    18 Outro

    So liegen zwischen den Top-Songs immer wieder ruhigere Songs und zum Ende hin werden die dramatischen oder emotionalen Höhepunkte immer dichter gesetzt. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Hüpf- und Mitklatschstücke.

    Bei der Erstellung der Setlist solltest du auf die Spannung und Abwechslung achten. Es dürfen gerne einmal zwei, drei Songs in die gleiche Richtung gehen. Das hilft dir dabei, die jeweilige Stimmung zu verkörpern. Songs mit ähnlichem Beat oder ähnlichen Melodien dürfen aber niemals zusammenliegen. Es sollten außerdem keine zu starken Brüche oder zu viele abrupte Wechsel geben, die das Publikum irritieren könnten.

    Setlist erstellen: Die Analyse vergangener Konzerte

    Weist du, warum Metallica nie zweimal die gleiche Setlist spielen? Der Spotify-CEO Daniel Ek erklärte, dass die Band vor der Erstellung der Setlist die lokalen Spotify-Daten durchsieht. Die Band sieht sich hierfür die beliebtesten Songs für den einzelnen Konzertort an und schreibt sie auf eine auf diesen Ort zugeschnittene Setlist.

    Tipp: Schau´ dir an, welche Songs du in den letzten Jahren in dieser Stadt gespielt hast. Dann identifizierst du die Songs, die gut ankamen und solche, die lokal unterschiedlich, vom Publikum nahezu angebetet wurden. Letztere kannst du auch mit Spotify Analytics identifizieren. Versuch`mal diese Songs zu variieren und so Abwechslung reinzubringen. Damit kannst du für unterschiedliche Fans unterschiedliche Setlisten und dir damit eine neue Live-Erfahrung bieten.

    Das Konzert-Intro: Publikum in Schwingung bringen

    Der begnadete Pianist Nils Frahm spielt zu Beginn seiner Konzerte mehrere Minuten lang nur ein und denselben Ton, damit jeder im Publikum “in die gleiche Schwingung” kommt …

    Das perfekte Intro bringt das Publikum in die richtige Stimmung / © Ludwig Kwan for Pexels

    Dein Publikum braucht immer etwas, um sich auf eine bestimmte Stimmung einzustellen. Die Besucher kommen aus den unterschiedlichsten Situationen zum Konzert: Von der Arbeit, aus dem Familienalltag, von der Uni. Das Intro soll sie auf deine Musik vorbereiten und in einen passenden Gefühlszustand bringen, damit sie sich auf deine Musik einlassen können.

    Tipp: Stelle dir die Frage „Wie kann ich meine Zuhörer in die passende Stimmung für das Konzert versetzen?“ Überleg´ dir dazu eine passende Playlist, die vor dem Konzert läuft oder schreib´ ein Intro, dass die Menschen in die richtige Schwingung bringt.

    Der Gig-Opener: Mitreißen und gut reinkommen

    Der Opener sollte deinen Stil gut abbilden. Es sollte ein Song sein, der vorwärts geht und die Leute mitreißt. Hänge die Latte mit diesem Song aber nicht zu hoch, schließlich sollst Du die Performance im Laufe des Konzerts noch steigern können.

    Bestenfalls ist der Opener ein Lied, das Du (und deine Band) in- und auswendig kannst. Du musst dich wohlfühlen, damit Du selbst gut reinkommst. Nur so kannst Du auch das Publikum mitreißen. Spiele als erstes Lied daher auf keinen Fall einen neuen Song. Doch auch ein noch so ausführlicher Soundcheck bildet nicht den tatsächlichen Sound vom Konzert ab. Das hat mehrere Gründe:

    • Es bleibt nicht immer die Zeit für einen ausführlichen Soundcheck.
    • Die Band spielt live anders als bei einem Soundckeck.
    • Die Akustik verändert sich, sobald Publikum im Raum ist.

    Tipp: Damit die Akustik von Beginn an überzeugt, sollte die erste Nummer nicht von penibel guten Klang abhängig sein; sie sollte auch unter schlechteren Soundbedingungen gut funktionieren. Somit kann dein Mischer den Sound nachjustieren. Denn: Der finale Live-Mix steht immer erst nach dem Opener.

