Project Description

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In-Ear-Monitoring – der Knopf im Kopf

von Jörg Kirsch

Wer mit  “Knopf im Ohr” auf der Bühne rumläuft, ist aller Wahrscheinlichkeit nach kein animiertes Mitglied der berühmten Steiff-Stofftier Familie. Bei uns geht’s eher um die akustische Kontrolle für Musiker auf der Bühne und die führt nun mal über die Gehörgänge. Hier lernst Du alles über die Funktionsweise, die Komponenten, die praktische Anwendung und erhältst  wichtige Kriterien, die Dir die Auswahl erleichtern.

Iris, Maria und Nadine von der Band “A Sharp Thing” setzen auf High-End In-Ear Monitoring ( InEar-Stage-Diver SD-4)

Zum Inhalt:

Fester Bestandteil des Bühnenmonitorings

Bei vielen Stars oder auch regelmäßig spielenden Künstlern ist mittlerweile das sogenannte „In-Ear-Monitoring“ zum festen Bestandteil der Bühnenmonitoring, also der akustischen Selbstkontrolle geworden.

Wo früher viele große Monitorlautsprecher die Bühne dominierten, sieht man heute oft Musiker, die sich lediglich über Ohrstöpsel mit den nötigen musikalischen Informationen versorgen. Wir schauen uns mal an, was diese eindeutig platzsparende Monitorvariante eigentlich für den Musiker bedeutet.

1. Wie funktionierts?

Grundsätzlich hat der Musiker 2 Hörkapseln im Ohr, die durch einen vorgeschalteten Verstärker mit dem gewünschten Signal gespeist werden.
Es gibt:

  1. drahtgebundene Systeme für Musiker, die sich nicht auf der Bühne bewegen, also Kopfhörerverstärker oder Mischpult (Kopfhörerausgang).
  2. drahtlose Sendesysteme für z. B. Sänger oder Gitarristen. Hier wird das entsprechend vorgemischte Signal in einen stationären Sender eingespielt und von dort aus über einen batteriebetriebenen Empfänger/Verstärker, den der Musiker trägt (Gürtelempfänger) zu den Hörkapseln übertragen.

2. Die nötigen Komponenten

Abb: Hörkapseln

Professionelle Lösungen mit Standardformteilen werden von vielen Firmen angeboten wie Shure, Sennheiser, Hearsafe, Fischer-Amps, InEar etc. In aller Regel bezahlt man hier ab ca. 150 € aufwärts für ein Set. Die höherwertigen Systeme sind als Mehrwegesysteme ausgeführt. In Spitzenmodellen werkeln bis zu 10 Schallwandler (!) pro Ohrseite.

Tragekomfort

Manche Musiker arbeiten auch mit Hörgarnituren von z. B. Sony für ca. 50 €. Erfahrungsgemäß fehlt hier meist einerseits der Tragekomfort, andererseits sterben die Teile (Hifi) oft an mechanischer Überforderung oder elektrischer Überlastung. Wer möchte, kann sich beim Akustiker auch individuell angepasste Formteile  anfertigen lassen. (ca. 200 € ) Dabei muss man sich allerdings definitiv für einen Hörer entscheiden, da dieser ebenfalls abgeformt wird und hinterher ins Formteil eingeklickt wird.

Individualberatung

Otoplastiken werden mit guter Individualberatung auch als Komplettservice von deutschen  Firmen wie z.B. InEar oder Hearsafe angeboten.  Mittlerweile gibt es dort auch universelle High-End-Systeme, die meist über bessere Passeigenschaften als individuell angepasste Systeme verfügen.

Fisher In Ear Amp 2

1. Drahtgebundende Verstärkung

Viele Musiker arbeiten hier mit dem Kopfhörerausgang geeigneter Mischpulte (Mackie etc.) und können sich damit auch großartig ihre eigene Mischung erstellen. Tipp: Immer testen, ob der Kopfhörerausgang auch genügend Leistung zur Verfügung stellt.

