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Montag, Februar 23, 2026
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Abenteuer mit Wow-Effekt: Songs generieren mit KI – ein Erfahrungsbericht

Startseite SUNO mit Jazzsängerin © SUNO, Andy C.

Dieser Beitrag versteht sich nicht als Promo für den Marktführer, sondern als Versuch, interessierten Lesern Zugang zu einer bisher mäßig erprobten Entwicklung zu ver­schaf­fen. Doch diese Entwicklung galoppiert mit hoher Geschwindigkeit auf Künstler und Musikindustrie zu, und bald wird es Tracks geben, die von Live eingespielten Songs nicht mehr zu unterscheiden sind. Mitte letzten Jahres hatte ich in einem ersten Artikel über KI in der Musikproduktion „AI Tools für die Nachbereitung von Konzertaufnahmen – Ein Erfahrungsbericht“  anfängliche Gehversuche mit zwei KI-basierten Lösungen beschrieben …

Dabei hatte ich erstmal die App FADR  zur Stem Separation (Spur-Trennung einer fertigen Aufnahme) sowie der Entfernung von Hintergrundgeräuschen bei Vocal Tracks eingesetzt. FADR  erkennt Tempo, Tonart und Akkorde des hochgeladenen Materials. Durch das Muten einzelner Tracks und dem danach gestarteten Remix kann man aus Originalmaterial auf überraschend einfache Weise brauchbare Backing Tracks erzeugen. Hingegen stecken die ebenfalls von FADR  im Verlauf des Stem Separation Prozesses generierten MIDI Files noch in den Kinderschuhen.

Rasanter Fortschritt KI-basierter Lösungen

Zum anderen hatte ich beispielhaft das Izotope Ozon 11 Elements Mastering Plug-In  beschrieben, das im Zusammenspiel mit einer DAW einen nahezu perfekten, druckvollen Mix erzeugt und das ich inzwischen bei all meinen Arbeiten mit REAPER  (meine DAW) nicht mehr missen möchte.

Doch die Spezialisierung KI-basierter Lösungen schreitet weiter voran. Alles startete mit ChatGPT . Die App wird zwar auch heute noch gerne genutzt, doch gibt es inzwischen KI-basierte Spe­zial­an­wen­dun­gen für nahezu jedes erdenkliche Thema. Dabei kristallisieren sich jetzt ein paar heimliche Marktführer heraus … Bei der KI-gestützten Erzeugung von Audio Tracks (allgemein: dem „Generieren von Songs“) nimmt SUNO  zweifelsohne inzwischen eine führende Rolle ein, immerhin gilt die App inzwischen als meist genutzte KI-gestützte Plattform zur generativen Musikproduktion.

Homepage SUNO AI, Übersicht (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Homepage SUNO AI, Übersicht (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Wie funktioniert SUNO, wie bedient man die App?

Durch Eingabe entsprechender Prompts (Song Description) kann man in wenigen Minuten fertige, direkt abspielbare Songs erzeugen und mittels eines Flags entscheiden, ob es sich dabei um ein reines Instrumental-Stück oder einen Song mit männlicher oder weiblicher Stimme handeln soll. Darüber hinaus können Genre, Tempo, Tonart, Aufbau (einfach / komplex) und vieles mehr durch Eingabe entsprechender Prompts getriggert werden. Eine umfangreiche Liste zum Aufbau wirksamer Prompts sowie der Verwendung sogenannter Meta-Tags findest Du hier: litmedia.ai/suno-prompts

Hier erfolgt die Eingabe der Prompts (Song Description) (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Hier erfolgt die Eingabe der Prompts (Song Description) (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Bei Gesangsstücken liefert SUNO  gleich die passenden Lyrics zum Thema mit. Und wenn Du magst, kannst Du Deine eigenen Songtexte und – als Vorgabe für den Song – Deine eigene Musik-Aufnahmen hochladen, erlaubst aber damit SUNO  die Weiterverwendung Deiner Werke.

Eingabe oder Generierung von Texten (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Eingabe oder Generierung von Texten (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Und das Ergebnis?

