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Dienstag, April 28, 2026
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Funkmikrofon mit Kom­man­do­funk­tion und weit­rei­chen­der Bi­di­rek­tio­nali­tät – kommt da gerade was Sinnvolles auf uns zu?

© KI-generiert, Engelmann Promotion

Wer auf der Bühne arbeitet, kennt das Problem. Nicht das Problem mit dem Feed­back oder dem brummenden DI-Eingang – sondern das auf den ersten Blick etwas un­schein­ba­re­re, das aber während eines Soundchecks und auch Show fest mit dazu gehört: Bidirektionale Kommunikation, die öfter mal ziemlich schlecht funktioniert – Wie sagt der Moderator der Regie kurz Bescheid, dass er noch nicht bereit ist? Wie gibt der Sänger dem Monitormischer zu verstehen, dass die Gitarre im Wedge zu laut ist? Und wie kommuniziert der Techniker mit dem Pro­duk­tions­team, ohne dass das Publikum mithört?

Bisher läuft das über Handzeichen, die keiner sieht, Zuruf, der im Lärm untergeht, oder ein Intercom-Headset, das der Sänger natürlich nicht trägt, weil es nicht ins Bühnenbild passt. Kurz: Es ist ein technisch gelöstes Problem, das aber in vielen Fällen dann doch nicht praktikabel ist, für das wir nur noch keine wirklich praktische Hardware im Bereich Funkmikrofon hatten.

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Genau das könnte sich jetzt ändern: Dafür haben wir diesen Artikel geschrieben. Der größte Teil basiert auf Fakten, doch ein kleiner Teil ist fiktionären Wunschdenken geschuldet. Die Inspiration dazu kam übrigens mit einem Sennheiser  Posting …

Was steckt dahinter?

Die Idee scheint einfach: Ein digitales Funkmikrofon bekommt eine zusätzliche Taste. Wer die nicht drückt, sendet normal – Stimme geht auf die PA, in den Stream, auf Aufnahme, alles wie gehabt. Wer die Taste drückt, ändert damit das Audio-Routing. Das Signal läuft dann nicht mehr zur PA, sondern direkt an die Regie, zum Monitormischer oder an die Produktionsleitung. Das Publikum bekommt davon in der Regel nichts mit.

Und das Wichtigste vorab: Es steckt keine Magie drin. Kein Text-to-Speech, keine KI, die irgendetwas auswertet. Es ist ganz normales Audio – der Performer drückt die Taste, spricht, und ein Mensch auf der anderen Seite hört zu. An was umgeleitet wird, ist nur das Ziel des Signals. Der technische Zusatznutzen ist der Zustand: „Command aktiv“ – und das System routet entsprechend anders.

Das klingt erstmal banal –
Ist es aber nicht, wenn man mal darüber nachdenkt wieviel auf einer Livebühne noch über Zeichensprache und Zufallskommunikation läuft.

Wer ist konkret beteiligt?

Sennheiser  ist einer der ersten Hersteller, der das als durchdachte, marktreife Lösung in ein reguläres Funksystem bringen will. Bisher kannte man so etwas allenfalls aus hochspezialisierten Broadcast-Setups, weit entfernt vom normalen Bühnenbetrieb. Mit Forschungen im Spectera-LAB  entwickelt Sennheiser  ein entsprechendes Command System und geht hier einen deutlichen Schritt in Richtung Live-Alltag.

Das wäre das neueste digitale Funksystem von Sennheiser  – und das erste seiner Art, das vollständig bidirektional arbeitet mit vielleicht weiteren zusätzlichen Funktionen, die den Gebrauchswert im Alltag deutlich steigern können.

Die Verbindung zwischen Sender und Basisstation läuft nicht nur in eine Richtung. Daten fließen hin und her. Damit ist zum Beispiel Fernsteuerung von Parametern wie Gain oder Low-Cut direkt aus der Software heraus möglich, ohne dass jemand zum Sender rennen muss. Dabei ist die Basisstation ein Rack-Einschub mit bis zu 64 Kanälen (32 rein, 32 raus), die gleichzeitig gemanagt werden können. Die SEK-Bodypacks übertragen dabei gleichzeitig Mikrofonsignal und In-Ear-Monitoring – also beides in einem Gerät.