Universal-Kopfhörer-Verstärker: Fischer In Ear Stick

2. Universalkopfhörerverstärker

Firmen wie z. B. Hearsafe oder Fischer bieten spezielle In-Ear Verstärker in unterschiedlichen Größen an. Teilweise sind diese sehr kompakt und können am Körper getragen werden. Features  können EQ, Limiter oder eine kleine Mischeinheit sein.

Abb: Universal-Kopfhörer-Verstärker: Fischer In Ear Stick

Drahtlose Einheiten: Shure P2TR112GR IN-EAR Monitoring Set

3. Drahtlose Einheiten

Diese Einheiten gibt es ab ca. 200 € aufwärts, in guter Ausführung ab ca. 800 € von z. B. dB, LD_Systems, Sennheiser oder Shure. Hier sollte man auf eine vernünftige mechanische Ausführung, sowie den passenden Sendebereich und eine variable Frequenzwahl achten (falls es zu Störungen kommt). Hier ist ebenfalls meist ein Limiter integriert der ungewollte, extrem laute Störgeräusche von den Ohren fernhält.

Abb 1: Drahtlose Einheiten: Shure P2TR112GR IN-EAR Monitoring Set

Der EW IEM G4 Twin von Sennheiser

Es gibt natürlich viele verschiedene Anbieter. Für jeden individuellen Zweck ist da das Richtige dabei. Noch ein Beispiel von Sennheiser:

Abb. 2: Der EW IEM G4 Twin von Sennheiser

3. Die 7  Vorteile von In-Ear Monitoring


1. keine Monitorboxen, keine Amps = Platzersparnis, kein Schleppen

2. nicht teurer als konventionelles Monitoring

3. Kein undifferenzierter Lärm mehr von der Bühne

4. Kein Rückkopplungspfeifen von der Monitoranlage

5. Immer der gleiche glasklare Sound, egal welche Raumakustik oder welcher Platz auf der Bühne. Dabei kann der komplette Bandsound schon im Proberaum eingestellt werden, idealerweise mit einem Digitalpult. (dazu gibts einen extra Beitrag)

6. Die Umgebungslautstärke wird reduziert. Man kann sich bei geringer Lautstärke besser hören (= keine Gehörschäden). Wichtig: Manche Firmen bieten Hörer mit einstellbarer Dämpfung an. So kann man seinen persönlichen „Stage-Anteil“ im Gesamtsound einstellen.

7. Besserer Publikumssound, da leisere Pegel gefahren werden können, der FOH Sound nicht durch lautes Monitoring zugematscht wird und die Einzelsignale “sauberer” am Pult ankommen.

4. Einige Dinge, an die man sich gewöhnen muß


Man ist abgeschlossener von der Umgebung und hört das Publikum schlechter. Die Lösung bietet hier ein Mikrofon, das, auf´s Publikum gerichtet, mit auf den Monitormix gelegt wird.

Drummer vermissen oft den typischen Punch in der Gegend um den Solar Plexus. Das läßt sich leicht durch einen Körperschallübertrager (Bodyshaker) oder einen Zusatzmonitor (mit den baßlastigen Instrumenten drauf) kompensieren.

5. Unsere Erfahrungen


Anfangs meist beratungsintensiv, da sich die gesamte Kommunikation auf der Bühne etwas ändert, und man sich im Verlauf von einigen Proben und Konzerten umgewöhnen muss. Danach eigentlich meist das Mittel der Wahl, wobei sich der Einsatz im Proberaum bestens als Eingewöhnungsphase eignet.

Als Nearfill direkt vor der Bühne setzen wir jetzt oft 2 Lautsprecher ein, die die nun fehlenden Signale generieren. Im Problemfall werden diese Lautsprecher umgedreht und als „Notmonitor“ benutzt.

Vorausschau:

In der Planung habe ich einen weiteren Beitrag, wie Ihr Euch bühnentechnisch komplett unabhängig von Eurem FOH Techniker  macht. Das ist ein bewährtes System, mit folgenden Eigenschaften: – Kompakt – schnell – immer der gleiche gute Sound – je nach Ausbaustufe super preiswert.

Was sagt Ihr zum Thema Stagemonitoring?  Schreibt uns einen Kommentar!