Die Resultate sind wirklich beeindruckend: Die mit SUNO  generierten Songs überzeugen durch einen gelungenen Aufbau mit Intro, Vers, Bridge, Chorus, Solo-Part, Outro und überraschend gutem Mix. Und auch die Lyrics klingen keineswegs schräg. In Anbetracht der von der Software generierten Stereo-Effekte empfehle ich beim Anhören die Verwendung guter Kopfhörer.

Übrigens habe ich mir auf diese Weise bereits eine große Sammlung von Titeln unterschiedlichster Stilrichtungen angelegt (Library), die man bei einem Treffen mit Freunden wunderbar im Hintergrund laufen lassen kann. Ganz gleich, ob Classic, A Capella, Hardrock, Gospel, Disco, House – es gibt fast nichts, was SUNO  nicht drauf hat.

Im Library eine Playlist erstellen (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Im Library eine Playlist erstellen (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Allerdings muss man ein paar Einschränkungen machen: Für mich als Puristen klingt die SUNO Oboe  eher wie eine Klarinette, und der Sound einer Hammond Orgel mit Leslie scheint derart komplex zu sein, dass es die App bislang noch nicht geschafft hat, diesen Sound zu reproduzieren. Der aus meiner Sicht gravierendste Punkt ist allerdings jener, dass die Befehle zur Erzeugung eines Songs (Prompts) zwar von SUNO  bestätigt werden, doch so manches Ergebnis davon haushoch entfernt ist.

Auch lassen sich die einmal erzielten Resultate in der Regel nicht wiederholen, weshalb für mich diese Plattform eher den Charakter eines Glückspielautomaten als eines professionellen Studiowerkzeugs hat – nicht zuletzt auch aufgrund der für die weitere Bearbeitung unzureichenden Tonqualität. Ein paar Beispiele dazu findet Ihr am Ende dieses Artikels.

Kann ich das auch?

Klar. Der grandiose Vorteil dieser App ist es, dass man keinerlei(!) musikalische Vorkenntnisse benötigt, um SUNO  bedienen zu können. Wirklich Nullkommanull. Die fertigen Songs kann man auf SUNO  veröffentlichen und im MP3 Format (im PRO Abo auch als WAV Datei) herunterladen.

So mancher Power-User hat mit SUNO  bereits seine ersten Alben erstellt und auf Apple Music und/oder Spotify veröffentlicht. Andere kombinieren die mit SUNO  erstellten Audio Tracks mit Videos, die sie mit ebenso spezialisierten KI-Tools wie Midjourney  generieren.

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Dazu gehört beispielsweise Kelly Eldridge Boesch (kelly_boesch_ai_art ), die mit ihren SUNO  Audio Tracks und experimentellen Clips bereits über eine Million Follower auf Instagram begeistert. Andere Künstler wie z.B. „Steff B Music“ veröffentlichen auf Facebook (offenbar ebenfalls mit SUNO  erzeugte) Smooth Jazz Titel in Kombination mit stylischen s/w Videos und liefern wirklich beeindruckende Ergebnisse. Und der Instagram User „apastreimaged“ hat sich auf mit KI-generierte Retro Bilder mit Szenen amerikanischer Großstädte aus den 20er Jahren spezialisiert. Er hat sie mit zeitgemäßer Musik unterlegt (die man ebenfalls mit SUNO  erzeugen könnte) und sich damit eine Fan-Gemeinde von 115 Tausend Followern aufgebaut.

Was kostet das?

Das Schöne an dieser Software ist, dass man starten kann, ohne einen einzigen Cent ausgeben zu müssen. Einfach registrieren, schon kann man loslegen und dank 50 sogenannter Credits pro Tag bis zu fünf Songs in jeweils zwei Varianten erzeugen. Einer der wesentlichen Unterschiede zu den kostenpflichtigen Abo-Modellen besteht darin, dass eine kommerzielle Nutzung der mit SUNO  erstellten Audio Tracks in der kostenfreien Variante nicht möglich ist.

