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Stagehands sind mehr als helfende Hände – und der Job kann Dein idealer Einstieg in die Branche sein / Folge 02

Es ist schon ziemlich aufregend bei einer so großen Produktion dabei zu sein … © Geisterfamilie

Stagehands gehören seit Jahrzehnten fest zur Veranstaltungsbranche. Und trotzdem wird kaum ein Bereich gleichzeitig so unterschätzt und so selbstverständlich betrachtet wie die Crewarbeit hinter den Veranstaltungen. Denn während Besucher später die Show sehen, erleben Stagehands die Produktion selbst: Aufbau, Umbauten, Nachtschichten, Zeitdruck, Wetter, spontane Änderungen und die Zusammenarbeit unterschiedlichster Gewerke auf engem Raum.

Gleichzeitig hat sich die Branche in den letzten Jahren stark verändert. Produktionen werden größer, Calls umfangreicher und Abläufe komplexer. Viele Diskussionen drehen sich dabei um Nachwuchsprobleme, Arbeitsbedingungen oder fehlende Erfahrung auf Produktionen. Dieser Artikel wird einen Blick auf die Entwicklung der Branche werfen, die Bedeutung einer guten Crew und die Frage, warum der Job als Stagehand der ideale Einstieg in die Branche sein kann …

1. Die Branche hat sich verändert

Stagehand-Arbeit ist mit Sicherheit immer schon anspruchsvoller als Außenstehende manchmal denken. Natürlich gehörte schon immer körperliche Arbeit dazu. Cases schieben, Barrikaden bauen, Hallen umbauen oder nachts bei Load-Outs arbeiten. Und auch das berühmte „Mitdenken“ war eigentlich schon immer Teil einer guten Crew.

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Der Unterschied ist eher: Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Produktionen sind deutlich größer geworden. Mehr Material, mehr Gewerke, mehr Technik, mehr Abläufe, mehr Schnittstellen. Gleichzeitig laufen viele Shows heute mit wesentlich größeren Calls als früher. Dadurch verändert sich automatisch auch die Zusammensetzung vieler Crews.

Früher bestand ein Call oft aus deutlich mehr erfahrenen Leuten, die seit Jahren oder Jahrzehnten in der Branche gearbeitet haben. Heute werden Calls häufig sehr groß und müssen teilweise kurzfristig „aufgefüllt“ werden. Dadurch stehen erfahrene Stagehands immer häufiger gemeinsam mit Menschen auf Produktionen, die ihren ersten oder zweiten Call überhaupt arbeiten.

Wenn du als Stagehand anfängst musst du dir sehr schnell das nötige Wissen aneignen, um deinen Part in der Crew gut auszufüllen …

Das ist erstmal nichts Schlechtes, denn irgendwo muss jeder anfangen. Aber dadurch verändert sich natürlich die Dynamik auf Produktionen. Wissen wird immer weniger automatisch weitergegeben, eine gute, erfahrene Crew wird daher immer wichtiger, um die Abläufe stabil zu halten.

Auch beim Thema Arbeitsschutz hat sich vieles verändert. Früher wurde in der Branche teilweise völlig selbstverständlich über Arbeitszeiten hinweg gearbeitet. Das berühmte „Augen zu und durch“ war vielerorts normal. Heute wird deutlich stärker auf Themen wie Arbeitszeitgesetz, Ruhezeiten oder Sicherheitsunterweisungen geachtet.

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Und das ist auch richtig so. Doch gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die viele ältere Crews kritisch sehen. Früher gab es oft wenig Geld, manchmal nur ein Shirt oder einen Pass. Dafür war die Wertschätzung auf Produktionen teilweise größer als heute.

Mittlerweile ist die Branche deutlich professioneller geworden. Tarifliche Bezahlung und faire Entlohnung sind vielerorts Standard geworden, was definitiv ein wichtiger Schritt war. Trotzdem hört man gleichzeitig immer wieder, dass auf manchen Produktionen genau die kleinen Dinge verloren gehen, die früher selbstverständlich waren. Ein T-Shirt. Catering. Ein vernünftiger und wertschätzender Umgang miteinander. Und vielleicht beschreibt genau das die Branche aktuell ganz gut:

  • Professioneller denn je
  • Aber manchmal auch anonymer

2. Der unterschätzte Einstieg in die Veranstaltungsbranche

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – halte ich die Stagehand-Arbeit bis heute für einen der spannendsten Einstiege überhaupt. Vor allem, weil man unglaublich schnell lernt. Viele kommen ohne klassische Ausbildung in die Branche. Manche neben dem Studium, manche einfach, weil sie Veranstaltungen spannend finden. Und manche eher zufällig über Freunde oder Bekannte.

Und plötzlich steht man nachts in einer Arena oder auf einem Festivalgelände und merkt zum ersten Mal, wie viel hinter Veranstaltungen eigentlich steckt. Mir ging das damals ehrlich gesagt ähnlich. Ich habe ursprünglich als Stagehand und Cateringhilfe angefangen, um mein Studium zu finanzieren. Nicht mit dem großen Plan, irgendwann mehrere Firmen in der Veranstaltungsbranche zu führen. Ich wollte erstmal einfach arbeiten. Und genau dabei habe ich wahrscheinlich mehr gelernt als in vielen theoretischen Vorlesungen.