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Der Command Adapter für den SKM-Handsender ist als Zwischenmodul gebaut, das zwischen Mi­kro­fon­kap­sel und Senderkörper geschraubt wird. Also genau dort, wo bei modularen Handsendern die Kapsel ohnehin aufgesetzt wird. Damit ist die Logik klar: Wer die Funktion braucht, baut das Modul ein. Wer sie nicht braucht, lässt es weg und arbeitet wie bisher.

Was das Modul technisch leisten muss

So simpel die Idee klingt – das Modul muss mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen:

  • Die Taste muss zuverlässig funktionieren: Konfigurierbar als Push-to-Talk, Toggle oder Mute. Auf einer Bühne gibt es keinen zweiten Versuch, wenn der Knopf im entscheidenden Moment nicht reagiert.
  • Die Audioqualität darf nicht leiden: Das Modul sitzt im direkten Signalweg zwischen Kapsel und Sender. Wenn es dort den Klang beeinflusst, auch nur minimal, hat man ein Problem.
  • Die Mechanik muss belastbar sein: Ein Handsender wird auf der Bühne nicht mit Samthandschuhen angefasst. Ein Zwischenmodul, das nach zwanzig Shows wackelt oder sich ungewollt löst, ist kein Hilfsmittel, sondern eine Fehlerquelle.
  • Der Techniker muss seinen Zustand sofort erkennen: Wenn die Taste gedrückt wird, muss mehr passieren als ein einfacher Mute; der Empfänger muss wissen: Jetzt kommt ein Command-Signal, und das Routing ändert sich.

Da Spectera  als System bidirektional aufgebaut ist, wäre auch eine technische Rückmeldung am Sender denkbar – also eine Statusanzeige, die bestätigt: Routing ist aktiv, Signal kommt an. Ob das über LED, Display oder Vibration gelöst wird, ist noch offen. Dazu gleich mehr.

Audioqualität

Was am Empfänger ankommt – und wer es sieht

Bei einer einzigen Funkstrecke ist das alles noch überschaubar. Bei zehn oder zwanzig Kanälen gleich­zei­tig wird es zur echten Herausforderung. Eine Command-Funktion ist ohne klare Kennung im System nur halb fertig. Hier zur Ansicht aber auch zur Prüfung mal das komplette System bei Thomann:

Der Techniker am Pult muss es auf einem Blick sehen: Kanal 4 – „Lead Vocal“ – Command aktiv. Nicht irgendein Signal, das gerade anders klingt. Sondern eine klare Zuordnung: Wer spricht gerade, über welche Strecke, und was bedeutet das für das Routing? Idealerweise mit Kanalname, Statusfarbe und bei Bedarf einer Priorisierung, wenn mehrere gleichzeitig aktiv sind. Das ist denn auch kein technisches Schmankerl, sondern eine Grundvoraussetzung für den echten Livebetrieb.

Die Komponenten des Systems: 1) Tabletdisplay, 2) Zwei bidirektionale Taschensender/-empfänger, 3) Richtantenne, 4) Basisstation (Front/ Back) (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Sennheiser

Die Komponenten des Systems: 1) Tabletdisplay, 2) Zwei bidirektionale Taschensender/-empfänger, 3) Richtantenne, 4) Basisstation (Front/ Back) (Zur Vergrößerung ins Bild klicken) © Sennheiser

Die Rückrichtung: Was „verstanden“ bedeutet

Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Es gibt zwei Dinge, die man auseinanderhalten sollte:

  1. Eine technische Bestätigung bedeutet: Taste erkannt, Routing aktiv, Signal empfangen. Das könnte am Sender über eine kurze LED-Meldung oder eine Vibration sichtbar werden. Technisch ist das bei einem bidirektionalen System zumindest konzeptionell möglich – die Technologie dafür wäre sicher verfügbar.
  1. Ein inhaltliches Verstehen ist etwas anderes. Das System weiß nicht, ob der Monitormixer die Ansage wirklich gehört und verstanden hat. Dafür bräuchte es entweder einen menschlichen Rückkanal – zum Beispiel: Techniker drückt „ACK“, Sender vibriert einmal kurz gibt Klartext über ein kleines Display aus oder nutzt zusätzlich unterschiedlich farbige LED Signale – oder eine zusätzliche Intercom-Verbindung. Ob so etwas kommt, ist Stand heute offen.

Kein unwichtiger Punkt: Denn wer nicht weiß, ob sein Kommando gehört wurde, hat im Zweifel weniger Sicherheit als mit dem alten Handzeichen.