    Die Rampe: Auftakt zum ersten Highlight

    Der nächste Song sollte einen draufsetzen und darf ruhig etwas schneller sein. Dieses Lied sollte möglichst schnell auf den Opener folgen. Dafür wählst du einen Song aus, bei dem du keine Instrumente wechseln musst.

    Anschließend kannst Du ein Stück bringen, welches das Ganze weiter steigert oder eines, das ein klein wenig Geschwindigkeit rausnimmt. Achte darauf, dass ein gewisser Fluss entsteht, die Songabfolgen aber nicht zu vorhersehbar werden.

    Dann sollte der erste Highlight-Song kommen: Ein Song, der richtig abgeht und die Leute mitreißt. Womöglich ist es die aktuellste Single oder ein Song, den die meisten Menschen kennen. Es sollte aber nicht das stärkste Lied sein; das brauchst du noch …

    Tipp: Mach´ vor dem Highlight-Song gerne die erste Ansage und erzähle eine Geschichte dazu. So stellst Du die erste persönliche Verbindung zu deinem Publikum her.

    Die Atempause: Spannung neu steigern

    Nun hast du die Möglichkeit, das erste Mal innezuhalten. Nimm das Tempo ruhig etwas heraus. Gib dem Publikum eine Verschnaufpause. An dieser Stelle kannst du nun eines deiner ruhigeren Lieder bringen. Du hast eine schöne Ballade? Gut!

    Der Spannungsbogen einer Setlist – ein stetiges Auf und Ab / © Thibault Trillet for Pexels

    Die Spannung lässt sich jetzt wieder sehr schön aufbauen. Jeder Song der nun kommt, wirkt ein Stück flotter. Die Tracks dürfen gerne wieder etwas tanzbarer, der Unterschied sollte aber nicht zu stark werden. Dann kommt ein schnellerer Song, der die Leute weiter antreibt und sie für den nächsten Höhepunkt anheizt.

    Tipp: Gib deinem Publikum nach dem ersten Highlight-Song eine Verschnaufpause mit einem ruhigeren Stück.

    Der Kracher: Highlight in der Mitte

    Jetzt kommt der zweite Höhepunkt! Er muss keine Single sein, doch wieder einer deiner stärkeren Live-Songs. Um die Songs für die Höhepunkte zu identifizieren, kannst du einen Blick auf Spotify werfen. Nutz´ die beliebtesten Songs, um die Höhepunkte zu kreieren.

    Danach darf wieder eine leichte Entspannung und dann ein erneuter starker Spannungsaufbau folgen. Es folgt ein etwas ruhigerer Song, er sollte die Stimmung aber nicht zu sehr absenken – und schließlich folgt euer absoluter Höhepunkt!

    Der Endspurt: Dem Höhepunkt entgegen fiebern

    Dazu baust du die Spannung noch einmal langsam über vier bis fünf Musikstücke hinweg auf. Während dieser letzten Songs solltest Du auf größtmögliche Interaktion mit dem Publikum achten. Es brauchst also Songs mit ausgedehnten Mitmachparts.

    Was sollte der letzte Song eines Konzerts sein?
    Der letzte Song sollte ein Lied sein, das bei deinen Konzerten immer funktioniert. Es sollte der Song sein, wo Du dich am meisten reinhängen kannst. Damit sollte dein Set enden, damit das Publikum zuverlässig eine Zugabe fordert.

    Die Zugabe: Was sollten die Fans mit nach Hause nehmen?

    Als neuer oder unbekannter Musiker kommst Du wahrscheinlich mit einer Zugabe aus. Dies kann aber auch ein lang bewährter Song sein; das Lied, auf das die Fans schon die ganze Zeit gewartet haben.

    Das größte Highlight kommt immer zum Schluss des Konzerts / © Jonathan Cooper for Pexels

    Wenn das Publikum dann immer noch mehr möchte, ist es oft sehr stimmungsvoll, sich mit einem ruhigen Song zu verabschieden; beispielsweise einem Song, der nur mit Akustik-Gitarre ohne Begleitung performt wird. Aber das hängt natürlich vom Image und der Musikrichtung ab.

