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Freitag, Dezember 2, 2022
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    Studiomonitore oder Studiokopfhörer – Was ist besser zum Mischen?

    Monitor versus Headphone / © Rodnae Productions by Pexels

    aus dem Englischen Andy C.

    Hast du bereits ein solides Paar Studiomonitore? Und gute Erfahrungen damit gemacht? Oder hat dir vielleicht ein “Clickbait-Video” auf YouTube gesagt, dass all deine Mixing- und Mastering-Probleme sofort verschwinden, wenn du einfach beginnst, mit diesem speziellen Paar Studio-Kopfhörer zu arbeiten? Und jetzt fragst du dich, ob stattdessen ein guter Studio-Kopfhörer besser funktionieren würde …

    Nun ja. Diese Aussagen sind ohne bessere und detaillierte Erklärung irreführende Information. Bevor wir uns also eingehender mit Studiomonitoren  im Vergleich zu Studiokopfhörern  befassen, wollen wir zunächst ein paar grundsätzliche Dinge klären.

    1. Sowohl Studiomonitore als auch Kopfhörer bieten einfach unterschiedliche Vor- und auch Nachteile.
    1. Und nein, deine Mixe sind nicht deshalb besch… eiden, weil du nicht den “richtigen” Kopfhörer oder Monitore hattest.

    Wie sind Studiomonitore ausgelegt?

    „Ich habe bereits ein hochwertiges Paar Bose-Lautsprecher, die ich üblicherweise für den satten Sound an meinem Fernseher verwende! Würden die nicht gehen?”

    Dazu muss man jedoch wissen, dass die meisten Heim-Audiosysteme so konzipiert sind, dem Zuhörer das bestmögliche Erlebnis für den Musikgenuss zu liefern. Und um dies zu erreichen, werden normalerweise Bässe oder die Höhen angehoben, um einen „volleren” Klang zu liefern (Loudness).

    Mit Studiomonitoren hören (die günstigste Variante: Mackie CR3-X BT ) / © Mackie

    Der Hauptunterschied hier: Studiomonitore sind so gebaut, dass sie das Audio, dass bei ihnen ankommt, so exakt wie möglich darstellen. Das ist wichtig, denn Musiker sollten ihre Arbeit genauso hören können, wie sie wirklich klingt, um während des Mix- und Mastering-Prozesses die richtigen Entscheidungen zu treffen. Studiomonitore geben den Sound also absolut neutral (linear) wieder.

    Also nochmal im Einzelnen:

    • Studiomonitore haben einen linearen Frequenzgang
    • Dies gibt dem Zuhörer eine genauere Darstellung seiner Musik
    • Es gibt mehr “Trennung” in den Klängen und Frequenzen, was ein kritisches Hören und Mischen ermöglicht

    Studiokopfhörer: Die Unterschiede

    Es gibt zwei Bauweisen von Studiokopfhörern – geschlossene Rückseite und offene Rückseite. Ob ein Kopfhörer offen oder geschlossen ist, hat nichts mit dem Kopfhörer-Typ zu tun. Auch ohrenumschließende “Over-Ear-Kopfhörer” können offene Kopfhörer sein. Die Begriffe beziehen sich auf die Bauart der Hörmuscheln.

    • Studiokopfhörer mit geschlossener Rückseite (Closed Back): Geschlossene Kopfhörer sind um die Rückseite herum versiegelt. Aus diesem Grund bieten sie ein “intimeres” Hörerlebnis, oft mit erhöhter Basswahrnehmung und ohne Ablenkung durch Geräusche der Außenwelt. Der Kopfhörer bietet eine gute Schallisolation hat aber Schwächen bei der Stereowiedergabe.
    • Studiokopfhörer mit offener Rückseite (Open-Back): Bei offenen Kopfhörern ist die Rückseite der Hörmuscheln aus einem durchlässigen Material gefertigt und perforiert. Dadurch ist der Klang transparenter und räumlicher. Allerdings dringen da auch Störgeräusche an das Ohr sowie Teile des Audio-Signals nach außen, was für die Umgebung möglicherweise als störend empfunden werden kann.

    Praktisch formuliert: Damit die Sängerin in der Gesangskabine auch noch etwas von der Band hört, braucht sie offene Studio-Kopfhörer. Der Toningenieur dagegen greift während seiner nächtlichen Mixing-Sessions zu den geschlossenen Kopfhörern.

    Doch es kommt nicht nur auf den Sound an! Bei der Wahl eines Studio-Kopfhörers solltest du auch auf den Tragekomfort achten. Sonst wird auch der Kopfhörer mit dem besten Klang im Studio-Alltag zur Belastung.

    Wichtig bei der Wahl des Kopfhörers ist – wie auch bei den Studiomonitoren – ein linearer Frequenzgang, damit analytisches Arbeiten möglich ist. Ein beschönigter Frequenzbereich ist da kontraproduktiv …

    Was ist bei Kopfhörern sonst noch zu beachten?

    Der Kopfhörer-Typ natürlich. In-Ear, On-Ear oder besser Over-Ear? – On-Ears  sitzen nicht ganz so fest am Ohr. Der Klang dringt zuweilen nach außen und kann womöglich die hörende Umgebung beeinträchtigen. Umgekehrt kann der Träger in seiner Umgebung noch partiell etwas wahrnehmen.

