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StartTechnik3. BühnentechnikTeleprompter für Sänger? So habe ich meine Texte bei Live-Auftritten immer parat
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Teleprompter für Sänger? So habe ich meine Texte bei Live-Auftritten immer parat

Die perfekte Kombination für Sänger – Setup auf der Bühne: Page Turner, Tablet und Halterung – mehr braucht es nicht. © Ursula Engelmann (KI-generiert)

In diesem Artikel geht es um ein Problem, das vor allem Sängerinnen und Sänger auf der Bühne betrifft – und natürlich auch darum, wie man es lösen kann: Texthänger bei Auf­trit­ten. Ich selbst bin seit über 20 Jahren Sänger, aktuell bei der Band LIO, und weiß daher genau, wie sich das anfühlt. Eigentlich kennt man alle Texte auswendig – aber sobald man auf der Bühne steht und die Anspannung dazukommt, kann es ganz schnell zu einem Blackout kommen. Oder man macht sich zumindest Sorgen, dass es passieren könnte.

Natürlich müssen sich auch andere Bandmitglieder Dinge merken – Akkordfolgen, Beats, Übergänge – aber Songtexte sind meistens deutlich schwieriger im Kopf zu halten. Vor allem, wenn man – wie wir – 30 bis 40 Songs im Repertoire hat. Und als Sänger steht man in der Regel im Mittelpunkt, was die Nervosität und damit auch die Fehleranfälligkeit zusätzlich erhöht. Was dieses Problem angeht, habe ich über die Jahre hinweg eine längere Entwicklung durchlaufen, die ich hier gerne kurz schildern möchte.

Die ersten Versuche: Notenständer und Textordner

Ganz am Anfang war natürlich der klassische Notenständer mit Textblättern meine Lösung. Ich spreche hier von Mitte der 2000er Jahre – digitale Hilfsmittel für Musiker gab es damals noch kaum. Der No­ten­stän­der war zwar funktional, störte aber aus meiner Sicht das Bühnenbild erheblich. Deshalb habe ich ihn nach den ersten Shows wieder abgeschafft.

Einer meiner ersten Auftritte mit Notenständer und der Band Season Four - geht gar nicht, oder?  © Leonard Stahl

Einer meiner ersten Auftritte mit Notenständer und der Band Season Four – geht gar nicht, oder? © Leonard Stahl

Die nächste Lösung war ein Leitz-Ordner, in dem ich meine ausgedruckten Texte abgeheftet hatte. Den habe ich dann mit Gaffa-Tape schräg am unteren Teil meiner Monitorbox befestigt, sodass ich während der Show darauf spicken konnte.

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Die Texte waren extra groß und fett gedruckt – teilweise auf zwei Seiten – damit ich sie auch mit etwas Abstand noch lesen konnte. Im Vergleich zum Notenständer war das schon besser, weil das Teil auf der Bühne nicht zu sehen war. Allerdings musste ich zwischen den Songs umblättern, was bedeutete, dass ich mich jedes Mal bücken musste – das sah natürlich auch nicht besonders professionell aus.

Der alte Textordner. Die Tape Spuren sind noch deutlich sichtbar ... © Leonard Stahl

Der alte Textordner. Die Tape Spuren sind noch deutlich sichtbar … © Leonard Stahl

Umstieg aufs Tablet – endlich kein Papierchaos mehr

Mit der Zeit kamen dann die Tablets auf den Markt. Auch ich legte mir ziemlich schnell ein solches Werkzeug für die Bühne zu – inklusive passender Mikrofonständer-Halterung von König & Meyer.

Das war definitiv ein Fortschritt: kein Papierchaos mehr, kein nerviges Getape. Zwar hatte ich immer noch ein Gerät sichtbar auf der Bühne stehen, aber ein Tablet mit Halterung war wesentlich unauffälliger als ein Notenständer. Umblättern musste ich zwar nach wie vor von Hand, aber das Ganze war insgesamt deutlich angenehmer und unauffälliger zu handhaben. So lief es einige Jahre lang – bis zu einem ganz bestimmten Gig.

