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Donnerstag, Februar 19, 2026
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Von der Sinnhaftigkeit der Flightcases – ein Erfahrungsbericht

Flightcases … © Vitalii Onyshchuk, Unsplash

Heute widme ich mich mal mit einem eigentlich recht banalen Thema: Wie ver­packt Ihr Eure Kabel, Fußpedale, DI-Boxen und die ganzen Instrumente, wenn es zum nächsten Gig geht? Bei den ungezählten Bands, in denen ich schon mit­ge­spielt habe, habe ich schon die weirdesten Behältnisse gesehen: Aus­gediente Sporttaschen, Holzkisten mit seitlich angebrachten dicken Seilen (die als Tra­­ge­grif­fe dienten) sowie offene Kunst­stoff­kisten, die vermutlich mal irgendwann in den Diensten der Deutschen Post standen.

Ein befreundeter Keyboarder brachte sein Instrument immer im Versandkarton des Herstellers mit, ein anderer wickelte sein Tastengerät einfach in eine handelsübliche Wolldecke.

Beutel, Tüten, Kartons, Rucksäcke – im Ernst?

Dagegen erschienen mir die Gitarristen und Bassisten immer am besten organisiert, waren ihre Instrumente in den maßgeschneiderten Gitarrenkoffern doch relativ gut geschützt. Allerdings in ihren Beuteln oder irgendwelchen Koffern und Kartons sowie Rucksäcken fand sich stets das gleiche kurioses Gewirr aus Effektgeräten, Kabeln, Netzteilen, Tüten mit Saiten, Plektren, Noten, vollen und leeren Batterien. Verstärker wurden meist ohne Schutz, allenfalls in einer Kunstlederhülle bewegt.

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Ja, es gab Zeiten, da holte ich einen meiner Gitarristen regelmäßig zu unseren Proben vom Bahnhof ab: Links in der Hand hielt er die Fender Stratocaster, rechts den Vox AC-30. Heute käme er damit nicht mehr sehr weit.

Was mir stets dabei durch den Kopf geht, ist das krasse Missverhältnis zwischen dem Preis (oder Wert) des jeweiligen Instruments und dem Umgang damit. Ja, vielleicht bin ich da ein bisschen altmodisch: Aber es tut fast körperlich weh, wenn ein 4.000 teures Edelkeyboard auf einem biligem Scherenständer für 50 EUR aufgebaut wird, der bei ausgelassener Stimmung auf der Bühne plötzlich grußlos zusammenbricht. An der falschen Stelle gespart? Oder einfach naiv:

Dasselbe gilt auch für die Transportverpackung. Da ich mit meinen Bands viel unterwegs bin, werden wir in den verschiedenen Clubs oft von den uns schon bekannten fleißigen Helfern begrüßt, die unser Equipment vom Transporter auf die Bühne tragen. Doch spätestens dann lernst Du den Unterschied zwischen einem robusten Flightcase und einer von vielen Keyboard Herstellern angebotenen Softbag kennen, die kaum besser ist als eine Wolldecke mit Reißverschluss.

Die Ecken der Keyboards sowie Schalter und Drehregler, die auf der Oberseite des Instruments angebracht sind, sind dabei besonders gefährdet. Im Eifer des Gefechts landet dann so eine Softbag schon mal zwischen zwei schweren Boxen oder knallt gegen einen Türrahmen. Wenn man Glück hat, ist bloß das Cover angeknackst oder ein Regler abgebrochen. Aber es gab auch – glücklicherweise sehr seltene – Fälle, bei denen das Instrument nicht mehr einsatzfähig war.

Unser eigenes Equipment komplett in Kisten ... © Chris Hinz

Unser eigenes Equipment komplett in Kisten … © Chris Hinz

Der Versicherungsfall ist da nur eine Notlösung

Zwar hilft bei derartigen Schäden meist eine Instrumentenversicherung. Doch das stellt sich mitunter als Aufwand ungeahnten Ausmaßes heraus: Du hast regelmäßig die Versicherungsprämie bezahlt, jedoch der Papierkram, der jetzt fällig wird, will nicht wirklich irgendjemand machen! Mit der detaillierten Schilderung des Unfallhergangs wird sich die Versicherung den zu erstattenden Betrag beim Schadensverursacher zurückholen – und dann wird es mit der Beweisführung meist eng und aufwendig.