Drei verschiedene Abo-Modelle (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Drei verschiedene Abo-Modelle (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Chris Hinz

Hinweis: Für diesen Beitrag habe ich mich explizit mit SUNO  beschäftigt, was mir sehr eindrückliche und beeindruckende Erfahrungen verschafft hat. Die Software funktioniert. Doch damit ihr jetzt nicht den Eindruck bekommt, ich würde Werbung nur für SUNO  machen, hier noch ein paar Plattformen auf denen ihr euch ebenfalls kostenlos ausprobieren könnt …

Wie lerne ich das? Gibt es ein Handbuch?

Die Bedienung ist ausgesprochen einfach, weshalb viele der User im Try & Error Modus vorwärts kom­men. Ich selbst habe viel erfahren können über den Austausch in SUNO  User Groups auf Facebook, die es für alle Arten von Musikrichtungen gibt. Inzwischen wurde sogar bereits eine Gruppe für Worship Tracks  gegründet, also Songs für den Gottesdienst, die mit SUNO  generiert wurden – mein generierter Track mit großem Chor würde da bestimmt gut hineinpassen (https://suno.com/s/9kY546wPhUn-rzwqo ). Ein mit mir befreundeter Keyboarder und Chorleiter aus den USA will diesen Song mit seinem Chor jetzt sogar live aufführen. Wow.

Was man wissen muss

Mit der Nutzung tritt man weitestgehend alle Rechte an seinem hochgeladenen Material ab. SUNO  kann und wird Eure Audio Tracks und Songtexte verwenden, um das KI-Modell zu trainieren und sie (in modifizierter Form) anderen Usern zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass Streaming Dienste die KI-generierten Songs zukünftig anders behandeln oder sogar entfernen werden, weil sie als Spam oder maschinell-erzeugt eingestuft werden.

Ein anderer, nicht unwichtiger Punkt: Der Datenhunger von SUNO, aber auch von anderen KI-Plattformen, ist gewaltig, weshalb ich empfehle, vor Nutzung der App unbedingt die Datenschutzbestimmungen (https://suno.com/privacy-policy ) sorgfältig durchzulesen.

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Beobachtungen und Erfahrungen

Es ist schon ein tolles Erlebnis, binnen fünf Minuten (solange benötigt der Generierungs-Prozess) mit ein paar wenigen Eingaben einen Song mitsamt Lyrics zu erstellen. SUNO  ist hervorragend dafür geeignet, lizenzfreies Audio Material zu generieren, bietet Anregungen, macht Vorschläge und erlaubt es, unterschiedliche Varianten auszuprobieren. Echt Mega. Auf diese Weise konnte ich in nur wenigen Tagen eine beindruckende Sammlung von Songs unterschiedlicher Genres anlegen – auch ohne Abo. Was stört, sind die gelegentlichen digitalen Glitches (Ausrutscher). Und die Ergebnisse haben keine Studio-Qualität, sind nicht reproduzierbar und eher zufälliger Natur.

Ernüchternd: Das generierte Ergebnis steht auffallend oft in deutlichem Kontrast zu dem von mir verwendeten Prompt, weshalb ich dies auf SUNO  in den Beschreibungen der von mir erstellten Songs vermerkt habe.

Ausblick

Es besteht das Risiko, das Streaming Dienste in absehbarer Zeit mit KI-generierten Songs überflutet werden, was die Sichtbarkeit von handgemachter („echter“) Musik reduzieren wird. Inzwischen hat der erste KI-generierte Song es bereits geschafft, an die Spitze der US Country Charts zu klettern: Im November 2025 landete Der Song „Walk My Walk“  dort auf Platz 1. Er stammt von dem fiktiven(!) Künstler „Breaking Rust“ .

Ein anderer Punkt ist SUNO’s  auffällige Nähe zu Original-Werken, insbesondere bei klassischem Material, was auf einen kostspieligen Streit mit den Rechteinhabern hinauslaufen könnte. Dieses Thema scheint gerade erst Fahrt aufzunehmen. Die GEMA hat in einem Rechtsstreit um´s Urheberrecht ein erstes KI-Grundsatzurteil gegen OpenAI  erwirkt. Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch generative KI-Systeme wurde rechtlich bewertet und zugunsten der Kreativen entschieden. Und die GEMA hat angekündigt dass sie weitermachen will. Ein weiteres Verfahren gegen SUNO Inc.  ist anhängig …