LIO live in der Kammgarn Kaiserslautern im September 2020. Das Tablet ist zwar unauffällig, aber sichtbar. © André Gmür

LIO live in der Kammgarn Kaiserslautern im September 2020. Das Tablet ist zwar unauffällig, aber sichtbar. © André Gmür

Der Wendepunkt: Intervention vor dem großen Auftritt

Unsere Band LIO  gibt es inzwischen seit über zehn Jahren. In den Anfangsjahren haben wir vor allem kleinere Shows gespielt und oft einfach genommen, was wir kriegen konnten. Für dieses Level war mein damaliges Setup völlig in Ordnung. Als Sänger hat man meistens sowieso weniger Equipment als der Rest der Band – in meinem Fall waren das zu dieser Zeit maximal mein In-Ear-System von Sennheiser, mein Mikrofon und mein Tablet plus K&M Ständer.

 

Mit den Jahren haben wir uns in der Region Westpfalz einen Namen erspielt und die Gigs wurden größer. Im Mai 2023 stand dann unser bis dato größter Auftritt an: Support für die schwedische Rockband Thundermother  in der Kammgarn Kaiserslautern  – ausverkauftes Haus, vor über 1.000 Zuschauer*innen.

Ein paar Wochen vor dem Auftritt kam es dann in der Probe zu einer Art Intervention. Meine Bandkollegen sprachen mich an und meinten: „Leo, das ist die größte Location und das größte Publikum, vor dem wir je gespielt haben. Willst du da wirklich mit Tablet auf die Bühne gehen? Kannst du die Songs nicht auswendig lernen? Oder dir wenigstens was anderes überlegen?“

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Sie hatten natürlich recht. Mit Tablet auf der Bühne, an dem ich nach jedem Song herumhantieren muss, wirkt das einfach nicht besonders professionell – und schon gar nicht locker. Es passt nicht zu einer Rockband. Ich wusste: Ich muss etwas ändern.

Provisorische Lösung: Zettel auf dem Bühnenboden

Die Show sollte 45 Minuten gehen – also nicht allzu viele Songs. Für diesen Auftritt entschied ich mich, nochmal zu Tape und Papier zurückzukehren. Ich klebte mir DIN A 4 Zettel mit den ersten Zeilen der Strophen auf den Bühnenboden – direkt zu meinen Füßen. Nur für die Songs, bei denen ich mir nicht 100% sicher war. Der Rest musste auswendig gehen. Vor dem Auftritt ging mir ganz schön die Flatter (nicht nur wegen den Texten). Doch die Show lief ausgesprochen gut und ohne Texthänger, meine Zettel erfüllten diesmal noch ihren Zweck.

Aus dieser Perspektive erkennt man ganz gut die Zettelwirtschaft auf der Bühne ... © Leonard Stahl

Aus dieser Perspektive erkennt man ganz gut die Zettelwirtschaft auf der Bühne … © Leonard Stahl

Dennoch wusste ich sofort: So kann es auf Dauer nicht weitergehen. Abgesehen von der Zet­tel­wirt­schaft ist man mit dieser Methode stark von den Lichtverhältnissen abhängig. Außerdem hat man bei spontanen Setlist-Änderungen nicht immer jeden Songtext parat, es sei denn, man möchte die Bühne vor jedem Auftritt komplett mit Notizzetteln tapezieren. Professionell ist anders.

Von vorne waren die Spickzettel zum Glück nicht sichtbar. © André Gmür

Von vorne waren die Spickzettel zum Glück nicht sichtbar. © André Gmür

Texthänger sind nicht immer ein Lernproblem – sondern oft Kopfsache

Natürlich werden jetzt viele sagen: „Warum lernst du die Songs nicht einfach auswendig? Das ist dein Job als Sänger. Die Instrumentalist*innen machen das doch auch.“  Ja, das ist theoretisch natürlich richtig – und Respekt an alle, die das können.