Ich habe früher auch gezögert, Geld für eine stabile Transportverpackung auszugeben – zudem sind Flightcases entsprechend ihrer stabilen Konstruktion recht kostspielig – doch rückblickend muss ich feststellen, dass mich der Kauf von Flightcases letztendlich viel preisgünstiger kam als die Summe der jährlichen Zahlungen für eine Instrumentenversicherung. Flightcases überzeugen auch durch ihre Übersichtlichkeit: Der Auf- und Abbau wird einfacher und geht zügiger von der Hand.

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Die heutigen Cases sind deutlich leichter

Auch hat sich in diesem Sektor viel getan: Bestanden die ersten Flightcases noch aus bis zu 9 mm starkem, schweren Multiplex-Sperrholz mit massiven und ebenfalls schweren Schaumstoffblöcken, sind heute solche Transportkisten auf dem Markt die wesentlich leichter sind: Sie werden aus ABS und Wabenkunststoff hergestellt und haben im Innern nur wenige Schaumstoffblöcke, die das Instrument an den wichtigsten Stellen fixieren. Die Funktionalität ist hier in genau gleicher Weise gegeben.

Sie sind so leicht, dass ich damit eines meiner 88-Tasten Keyboards für den Flug zu einem Konzert problemlos als Reisegepäck aufgeben konnte. Aufgrund seiner Ausmaße wurde es allerdings erst mit dem mehrere Stunden später startenden Flug befördert, aber von der Airline per Taxi noch rechtzeitig vor unserem Konzert in unser Hotel gebracht. Auch sowas gibt es. Und die Show war dann natürlich ein voller Erfolg.

Spezialanfertigung genau passend für einen Lucas Nano 602 Subwoofer © Chris Hinz

Spezialanfertigung genau passend für einen Lucas Nano 602 Subwoofer © Chris Hinz

Ganz unterschiedliche Arten von Flightcases

Heute stehen dir ganz individuelle Transportkisten in unterschiedlichen Größen und Ver­wen­dungs­zwecken zur Verfügung: Spezialkoffer für Gitarren, Keyboards, Saxophons und andere Musikinstumente, spezielle Kisten mit sortiertem Innenleben für kleines Equipment, die dadurch auch eine gewisse Ordnung erfahren. Cases für die Technik, Cases für IEM-Equipment und und und … Es können heute (fast) alle Wünsche bedient werden.

Selbstbau als Lösung?

Die Profile und Ecken der Cases bestehen heute meist aus Aluminium oder einem strapazierfähigem Kunststoff. Die Kistenwände können aus einem Carbonfasermaterial bestehen oder einem anderen leichten Verbundkunststoff. Mit etwas handwerklichem Geschick kannst du dir ein Flightcase individuell nach deinen Bedürfnissen auch selber bauen. Dazu sind keine Spezialwerkzeuge zum Bau deiner Wunschcase notwendig: Mit Stich- und Kreissäge, Nietzange, Bohrmaschine oder Akkuschrauber und ggf. einer Oberfräse sowie Gehrungssäge kannst du dir dein individuelles Kistchen bauen. Einen ungemein ausführlichen Bauplan hat flightcase-brico.com.

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Doch du kannst deine Flightcases aber auch individuell zusammenbauen lassen: Auf Casebuilder.com  oder auf Megacase.com  gibt´s einen Flightcase-Konfigurator. Einen Konfigurator hat auch Thomann: In seiner Casefactoy.html  bietet Thomann nach Kundenwünschen konfigurierbare Cases für jeden Zweck an …

Habt ihr Erfahrung mit Flightcasekonfiguratoren gesammelt? Und wie transportiert Ihr Euer Equipment? Welche lustigen (oder weniger lustigen) Erfahrungen habt Ihr dabei gemacht? Schreibt´s mir in die Kommentare …


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Chris Hinz
Chris Hinz verfügt über eine 6-jährige klassische Ausbildung am Piano und eine 3-jährige Ausbildung an der Sakralorgel. Er ist seit mehreren Jahrzehnten in der Musikszene Rhein Main aktiv und aktuell mit zwei Coverbands und einem Smooth Jazz Duo unterwegs. Chris Hinz ist freiberuflicher Unternehmensberater und war lange Zeit für ein namhaftes IT Unternehmen tätig.
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