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Man entwickelt relativ schnell ein Gefühl dafür, wie Produktionen funktionieren. Wie unterschiedlich Menschen unter Stress arbeiten. Welche Gewerke gut kommunizieren. Wo Chaos entsteht. Warum manche Produktionen ruhig laufen und andere komplett eskalieren. Und genau dieses Verständnis bekommt man nicht aus Büchern. Man bekommt es nachts auf Produktionen. Beim Aufbau. Beim Umbau. Beim Load-Out. Ich glaube, deshalb bleiben viele Menschen irgendwann in der Branche hängen. Veranstaltungen haben etwas sehr Direktes. Da sieht man sofort, ob die Dinge funktionieren oder nicht – und vor allem, was man geleistet hat.

Ein Verständnis für die Materie erhältst du nicht aus Büchern.
Du bekommst sie nachts, beim Aufbau. Beim Umbau. Beim Load-Out.
Bei der Realisierung einer ganzen Produktion.

3. Was Außenstehende häufig falsch einschätzen

Von außen wirkt die Branche oft deutlich glamouröser, als sie tatsächlich ist. Konzerte. Festivals. Backstagebereiche. Tourneen. Den Künstler erleben. Und ja, manchmal gibt es auch finale Momente. Aber der eigentliche Alltag sieht meistens anders aus. Änderungen im Call, sei es die Uhrzeit oder die Gewerkezuteilung. Wetter. Zeitdruck. Tourneecrews, die wenig geschlafen haben und daher schlecht gelaunt sind. Frühe Schichten. Nachtschichten. Jeden Tag ein anderer Einsatzort. Schichtarbeit ist körperlich und mental deutlich anstrengender, als viele denken.

Ungewöhnliche Aufbauarbeiten: Auch das gehört zur Produktion für die Jubiläumsfeier der deutschen Vermögensberatung © Geisterfamilie

Ungewöhnliche Aufbauarbeiten: Auch das gehört zur Produktion für die Jubiläumsfeier der deutschen Vermögensberatung © Geisterfamilie

Und gerade deswegen macht der Job Mega viel Spaß. Oft wegen der Menschen und der Dynamik dahinter. Es gibt in der Veranstaltungsbranche eine besondere Art von Teamgefühl, die man schwer erklären kann, wenn man sie nie erlebt hat: Wenn nachts um halb eins alle müde sind, aber trotzdem gemeinsam den letzten Truck beladen. Wenn noch einmal richtig Vollgas gegeben wird, obwohl eigentlich alle längst Feierabend wollen. Wenn Produktionen trotz kompletter Planänderungen irgendwie doch funktionieren. Das sind die Momente, die viele in der Branche halten.

4. Was unsere Branche so besonders macht

Die Branche verlangt viel. Das muss man nicht romantisieren. Die Arbeitszeiten sind oft unregelmäßig. Wochenenden gehören dazu. Körperliche Belastung ebenfalls. Gerade in der Fetsivalsaison lebt man teilweise wochenlang zwischen Festival, Zelt und Autobahn. Und trotzdem gibt es einen Grund, warum viele Menschen seit Jahren oder Jahrzehnten in dieser Branche arbeiten …

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Weil Veranstaltungen unglaublich lebendig sind. Kein Tag ist komplett gleich, keine Produktion läuft identisch. Und man arbeitet fast immer mit Menschen zusammen, die wirklich anpacken können. Außerdem bietet die Branche enorme Entwicklungsmöglichkeiten. Viele, die heute in der Produktion, Touring oder Disposition arbeiten, haben irgendwann selbst als Stagehand angefangen. In dieser Branche gibt es nicht DEN EINEN Weg. Doch genau das macht die Branche eigentlich so besonders.

Die Gründer der „Geisterfamilie“ © Geisterfamilie

Die Gründer der „Geisterfamilie“ © Geisterfamilie

5. Nachwuchsprobleme lösen sich nicht durch Jammern

Natürlich hat die Veranstaltungsbranche Nachwuchsprobleme, so wie viele andere Branchen auch. Aber ich glaube nicht, dass wir diese lösen, indem wir permanent darüber sprechen, dass früher alles besser gewesen sei. Die Branche muss noch sichtbarer machen, was sie eigentlich bietet – und – leistet. Denn Veranstaltungen sind unglaublich spannende, herausfordernde und komplexe Arbeitsfelder. Gerade für Menschen, die keine Lust auf klassische Bürostrukturen haben:

Du lernst früh Verantwortung,
du arbeitest direkt praktisch,
du entwickelst dich schnell weiter und
du sammelst Erfahrungen, die man in vielen anderen Jobs so nie bekommen würde.

Aber dafür muss man jungen Menschen eben auch zeigen, dass diese Wege existieren. Dafür muss auch ein bisschen ehrlicher darüber gesprochen werden, wie´s in der Branche wirklich aussieht. Mit allen guten und anstrengenden Seiten.

6. Schlussfolgerungen

Stagehands bedeutet deutlich mehr als „helfende Hände“. Sie sind unverzichtbarer Teil hochkomplexer Produktionen. Sie halten Abläufe stabil, arbeiten unter Zeitdruck erfolgreich mit unterschiedlichsten Gewerken zusammen und sorgen im Hintergrund dafür, dass Veranstaltungen überhaupt funktionieren.

Gleichzeitig bleibt die Stagehand-Arbeit für viele Menschen einer der direktesten Einstiege in die Veranstaltungsbranche. Und ehrlich gesagt glaube ich manchmal, dass genau dort die besten Geschichten beginnen – so wie meine. Ich selbst habe auch mit der Stagehand- und Crewarbeit angefangen, bevor ich meine Firma gründete: Die „Geisterfamilie“  – heute verwalte ich mehr als 200 Mitarbeitende.

So, hier folgen jetzt zum Schluß einmal ein „Short“ oder „Reel“ von uns zum Aufbau einer Showbühne …

… und zu anderen der Aufbau einer Garderobe (Backstage)

 

© Geisterfamilie


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