In meinem Fall ist es aber vor allem eine psychologische Sache. Ich kenne meine Texte eigentlich – aber wenn ich weiß, dass ich im Notfall nachschauen kann, gibt mir das eine gewisse Sicherheit. Meistens brauche ich diesen „doppelten Boden“ auch gar nicht – aber er beruhigt mich. Habe ich diese Ab­siche­rung nicht, werde ich automatisch unruhiger. Ich fange an, zwischen den Strophen über den nächsten Textanfang nachzudenken, verunsichere mich selbst – und mache dann vielleicht tatsächlich Fehler. Aus Gesprächen mit anderen Sänger*innen weiß ich: Vielen geht es genauso.

Inspiration von den Stars: Songtexte auf Monitoren

Ich begann zu recherchieren. Schließlich haben nicht nur kleine Bands oder semiprofessionelle Musiker*innen dieses Problem – sondern auch die ganz Großen. Bei Live-Mitschnitten großer Konzerte sieht man es manchmal: Monitore auf der Bühne, auf denen der gerade gesungene Songtext mitläuft. Oft stehen diese Monitore dort, wo normalerweise auch die Bühnenmonitore für den Sound platziert sind. Teilweise gibt es mehrere Bildschirme.

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Solche Systeme sind jedoch im normalen Handel kaum erhältlich – und wenn doch, dann extrem teuer. Für die meisten unserer Gigs wären sie außerdem völlig überdimensioniert. Also war klar – Diese Lösung ist für mich keine Option. Aber ich dachte mir – das muss doch auch eine Nummer kleiner gehen.

Eine gute Lösung: Page Turner, Tablet und unsichtbare Halterung

Nach längerer Suche stieß ich auf eine Lösung, die für mich bis heute perfekt funktioniert – und die ich seitdem bei Dutzenden Konzerten erfolgreich im Einsatz habe: ein Bluetooth Page Turner. Dabei handelt es sich um ein kleines Gerät, mit dem man digitale Textseiten auf dem Tablet mit dem Fuß umblättern kann – völlig unauffällig und ohne, dass man irgendetwas in die Hand nehmen muss. Nach Vergleichen und dem Lesen von einigen Rezensionen entschied ich mich für den AirTurn Duo 500  – ein Page Turner, den man aktuell für knapp 100,- € bei Thomann bekommt. Natürlich gibt es auch teurere oder güns­ti­ge­re Geräte, aber ich selbst habe bislang nur dieses eine ausprobiert – und bin bis heute vollkommen zufrieden damit.

Als Tablet benutze ich ein älteres iPad, doch auch ein günstigeres Gerät würde hier vollkommen ausreichen. Doch die Kopplung mit dem AirTurn Duo 500 funktioniert idiotensicher über die Bluetooth-Einstellungen des Tablets. Einschalten, Gerät auswählen – fertig.

Die passende App: OnSong für Songtexte und Setlists

Für meine Texte nutze ich die App OnSong, die ich mir vor vielen Jahren für knapp 30 Euro gekauft habe. Ich speichere meine Songtexte in einem Dropbox-Ordner als Word-Dokument und lade sie direkt über die App auf das Tablet. In OnSong kann ich für jeden Auftritt eine eigene Setlist erstellen. Während der Show klicke ich mich dann einfach mit dem Page Turner durch die Texte – ganz ohne das Tablet anfassen zu müssen. Kein Umblättern von Hand, kein Bücken. Ob jetzt OnSong  die beste Wahl ist, kann ich nicht beurteilen – für mich funktioniert es seit Jahren und ich habe nie etwas anderes gebraucht.

