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Bonität in der Eventbranche: Da kann es finanziell eng werden – eine Analyse und Tipps

© KI-generiert, Engelmann Promotion

Die Eventbranche in Deutschland steht nach der Coronakrise insgesamt wieder ganz ordentlich da. Viele Unternehmen sind seit Jahren am Markt, die Bonität ist in der Regel gut und die Struktur klar mittelständisch. Trotzdem zei­gen aktuelle Zahlen auch Schwachstellen.

Vor allem bei Eventlocations und beim Zahlungs­ver­hal­ten gibt es Risiken, die sich direkt auf Pro­duk­tio­nen und Dienst­leis­ter auswirken können. Wer in der Branche arbeitet, sollte das nicht nur wissen, sondern auch praktisch einordnen können.

Wo es finanziell eng werden kann

In der Eventbranche wird fast immer erstmal geleistet, bevor Geld fließt. Technik wird res­er­viert, Personal gebucht, Material eingekauft, Transporte werden geplant. Bezahlt wird meist­ens erst nach dem Event. Genau das aber macht die Branche anfällig, gerade wenn ein Kunde oder ein Partner wirtschaftlich nicht stabil ist.

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Eine aktuelle Auswertung von Creditsafe Deutschland zusammen mit eventcompanies.de zeigt: Die Lage ist insgesamt besser, als manche vielleicht vermuten. Viele Unternehmen sind lange am Markt, die Bonität ist häu­fig ordentlich und die Branche ist klar mittelständisch geprägt. Doch gleichzeitig wird sicht­bar, wo es heikel werden kann. Vor allem bei Eventlocations fällt eine geringe Kapitaldecke auf. Auch beim Zahlungsverhalten gibt es Unternehmen, bei denen man besser zweimal hinschaut.

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© Creditsafe Deutschland

Nicht nur für Geschäftsführungen oder Buchhaltung ist das wichtig. Auch für die Startups der Branche ist das von Belang. Denn gute Projekte scheitern nicht nur an schlechter Planung oder Tech­nik­pro­ble­men – manchmal scheitern sie schlicht daran, dass Geld zu spät kommt.

Eine erfahrene Branche mit kaum neuen Firmen

Die Zahlen zeigen zuerst einmal: Die Eventbranche besteht in Deutschland überwiegend aus erfahrenen Unternehmen. 74,9 Prozent der Firmen sind älter als 15 Jahre. Unternehmen, die erst seit null bis einem Jahr am Markt sind, machen nur 0,3 Prozent aus.

Das passt zum echten Leben. In der Eventbranche reichen allein gute Ideen nicht. Wer länger bestehen will, braucht Erfahrung, belastbare Kontakte, Routine und die Fähigkeit, auch unter Druck sauber zu arbeiten. Besonders deutlich wird das bei Ser­vice­dienst­leis­tern. Dort sind 80,1 Prozent der Un­ter­neh­men älter als 15 Jahre. Im Messebau sind es 78,4 Prozent.

© Creditsafe Deutschland

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Das ist erstmal ein gutes Zeichen. Erfahrung sorgt für stabilere Abläufe und realistischere Kalkulationen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass die Branche nicht besonders stark von neuen Fir­men­grün­dun­gen getrieben wird. Neue Impulse kommen da eher aus be­ste­hen­den Betrieben, die ihre Abläufe kontinuierlich optimieren und wirtschaftlich professioneller arbeiten.

Der Mittelstand bestimmt das Bild

Auch die Unternehmensgrößen zeigen ziemlich klar, wie die Branche aufgebaut ist. 92,5 Prozent der Unternehmen gelten als eher klein (weniger als 30 Beschäftigte), 4,4 Prozent als mittelgroß (bis 250 Beschäftigte) und 3,1 Prozent als groß (mehr als 250 Beschäftigte).

Die Eventbranche ist also vor allem Mittelstand. Das hat Vorteile, weil kleine und mittlere Unternehmen (KMU´s) oft flexibler sind und nah am Kunden arbeiten. Gleichzeitig bedeutet das aber auch: Viele Betriebe haben keine riesigen Reserven, wenn Zahlungen ausbleiben oder sich verschieben.

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Ein interessanter Punkt ist das Segment der Servicedienstleister: Hier liegt der Anteil mittlerer und großer Unternehmen bei 15,9 Prozent. In diesem Bereich gibt es häufiger größere und komplexere Strukturen. Das kann bei größeren Produktionen helfen, erhöht aber auch den Druck: Wer viele Jobs parallel fährt, muss oft auch viel Geld gleichzeitig vorstrecken.