Eine Bestätigung der Technik ist wichtig:
Taste erkannt, Routing aktiv, Signal empfangen.
Technisch wäre das bei einem bidirektionalen System durchaus möglich –
und – die Technologie dafür wäre sicher verfügbar.

Der praktische Nutzen – wofür ist das gut?

Wenn man das alles zusammenzieht, wird der eigentliche Gewinn deutlich. Nicht die Technologie für sich, sondern was sich im Ablauf einer Produktion ändert:

  • Moderatoren können diskret mit der Regie sprechen, ohne das Mikrofon abzusetzen oder ein Extra-Headset zu tragen.
  • Sänger und Musiker können Monitorwünsche äußern, ohne dass das über die PA geht.
  • Reporter im Außeneinsatz können mit dem Produktionsteam sprechen, ohne dass das Programmsignal unterbrochen wird.
  • Produktionsteams bekommen gezielte Signale – keine Gesten, die vielleicht jemand gesehen hat.
  • Im Theaterbetrieb kann on- oder off -Stage nur rudimentär kommuniziert werden.

Kurzum: Die Bühne wird ein bisschen ruhiger. Nicht akustisch, sondern organisatorisch.

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Wann kommt das System, und in welcher Reihenfolge?

Sennheiser  hat den Command Adapter erstmals auf der International Broadcasting Convention (IBC) Amsterdam 2025  als funktionierenden Prototyp gezeigt. Auf der ISE Barcelona 2026  wurden dann die Vorbestellungen eröffnet. Laut Info könnten die Lieferungen gestaffelt in folgender Form laufen:

Was?
Wann?
Spectera API (Multi-Vendor-Integration)
März 2026
Command Adapter für SEK-Bodypack
Mai 2026
Base Station ZMAN (Broadcast / ST 2110-30)
August 2026
SKM Handsender + Command Adapter
September 2026
Engineer Mode / Cue-Modus für Live Sound
Dezember 2026

Der Adapter für den Bodypack kommt zuerst – was Sinn ergibt, weil Lavalier-Setups im Broadcast- und Konferenzbereich häufiger anzutreffen sind als Handsender.

Das ist noch offen …

Wie immer bei neuen Live-Funktionen gibt es Fragen, die jedoch erst ein Livebetrieb beantworten kann:

  • Wie sicher wird verhindert, dass ein versehentlicher Tastendruck auf der PA landet?
  • Was passiert, wenn mehrere Command-Kanäle gleichzeitig aktiv sind?
  • Werden interne Kommandos aufgezeichnet? Und wenn ja – wer hat Zugriff?
  • Wie verhält sich das Modul mechanisch, wenn ein Handsender mal auf dem Boden landet?

Das sind keine Argumente gegen die Idee. Das sind normale Fragen, die jeder stellen sollte, bevor er so etwas in eine echte Produktion einbaut.

Übrigens: Sennheiser  hat bei diesem Projekt von Anfang an auf offenes Community-Feedback gesetzt – über das Spectera Lab , einen Discord-Kanal  und ein Idea-Space-Formular , bei dem Nutzer direkt Feature-Wünsche einbringen können. Das ist für einen Hersteller dieser Größe ungewöhnlich, und es zeigt, dass hier tatsächlich gemeinsam entwickelt wird.

Fazit

Die Kommandofunktion im Funkmikrofon ist kein Spielzeug. Es ist die logische Erweiterung für ein Gerät, das ohnehin schon überall dabei ist.

Das Mikrofon war immer ein Kommunikationswerkzeug –
bisher einzig hin zum Publikum.
Jetzt bekommt es eine zweite Ebene, die der Crew gehört.

Dass Sennheiser das als erstes konsequent in den normalen Bühnen- und Eventbereich bringt, ist bemerkenswert. Ob andere Hersteller nachziehen und ob sich daraus ein Standard entwickelt, werden wir sehen. Erstmal schauen, wie es sich in der Praxis bewährt – die ersten Geräte werden laut Plan vermutlich schon ab Mai 2026 ausgeliefert.

Quelle: Sennheiser Newsroom (IBC 2025), Sennheiser Spectera Lab, ProSoundWeb, Mixdown Magazine (ISE 2026)

Zum Schluß hier die einzelnen Komponenten zur Ansicht und Prüfung bei Thomann. By the way: Du kannst das System bei Thomann bestellen, ausprobieren und innerhalb von 30 Tagen kostenfrei auch wieder zurückschicken …


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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