StartOrgaErfahrungenEntschieden. Und jetzt? Warum eine gute Entscheidung allein noch nichts verändert

Entschieden. Und jetzt? Warum eine gute Entscheidung allein noch nichts verändert

© Nicola Buckenmaier

Im zweiten Teil ging es darum, wie du Entscheidungen triffst, die zu deinen Zielen passen. Nehmen wir an, das ist dir gelungen. Du weißt, was du willst, und legst los. Ein Jahr später hast du unglaublich viel getan. Aber das, was du eigentlich erreichen wolltest, ist noch immer weit entfernt. Wie kann das sein?

Eine Idee, die begeistert

Stell dir eine freiberufliche Klarinettistin vor. Sie unterrichtet an einer Musikschule, spielt regelmäßig Gigs und ist gut vernetzt. Schon länger beschäftigt sie eine Idee: Gemeinsam mit einer Geigerin und einem Pianisten möchte sie ein Kammermusikprogramm entwickeln, das Werke jüdischer Komponist*innen des 20. Jahrhunderts mit Klezmer-Traditionen verbindet. Beide sind sofort begeistert.

Gemeinsame Probentermine zu finden, ist allerdings schwierig. Die Geigerin ist oft auf Konzertreise, der Pianist unterrichtet und begleitet Prüfungen, und auch der Kalender der Klarinettistin ist voll. Also proben sie, wann immer es irgendwie geht. Mal abends, mal sonntags, manchmal mit wochenlangen Pausen. Aber sie bleiben dran, und nach einigen Monaten steht ein Programm, auf das alle drei stolz sind.

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Weil die Klarinettistin das Projekt ins Leben gerufen hat, sucht sie nun auch nach Auftritten. Sie schreibt Veranstalter an, telefoniert, verschickt Programmvorschläge. Die Antworten sind ernüchternd. Manche Reihen sind auf Jahre ausgebucht, anderen passt das Konzept nicht ins Profil. Viele antworten gar nicht. Inzwischen ist fast ein Jahr vergangen. Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Gebucht aber ist noch kein einziges Konzert. War die ganze Arbeit umsonst?

Natürlich nicht. Die drei waren weder faul noch unprofessionell. Aber ein paar entscheidende Fragen haben sie sich nie gestellt. Genau diese Fragen sind die Werkzeuge, mit denen aus „Das will ich“ tatsächlich „Das tue ich“ wird.

Werkzeug 1:  Kläre, was du eigentlich erreichen willst

Ein anspruchsvolles Programm entwickeln? Gelungen. Regelmäßig damit auftreten? Noch nicht. Mit dem Ensemble Geld verdienen? Weit entfernt. Wollten die drei ein Ensemble aufbauen, mit dem sie regelmäßig auftreten und Geld verdienen? Ein besonderes Programm, das sie gelegentlich aufführen? Oder einfach miteinander Musik machen, die ihnen am Herzen liegt?

Ein und dasselbe Projekt kann künstlerisch ein Erfolg sein
und wirtschaftlich trotzdem nicht funktionieren.

Darüber haben sie nie gesprochen. Dabei hätte die Antwort vieles bestimmt: wie viel Zeit sie investieren, welche Auftritte sie suchen und woran sie erkennen, ob sich ihr Einsatz lohnt.

Werkzeug 2:  Prüfe früh, wer dafür bezahlt

Die drei haben sich gefragt: Welche Musik möchten wir machen? Kaum aber: Wer veranstaltet diese Musik und bezahlt dafür? Ein Gespräch mit Veranstaltern gleich zu Beginn hätte geholfen. Nicht, um sich vorschreiben zu lassen, was sie spielen. Sondern um zu erfahren, welche Konzertreihen infrage kommen, wie weit im Voraus geplant wird und welche Honorare realistisch sind. Vielleicht hätten sie ihr Programm angepasst, vielleicht auch nicht. Aber sie hätten gewusst, worauf sie sich einlassen.

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Es ist ein Unterschied, ob du ein wirtschaftliches Risiko kennst und bewusst eingehst oder erst viel später bemerkst, dass du eines eingegangen bist. Bewusst in ein Projekt zu investieren, ist legitim. Dann aber mit klarer Vorstellung, was es kosten darf und was du dir davon versprichst.

Werkzeug 3:  Regle früh, wer was übernimmt

Alle drei haben gleichermaßen geprobt. Die Klarinettistin hat zusätzlich viele Stunden in Organisation und Akquise gesteckt. Kommt endlich ein Konzert zustande, erwarten vermutlich trotzdem alle das gleiche Honorar. Ist das fair? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Gesprochen haben sie darüber nie. Doch sobald andere beteiligt sind, gehören diese Fragen an den Anfang:

Wer übernimmt welche Aufgaben,
wer trägt welche Kosten,
und wie wird das honoriert?

