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Wie schreibe ich einen guten Fachartikel?

von Andreas Cattarius

Ein kleines Tutorial in 3 Schritten

Es ist noch kein Autor vom Himmel gefallen. Wir möchten den jungen talentierten Fachautoren, die bisher wenig Erfahrung beim Schreiben eines Artikels sammeln konnten, hier in unserem Portal die Chance geben, mit guten Fachartikeln einen hoffungsvollen Start in die literarische Fachwelt hinzulegen. Und denjenigen unter Euch, für die es möglicherweise eine Premiere ist, einen guten Beitrag zu veröffentlichen, geben wir hier eine kleine Anleitung in die Hand …

Ist es eigentlich schwer einen guten, das heißt einen kurzweiligen, leicht verständlichen und gleichzeitig informativen Artikel zu schreiben? Nicht so schwer wie manch einer glauben mag. Es gibt einige wichtige Grundregeln und wenn Du strategisch an das Thema herangehst, kann schon Dein erster Schreibversuch ein Erfolg werden.

1.) 7 Strategien für eine spannende Überschrift

Mit der Überschrift entscheidet es sich, ob Dein Artikel gelesen wird. Deswegen überleg´ Dir einen spannenden, aufregenden vielleicht provokanten Satz, der die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht. Dazu hier die 7 Grundregeln:

  1. Benutze konkrete Zahlen. Denn nichts ist langweiliger als vage Aussagen. Spezifische Zahlen sind interessanter und locken den Leser. Zahlen zeigen auf konkrete Punkte z.B. einer Liste und der Leser weiß jetzt was ihn erwartet – er wird neugierig. Beispiel: “53 legendäre Überschriften, die locken” oder “Machst Du auch diese 7 Fehler mit Deinem Blog?”
  1. Benutze stets ungerade Zahlen, am besten Primzahlen. Eine wissenschaftlich belastbare Erklärung dafür gibt es zwar nicht, doch es funktioniert!
  1. Den wenn Konzepte und Präsentationen erstellt werden, sind die in der Regel nach der „3-5-7-Regel“ gegliedert. Gerade für Überschriften im Web bilden „7 einfache Tipps …“, „3 goldene Regeln …“ oder „5 Wege zum …“ sog. Eyecatcher, die einen verführen drauf zuklicken. Warum bloß?
  1. “Krumme Zahlen wirken interessanter auf den Leser; es sind “Zahlen mit Charakter”, sagt Eva Ihnenfeldt, Expertin für Social Media Marketing. Vielleicht auch weil Primzahlen nicht teilbar sind?
  1. In Überschriften sollten Zahlen als Zahl geschrieben werden, das verleitet umso mehr drauf zuklicken.
  1. Interessante Adjektive. Adjektive sind das Salz der Literatur. Mit ihnen erst kann etwas spannend bzw. verlockend ausgedrückt werden. Das gilt übrigens nicht nur für Überschriften. Hier eine kleine Liste erprobter Adjektive für gute Headlines:
    • lustig oder amüsant
    • schockierend oder erschütternd
    • merkwürdig
    • einfach oder unkompliziert
    • kostenlos, großartig, attraktiv, wichtig
    • unglaublich oder erstaunlich
  • Ein Beispiel: “Wie Du Kunden gewinnst” – ist echt fad! Wie wär’s mit: “Wie Du zuverlässig und unkompliziert attraktive Kunden gewinnst” – ist doch schon wesentlich besser!
  1. Interessante Begriffe. Nicht nur Adjektive wirken, sondern auch hinweisende und interessante Begriffe. Hier eine kleine Auswahl erprobter Begriffe:
    • Geheimnisse, Strategien, Prinzipien
    • Tricks, Tipps und Techniken
    • Wege, Ideen, Fakten
  2. Deine Überschrift wirkt klarer, genauer und erzeugt so mehr Aufmerksamkeit. Beispiel: “7 Wege, um erfolgreich zu bloggen” ist doch aufregender als einfach nur “Erfolgreich bloggen”
  1. Die “W-Fragen”. Was, Wann, Warum und Wie sind die 4 Frageworte, die beantwortet werden wollen. Sie erzeugen ein indirektes Versprechen. Sie suggerieren Deinem Leser, dass er hier Antworten darauf erhält, und er liest neugierig geworden weiter.
  2. Beispiel: “Wie Du einen amüsanten Artikel schreibst” oder “Warum ist eine kurzweilige Schreibweise so interessant?”
  1. Sprich Deinen Leser direkt an! Wenn jemand an Deinem Fachartikel sitzt oder Deinen Podcast hört ist er meist alleine und ungestört. Also sprich Ihn persönlich an. Denn Du willst genau ihm allein etwas mitteilen und keiner großen Masse. So wie ich Dich hier direkt anspreche!
  2. Beispiel: “Wie Du einen guten Artikel schreibst” und nicht “Wie man gute Artikel schreibt”
  1. Erzeuge einen Widerspruch. Das ist spannend und macht neugierig. “Wie geht den das?” fragt sich der Leser und liest neugierig weiter.
  2. Zum Beispiel: “3 unangenehme Wahrheiten über Erfolg” oder “Wie ich mit diesem dummen Fehler ein Haufen Geld verdient habe”
  1. Versprich Deinem Leser etwas. Deine Überschrift verspricht immer etwas und wenn es nur das Lesen ist. Doch in unserem Fall versprechen wir Information und dieses Versprechen findet seinen Ausdruck in der Überschrift. Doch Achtung: Ein “Schlag-mich-tot-ich-werd-wahnsinnig-Supa-Dupa” Versprechen geht schnell in die Hose!
  1. Beachte dabei, wenn Du etwas versprichst, musst Du auch liefern. Der Mehrwert in Deinem Artikel ist entscheidend. Den zu bekommen ist das Ziel Deines Lesers! Hat der Leser keinen Nutzen von Deinem Artikel, ist es schnell vorbei mit der Schreiberei. Daher achte gut darauf: Was man verspricht, muss man auch halten.