Abschließend noch ein Praxis-Beispiel

Einer meiner Prompts lautete: „Funky song with a high speed clavinet, slap bass, brass section, a male soul singer and a four piece group of female backing vocals“.  Das Resultat war ein deutlich von den Vorgaben abweichendes, dennoch hörenswertes Ergebnis. Aber: Kein Clavinet, kein weiblicher Hintergrundgesang. Stattdessen eine Gruppe männlicher Backgroundsänger, eine Rhythmusgitarre und ein Saxofonsolo. Klingt gut, aber nicht das, was ich mir gewünscht hatte. Der von SUNO vorgeschlagene Titel heißt „Work It Out”, den Song könnt ihr hier hören: https://suno.com/s/K5KDZYN2NzTT2xxd .

Noch ein Beispiel: Mein Prompt

“Smooth jazz song with electric piano, drums with brushes, acoustic bass, cool saxophone solo and sophisticated chord progressions”  und dem aktivierten Instrumental Flag führte zu folgender Bestätigung seitens SUNO: “folk, Laid-back smooth jazz combo at 82 BPM, electric piano comping lush extended chords, warm acoustic bass walking in the pocket, soft brush kit, Male vocals, intimate and close-mic’d, Saxophone takes a lyrical middle-section solo over subtly shifting harmony, then we return to a softer vocal outro, Gentle dynamic lift on the chorus, with the piano voicings opening up and drums leaning in just a touch, acoustic, saxophone, electric, smooth jazz, sophisticated”  – Uff.

Das Generieren der aus dem Prompt resultierenden Songs dauerte etwa fünf Minuten, „kostete“ mich zehn meiner täglichen 50 Credits und war mit Anzeige der beiden PLAY Icons (>) beendet. Das Ergebnis: SUNO  bestätigte in seiner Antwort die Verwendung eines E-Pianos, stattdessen ist aber durchgängig ein klassisches Grand Piano zu hören. Was geklappt hat: Kontrabass und das mit Besen gespielte Schlagzeug. Und es bleibt beim Instrumental Stück, auch wenn SUNO  von „male vocals“ spricht. Ab und zu sind „digital glitches“ (Ausrutscher) zu hören, aber als Hintergrundmusik ist die Aufnahme durchaus verwendbar. Aber hört selbst: https://suno.com/s/aspeoDMbufsF16uY .

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Epilog

Eine persönliche Anmerkung: Welche Auswirkungen Erzeugung, Einsatz und Vertrieb KI-generierter Musik haben, sollte nicht Gegenstand dieses Artikels sein. Aber sich rechtzeitig damit vertraut zu machen, ist eine gute Grundlage zur qualifizierten Auseinandersetzung mit dieser rasch fortschreitenden Entwicklung.

Habt Ihr schon Erfahrungen mit KI-generierter Musik gemacht? Was ging Euch dabei durch den Kopf? Schreibt es uns in die Kommentare.


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Chris Hinz
Chris Hinz verfügt über eine 6-jährige klassische Ausbildung am Piano und eine 3-jährige Ausbildung an der Sakralorgel. Er ist seit mehreren Jahrzehnten in der Musikszene Rhein Main aktiv und aktuell mit zwei Coverbands und einem Smooth Jazz Duo unterwegs. Chris Hinz ist freiberuflicher Unternehmensberater und war lange Zeit für ein namhaftes IT Unternehmen tätig.

1 Kommentar

  1. Wow, super Artikel, der auch in die praxistaugliche Tiefe geht. Danke, Chris.
    @ Andreas: Wie immer Top umgesetzt.

    Was mir besonders gefällt: Der Artikel polarisiert nicht in eine Richtung. Ganz im Gegenteil. Man sieht schön, welche Chancen, aber auch Limitationen die Musik-KI bietet. Und wo der Weg hinführen kann.

    Und dass es sicherlich keinen Producer gibt, der nicht ab und zu eine kleine Inspiration oder Arbeitshilfe bei der KI holt, davon gehe ich aus.
    „Work it out“ gefällt mir super, die Funk Nummer würde live gespielt in jedem Club die Wände wackeln lassen.

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