Je größer der Betrieb, desto öfter und auch stärker muss er in Vorleistung gehen …

Die Bonität ist oft gut – doch die Locations fallen auf

Beim Blick auf die Bonität ergibt sich insgesamt ein ordentliches Bild. 72,2 Prozent der Unternehmen liegen in den guten Score-Klassen A und B. Davon entfallen 28,1 Prozent auf die Klasse A und 44,1 Prozent auf B. Besonders positiv fällt das Segment Service auf: 36,7 Prozent der Servicedienstleister erreichen die Bestklasse A. Das spricht dafür, dass dort oft professionell gearbeitet wird und Risiken gut gesteuert werden.

© Creditsafe Deutschland

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Anders sieht es bei Eventlocations aus. Sie zeigen die höchste Konzentration in den schwächeren Score-Klassen D und E. Zusammen sind das immerhin 16,1 Prozent.

Das überrascht nicht wirklich. Die Locations haben i.d.R. hohe feste Kosten. Gebäude, Miete, Energie, Instandhaltung, Personal, Versicherungen und laufender Betrieb kosten Geld – egal, wie gut die Umsätze gerade ist. Wenn dann Veranstaltungen wegfallen, Budgets gekürzt werden oder kurzfristige Absagen reinkommen, wirkt sich das schnell auf die wirtschaftliche Stabilität aus. Für alle Ver­an­stal­tungs­dienst­leis­ter, die mit Locations zu­sam­men­ar­bei­ten, ist das ein wichtiger Punkt. Denn wenn eine Location finanziell unter Druck gerät, betrifft das oft schnell mehr als nur den Betreiber selbst.

Beim Zahlungsverhalten spätestens zeigt sich, wie angespannt die Lage wirklich ist

Noch spannender als die Bonität ist im Alltag oft das Zahlungsverhalten. Denn ein guter Score allein hilft wenig, wenn Rechnungen trotzdem deutlich zu spät bezahlt werden. Im Durchschnitt zahlen nur 45,2 Prozent der Unternehmen fristgerecht. Das ist zwar noch okay, aber eben nicht besonders stark. Besser schneiden Agenturen, Messebauer und Tech­nik­un­ter­neh­men ab: Hier werden rund 57 bis 59 Prozent der Rechnungen pünktlich bezahlt. Wieder kritisch ist es bei Eventlocations und Servicedienstleistern. In beiden Bereichen liegt der Anteil der Unternehmen mit mehr als 16 Tagen Zahlungsverzug bei über 23 Prozent.

Und genau hier wird das Thema für die Praxis richtig wichtig. Die Eventbranche funk­tio­niert über Vorleistung. Wer Technik, Personal oder Material schon bezahlt oder fest eingeplant hat, kann es sich nicht leisten, lange auf Geld zu warten. Wenn Zahlungen hängenbleiben, zieht das oft größere Kreise. Dann werden eigene Rechnungen später bezahlt, Zahlungsziele werden enger und Projekte im Zweifel teurer kalkuliert.

Für Neulinge in der Branche eine wichtige Lektion:
Gute Projektarbeit heißt nicht nur, dass Aufbau, Ablauf und Show stimmen –
gute Projektarbeit heißt auch, dass die kaufmännische Seite sauber geregelt ist.

Kreditlimits: Meist überschaubar, teils aber auch deutlich höher

Die Kreditlimits spiegeln die mittelständische Struktur ebenfalls gut wieder: 61,6 Prozent der Unternehmen liegen bei unter 50.000 Euro. Das zeigt, dass viele Betriebe nicht end­los Spielraum haben, wenn Forderungen ausfallen oder sich verzögern. Gleichzeitig gibt es auch größere Unternehmen mit mehr Luft. 13,1 Prozent haben Kre­dit­li­mits von über 250.000 Euro, 3,2 Prozent sogar von mehr als 1 Million Euro. Besonders im Service-Segment gibt es stärkere Player. Dort erreichen 22,1 Prozent Kreditlimits über 250.000 Euro.

Das ist hilfreich, wenn mehrere große Produktionen parallel laufen. Aber auch ein hohes Kreditlimit ist kein Freifahrtschein. Es bringt nur dann wirklich Sicherheit, wenn die Zah­lungs­ein­gän­ge verlässlich sind.

Die Entwicklung ist leicht positiv – aber die Branche bleibt in Bewegung

Seit Januar 2025 zeigt sich bei den Scores eine leicht positive Tendenz. 43,7 Prozent der Unternehmen haben sich verbessert, 39,4 Prozent verschlechtert, 16,9 Prozent blieben unverändert. Das zeigt, wie beweglich die Lage in der Eventbranche ist. Hier kann sich vieles schnell ändern. Buchungslage, Investitionsbereitschaft, Konjunktur und Kun­den­bud­gets wirken direkt auf die Unternehmen. Wer seine Kosten im Griff hat und offene Forderungen sauber steuert, kann sich stabilisieren. Wer mehrere Ausfälle oder Ver­zö­ge­run­gen gleichzeitig auffangen muss, gerät schneller unter Druck.