2.) Die Gliederung des Themas

Ich möchte erstmal kurz auf den Begriff Gliederung eingehen – für diejenigen unter Euch die sich seit dem Deutschunterricht der Schulzeit nicht mehr mit dem Schreiben beschäftigt haben. Eine Gliederung hilft dabei, den Text zu strukturieren und ihn in eine gewisse Übersichtlichkeit zu bringen – und – dabei nichts Wichtiges zu vergessen! Die Gliederung ist eine (meist) chronologische Liste, in der die Kapitel und Unter- bzw. Zwischenüberschriften festgelegt werden. Sie wird bei langen Artikeln als Inhaltsverzeichnis eingesetzt.

Und so kannst Du eine Gliederung entwickeln:

  • Es gibt Autoren, die erst eine nebulöse Vorstellung von einem Thema entwickeln, über dass sie schreiben wollen, während sie sammeln. Hier hilft die Recherche im Internet. Du “näherst” Dich dem Thema erstmal an, indem Du eine “Ideensammlung” aufmachst, und alles was dazu passen könnte unsortiert dazupackst. Dann auf einmal wird das Ziel – also das Thema – klar, und Du fängst an zu sortieren und zu gliedern. Ein Vorteil dieser Methode: es bleiben oft gute Ideen übrig, die den Grundstock zu einem weiteren Artikel bilden können – die “Sammelwut” war also nicht umsonst! Der Nachteil allerdings: Sie braucht Zeit, diese Methode.
  • Oder das Thema steht unumstößlich fest. Du schreibst Dir zuerst mal ausführlich in der Gliederung auf, worüber du sprechen willst. Die Recherche beginnt und jetzt wird alles eingesammelt was genau zu diesen Themen paßt. Nachteil: durch die starke Fokussierung auf das definierte Thema werden gerne mal Randthemen oder nicht auf dem ersten Blick weiterführende Themenelemente übersehen. Vorteil: Klar, es geht schneller.
  • Die 3. Methode ist eher was für die erfahreren Schreiber unter Euch. Ihr habt das Thema im Kopf und wisst schon was Ihr schreiben wollt. Ich meine, ihr habt auch die Ideensammlung im Kopf schon fertig und müsst das Ganze nur noch niederschreiben. Das geht auch, nur bitte – schreibt Euch vorher eine einfache Gliederung! Denn die Gefahr hier besteht, vom Thema abzuschweifen und es entweder zu verfehlen, oder zu sehr “um den heißen Brei herum zureden”.

3.) Eine kurzweilige, interessante und gut lesbare Schreibweise

Gerade Fachliteratur kann schon manchmal recht dröge sein, und der Leser fängt an sich “durchzukämpfen”, weil er den Inhalt begreifen will. Doch Ihr könnt auch solche Fachartikel zu einem Leseerlebnis der besonderen Art machen, indem Ihr “leicht lesbar” schreibt.

