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Freitag, Oktober 18, 2019
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    (Noch) Besser werden: Qualitätssicherung leicht gemacht

    Beim Wort “Qualitätssicherung” bekommt gewiss so mancher Musiker Pickel und denkt an schlecht gelaunte TÜV Prüfer, Kontrollen am Fließband oder muffige Abteilungen in großen Firmen. Aber wenn Ihr wirklich besser werden und die großen Bühnen erobern wollt, genügt es nicht, dass Ihr Euch nach jedem Gig verbal gegenseitig auf die Schulter klopft. Einzig entscheidend ist, was beim Zuhörer ankommt. Wie Ihr das herausfindet, zeigen wir Euch hier.

    Ihr kennt das bestimmt: Der Gig ist zu Ende. Müde, aber glücklich geht’s an den Abbau. Man beglückwünscht sich gegenseitig zu dem tollen Riff, dem gelungenen Break, beschwert sich vielleicht über den schlechten Monitorsound – aber die Stimmung war super.

    1. Mann, war das ein geiles Konzert! Wirklich?

    Eure Freunde und Bekannten, die im Publikum waren, loben Euch über den Klee (“…viiiieel besser als die Band davor”). Naja, das Gitarrensolo beim vorletzten Song lief schon mal runder und der Keyboarder hatte ab und zu Timing Probleme. Aber für Eure Fans seid Ihr die Größten.

    Wie es wirklich war, kann eventuell noch der Mensch an der FOH Konsole beurteilen, der aber nicht Euer ganzes Programm im Kopf hat und bereits wieder mit seiner eigenen Technik beschäftigt ist.

    2. Erinnerungslücken

    Unser Erinnerungsvermögen spielt uns gerne einen Streich, indem es die eher negativen Momente unter- und die positiven Erlebnisse überbewertet. Außerdem hat es nach gewisser Zeit Probleme, zwischen den verschiedenen Events zu unterscheiden.

    Um aber gezielt die Problempunkte angehen zu können, braucht es einen unparteiischen Dritten. Eine Art Spiegel, der nüchtern zeigt, wo Ihr gut wart und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Der das Konzert mit stoischer Gelassenheit immer und immer wieder wiederholen kann, ohne aus der Haut zu fahren.

    Und zwar nicht nur, was die musikalischen Beiträge betrifft, sondern auch den Ablauf, die Moderation, die ungewollt langen Pausen zwischen den Songs, den Umgang mit Störfällen und Pannen.

    3. Der neutrale Zuhörer

    Die Lösung: Bei meinen Bands hat es sich seit Jahren bewährt, mit einem Fieldrecorder einem Audio-Mitschnitt des Konzerts zu machen. Diese Geräte sind inzwischen für weniger als 100 Euro zu haben, verfügen über einen nahezu linearen Frequenzgang und zeichnen Eure Konzerte in Stereo CD Qualität auf. Und zwar so, wie sie Eure Zuhörer erlebt haben.

    Für die „Protokollierung“ genügt eine Samplerate von 44,1 kHz mit 192 kBit/sec im MP3 Format (bei einem geringeren kBit-Wert neigen hohe Tonsignale zum Zischeln). Sofern man den Audio Track nicht noch nachbearbeiten (und z. B. mit kostenlosen Programmen wie „mp3DirectCut“ den Vorspann, die Pausen herausschneiden sowie den Pegel normalisieren will), kann man die entsprechende/n Datei/en noch bereits am Veranstaltungsort in die Band-interne Dropbox oder die Cloud hochladen.

    Auf diese Weise können alle Bandmitglieder auf langen Autofahrten, im Hotelzimmer und am Strand das eigene Konzert noch einmal Revue passieren lassen.

    4. Den (Selbst-) Lerneffekt unterstützen

    Dieser kleine, schwarze Kasten ist unbestechlich. Er gibt keine rücksichtsvolle Antwort auf die Frage “Schatz, wie war ich?”, sondern zeigt beinhart das wackelige Riff beim dritten Song, der Patzer beim Drum Solo, die misslungene Ansage vor der Pause, die Begeisterung der Fans bei den Zugaben.

    Vorbei sind die bandinternen Schuldzuweisungen. Stattdessen heißt es, “…hör’ Dir mal die Akkordfolge bei 16:33 an.” Das entkrampft kolossal und hat einen riesigen Lerneffekt bei all jenen Bandmitgliedern zur Folge, die Interesse haben, besser zu werden.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Fehler, die Dir während eines Konzerts unterlaufen und von diesem Spiegel vorgehalten werden, wirst Du viel schneller und nachhaltiger angehen, als wenn sie Dir bei einer Probe passiert wären. Ganz sicher.

    5. Wertvolle Praxistipps

    Abschließend noch ein paar Empfehlungen aus der Praxis:

    • Vor dem Konzert immer einen Satz frischer Batterien einlegen (oder ein passendes Netzteil anschließen). Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Doch wenn Ihr hier die Sparmaus raushängen lasst, entgehen Euch möglicherweise die schönsten Momente Eures Konzerts.
    • Alte Aufnahmen auf der Speicherkarte löschen, sobald sie per USB Kabel auf dem PC übertragen oder in die Cloud geladen wurden. Nichts ist ärgerlicher, als feststellen zu müssen, dass die Aufnahme abgebrochen wurde, weil die Karte voll ist.
    • Den eingebauten Limiter aktivieren oder – sofern vorhanden – die Funktion DUAL Recording nutzen, die einen zweiten Stereotrack mit einer Absenkung von -12 dB aufnimmt. Denn ein digitaler Recorder hat keinen Headroom und verzerrt gnadenlos.
    • Im Außenbereich (z. B. beim Open Air Konzert) die Mikrofone des Geräts immer(!) mit einem passenden Windschutz versehen, sonst werden die Aufnahmen bereits beim geringsten Windstoß durch das Rumpeln im Bassbereich unbrauchbar.
    • Nicht immer gibt es die Möglichkeit, das Gerät auf einem Mikrofonständer in Nähe der FOH Konsole zu platzieren, für den man übrigens einen Kugelkopfadapter benötigt. Bewährt hat sich die Mitnahme eines Tripods mit Saugnäpfen, wie er bei Kameras Verwendung findet. Einfache Exemplare gibt es bereits für unter 10 Euro und sie sind mit wenigen Handgriffen an einer glatten Oberfläche montiert (wie z. B. an der Dachunterseite des gegenüber der Bühne befindlichen Bierausschanks).

    Wie kriegt Ihr Eure Patzer beim Konzert mit und lernt daraus? Schreibt uns doch was dazu unten in die Kommentarleiste.

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