© Creditsafe Deutschland

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Was das für die Praxis bedeutet

Die Eventbranche ist nicht grundsätzlich wacklig. Im Gegenteil: Viele Unternehmen sind erfahren und solide aufgestellt. Trotzdem gibt es ein paar Stellen, an denen das Risiko höher ist. Gerade dort, wo viel vorfinanziert wird, sollte man sich nicht nur auf Vertrauen verlassen.

Vertrauen ist wichtig:
Ohne Vertrauen funktioniert diese Branche nicht.
Doch Vertrauen ersetzt eben keine Prüfung und keine sauberen Abläufe.

So können sich Dienstleister besser absichern

Wer sich in der Eventbranche besser absichern will, muss das Rad nicht neu erfinden. Ein paar Dinge bringen schon viel. Wichtig ist, neue Kunden und größere Aufträge vorab zu prüfen. Eine Bo­ni­täts­aus­kunft ist keine Unhöflichkeit, sondern schlicht professionell. Au­ßer­dem hilft es, Zahlungen aufzuteilen. Also nicht alles erst nach dem Event abrechnen, sondern mit Anzahlungen und Abschlägen arbeiten. Das nimmt Druck aus der eigenen Vorleistung.

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Ebenso wichtig sind klar formulierte Verträge, eindeutige Zahlungsziele und eine saubere Do­ku­men­ta­tion. Was beauftragt wurde, was zusätzlich dazugekommen ist und wann etwas abgenommen wurde, sollte nicht irgendwo zwischen Tür und Angel hängenbleiben. Auch das Forderungsmanagement gehört dazu. Offene Rechnungen sollten nicht ewig mitgeschleppt werden. Und wer früher nachfasst, hat am Ende die besseren Chancen.

Factoring

Ein Thema, das für viele kleiner klingt, als es ist: Dabei verkauft ein Unternehmen offene Rechnungen an einen Dienstleister und bekommt einen Großteil des Betrags direkt ausgezahlt. Das kostet zwar Geld, kann aber helfen, die eigene Liquidität zu sichern. Gerade dann, wenn mehrere Produktionen gleichzeitig laufen und viel Kapital in der Luft hängt, kann das ein sinnvoller Baustein sein.

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© Engelmann Promotion

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Dazu kommen die Basics, die oft den Unterschied machen: Anzahlungen vereinbaren, Leistungen sauber bestätigen lassen, Zusatzaufwand schriftlich festhalten und bei unguten Signalen lieber früher als später reagieren.

Zum Schluss

Die aktuellen Zahlen zeigen eine Eventbranche mit stabilem Kern. Viele Unternehmen sind erfahren, viele Bonitätswerte sind ordentlich, und die Struktur ist insgesamt gesund. Gleichzeitig gibt es klare Schwachstellen – besonders bei Eventlocations und beim Zahlungsverhalten einzelner Bereiche.

Für die Praxis bedeutet das: Gute Projekte brauchen nicht nur Kreativität, Timing und saubere Technik. Sie brauchen auch wirtschaftliche Klarheit. Wer Risiken früh erkennt, vernünftig absichert und seine Forderungen im Griff hat, steht am Ende stabiler da.

Quellenhinweis

Für Teile des Artikels haben wir die Auswertung von Creditsafe Deutschland in Zusammenarbeit mit eventcompanies.de genutzt, veröffentlicht am 15. März 2026.


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Jörg Kirschhttp://www.kirsch-veranstaltungstechnik.de
Jörg Kirsch studierte ab 1981 Elektrotechnik in Kaiserslautern. An der Universität leitete er zwei Jahre lang das Kulturreferat und startete parallel dazu seine Firma für Veranstaltungstechnik mit eigener Ingenieur- und Entwicklungsabteilung. Auf sein Konto gehen weit mehr als 10.000 persönlich betreute Veranstaltungen, unter anderem die Realisation eines Bon-Jovi Konzertes zusammen mit Jet-West. Als gefragter Partner für Eventberatung ist er für mehrere Firmen tätig, u.a. als Bühnenmeister für das Kulturreferat Kaiserslautern. Mit seiner Firma betreut er mehrere Eventlocations, entwickelt spannende Veranstaltungsformate und bietet Ausbildungen im Veranstaltungsbereich. Persönlich liegt ihm der Support und die Entwicklung junger Künstler am Herzen. Mit Begeisterung engagiert er sich in mehreren Netzwerken, um auch hier die regionale Kulturszene zu fördern.
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