Dazu gehört ein kürzerer Satzbau. Denn der Leser kann ermüden und den Faden verlieren, wenn er lang verschachtelte mit Fachwissen gespickte Sätze lesen muss. Schaut Euch mal so eine Erklärung auf Wikipedia an. Da hab´ ich schon öfter mal aufgegeben weiterzulesen, weil die Sätze und auch die Zeilen zu lang sind.

Macht auch die Absätze nicht zu groß. Es schreckt ab, einen ewig langen, dichten Block lesen zu müssen. In Zeiten des Internets zappt der interessierte Leser schnell weg und sucht sich die Information woanders um sich nicht durch diesen Block “Buchstabensalat” kämpfen zu müssen.

“Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte” – versucht komplizierte Zusammenhänge “bildhaft” darzustellen. Zum Bsp. mit der Hilfe von phantasievollen Adjektiven kann ein Bild im Kopf des Lesers entstehen. Wenn er eine (bildhafte) Vorstellung von dem bekommt was er gerade liest, wird er gerne weiterlesen.

Ich fasse noch mal kurz zusammen:

  • einfache Schreibweise, nicht zu arg verschachtelte Sätze
  • Absätze zur optischen Untergliederung
  • bildhafte Sprache mit Adjektiven – und den sogenannten rhetorischen Figuren: Wir erleben SIE in Texten jeder Art und SIE machen den Text erst wirklich lebendig. SIE lockern den Text angenehm auf, und transportieren die Bilder. Die am häufigsten benutzte Figur ist natürlich die Metapher
  • Hier eine kleine Auswahl der gebräuchlichsten rhetorischen Figuren, die für unsere Zwecke hilfreich sind, und unseren Artikel gekonnt “würzen”:
  • Die rhetorische Frage – ist eine Scheinfrage, die keine Antwort erwartet. Sie verstärkt das vorher gegebene Statement und kann auch manipulativ wirken.
  • Beispiel: “Das kannst Du schon so machen. Doch dann isses halt Kacke. Oder glaubst du etwa nicht?”
  • Die Metapher – ist eine Übertragung der Bedeutung. Der Begriff soll ein passendes Bild im Kopf erzeugen um die Bedeutung klarer zu machen.
  • Auch hierzu ein Beispiel: “Das ist nur die Spitze des Eisberges” oder ein metaphorisches Wort: Bärenstark!
  • Die Alliteration – ist eine Wiederholung des Anfangsbuchstaben oder -lautes in einem Satz.
  • Wieder ein Beispiel: “Ich bin bei Wind und Wetter Feuer und Flamme für dich!” oder weißt Du, wie ich mich winde?”
  • Die Ironie – ist eine Aussage, bei der offenkundig ist, dass sie das Gegenteil meint. Sie ist ein sehr häufig gebrauchtes Stilmittel.
  • Passendes Beispiel: “Na, du bist mir ja ein toller Freund!” oder es passiert jemand ein vermeidbares Missgeschick: “Toll gemacht! Ganz großes Tennis!”
  • Das Paradoxon – ist nur ein scheinbarer Widerspruch, denn die Behauptung scheint nur auf den ersten Blick widersinnig. Bei näherer Betrachtung jedoch zeigt sich was wirklich gemeint ist. Das Paradoxon ist gut brauchbar bei pseudophilosophischen Betrachtungen.
  • Auch hier ein brauchbares Beispiel: „Das Leben ist der Tod, der Tod ist das Leben!“ oder ein Beispiel aus der Architektur/Gestaltung: “Less is more” (weniger ist mehr)

4.) Fazit:

Wie ich zu Beginn meines Artikels schon angemerkt habe, ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Doch wenn Ihr die paar grundsätzlichen Ratschläge hier beherzigt und irgendwann verinnerlicht, könnt Ihr schon bald erfolgreich kleinere Artikel schreiben, die dem Leser gefallen werden.

Die Übung kommt beim Schreiben, und wenn Euch das Schreiben Spass macht, werdet Ihr auch gut werden. Achtet dabei auch immer auf die Feedbacks, die Ihr in unserem Forum bekommt. Gebt Eure Fachartikel Freunden zu lesen und bittet sie um ihre Meinung. Positive wie negative konstruktive Kritik hilft Dir immer weiter.

So, und jetzt – haut rein!