    Over-Ears  dagegen schirmen den Klang gut ab. Sie sind allerdings meist etwas schwerer als On-Ears. Dafür sind sie bei längerem Einsatz durch das große Ohrmuschelpolster etwas bequemer.

    Bei In-Ears  sitzt die Klangquelle recht dicht vor dem Trommelfell, das klingt sehr direkt und nah, birgt aber auch die Gefahr der Hörschädigung und der zu starken Abschottung von Außengeräuschen. Auch arbeitet dass Aktive Noise Cancelling (Geräuschunterdrückung) in der Regel nicht so effektiv wie bei On-Ear oder Over-Ear-Kopfhörern.

    In der Studioproduktion spielten In-Ears bisher kaum eine Rolle, denn klanglich ergeben gerade preiswerte In-Ears nicht die Tiefe und Räumlichkeit, die Over-Ear- oder On-Ear-Kopfhörer bieten. Was meinst du? Hast du schon Erfahrungen mit InEars im Studio gemacht? Es wäre hochinteressant auch andere Meinungen und Erfahrungen zu hören – schreibt´s mir in die Kommentare …

    Studiomonitore oder Studiokopfhörer für´s Mixing?

    Wie immer ist die Antwort nicht ja oder nein, denn wie so oft kommt´s darauf an …

    Gut, wenn man beides hat … / © Mackie

    Wenn dir ein ausreichendes Budget zur Verfügung steht und du auf deine Studioumgebung nicht soviel Acht geben musst, wäre es natürlich ideal auf beide Möglichkeiten zugreifen zu können. An dieser Stelle stellen wir einfach mal die Vorteile von Monitoranlagen und Kopfhörern stichpunktartig gegenüber:

    Studiomonitore

    • Neutraler also linearer Frequenzgang. Deswegen kannst du das was aus Monitoren kommt, prinzipiell besser einschätzen. Studiomonitore sollen denn auch den natürlichen Schallquellen entsprechen.
    • Verhindert, dass „Ohrermüdung“ oder „Ohrblindheit“ zu schnell auftritt, weil die Audioquelle etwas weiter von dir entfernt ist.
    • Studiomonitore geben die Akustik räumlicher wieder; wie wirkt dein Track, wie klingt er in dem Raum? (Voraussetzung: gute Raumakustik)
    • Du bekommst das Stereobild, dass du auch beim natürlichen Hören hast. Die Räumlichkeit wird richtig abgebildet. Bei Kopfhörern bildet sich die Stereoempfindung mitten im Kopf, doch das natürliche Hören spielt sich zwischen den Ohren ab.
    • Außerdem bieten gute Monitore eine bessere Klangtrennung und Klarheit der einzelnen Instrumente als die meisten Kopfhörer.

    Studiokopfhörer

    • Beim Mixing in geringer Lautstärke sind winzige Details leichter heraus zu hören. Kopfhörer wirken wie eine akustische Lupe, denn es können mehr Feinheiten gehört werden.
    • Ideal für den Einsatz, wenn Sie ruhig sein müssen (z. B. wenn es spät in der Nacht ist oder Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen)
    • Open-Back-Kopfhörer bieten ein direkteres Erlebnis als Monitore
    • Bei Kopfhörer kann man den Raumhallfaktor bzw. den Raumeinfluss ausschließen – gerade bei einer miesen Raumakustik.
    • Es ist einfacher, Phasenprobleme zu erkennen, wenn einzelne Spuren links oder rechts im Stereospektrum platziert werden sollen
    • Kostenfrage: Ordentliche Kopfhörer bekommst du schon für 150,- bis 200,- €. Gute aktive Nahfeldmonitore (Studiomonitore) liegen bei 200,- bis 250,- € das Stück.

    Am Ende des Tages bist jedoch du der einzige, der deinen Mix auf die nächste Qualitätsstufe heben wird. Es gibt kein Gerät auf der Welt, das ein geschultes Ohr oder einen erfahrenen Studiotechniker übertreffen kann, der mit Geschick und präzisem Wissen arbeitet.

    Profistudio mit großen Monitoren und mehr Abstand zum Techniker + kleinen Nahfeldmonitoren am Rand des Arbeitstisches / © Stefan Schweihofer für Pixabay

    Meinung

    Studiomonitore sind für mich aufgrund ihres linearen Frequenzgangs und auch der geringen Ermüdung der Ohren die bessere Option zum Mischen. Es kann zwar zu längeren Mixing Sessions führen, doch der räumliche Eindruck ist für mich wichtig. Und obwohl du den Gig im Club oder einen großes Konzert in deinem eigenen Studio niemals genau emulieren kannst, ist es wichtig, zu hören, wie dein Track (insbesondere das Low-End) mit einem Raum interagiert, um die nötigen Mixing-Entscheidungen zu treffen.

    Nach meiner persönlichen Vorliebe verwende ich Kopfhörer für den eigentlichen Produktionsprozess, um mich der Musik „näher zu fühlen“, während ich sie erstelle. Danach wechsle ich dann für den Mixing-Prozess zu meinen 8-Zoll-Monitoren.

    Hier gibts jetzt noch ein paar Beispiele von Mackie zu Studiomonitoren  bei Thomann zum ausprobieren (30 Tage Rückgabe-Garantie) sowie Beispiele von Studiokopfhörern  auch von Mackie .

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