Die Wacken-Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner haben weitere Unternehmensanteile an den britischen Festivalveranstalter Superstruct Entertainment verkauft. Damit wächst dessen Beteiligung an der Wacken-Muttergesellschaft ICS auf knapp 90 Prozent. Beide Gründer bleiben weiterhin im operativen Geschäft aktiv.
Wie der NDR unter Berufung auf die aktuelle Gesellschafterliste berichtet, halten Jensen und Hübner inzwischen jeweils rund fünf Prozent an der International Concert Service GmbH (ICS). Zuvor waren es jeweils etwa 15,5 Prozent. Veranstaltet wird das Wacken Open Air von der ICS-Tochter WOA Festival GmbH. Zu deren Geschäftsführung gehören neben den beiden Gründern auch André Jürgens.
Eine Entwicklung mit Vorgeschichte
Die Partnerschaft mit Superstruct besteht seit 2019. Schon damals kündigten die Beteiligten an, das internationale Netzwerk für die Weiterentwicklung von ICS und seinen Veranstaltungen zu nutzen. Die tägliche Geschäftsführung sollte beim bestehenden Team bleiben.
Der jetzige Anteilsverkauf gehört laut Jensen zu den bereits vereinbarten vertraglichen Schritten. Gegenüber dem NDR bewertet er die Zusammenarbeit positiv und hebt insbesondere die finanzielle Unterstützung während der Corona-Zeit hervor. Superstruct steht seinerseits mehrheitlich hinter dem US-Finanzinvestor KKR und vereint rund 80 Festivalmarken unter seinem Dach, darunter Parookaville und Sónar.
Was bedeutet das für Wacken und die Szene?
Die konkrete Veränderung betrifft vor allem die Machtverhältnisse: Mit zusammen rund zehn Prozent verlieren Jensen und Hübner ihre bisherige Sperrminorität. Bestimmte grundlegende Gesellschaftsentscheidungen können sie damit nicht mehr allein über ihre Beteiligung blockieren. Einzelne vertragliche Mitspracherechte bleiben laut NDR bestehen.
Aus Branchensicht zeigt der Schritt, wie eng auch traditionsreiche Festivals inzwischen mit internationalen Veranstaltergruppen und Finanzinvestoren verbunden sind. Solche Netzwerke können Finanzierung, Einkauf und Produktion erleichtern. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viel Eigenständigkeit bei wirtschaftlichen und kreativen Entscheidungen erhalten bleibt.
Höhere Ticketpreise, ein anderes Booking oder Einschnitte bei der Produktion lassen sich aus dem Anteilsverkauf allein jedoch nicht ableiten. Entscheidend wird sein, wie Superstruct und das Wacken-Team ihre Zusammenarbeit künftig gestalten – und wie viel vom gewachsenen Charakter des Festivals dabei erhalten bleibt.