Werkzeug 4:  Teile dein Vorhaben in Etappen und gib ihnen feste Termine

„Wann immer es irgendwie geht“  ist kein Plan. Der freie Nachmittag für dein eigenes Vorhaben taucht nicht von selbst auf. Er muss im Kalender stehen, bevor die nächste Anfrage kommt. Das gelingt leichter mit Etappen: Konzept entwickeln, feste Probenzeiten vereinbaren, erste Programmteile aufführungsreif machen, Rückmeldungen von Veranstaltern einholen, erste Auftritte buchen. Jede erreichte Etappe ist ein sichtbarer Fortschritt. Gerade wenn sich Erfolg erst spät zeigt, siehst du so, was schon gelungen ist und was als Nächstes ansteht.

Denn viel Arbeit ist nicht automatisch ein Zeichen dafür,
dass du deinem Ziel näherkommst.

Werkzeug 5:  Zieh´ bewusst Bilanz

Und jetzt? Weiterproben und hoffen? Aufgeben, weil bisher kein Geld geflossen ist? Beides wäre vorschnell. Vielleicht gibt es Interesse, aber erst in zwei Jahren. Vielleicht sprechen sie die falschen Veranstalter an. Vielleicht ist das Programm für die üblichen Budgets zu aufwendig. Oder die Klarinettistin kann die Organisation auf Dauer nicht allein stemmen.

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Das sind unterschiedliche Probleme mit unterschiedlichen Lösungen. Eine ehrliche Bilanz fragt deshalb nicht nur, ob du noch an deine Idee glaubst, sondern was deine Erfahrungen tatsächlich zeigen.

Nicht jede Schwierigkeit ist ein Grund aufzuhören. Aber auch nicht jedes Durchhalten ist sinnvoll. Und bereits investierte Arbeit ist für sich genommen kein Grund, immer weiterzumachen. Vielleicht suchen die drei noch ein halbes Jahr gezielt nach Auftritten, mit neu verteilten Aufgaben und einem festen Termin für die nächste Bilanz. Vielleicht spielen sie künftig vor allem aus Freude zusammen. Entscheidend ist, dass sie wissen, wofür sie sich entscheiden.

Probier es aus

Nimm ein Vorhaben, das dir gerade wichtig ist, und geh es mit diesen fünf Fragen durch:

  1. Was genau will ich erreichen, und woran merke ich, dass es gelungen ist?
  2. Wer veranstaltet oder bucht das, und wer bezahlt dafür?
  3. Wer übernimmt welche Aufgaben, zu welchen Bedingungen?
  4. Was ist die nächste Etappe, und wann genau arbeite ich daran?
  5. Wann ziehe ich Bilanz?

Und trag dir den Termin für deine erste Bilanz am besten gleich heute ein.

Und wenn es immer wieder hakt?

Du möchtest mehr auftreten, kannst auf dein Unterrichtseinkommen aber nicht verzichten? Deine Aufträge lassen dir einfach keine Zeit für eigene Projekte? Dann hilft es wenig, noch disziplinierter zu arbeiten. Vielleicht liegt das eigentliche Problem darin, dass die Art, wie du heute dein Geld verdienst, dich kaum dorthin kommen lässt, wo du hinwillst. Dann geht es um die größere Frage, wie du deine Arbeit insgesamt aufstellst.

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Verstehen. Entscheiden. Handeln.

Damit schließt sich der Kreis: Erst verstehen, wie du dort gelandet bist, wo du heute stehst. Dann Entscheidungen treffen, die zu dir passen. Und schließlich dafür sorgen, dass daraus tatsächlich Veränderung wird. Berufliche Selbstführung bedeutet nicht, einen einmal gefassten Plan um jeden Preis durchzuziehen. Sondern bewusst zu entscheiden, zu handeln und aus den eigenen Erfahrungen die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Und wie soll deine berufliche Zukunft aussehen?

Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass du schon länger etwas verändern möchtest, aber nicht weißt, wo du ansetzen sollst. Genau dafür gibt es Artist360°, mein Coachingprogramm für professionelle Musiker*innen. Gemeinsam schauen wir auf deine berufliche Situation als Ganzes: wie du heute arbeitest und dein Geld verdienst, wohin du möchtest und welche konkreten Schritte dich tatsächlich dorthin bringen.

Wenn du deine berufliche Zukunft nicht dem Zufall überlassen, sondern bewusst gestalten möchtest, lass uns darüber sprechen.

Mehr über Artist360°  →  buckenmaier.ch


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Nicola Buckenmaierhttps://www.buckenmaier.ch
Als ehemalige professionelle Klarinettistin, promovierte Musiksoziologin und Mitgründerin eines Beratungsunternehmens im Bereich Luft- und Raumfahrt kennt sie berufliche Entwicklung aus sehr unterschiedlichen Perspektiven – einschließlich der Erfahrung, die eigene Musikerkarriere zu verlassen und beruflich völlig neue Wege einzuschlagen. Mit Artist360° begleitet sie heute professionelle Musiker:innen dabei, ihre berufliche Situation möglichst umfassend zu verstehen, bewusste Entscheidungen zu treffen und ihre Karriere aktiv zu gestalten.

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