Tablet + Halterung: Simpel und maximal effizient. © Leonard Stahl

Tablet + Halterung: Simpel und maximal effizient. © Leonard Stahl

Optische Integration: Unauffällige Halterung statt Tablet-Ständer

Ein wichtiger Punkt war mir noch die Optik. Den klassischen Tablet-Ständer von König & Meyer wollte ich nicht mehr auf der Bühne stehen haben – das war mir zu auffällig. Also habe ich mir eine Tablet-Halterung aus Holz bei IKEA besorgt (ein passendes Modell bei Amazon findet ihr HIER). Diese habe ich mit schwarzem Lackspray lackiert, weil mir die helle Holzoptik für dunkle Bühnen zu auffällig war. Mein Tablet steckt ohnehin in einer schwarzen Hülle.

Meine Tablet-Bodenhalterung hat schon einige Gebrauchsspuren, funktioniert aber fantastisch © Leonard Stahl

Meine Tablet-Bodenhalterung hat schon einige Gebrauchsspuren, funktioniert aber fantastisch © Leonard Stahl

Hinweise zur Praxis: Je nach Größe der Bühne ist der Blickwinkel auf das Tablet nicht immer ideal. Dieses Problem lässt sich aber leicht lösen, indem man einen Gegenstand vorne unter die Halterung legt – bei mir ist das meistens eine Rolle Tape, die ich ohnehin bei jedem Gig dabeihabe.

So sieht das ganze mit professioneller Tape-Stütze aus. © Leonard Stahl

So sieht das ganze mit professioneller Tape-Stütze aus. © Leonard Stahl

Sobald das Fußpedal verbunden ist, lege ich es mir in Reichweite auf den Boden. Dank rutschfester Unterseite bleibt es stabil liegen, und ich kann ganz unauffällig mit dem Fuß weiterblättern, wenn ich es brauche (Siehe Titelbild).

Ergebnis: Maximale Sicherheit bei minimalem Aufwand

Meiner Meinung nach ist es völlig egal, was auf oder hinter der Bühne passiert und welche Hilfsmittel Musiker*innen nutzen, um eine gute Show abzuliefern. Ob ein Sänger seine Texte auswendig kann oder sie irgendwo abliest – entscheidend ist allein, ob es das Publikum bemerkt oder eben nicht.

Man kann sagen, was man will: Es sieht einfach besser und professioneller aus, wenn man ohne sichtbare Hilfsmittel auf der Bühne steht. Bei kleinen Akustik-Gigs nutze ich nach wie vor meinen alten Tablet-Ständer – dort sitze ich meistens auf einem Barhocker, und das Fußpedal ist da nicht praktikabel. Außerdem ist bei Akustik-Gigs die Atmosphäre eine andere, da stört es weniger.

Das Tablet im Einsatz bei einer LIO Akustik Show. © Leonard Stahl

Das Tablet im Einsatz bei einer LIO Akustik Show. © Leonard Stahl

Aber für alle Shows mit kompletter Bandbesetzung ist das Setup mit Tablet, OnSong-App und AirTurn Page Turner für mich die perfekte Lösung. Alles passt in einen Rucksack oder eine kleine Tasche und sorgt dafür, dass ich mich auf der Bühne sicher und frei bewegen kann, ohne dass jemand merkt, dass ich technische Unterstützung nutze. Außerdem ist es nicht besonders teuer – mit einem günstigen Tablet kommt man wahrscheinlich mit einmalig 200,- € – 300,- € hin.

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Ich freue mich sehr, wenn dieser Beitrag andere Musiker*innen inspiriert und euch hilft die ein oder andere schlechte Entscheidung zu ersparen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Eure Erfahrungen?

Wie macht ihr das mit Songtexten auf der Bühne? Hattet ihr schon mal Texthänger? Nutzt ihr Teleprompter, Tablets oder andere Hilfsmittel? Schreibt uns gerne einen Kommentar – wir sind gespannt auf eure Lösungen.

Übrigens: Einen weiteren Artikel zum Einsatz von Telepromptern auf der Bühne findet ihr hier: Bühnenautomation: Ein Praxisbericht über Teleprompter – kleine Helfer bei plötzlichen Blackouts …


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