    Die optimale Länge der Setlist

    Du solltest das Set in zwei verschiedenen Ausführungen haben: Eine Version für einen Headliner-Auftritt mit 60 – 90 Minuten und eine Variante, die Du als Support-Act oder auf Festivals spielen kannst mit 30 – 45 Minuten. Die Schwierigkeit beim Set-Schreiben ist immer die genaue Vorhersage der tatsächlichen Spielzeit. Man kann nicht von den reinen Zeiten der Aufnahmen ausgehen. Folgende Dinge kommen möglicherweise dazu:

    • Intro
    • Ansagen
    • Instrumentenwechsel
    • lange Soli
    • Pausen
    • Outro

    Wenn du einen Anhaltspunkt über die Setlist-Länge haben willst, dann nimm das Set bei den Generalproben einfach mal auf. Falls du live vor lauter Adrenalin etwas schneller spielst, empfiehlt es sich, ein weiteres Lied optional einzuplanen, das Du spielen oder wegzulassen kannst.

    Tipp: Du solltest versuchen, die Spielzeit immer bestmöglich einzuhalten. Damit machst Du dir bei Veranstaltern und anderen Bands schnell viele Freunde. Denn niemand möchte gerne am Ende eines Konzertabends in Zeitstress geraten.

    Routine erspielen: Übung macht den Meister

    Nimm dir Zeit und arbeite mit dem Feedback deines Publikums. Probier´ dabei auch verschiedene Varianten aus und mach´ nach dem Konzert eine Analyse, was gut funktioniert hat.

    Weißt du, warum die Band Queen auf Konzerten in 90% der Fälle „We Will Rock You“ und „We are the Champions“ nacheinander spielte? Weil diese Songs nacheinander noch besser ankommen. Schau´ dir an, welche Songs harmonieren und aufeinanderfolgend funktionieren und leg´ sie zusammen.

    Nun heißt es: Testen, probieren und optimieren / © Thibault Trillet for Pexels

    Wenn du die perfekte Reihenfolge für deine Setlist gefunden hast, wiederhol´ sie ruhig ein paar Auftritte hintereinander. Die Abläufe müssen sich oft erst einspielen und glaube mir: Du wirst mit größerer werdener Routine immer besser performen.

    Wenn Du die Setlist ausdruckst, stell´ sicher, dass wirklich jeder der Beteiligten eine bekommt. Denk´ dran: auch der Mixer braucht eine, der Lichttechniker, der Backliner und der Veranstalter braucht sie GEMA-Folge für die Meldung an die Gema. Das Ganze vereinfacht auch eine clevere Software: Die “BandhelperApp”  – ein Schritt in Richtung papierlose Bühne …

    Tipp: Wirst Du von einem fremden Mischer und Lichttechniker betreut, mache gegebenenfalls Notizen, damit er weiß, welche Stimmungen die Songs haben (atmosphärisch, Gitarrist singt Backing-Vocals, etc. …). Somit kann er den Sound und das Licht besser auf deine Performance abstimmen.

    Wenn du Fragen zum Thema hast, schreib mir: redaktion(at)musik-marketing.net  oder verbinde dich mit unserer Facebook-Gruppe: FB: Musik Marketing Tipps, Musikbusiness & Musikmanagement 

    Nikolai Schöbel
    Nikolai Schöbel arbeitet als Musik- und Onlinemarketer. Er ist Werbekaufmann mit Spezialisierung auf Musik- und Onlinemarketing. 2012 gründete er das Musik-Marketing-Magazin musik-marketing.net. Mit seinem Magazin unterstützt, berät und informiert er Einzelkünstler und Bands über Entwicklungen, Ereignisse und interessante News der Musikbranche. Nikolai arbeitet als Journalist und als gelisteter Referent bei der IHK Niederbayern und Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz zu den Themen Online Marketing, Social Media und Suchmaschinenmarketing. Er ist Online Marketing Manager seiner eigenen Marketing-Agentur. Hier berät er große und mittelständische Unternehmen, entwickelt Internetauftritte und hält Workshops im Auftrag der Communiacs GmbH & Co.KG. Nicolai betreibt ein Musiklabel mit Studio: pronicsmusic.de, ist Mitglied der Rockband “Kopfkino”, schreibt Songs und ist als Musikproduzent tätig.
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